Kommentare

Nun ist das Buch »Geprügelte Generation« schon seit Anfang 2012 auf dem Markt – und die Resonanz ist überwältigend. Als ich es schrieb hoffte ich natürlich, es würde viele Menschen berühren, das Schweigen über diesen Teil unserer Vergangenheit durchbrechen. Das scheint gelungen, wie u.a. die Kommentarseite hier auf dieser Website zeigt. Wie aber auch die vielen Diskussionen deutlich machen, die ich nach Lesungen oder auch privat seit Monaten zu diesem Thema führe. Es wirkt auf mich, als wäre ein Bann gebrochen, als hätte ich eine  Blase aufgestochen.

Inzwischen  haben wir genügend Menschen gefunden, die bereit sind, auch bei einem Fernsehfilm vor der Kamera ihre Geschichte zu erzählen. Danke für Ihren Mut!.

Ich danke noch einmal für das mir entgegen gebrachte Vertrauen, das sich durch jede Mail, durch jeden Brief ausdrückt, den der Verlag Klett-Cotta – aber auch ich – seit Erscheinen des Buches bekommen haben. An dieser Stelle möchte ich Sie alle um Verständnis dafür bitten, dass ich nicht auf alle Briefe und Mails ausführlich eingehen kann. Wer gerne mit anderen Menschen in Kontakt treten möchte, wer sich über das als Kinder Erlebte austauschen will – der hat ja hier auf dieser Seite die Gelegenheit dazu. Und – wie Sie sehen – diese Gelegenheit wird ja auch wahrgenommen. Ich kann sie nur ermuntern, dies auch zu tun.

Mit ganz herzlichen Grüßen verbleibe ich
Ihre Ingrid Müller-Münch


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Das neue Buch von Ingrid Müller-Münch »Sprengsatz unterm Küchentisch. Wenn die Frau das Geld verdient« ist erhältlich!

Längst ist ein neues Beziehungszeitalter angebrochen: Bei jedem zehnten Paar in Deutschland ist es inzwischen die Frau, die die Familie ernährt. Ingrid Müller-Münch zeigt, wie heutige Paare mit dieser neuen Situation umgehen und kommt zu überraschenden Ergebnissen.
Für das Buch wurde ebenfalls eine Homepage eingerichtet, die sich hier findet. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

433 Beiträge bei “Kommentare

  1. Ich habe das Buch (noch) nicht gelesen, aber ich gehöre auch dazu. Mein Vater (der genauso gut mein Großvater hätte sein können) war sowohl traumatisiert durch Kriegsgefangenschaftserlebnisse in der SU als auch religiös völlig durchgedreht. Fundamentalistisches Christentum (evangelischer bzw. evangelikaler Art). Da hatte er dann noch die “Erlaubnis von oben”, so zu handeln. Leider ist schwer, Hilfe für die Folgeschäden, die man hat, zu bekommen. Hab allerdings einen Antrag nach OEG laufen, aber das dauert und dauert…

  2. Ein gutes Buch, danke dafür.
    1971 geboren kannte ich Schläge nur von meinen Klassenkameraden und Kameradinnen bis zu meinem 9. Lebensjahr. Meine Mutter war bis dahin gegen Gewalt in der Erziehung. Ihre beste Freundin eine pensionierte Lehrerin hatte andere Ansichten von Erziehung und wollte sie mit Nachhilfe unterstützen da meine Noten sehr schlecht waren. Sie hat solange auf meine Mutter eingesprochen, bis Sie mich nach einer 5 in einem Diktat kurzerhand zur Nachhilfe schickte. Das erste was ich dort lernte war, dass meine Nachhilfelehrerin mehrere biegesame Rohrstöcke hatte. Das zweite was ich lernte war, das diese für die Bearbeitung von Handflächen und den Hintern bestimmt waren. Das dritte was ich lernte war, dass ich mehrere Stöcke für meine Mutter mit nach Hause nehmen durfte. Und das vierte das ich lernte, war, dass auch meine Mutter wusste diese anzuwenden, was ich zu Hause angekommen, auch gleich verspüren durfte.
    Das einzige was mich heute tröstet ist die Tatsache das meine Noten besser wurden. Rohrstöcke und Prügel hätte es aber dafür nicht gebraucht. Normale Nachhilfe hätte gereicht.

    • Ich fasse es nicht. Ich habe selber Kinder in dem Alter. Ich hätte nie gedacht, dass es zu der Zeit immer noch so schlimm ist. Mein Gott mir wird langsam einiges klar… Was ist wohl immer noch los in diesem Land.

      Ich selber war immer gegen Gewalt habe meine Kinder nie geschlagen oder anderweitig Gewalt verwendet.

      Ich selber musste von meinmen Eltern viel Gewalt einstecken. Mein Vater meint heute noch ihm hätte das nicht geschadet.

      Nun denn…
      Dummheit stirbt offenbar (hier) nicht aus. Solange zu viele … mitmachen…

      Alles, alles Liebe und Frieden, damit Mitmenschlichkeit und echte Freiheit wachsen kann.

  3. “Der Papst würde seine eigenen Kinder schlagen.”

    So lautet die Überschrift eines Artikels von heute Freitag im “Tagesanzeiger”!

    Und weiter heisst es dort:

    “Das Kirchenoberhaupt als Pädagoge: Franziskus erklärte bei einer Generalaudienz, dass er die körperliche Züchtigung der eigenen Kinder in Ordnung finde. Nur solle es dabei mit Würde zugehen.”

    http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Der-Papst-wuerde-seine-eigenen-Kinder-schlagen/story/25792300

    Ich fass es nicht, was dieser Mann da von sich gab, aber wundern tut es mich auch nicht.

    • Sie haben vollkommen recht! Die Äußerungen des Papstes können nicht unwidersprochen bleiben. Argumente genug hiergegen gibt es in meinem Buch »Die geprügelte Generation«. Wer es gelesen hat, wer so etwas erlebt hat, weiß: Ein Kind, das geschlagen wird, verliert immer seine Würde. Immer. Egal, wohin der Schlag geht. Ich weiß nicht, was den Papst zu seinen Äußerungen veranlasst hat, aber sie sind derart kontraproduktiv in einer Debatte, die eigentlich schon zu ganz anderen Ergebnissen geführt hat. Kein Kind darf nie und nimmer geprügelt werden. Nie und nimmer. Herzlich, Ihre Ingrid Müller-Münch

      • Unglaublich so unglaublich aber war. ich bin jetzt über 60 Jahre. Ihr glaubt nicht was heute noch bei und mit mir los ist – meine Kraft, Stärke und gesunder und wirklich sozialer Menschenverstand helfen mir und anderen. Ich möchte nicht mehr darüber nachdenken wer ich wäre, wenn mir das alles nicht passiert wäre. – Auch verstehe ich den angeblich sozialen Staat gar nicht. – Denn es ist möglich (in allen Bereichen) etwas zu ändern. – Wird der Mensch wirklich gesehen? LG – einen schönen Sonntag.

    • Hallo Mario,

      danke für die Links!

      Es ist wirklich haarsträubend, was der Papst da von sich gegeben hat! Kaum zu glauben, dass so etwas im Jahr 2015 noch möglich ist!!!

      Herzliche Grüße

      Sylvie

  4. Hallo, ich bin 1981 als Kind solcher 50er Jahre “Menschen” geboren.
    Ich wurde in meiner Kindheit geschlagen, seelisch mißhandelt, gewürgt, mit dem Tode bedroht usw.
    Weiterhin bin ich unter großem Psychoterror aufgewachsen von dem ich glaube, dass er seinen Ursprung im 2. Weltkrieg hat (man nennt dies transgenerationale Traumawiedergabe) und aufgrund dessen ich bis heute unter diffusen Angstzuständen leide.
    Meine Eltern sind heute über 60 und je älter sie wurden desto verrückter, psychotischer und egoistscher sind sie geworden.
    Leider sind sie auch nicht in der Lage ihre eigenen Defizite zu erkennen und projizieren ihre Eigenschaften, welche sie an sich selbst ablehnen, auf ihre Kinder.
    Teilweise kann ich die (an mich) weitergegebenen Traumata bis in die Kindheit meiner Großmutter zurückverfolgen.
    Meine Ursprungs-Familie ist durch Intrigen und Hass mittlerweile völlig zerstört- ich könnte ein Buch darüber schreiben, die Geschichten sind teilweise wirklich kaum zu glauben.

    Die Website ist sehr interessant, leider haben es die Eltern welche in den 50er und 60er Jahre als Kriegskinder geboren wurden auch nicht geschafft ihre Traumata zu verarbeiten und damit nicht an ihre Kinder weiterzugeben…

    Liebe Grüße, Eva.

  5. Sehr interessant was hier kommuniziert wird und vieles davon offenbar endlich leben (ausgesprochen) darf. Auch ich könnte ein Lied singen und viel begleitet mich auch im Alter mitunter immer noch.

    Auch denke ich manchmal, wenn ich mich einmal umschaue und genau hinsehe, dass die Kleidung modern entwickelt erscheint… jedoch…

    Nun denn: Ich finde es ist enorm wichtig, offen, kritisch zu sein. Wenn nötig auch hilfreich zur Seite stehen und die positive freudvolle Lebensenergie behalten, halten und anderen menschen schenken.

    Viele Liebe Grüße
    Sigi

  6. Mein Name ist Sylvie Noelle Martin. Ich bin 51 Jahre alt und wohne in der Nähe von Konstanz. Ich bin in der Kindheit misshandelt worden und leide unter einer “komplexen posttraumatischen Belastungsstörung”.

    Ich möchte einen Verein gründen, der sich für die Rechte von Misshandlungsopfern einsetzt und über die schlimmen Folgen von Kindesmisshandlung informiert. Ich suche engagierte Leute, die ähnliche Ziele haben wie ich.

    Das sind meine Ziele:

    1. Unverjährbarkeit von Kindesmisshandlung

    2. Ich möchte darüber informieren, dass Kindesmisshandlung schlimme Folgen für die Betroffenen und für die ganze Gesellschaft hat.

    3. Eine bessere Ausbildung und Fortbildung für Psychiater, Psychotherapeuten, Berufsbetreuer und Sozialarbeiter. (Die meisten wissen zu wenig über die Folgen von Kindesmisshandlung und über die „komplexe posttraumatische Belastungsstörung“.)

    4. In den Niederlanden haben komplex traumatisierte Menschen mindestens vier Jahre lang zwei Therapiestunden pro Woche, also ungefähr 400 Stunden. So sollte es in Deutschland auch sein.

    5. In jeder psychiatrischen Klinik sollte eine separate Station für Gewaltopfer eingerichtet werden, auf der Ärzte und Therapeuten sich mit Psychotraumatologie auskennen. Auf diesen Stationen sollte es für diejenigen Gewaltopfer, die Angst haben, mit einem fremden Menschen ein Zimmer zu teilen, Einzelzimmer geben. Die Zimmer sollten abschließbar sein, damit die Gewaltopfer sich nachts sicher fühlen können.

    6. Beratungsstellen für Misshandlungsopfer sollten eingerichtet werden, wo sie kurzfristig Termine bekommen und auch telefonisch oder per E – Mail beraten werden können.

    7. Auf der Homepage des Vereins, den ich gründen möchte, sollte über neuere wissenschaftliche Erkenntnisse (z.B. der Hirnforscher) zum Thema “Folgen von Kindesmisshandlung” und über verschiedene Therapiemethoden berichtet werden.

    8. Gewaltopfer, die eine Opferentschädigung beantragen, werden oft von Versorgungsämtern und Sozialgerichten schikaniert, ungerecht behandelt und retraumatisiert. Das möchte ich ändern.

    Der Verein, den ich gründen möchte, könnte Pressemitteilungen und offene Briefe schreiben, Petitionen beim Deutschen Bundestag einreichen oder auch Demonstrationen und Mahnwachen organisieren, um seine Ziele zu erreichen.

    Bei bestimmten Themen, die auch andere komplex traumatisierte Menschen betreffen (z.B. Opferentschädigung, bessere und längere Therapien), könnte der Verein mit anderen Opfervereinen zusammenarbeiten.

    Ich bin auf die Idee gekommen, einen Verein zu gründen, weil ich in den letzten 30 Jahren oft von Psychiatern, Psychotherapeuten und von meinen Mitmenschen retraumatisiert wurde, statt Hilfe zu bekommen. In den letzten fünf Jahren habe ich immer wieder Mails von Besuchern meiner Homepage bekommen, denen es genauso ergangen war. Sie berichteten mir von schlechten Erfahrungen mit Psychiatern, Psychotherapeuten, Sozialarbeitern und anderen Mitmenschen, die ihr Leid nicht ernst nahmen. Die Besucher meiner Homepage klagten darüber, dass das, was ihnen in der Kindheit angetan worden war, von Psychiatern und Psychotherapeuten ignoriert, verleugnet oder verharmlost wurde. Einige Misshandlungsopfer waren beschuldigt worden, selbst dafür verantwortlich zu sein, dass es ihnen schlecht ging. Ärzte und Therapeuten sollen „unfreundlich und arrogant“ gewesen sein, die Misshandlungsopfer hätten sich „flapsige Kommentare und dumme Sprüche“ anhören müssen, und die Ärzte und Therapeuten seien gleichgültig gewesen und hätten ihre Patienten von oben herab behandelt.

    Immer wieder wurde mir von Misshandlungsopfern und anderen komplex traumatisierten Menschen berichtet, dass sie von professionellen Helfern und von ihren Mitmenschen retraumatisiert worden waren, sodass ihnen nichts anderes übrig blieb, als sich zurückzuziehen und sehr isoliert zu leben, um nicht noch mehr verletzt zu werden.

    Viele Opfer von Kindesmisshandlung erzählten mir, dass sie in Armut leben müssten. Sie lebten von HARTZ 4 oder einer niedrigen Erwerbsunfähigkeitsrente. Einige Empfänger von HARTZ 4 beklagten sich darüber, dass sie von Mitarbeitern des Sozialamtes bzw. Jobcenters gedemütigt und retraumatisiert worden waren.

    Für mich ist es unbegreiflich, dass Menschen, die in der Kindheit jahrelang von ihren eigenen Eltern gequält wurden, keine Hilfe bekommen, sondern von Ärzten, Therapeuten und ihren Mitmenschen gedemütigt und retraumatisiert werden.

    Ich will damit nicht sagen, dass es nur schlechte Psychiater und Psychotherapeuten gibt. Es gibt sicherlich auch gute, aber es sind leider zu wenige.

    Ich habe zum größten Teil schlechte Erfahrungen mit Psychiatern, Psychotherapeuten und meinen Mitmenschen gemacht und bin in den letzten dreißig Jahren oft retraumatisiert worden. Retraumatisiert wurde ich auch durch das Versorgungsamt und das Sozialgericht, weil ich einen Antrag auf Opferentschädigung gestellt habe. Ich wurde z.B. zusammen mit meiner Mutter, die mich in der Kindheit schwer misshandelt hatte, vorgeladen. Meine Mutter wurde gefragt, ob es wahr sei, dass sie mich misshandelt hatte. Sie bezeichnete mich als „Lügnerin“. Nach dieser Verhandlung war ich monatelang in einem schlimmen Zustand.

    Glücklicherweise gibt es heute Vereine für Opfer von sexueller Gewalt und Vereine für ehemalige Heimkinder, sodass diese Gewaltopfer sich gegenseitig helfen können. Sie können gemeinsam für Gerechtigkeit und für bessere Lebensbedingungen kämpfen und die Gesellschaft auf ihre Not aufmerksam machen. Doch es gibt keinen einzigen Verein für erwachsene Opfer von Kindesmisshandlung. Das möchte ich ändern.

    Ich möchte erreichen, dass Misshandlungsopfer nicht am Rand der Gesellschaft und in Armut leben müssen und bessere Therapien machen können. Es ist einfach absurd, dass Krankenkassen viel Geld für Therapien bezahlen, die komplex traumatisierten Menschen oft mehr schaden als helfen.

    Ich bin der Meinung, dass die Öffentlichkeit endlich über die schlimmen Folgen von Kindesmisshandlung und das Leid der Opfer informiert werden muss. Viele Menschen wissen nicht, dass Kinder durch Schläge schwer traumatisiert werden.

    Ich glaube, dass die Arbeit des Vereins, den ich gründen möchte, indirekt auch den Kindern helfen könnte, die heute misshandelt werden, denn wenn die Menschen in Deutschland mehr über die schlimmen Folgen von Kindesmisshandlung wüssten, wären sie wahrscheinlich eher dazu bereit, das Jugendamt zu benachrichtigen, wenn in der Nachbarschaft ein Kind misshandelt oder vernachlässigt wird. Da es aber bereits mehrere Vereine gibt, die sich für den Schutz von Kindern einsetzen, sollte das Hauptanliegen dieses Vereins sein, für die Rechte von erwachsenen Misshandlungsopfern zu kämpfen, die durch Therapien retraumatisiert werden, deren Leid von ihren Mitmenschen und von der Gesellschaft nicht anerkannt wird und die in Armut leben müssen, weil sie wegen ihrer schweren seelischen Erkrankung nicht arbeitsfähig sind.

    Der Verein, den ich gründen möchte, sollte den Opfern von Kindesmisshandlung, denen niemand zuhört und die in unserer Gesellschaft ein Schattendasein führen, eine Stimme geben.

    Auf der Homepage des Vereins sollen Misshandlungsopfer die Möglichkeit haben, über ihre Kindheit zu berichten und über ihre Erfahrungen mit Psychiatern, Psychotherapeuten, Sozialarbeitern, Betreuern, dem Sozialamt (Jobcenter), den Versorgungsämtern und den Sozialgerichten. Außerdem könnten Misshandlungsopfer von ihren Problemen mit Nachbarn, Bekannten und Angehörigen erzählen.

    Für diejenigen Misshandlungsopfer, die schlechte Erfahrungen mit Ärzten, Therapeuten und ihren Mitmenschen gemacht haben, wäre es wahrscheinlich eine große Hilfe, wenn sie auf der Homepage des Vereins lesen könnten, dass sie nicht die einzigen sind, die von Ärzten und Therapeuten nicht verstanden oder sogar gedemütigt und retraumatisiert wurden und die von ihren Mitmenschen verletzende Bemerkungen zu hören bekommen.

    Der Verein könnte eine Umfrage machen und Misshandlungsopfer und andere komplex traumatisierte Menschen nach ihren Erfahrungen mit Psychiatern und Psychotherapeuten fragen. Diese Erfahrungsberichte könnte der Verein dann zusammen mit einem „offenen Brief“ an die Bundesverbände der Psychiater und Psychotherapeuten schicken und bessere Therapien fordern.

    FOLGEN DER MISSHANDLUNG IN DER KINDHEIT

    Die meisten Menschen in Deutschland wissen nicht, wie groß das seelische Leid von erwachsenen Misshandlungsopfern ist. Sie haben keine Vorstellung von dem großen Schaden, den Eltern verursachen, wenn sie ihre Kinder misshandeln. Die meisten Leute können sich auch nicht vorstellen, dass erwachsene Misshandlungsopfer unter einer schweren seelischen Erkrankung leiden, die sie daran hindert, ein normales Leben zu führen.

    Der Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Andreas Krüger sagt in einem Interview mit dem „Stern“, dass Menschen, die in der Kindheit schwer traumatisiert wurden, unter Depressionen, Essstörungen, Schlafstörungen, Albträumen, Ängsten, Panikattacken, zermürbenden Erinnerungen und immer wiederkehrenden Suizidgedanken leiden. Dr. Andreas Krüger sagt in diesem Interview auch Folgendes:

    „Viele der Betroffenen haben Schwierigkeiten, sich überhaupt auf Beziehungen einzulassen. Studien weisen zudem darauf hin, dass frühkindliche Traumatisierungen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, sozial zu scheitern, nicht in der Lage zu sein, zu arbeiten. Auch das Risiko von Alkohol – und Drogensucht steigt beträchtlich.“

    Nach neueren Ergebnissen der Hirnforschung werden das Gehirn und das Stresshormonsystem von misshandelten Kindern durch den extremen Stress, dem sie jahrelang ausgesetzt sind, geschädigt. Es entstehen “Narben” im Gehirn. Der Hirnstoffwechsel und das Stresshormonsystem funktionieren nicht richtig, was noch im Erwachsenenalter Depressionen, ständige Angst und Unruhe und Panikattacken zur Folge hat.

    Misshandlungsopfer haben ein um 50 Prozent höheres Krebsrisiko und ein um 45 Prozent höheres Risiko, Herzerkrankungen zu entwickeln.

    Das ist nur ein kurze Zusammenfassung der schlimmen Folgen für die körperliche und seelische Gesundheit von Menschen, die in der Kindheit misshandelt wurden. Auf der Homepage des Vereins, den ich gründen möchte, sollte darüber ausführlich berichtet werden.

    RETRAUMATISIERUNG

    Viele Menschen, die unter einer „komplexen posttraumatischen Belastungsstörung“ leiden, weil sie in der Kindheit schwer misshandelt wurden, sind nicht arbeitsfähig.

    In den letzten fünf Jahren habe ich oft Mails von Besuchern meiner Homepage bekommen. Menschen, die in der Kindheit schwer misshandelt worden waren, erzählten mir von Nachbarn, Bekannten, Verwandten und sogar von Psychiatern und Psychotherapeuten, die ihnen den Vorwurf gemacht hatten, sie seien zu faul, um zu arbeiten. Diese Demütigung hatte bei den Misshandlungsopfern zu Zusammenbrüchen und schweren Krisen geführt.

    Da ich auch schon oft von Psychiatern und Psychotherapeuten und meinen Mitmenschen nicht verstanden oder sogar gedemütigt und retraumatisiert wurde, möchte ich auf der Homepage des Vereins, den ich gründen möchte, über die schlimmen Folgen von Kindesmisshandlung aufklären und darüber, wie man mit komplex traumatisierten Menschen umgehen sollte.

    Komplex Traumatisierte werden retraumatisiert, wenn man sie nicht ernst nimmt, wenn man ihnen „Selbstmitleid“ unterstellt oder wenn man sie als „faul“ bezeichnet, weil sie nicht arbeiten können.

    Ich möchte mich dafür einsetzen, dass komplex traumatisierte Menschen von Psychiatern, Psychotherapeuten, Sozialarbeitern, Betreuern, Gutachtern, Gerichten und von ihren Mitmenschen verständnisvoll, gerecht und respektvoll behandelt werden.

    Der Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther sagt in einem Vortrag über die Folgen traumatischer Kindheitserfahrungen:

    „Es ist wichtig, dass man vor allen Dingen eines nicht macht, nämlich die Gewaltopfer aus Unkenntnis zu retraumatisieren, indem man ihr Problem gar nicht richtig ernst nimmt, indem man so tut, als sei das nichts weiter. Dann wird ihnen zum zweiten Mal gezeigt, dass sie in dieser Welt keinen richtigen Platz haben.“

    Leider ist die Retraumatisierung von Gewaltopfern in unserer Gesellschaft an der Tagesordnung. Es gibt nur wenige Menschen, die genug Einfühlungsvermögen haben, um sich Gewaltopfern gegenüber angemessen zu verhalten.

    Das sind typische Reaktionen von Mitmenschen, wenn sie erfahren, dass jemand in der Kindheit misshandelt wurde und noch als Erwachsener darunter leidet oder sogar arbeitsunfähig ist:

    „Hör’ auf zu simulieren!“
    „Vergiss es doch einfach!“
    „Werd’ endlich erwachsen!“
    „Wenn du nur wirklich willst, dann…“
    „Deine Kindheit ist doch längst vorbei!“
    „Schau nach vorn und nicht nach hinten!“
    „Du warst bestimmt ein schwieriges Kind!“
    „Deine Eltern haben es sicher nur gut gemeint!
    „Deine Mutter war überfordert und konnte nicht anders!“
    „Könnte es sein, dass du Selbstmitleid hast?“
    „Du bist nicht krank! Du hast keine Lust, zu arbeiten!“
    „Du willst nur keine Verantwortung für dein Leben übernehmen!“

    Die Besucher meiner Homepage schrieben mir, dass solche Aussagen ihnen sehr wehgetan hätten. Sie fühlten sich unverstanden und alleingelassen. Es sei „wie ein Schlag ins Gesicht“ gewesen. Sie hätten das Gefühl gehabt, „noch zusätzlich eins drauf zu bekommen“.

    Durch all diese Sprüche werden komplex traumatisierte Menschen retraumatisiert. Die Besucher meiner Homepage berichteten mir, dass sie immer misstrauischer geworden seien und sich immer mehr von anderen Menschen zurückgezogen hätten, um nicht noch mehr verletzt zu werden und um sich nicht ständig rechtfertigen zu müssen.

    Es ist mir auch schon oft passiert, dass Leute, die fast nichts von mir wussten, geglaubt haben, sich ein Urteil über mich erlauben zu können. Ich musste mir oft anhören, dass ich Selbstmitleid hätte, dass ich zu faul sei, um zu arbeiten, und dass ich meiner Krankenkasse zur Last fallen und zu hohe Kosten verursachen würde.

    Wenn ich anderen Leuten gesagt habe, dass ich in der Kindheit misshandelt wurde und heute noch darunter leide, habe ich u.a. Folgendes zu hören bekommen:

    „Manche Kinder werden sexuell missbraucht. Das ist viel schlimmer!“

    „Ich kenne eine Frau, deren Mann während des Krieges erschossen wurde. Das ist viel schlimmer!“

    „Ich habe eine Freundin, die im Jahr 1945 mit ihren Eltern vor den Russen flüchten musste. Das ist viel schlimmer!“

    „Ich kenne einen Mann, der nur 1,20 Meter groß ist. Der hätte wirklich einen Grund sich zu beklagen!”

    Wenn man einem komplex traumatisierten Menschen sagt, dass das, was ihm angetan wurde, “nicht so schlimm” sei, dann ist das eine Retraumatisierung.

    Angelika Birk schreibt in ihrer Doktorarbeit:

    „Im Verständnis traumatischer Sequenzen sind nicht nur die Gewaltübergriffe traumatogen, sondern auch die unterlassene Hilfestellung oder Anerkennung durch nahestehende Menschen und die ablehnenden und ungläubigen gesellschaftlichen Reaktionen. Die Atmosphäre des Verleugnens traumatisiert das Opfer zusätzlich und verstärkt die Folgen der Gewalt.“

    Alle komplex traumatisierten Menschen, die ich bisher kennengelernt habe, waren völlig unauffällig. Man konnte ihnen den seelischen Schmerz, ihre Ängste und ihre Verzweiflung nicht ansehen. Sie haben in ihrer Kindheit lernen müssen, sich zusammenzureißen, weil ihre Eltern das von ihnen erwartet haben.

    Psychiater und Psychotherapeuten müssten heutzutage eigentlich wissen, dass komplex traumatisierte Menschen völlig unauffällig sein oder sogar sehr selbstbewusst auftreten können, womit sie sich schützen wollen. Mir wurde oft von Besuchern meiner Homepage berichtet, dass Psychiater und Psychotherapeuten Opfern von Kindesmisshandlung und sexueller Gewalt wegen ihres selbstbewussten Auftretens in Vorgesprächen nicht geglaubt hätten, dass sie in der Kindheit Gewalt erlebt hatten und unter einer „komplexen posttraumatischen Belastungsstörung“ litten. (Das habe ich auch selbst erlebt.) Unter diesen Therapeuten waren auch Traumatherapeuten, die eigentlich wissen müssten, dass komplex Traumatisierte in einer fremden Umgebung und in einem Gespräch mit einem fremden Menschen viel Angst haben und sich zusammenreißen oder besonders selbstbewusst auftreten, weil sie dann das Gefühl haben, weniger verletzt werden zu können. Ein in der Kindheit schwer traumatisierter Mensch kann sich wie ein vernünftiger und selbstbewusster Erwachsener verhalten und sich gleichzeitig wie ein völlig hilfloses Kind fühlen. Wie kann es sein, dass selbst Traumatherapeuten so etwas nicht wissen?

    Auf der Homepage des Vereins, den ich gründen möchte, möchte ich über die „komplexe posttraumatische Belastungsstörung“ aufklären. Ich möchte klarmachen, dass es sich dabei um eine der schwersten seelischen Erkrankung handelt, die es gibt.

    Ich möchte mich dafür einsetzen, dass komplex traumatisierte Menschen respektvoll behandelt werden und Hilfe, Mitgefühl, Verständnis, Solidarität und Anerkennung von ihren Mitmenschen und von Psychiatern und Psychotherapeuten bekommen, weil sie ohne Anerkennung und Solidarität nicht gesünder werden können.

    Es ist die Aufgabe des Staates und der Gesellschaft, Misshandlungsopfern und anderen komplex traumatisierten Menschen die Würde zurückzugeben, die ihnen in der Kindheit geraubt wurde.

    Ein Staat, der komplex traumatisierte Menschen in Armut leben lässt, ist kein humaner Staat. Und eine Gesellschaft, die komplex traumatisierte Menschen ausgrenzt, statt ihnen zu helfen, ist keine humane Gesellschaft.

    Wir leben in einer Gesellschaft, in der komplex traumatisierte Menschen viel häufiger retraumatisiert werden, als Anerkennung und Solidarität zu erfahren. Meiner Meinung nach können komplex traumatisierte Menschen nur durch Anerkennung, Solidarität und soziale Unterstützung gesünder werden.

    Die Traumatherapeutin Judith Herman schreibt in ihrem Buch „Die Narben der Gewalt“:

    „Damit das Opfer den Glauben an eine sinnvolle Ordnung der Welt zurückgewinnen kann, muss es die traumatische Erfahrung mit anderen teilen. Dabei sucht es nicht nur bei den nächsten Angehörigen Hilfe, sondern auch im weiteren Umfeld der Gesellschaft.

    Die Reaktion der Gesellschaft hat einen großen Einfluss auf die endgültige Bewältigung des Traumas. Der Riss zwischen Traumatisiertem und der Gesellschaft kann nur gekittet werden, wenn erstens die Gesellschaft das traumatische Ereignis als solches anerkennt, und zweitens die Gesellschaft in irgendeiner Form handelt.

    Ist einmal öffentlich anerkannt, dass jemandem Gewalt angetan wurde, muss die Gesellschaft handeln: Sie muss den Verantwortlichen für den Schaden suchen und den Schaden wiedergutmachen. Diese beiden Reaktionen – Anerkennung und Wiedergutmachung – sind notwendig, damit das Opfer wieder an Gesetz und Ordnung glauben kann.“

    PSYCHOTHERAPIE

    Schlecht ausgebildete (Trauma-) Therapeuten verursachen ein noch größeres Leid statt ihren Patienten zu helfen. Krankenkassen zahlen zu viele Therapien, die mehr schaden als helfen. Meiner Meinung nach müssten die Leistungen von Psychotherapeuten sehr viel besser kontrolliert werden.

    Ich möchte erreichen, dass Psychiater und Psychotherapeuten…

    … ihre komplex traumatisierten Patienten nicht von oben herab behandeln.

    … ihre komplex traumatisierten Patienten ernst nehmen und das
    Furchtbare, das ihnen in der Kindheit angetan wurde, nicht ignorieren, verleugnen und verharmlosen. Sie sollten die Täter nicht in Schutz nehmen und nicht fordern, dass die Opfer ihnen verzeihen.

    … ihre komplex traumatisierten Patienten nicht überfordern, sondern sie dort abholen, wo sie gerade stehen.

    … ihre komplex traumatisierten Patienten nicht durch Vorwürfe oder Demütigungen retraumatisieren.

    … sich mit ihren komplex traumatisierten Patienten solidarisieren.

    Die Traumatherapeutin Judith Herman ist der Meinung, dass ein Therapeut solidarisch mit seinen schwer traumatisierten Patienten sein sollte. Sie schreibt:

    „Die moralische Haltung des Therapeuten ist von immenser Bedeutung. Es reicht nicht aus, wenn der Therapeut einfach nur einen ‘neutralen’ oder ‘unparteiischen’ Standpunkt bezieht. Er muss seinem Patienten gegenüber eine eindeutige Haltung der moralischen Solidarität einnehmen.“

    OPFERENTSCHÄDIGUNG

    Gewaltopfer, die eine Opferentschädigung beantragen, werden oft von Versorgungsämtern und Sozialgerichten schikaniert und retraumatisiert. Darüber wurde am 7. März 2013 in der Sendung “Panorama” (NDR) berichtet:

    http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2013/operentschaedigung101.html

    Ich möchte erreichen, dass beim Sozialgericht Täter nicht gemeinsam mit Opfern vorgeladen werden – es sei denn die Opfer sind so selbstbewusst und mutig, dass sie den Tätern gegenübertreten wollen, um ihnen zu zeigen, dass sie keine Angst mehr vor ihnen haben. Ich glaube aber, dass die meisten komplex traumatisierten Menschen das nicht wollen und eine panische Angst davor haben, sich zusammen mit dem Täter im gleichen Gerichtssaal aufzuhalten. Dann sollten Täter und Opfer an zwei verschiedenen Tagen vorgeladen werden.

    Täter sollten bei Sozialgerichten nicht als „Zeugen“ vorgeladen werden, weil sie kein Interesse daran haben können, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

    Das Opferentschädigungsverfahren müsste verkürzt und vereinfacht werden, weil viele Opfer zehn oder zwölf Jahre lang (oder sogar noch länger) warten müssen, bis eine Entscheidung getroffen wird. Diese lange Wartezeit führt dazu, dass die Opfer sich immer wieder mit dem, was ihnen angetan wurde, auseinandersetzen müssen und nicht zur Ruhe kommen können.

    Versorgungsämter und Sozialgerichte sehen die Diagnosen „Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung“ und „komplexe posttraumatische Belastungsstörung“ nicht als Beweis dafür an, dass jemand in der Kindheit Gewalt erlebt hat. Das möchte ich ändern.

    Ich finde es auch ungerecht, dass manche Opfer zwar beweisen können, dass sie in ihrer Kindheit schwer traumatisiert wurden, aber dass sie dann trotzdem keine Opferentschädigung bekommen, weil ein Gutachter der Meinung ist, dass ihre seelische Erkrankung zu 51 Prozent die Folge eines „Milieuschadens“ sei und nur zu 49 Prozent die Folge der Gewalttaten.

    ZÜCHTIGUNGSRECHT

    Bis zum Jahr 2000 durften Eltern in Westdeutschland ihre Kinder schlagen, wenn sie “mit Erziehungswillen“ handelten. (In der ehemaligen DDR gab es glücklicherweise ein Züchtigungsverbot.)

    Weitere Informationen über das damals gültige Züchtigungsrecht:

    http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rperstrafe

    Viele Menschen, die zwischen 1950 und 2000 in Westdeutschland geschlagen wurden, sind heute seelisch krank. Sie können ihre Eltern nicht verklagen, weil bereits alles verjährt ist. Wenn sie eine Opferentschädigung beantragen, stehen sie vor dem fast unlösbaren Problem, beweisen zu müssen, dass sie schwerer misshandelt wurden, als es damals gerade noch zulässig war.

    Noch Anfang der 1990er Jahre fanden die Bundesrichter in Karlsruhe es in Ordnung, dass ein Kind mit einem Gartenschlauch verprügelt worden war:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13490875.html

    Ich möchte erreichen, dass der deutsche Staat dieses Gesetz, das bis zum Jahr 2000 gültig war, als Unrecht und als ein jahrzehntelanges Verbrechen an Kindern anerkennt, um den Opfern ihre Würde zurückzugeben und um ihnen zu ermöglichen, eine Opferentschädigung zu bekommen.

    Seit dem Jahr 1949 haben alle Menschen in Deutschland ein Recht auf körperliche Unversehrtheit – alle, außer den Kindern, die doch ganz besonders schutzbedürftig sind.

    Seit dem Jahr 1949 ist angeblich die Würde des Menschen unantastbar – außer der Würde der Kinder, die zwischen 1949 und 2000 misshandelt werden durften, weil ihre Eltern sie angeblich nicht anders erziehen konnten.

    Da Kinder eindeutig auch Menschen sind, müssten sie in den Jahren zwischen 1949 und 2000 auch ein Recht auf körperliche Unversehrtheit gehabt haben, und auch ihre Würde müsste unantastbar gewesen sein. Da Kinder diese Rechte damals nicht hatten, muss der Staat sich für dieses unmenschliche Gesetz, dass die Misshandlung von Kindern möglich gemacht hat, entschuldigen und das Gesetz nachträglich für ungültig erklären. Die Opfer dieses Gesetzes müssen entschädigt werden.

    WÜRDE

    Es ist mir sehr wichtig, dass den Menschen, die in der Kindheit seelisch und körperlich misshandelt wurden und deren Persönlichkeit und / oder Selbstwertgefühl zerstört wurde, ihre Würde zurückgegeben wird. Solange Misshandlungsopfer unter Scham- und Schuldgefühlen leiden, die ihnen in der Kindheit von ihren Eltern und später von ihren Mitmenschen eingeredet wurden, können sie nicht gesünder werden, denn Scham- und Schuldgefühle machen depressiv.

    Solange Misshandlungsopfer in Armut und am Rand unserer Gesellschaft leben und solange sie von Psychiatern, Psychotherapeuten und von ihren Mitmenschen gedemütigt und retraumatisiert werden, werden sie ihre Scham- und Schuldgefühle nicht verlieren und können nicht gesünder werden.

    Wer an einer Vereinsgründung interessiert ist oder Fragen dazu hat, kann sich über das Kontaktformular auf meiner Homepage mit mir in Verbindung setzen:

    http://www.misshandlungsopfer.de/kontakt.php

    Liebe Grüße

    Sylvie

    • Leider funktioniert das Kontaktformular auf meiner Website nicht mehr, weil das Betriebssystem veraltet ist.

      Ich habe inzwischen eine Initiative gegründet, die bald eine eigene Website haben wird. Wer bei uns mitmachen möchte, kann sich unter folgender E – Mail – Adresse bei mir melden:

      sylvie-noelle@web.de

      • Hallo Sylvie,
        gibt es denn inzwischen eine Internetseite?
        Mich interessiert dein Verein, deine Initiative, auch wenn sie recht weit weg ist.
        Ich gehöre auch zu den Menschen, die in ihrer Kindheit und Jugend, ich nenne es, gefoltert wurden und schwerste Beeinträchtigungen dadurch erfahren haben.
        Armut durch Arbeitsunfähigkeit
        lebenseinschränkende Erkrankungen
        posttraumatische Belastungstörungen

        Ich versuch dich auch noch per Mail zu erreichen.

        • Hallo Godiva,

          es tut mir sehr leid, dass du auch so eine furchtbare Kindheit hattest.

          Ich habe inzwischen mit vier Leuten die Initiative Misshandlung und Trauma (MuT) gegründet. Unsere Webseite ist fast fertig.

          Ich habe einen anstrengenden Umzug hinter mir und bin noch bis Ende September in einer psychosomatischen Klinik. Nach meiner Entlassung werde ich die Webseite fertigmachen. Wenn sie fertig ist, werde ich das hier im Forum bekanntgeben.

          Du kannst mir gerne schreiben. Das ist meine E – Mail – Adresse:

          sylvie-noelle@web.de

          Herzliche Grüße

          Sylvie

  7. Hallo, grüezi und servus!

    Ich möchte hier einmal einen Hinweis geben auf Menschen, die eine glückliche Kindheit hatten, die von der ersten Sekunde an wirklich geliebt, geachtet und respektiert wurden als Menschen mit eigenem Empfinden, eigener Wahrnehmung, eigenen Gefühlen, eigenen Gedanken, eigenen Interessen und Bedürfnissen. Es handelt sich um die Geschwister Andrè und Eleonore Stern und noch einige mehr in ihrem Umfeld. Sie sind in Paris aufgewachsen und gingen auch nicht in die Schule (in Frankreich besteht keine Schulpflicht!). Sie wurden aber auch nicht zuhause unterrichtet, sie haben sich alles selbst beigebracht! Aber schaut, hört und staunt selbst, was Andrè Stern seit Jahren auf Vorträgen in ganz Europa uns allen zu sagen hat. Er ist unermüdlich unterwegs, um mit der Kraft seiner Worte eine radikale Änderung in der Haltung gegenüber Kindern zu bewirken! Ich habe ihn in meiner Stadt selbst schon einmal live erlebt, wie er einen Abend lang von seiner Kindheit erzählte. Inzwischen ist er 43-jährig und hat selbst einen Sohn.
    Auf “youtube” findet Ihr viele Vorträge und Interviews mit ihm, wie z.B. diese hier:

    https://www.youtube.com/watch?v=MwFdo_XX_eQ

    https://www.youtube.com/watch?v=EQDjOj4q6to

    https://www.youtube.com/watch?v=nulnMjkMOWk

    Mit lieben Grüssen
    Mario

    • Hallo Mario,

      danke für die Links!

      Ich habe André Stern in zwei Talkshows gesehen und war wirklich beeindruckt, von dem, was er über seine Kindheit erzählt.

      André Stern macht einen ganz unbefangenen und unbeschwerten Eindruck. Man merkt, dass er völlig frei aufgewachsen ist und nie Angst haben musste. Es ist traurig, dass nicht alle Kinder so aufwachsen können.

      Liebe Grüße

      Sylvie

      • Ja, es ist traurig, liebe Sylvie, dass nicht alle Kinder so aufwachsen können/dürfen bzw. konnten/durften, wie es André (und auch seine Schwester) konnte/durfte. Das hat er alleine der inneren Haltung seiner wunderbaren Eltern zu verdanken, die ihren Kindern mit grossem Vertrauen, Achtung und Liebe begegnet sind.

        André sagt oft, dass es für ihn sehr seltsam ist, dass er in unserer Gesellschaft so eine Ausnahme ist, denn eigentlich ist das, was er erlebt hat (und weiterhin erlebt), das Natürlichste der Welt und jeder Mensch hätte das Recht darauf.

        Hier noch ein Link zu einem Interview mit André, wo er sehr deutlich darüber spricht, worum es ihm geht:

        https://www.youtube.com/watch?v=oyQYFwjLYPU

        Und hier noch die Website von seiner Schwester Eleonore:

        http://www.eleonorestern.online.fr/html/accueil.htm

        Herzliche Grüsse
        Mario

  8. Hallo liebe Frau,

    Danke, das es hier solch ein Kummerkasten gibt.

    Nein heute nehme ich mal keine Drogen und Gestern auch nicht. Ausser einen Kaffee steht nichts neben mir. Und das nach 25 Jahren im Alter von 45.

    Nein, mein Vater hat mich nicht geschlagen, nicht in diesem Sinne, wie das so mancher mit dem Kochlöffel, Teppischklopfer oder gar den Gürtel aus der Hose gezogen einmal zusammengelegt bevor man zuschlägt.
    Mein Vater hat mich wie die ganze Familie psychisch verbal vergewaltigt. Und das mehrmals täglich, hat er immer wieder erstmal meine Mutter zur sau gemacht, dann kamen die Kinder drann.

    Dies weiter zu erzählen würde hier den Ramen sprengen und vielleicht den einen oder anderen auf die Nerven fallen.

    Ich bin nun schon lange ausgezogen. Mein Vater lebt nicht mehr, was für eine Erlösung für alle Familienmitglieder.
    Jedoch bin ich der Meinung das unser Staat weiterhin mit dem prügeln der Menschheit zu kämpfen hat. Ob das lange arbeiten gehen, fernsehen mit allem was dazu gehört und einkaufen in Megacitys. Fühle ich mich heute ähnlich auf eine andere Art und Weise geprügelt. Von Ämtern, der Technik die wir viel zu wenig nutzen und uns dafür den Rücken jetzt im Büro krumm sitzen, statt auf dem Acker zu verbiegen.

    Die Menschen machen Therapien, nehmen Medikamente, werden umgeschult, (meine Wenigkeit, hinterher wieder auf der Suche) arbeiten rollende Schicht, wir schiffen Waren um die ganze Welt, stellen Dinge her, die wir nicht brauchen und dafür leiden Menschen auf der anderen Seite der Erde. Und selbst, unfähig eine Familie zu Gründen, geschweige denn sie zu erhalten, sitze ich hier und beobachte den Ablauf.

    Für mich ist das eine Vergewaltigung nicht nur der Menschen auf Erden, sondern auch der Erde selbst.

    Selbst wenn ich mich für ein Leben auf dem Lande entscheiden würde, selbst für mein Essen zu sorgen, fehlen mir Haus Hof und ein Beruf und eine Partnerin um meine Träume zu verwirklichen.

    Und das soll es nun gewesen sein?

    Sitzend in einer 35 m/q Bude und zusehen wie Agrarunternehmen und Pharmarindustrien fette Gewinne abschöpfen. Und der Mensch, der seiner Bestimmung nicht entgehen kann, versauert oder verblüht auf der Arbeit unter Tage, ob in Supermärkten an den ständig piependen Kassen, in Büros, in rießiegen Hallen, ist es für mich arbeiten unter Tage. Ein Horror wie sitzen im Turmverlies.

    Wieso lassen wir so etwas zu und prügeln unsere Psyche jeden Tag selbst. Für mich kein Wunder, das Menschen ausrasten und ihren Frust an den schwächeren Gliedern der Gesellschaft auslassen.

    Danke.

    • Hallo Tino

      Deinen Beitrag hast Du zwar primär an Frau Müller-Münch gerichtet, doch bin ich davon überzeugt, dass sich die Mitlesenden hier gleichermaßen von Deinem Statement angesprochen fühlen.
      Denn träumen wir nicht alle irgendwo von der großen Freiheit? Frei von all den Zwängen, die unser aller Leben beschweren, oder besser in die wir von klein auf gepresst werden.
      Sei es der nicht selbstbestimmt Kinderhortaufenthalt. Die elenden Schulzwänge, mittels denen wir zu wirtschaftskonformen Arbeitssklaven nivelliert werden. Um anschließend Tätigkeiten nachzugehen, die weder unseren Talenten noch Interessen entsprechen.
      Denn wo werden Kinder schon in ihren eigenen Talenten und Vorlieben gefördert, um so etwa wie eine Berufung für ein selbstgenügsames Leben herauszuformen?
      Eben jener in sich ruhenden Selbstgenügsamkeit, die all die materiellen Krücken nicht benötigt, mit denen wir mehrheitlich versuchen unsere erworbenen Anerkennungsdefizite zu kompensieren, um wenigstens zeitweise die Illusion zu erhalten, zu den Erfolgreichen und Schönen dieser Welt zu gehören, die uns medial als Vorbilder präsentiert werden.
      Insofern stimme ich Dir zu, dass sich Gewalt längst nicht nur auf den physische Part beschränkt, in der zumeist Kinder terrorisiert werden. Und es auch nicht allein die psychische Gewalt, mit der nicht nur Kinder demütigend herabgesetzt werden, sondern tatsächlich, wie Du es beschreibst der alltägliche Irrsinn, der uns als Normalität gepriesen wird, uns aber in Wahrheit in soziale Isolation treibt. Die ich ähnlich schmerzhaft empfinde wie Du.
      Vermutlich nehmen auch die meisten unserer Mitmenschen imaginär diese unnatürliche Zwangsjacke war, vermögen dies aber nicht mehr als solche zu benennen, weil alle in diesem System verwoben sind, und damit eine Normalität suggeriert die besser nicht mehr als Normalität bezeichnet werden sollte.
      Deshalb erachte ich es für wichtig, auch in Deinem angeschnittenen Punkt Aufklärungsarbeit zu leisten, damit unseren Mitmenschen die Möglichkeit gegeben ist, sich selbst und ihre wahren Bedürfnisse wahrzunehmen.
      Denn erst wenn uns etwas bewusst wird, können wir gezielt bestehende Mängel verändern.
      Dir möchte ich daher empfehlen nicht resignierend aufzugeben, sondern weiter aktiv zu werden, um Deine Mitmenschen zum Nachdenken anzuregen.
      Dazu könntest Du Dich z.B. eines eigenen kostenlosen Blogs bedienen.
      Weiter könntest Du auch ganz gezielt an Deinem eigenem Verbraucherverhalten arbeiten.
      Indem Du Dich z.B. sehr bewusst und gesund ernährst. Da gibt es schon eine Menge an Möglichkeiten, Dich weiter zu entwickeln und wirst auf diesem Weg sicher sympathische Menschen kennenlernen, die in ähnlicher Weise denken und handeln wie Du.
      Zum Resignieren besteht also absolut kein Anlass.
      Mach etwas. Werde selbst aktiv und Du wirst sehen, wie sich die Welt in Deinem unmittelbaren Kosmos verändern wird. Positiv versteht sich.
      Und ja herzlichen Dank, für Deinen nachdenkenswerten Beitrag.
      Schade nur, dass sich Frau Müller-Münch nicht zu all den interessanten Beiträgen hier nicht einbringt.
      Mit besten Grüßen

  9. Ich bin Anfang der sechziger Jahre im südlichen Bayern aufgewachsen und hatte einen älteren Bruder. Meine Eltern hatten sich von den Idealen des Nationalsozialismus nicht verabschiedet. Kindererziehung war autoritär und gleichbedeutend mit Prügeln, gemäß dem Vorsatz, “nur viel Prügel, helfen viel”.
    Wie viele Jungen damals, mussten mein Bruder und ich kurze Lederhosen tragen – aber nicht wie üblich nur im Sommer – mein Vater bestand darauf das wir abgehärtet werden sollten und ein richtiger “deutscher Junge” – egal ob es regnet oder schneit kurze Hosen mit Wollkniestrümpfen trägt.
    Sonntags, feiertags und zu Weihnachten mussten neben einem weißen Hemd und Wollpulunder kurze Lederhosen mit weißen Kniestrümpfen getragen werden. Die kurzen Hosen sollten unseren kindlichen Status unterstreichen. Der Tenor von Außen war immer – “daß sind aber wohlerzogene und süße Buben, wie nett die aussehen”.
    Bei Unartigkeiten setzte es von meinem Vater erst mal ein bis zwei Ohrfeigen und das bereits im Kleinkindalter.
    Der Standartspruch war:”gleich gibt’s ein Paar hinter die Löffel” und schon wurde ins Gesicht geschlagen, auch in der Öffentlichkeit.
    Anschließend setzte es Prügel oder der Hintern wurde mit dem Stock kräftig versohlt. Dies geschah bis einschließlich meinem sechzehnten Lebensjahr, was sehr beschämend für mich war.
    Mein Vater war Choleriker und wenn ihm was nicht passte, war dies sehr furchteinflößend.
    Meine Mutter verwies, wenn ich unartig war, darauf – “warte nur bis der Vater kommt, dann kannst Du was erleben”.
    Er kam dann abends, um mir den Hintern zu versohlen mit dem Verweis, “müssen wir dem dreckigen Rotzbengel mal wieder die Hammelbeine langziehen”.
    Diese Erziehungsform war prägend für mich und führte zu einem willenlosen “Jasager”, der keinen Widerstand wagte, da ich eingeschüchtert war und Angst hatte Schläge zu beziehen.
    Alles war determiniert und wurde vom Elternhaus vorbestimmt, auch das wir einen Kurzhaarschnitt tragen mussten, was damals gar nicht mehr angesagt war. Auch wurde ich ohne gefragt zu werden in den Fußballklub gesteckt und zu den Pfadfindern geschickt. Es hatte mir dort zu gefallen!!!
    Mein Bruder wurde aufgrund seines Widerspruchsgeistes von meinen Eltern mit 13 Jahren, nachdem er von meinem Vater mehrfach windelweich geprügelt wurde, in ein Internat gesteckt, wo es sehr autoritär zuging.
    Mich beschämte, daß ich nicht anziehen durfte was ich wollte, sondern bis in den Winter mit kurzen Lederhosen in die Schule gehen und meinen von Kälte fleckigen Oberschenkel und blau gefrorenen Knie präsentieren musste. Dabei hatte ich die mitleidigen und spöttischen Blicke der anderen zu ertragen. Meine Eltern ignorierten meinen Gänsehautbeine mit dem Spruch – “Du Frostbeule, stell dich nicht so an – ein deutscher Junge friert doch nicht!” empfand ich als sehr demütigend.
    Ein Paradox, was ich nie verstanden habe – mein äußeres Auftreten war durch die kurzen Lederhosen und nackten Beine ständig sexualisiert, wobei Sexualität an sich völlig tabuisiert und ignoriert wurde. Das machte mir in der Pubertät sehr zu schaffen.
    Die gesamte Erziehung führte bei mir letztlich zu einem Knacks in meinem Gefühls-, Beziehungs- und Sexualleben, bis zu starken Widerständen gegenüber Bevormundung und zu Beziehungsstörungen im weiteren Leben.

  10. Es wäre schön, wenn man die im Buch angesprochenen Protokolle der parlamentarischen Vorgänge (u.a. Ausschußsitzung) nachlesen könnte.
    Haben Sie dafür linkadressen.
    Vielen Dank

    • Hallo, wir haben die Frage direkt an Frau Müller-Münch weitergegeben und melden uns, sobald Sie sich dazu äußert. Viele Grüße

  11. Ich bin durch das Buch einer anderen Autorin auf dieses Thema gestossen. Ich bin ein Nachkriegskind, geboren 1956. Auch bei uns gab es Prügel, zumeist mit dem herausgezogenen Gürtel aus Vaters Hose. Ich weiss, dass ich sogar öfter um Hilfe schrie! Die Antwort meines Vaters war: “Bist du denn verrückt geworden.” Ich wurde entweder als “simpel” oder “Herr Minister” gerufen. Ein Pfiff sollte mich zum sofortigen kommen befehlen. Vater verwechselte mich wohl mit einem Hund. Mutter schwieg bzw. griff bei Abwesenheit des Ehemannes zum Kochlöffel. Männliche Kinder trugen damals Lederhosen, auf denen es besonders knallte wenn die Strafe für irgendwas herniederprasselte. Auch in der Schule wurde mit dem Stock auf die Hände “bestraft.” Erst heute, auch aufgrund dieser Themenliteratur verstehe ich, warum diese Kriegskinder, die Vertreibung (Mutter Sudetendeutsche) und den Krieg (Vater wahrscheinlich Soldat) so waren und warum ich so wurde. Es ist sicherlich eher selten, dass ein Kind, also ich, mit ca. 11 Jahren beschloss niemals zu heiraten, niemals eine Familie zu gründen und niemals Kinder zu haben! Als ich in meinem jugendliche Leichtsinn meiner Mutter meinen felsenfesten Entschluss mitteilte sagte sie nur: Aaach, du heiratest schon. Es sei nur am Rande erwähnt, dass ich meinen Entschluss durchhielt und bindungsunfähig bin. Auch Beziehungen – auf freundschaftlicher Ebene – fallen mir schwer, sind aber möglich. Ich bin ein extrem misstrauischer Vogel. Und das ist gut so!

    Das Schlagen hörte auf als ich älter wurde, lange Haare und Bart bekam und zudem den Kriegsdienst verweigerte (unserer will auch nicht zur Wehrmacht). Jetzt hiess es von meiner Mutter: “Ja, wir haben auch so einen.” Das Verhältnis zwischen mir und Vater war von der Unfähigkeit zu reden gekennzeichnet. Vaters Hinweise auf die “Hitlerzeit” möchte ich dem geneigten Leser ersparen – die sind ja bekannt. Als Vater immer älter wurde hatte ich oft das Gefühl als ob er mir was sagen will. Aber er war kein Mann der Worte. Vor rund einem Jahr verstarb mein Vater. In der Halle des Abschieds empfand ich so gut wie nichts! Wir Kinder und auch unsere Mutter funtionierten weitestgehend emotionslos und sachlich. Vielleicht hätte mein Vater es auch so gewollt. Man hatte ihn wohl etwas zu hart gemacht in der Wehrmacht.

    • Lieber Han_Solo

      dein Bericht ist sehr erschütternd,nur weil es vielen so erging damals und auch heute (nach der Lektüre von “Deutschland misshandelt seine Kinder” ist mir das klar) ist es nicht weniger schlimm was du durchleben musstest. Die Kinder heute können sich wenigstens in der Schule weitgehend sicher fühlen,darin sehe ich den Hauptunterschied zu früher und eine Chance ein Stück der Seele zu retten.
      ” Man hatte ihn wohl etwas zu hart gemacht in der Wehrmacht.” mit diesem satz kann ich nicht so viel anfangen weil die Prägung zum Misshandeln und Verdrängen bekanntermassen in der eigenen Kindheit der Misshandler erfolgt.
      Dein Vater und deine Mutter haben alles an dir ausgelassen ihren ganzen aufstauten Dreck .An einem wehrlosen Kind.Sowas zu hören macht mich immer wieder fassungslos und zornig.

      Grüße
      Tonie

    • Hallo Han_Solo

      Dein Eintrag steht für Millionen ähnlicher Schicksale.
      Deine Verweigerungshaltung bezüglich eigener Familie kann ich sehr gut nachvollziehen und bin davon überzeugt, dass es für die meisten Gewaltbetroffenen tatsächlich besser wäre, zumindest so lange auf eine Familiengründung zu verzichte, so lange sie sich den Folgen ihrer gewaltbetonten Kinder/Jugendzeiten noch nicht bewusst sind.
      Ein gravierendes Dilemma besteht indes darin, dass sich die Betroffenen darüber selbst nicht im Klaren sind und meist erst im Erwachsenenalter entweder durch Zufall, oder im Zusammenhang ihres sozialen Scheiterns Einblick über Ursachen und Wirkungen bekommen.
      Ich finde dies nicht nur bedauerlich, sondern aufgrund der weitreichenden Dimensionen geradezu skandalös, warum nicht schon längst in gewaltpräventiver Hinsicht mehr Aufklärung in Schulen geleistet wird, um Betroffenen schneller Möglichkeit zu bieten sich selbst zu reflektieren.
      Denn durch aufklärendes Wissen, ist auch gewaltbetroffenen Menschen die Chance gegeben, die erlernten Pfade zu verlassen, um nicht ähnliche Fehler zu begehen, die bereits ihre Eltern in Folge generationsübergreifender verletzter Seelen und deren schleichende Vergiftung zu wiederholen.
      Denn nein, Deine gespürte Herzenshärte, hat Dein Vater sicher nicht erst beim Militär erworben, sondern gewiss bereits in einem ähnlich gewalttätigem Milieu innerhalb seines familiären Umfeld, während seiner Kinderzeit.

      Durch Deine Zeilen erweist Du Dich als Mensch, der recht bewusst darauf achtet, niemanden weiter zu verletzen. Zumindest setzt Du Dich ernsthaft mit dieser Thematik auseinander.
      Damit hast Du im Prinzip schon günstige Bedingungen geschaffen, um eine tragfähige Partnerschaft zu einem anderen Menschen zu bilden, oder gar eine Familie zu gründen.
      Im Moment erachtest Du Dich zwar noch als Beziehungsunfähig, das trifft aber wirklich nur auf ganz wenige Menschen zu. Denn real bist Du wahrscheinlich nur mehr Beziehungsgestört, wie viele andere Menschen auch.
      Ich wollte Dich auf diesen kleinen aber feinen Unterschied aufmerksam machen, damit Du Dich nicht selbst der Chance beraubst eines Tages doch noch eine tolle Beziehung zu einem anderen Menschen aufzubauen. Gott sei Dank sind wir Menschen in jeder Beziehung unglaublich unterschiedlich geprägt, um tatsächlich für jeden „Topf“ einen passenden „Deckel“ zu finden.
      Diese Chance sollte sich wirklich jeder erhalten, denn es gibt wirklich kaum etwas Schöneres als Freud und Leid mit einem Lebenspartner/in zu verbringen.
      Und soweit ich dies aus meinen Erfahrungen heraus beurteilen kann, habe ich den Eindruck, dass gerade wir gewaltbetroffenen Menschen das Leben weit bewusster und intensiver wahrnehmen wie manch wohlgelittene Zeitgenossen.
      In diesem Sinne Dir und allen weiteren Betroffenen viel Erfolg und Glück wünschend,
      LG Klaus Klüber

    • Verehrte Frau Müller-Münch, man kann Ihnen nicht genug danken dieses wertvolle Werk. Es hilft bei der Bewältigung der eigenen Vergangenheit. Schon der Anblick des Teppichklopfers auf dem Titelbild….bei uns hing auch so ein “Kleeblatt”, im Flur, immer “zum Eisastz bereit.”, nicht zuletzt zur Warnung und Beschämung. Besucherinnen und Besucher sahen den “Bravmacher”, auch Mädchen, und das gab Anlass zu Fragen, hämischen Bemerkungen und zum Erfahrungsaustausch über den effektiven Vollzug der Strafen ((“Hosenboden strammziehen oder Hose runter?”). Besonders die alleinstehenden Mütter tauschten ihre Erfahrungen aus. Die Männer warenn meist im Krieg geblieben oder in Gefangenschaft. Vielleicht hätten sie ewas mehr Verständnis gehabt für uns Buben.

      Doch der körperlich Schmrz war noch nicht mal das Schlimmste, noch schlimmer waren die psychischen Bestrafungen, wenn man “nicht spurte”. Dazu gehörten vor allem die Schulleistungen der Gymnasiasten. Bei uns in der Klasse kamrn allenfalls drei Buben den Anforderungen voll und ganz nach. Die anderen schwammen mit oder blieben sitzen. Es war ein gnadenloser Leistungsdruck in der Schule und zu. Hause. Wäre ich sitzen geblieben, hätte ich ganz das Gymnasium verlassen müssen oder wäre ich durchs Abitur gefallen, ich weiß nicht, wie ich das zu Hause überstanden hätte. Nicht nur den Klopfer hätte ich zu spüren bekomme, sondern die ganze Verachtung für den Gescheiterten.

  12. Ahoi allerseits

    In einer Doku, die kürzlich auf 3Sat lief – jetzt anzusehen z.B. hier: https://www.youtube.com/watch?v=pIycRH0Lgkg – und die dem Titel nach zwar nicht direkt mit Kindesmisshandlung zu tun hat (“Sex und Geschlecht – reine Kopfsache?”) gab es dennoch sehr interessante und wichtige Aussagen bezüglich unseres Gehirnes, welches bei der Geburt noch längst nicht ausgewachsen und sehr verletzlich ist und jedes Erlebnis, jede Erfahrung speichert.

    Sophie Archambault de Beaune von der Université Lyon III, sagte zum Beispiel:

    “Im Laufe der Evolution wurde das Gehirn des Menschen immer größer; das kann man sehen.

    Als der Mensch begann, aufrecht zu gehen, wurden die Weite der weiblichen Hüfte und die Größe des Babykopfes immer schlechter miteinander vereinbar. Wenn ein Baby mit fertig entwickeltem Gehirn auf die Welt käme, wäre sein Schädel viel größer. Frauen könnten mit sooo breiten Hüften nicht aufrecht gehen!

    Bei den meisten Säugetieren hat das Gehirn eines Neugeborenen etwa 75% der Größe eines ausgewachsenen Tieres. Bei menschlichen Babys sind es nur 25 %! Das Gehirn wächst und entwickelt sich vor allem in den ersten zwei Jahren stark. Es wächst um 50 %. Nach vier Jahren ist es zu 85% ausgewachsen und wächst bis ins Alter von etwa sieben Jahren weiter. Es braucht also Jahre, um auszuwachsen!

    Wenn wir von Vererbung oder Umweltbeeinflussung sprechen, so ist beides richtig, denn wir alle sind zum Teil durch unsere Anlagen geprägt, aber auch von unserer Umgebung. Und das ist nicht nur die natürliche Umwelt, sondern auch das soziale und familiäre Umfeld. All das beteiligt sich an der Entwicklung des Kindes in den ersten Lebensjahren.”

    Oder zum Beispiel Pierre Magistretti vom Institut für Demografie, Paris:

    “Das Nervensystem, unser Gehirn, wird durch Erfahrungen geprägt. Das Gehirn enthält etwa 100 Milliarden Nervenzellen und jede ist mit zehntausend anderen verbunden! Diese Verbindungen nennen wir Synapsen. Sie geben Informationen von einer Nervenzelle zur nächsten weiter. Der entscheidende Punkt ist, dass diese Nervenleitungen nicht feststehen und ein für alle Mal in Stein gemeißelt sind, sondern sich verändern. Jede Erfahrung hinterlässt Spuren!

    Man kann sich das Gehirn so vorstellen wie Hochhaus bei Nacht. Wenn die Fenster nach einem bestimmten Muster erleuchtet werden, sehen wir zum Beispiel einen Weihnachtsbaum. Wenn ein bestimmtes Muster der Synapsen angeknipst wird, ist das der Code für eine Erfahrung oder ein Bild.

    Die wichtige Botschaft ist also: Erfahrungen hinterlassen Spuren im Gehirn und die Nervennetzwerke werden ständig durch Erfahrungen geformt. Es sind diese Veränderungen der Synapsen, die die Grundlage für unser Erinnern und Lernen sind.”

    Im Weiteren möchte ich noch auf eine Website hinweisen, auf die ich auf dem Blog von Sven Fuchs aufmerksam wurde. Es ist folgende:
    http://www.dissoziation-und-trauma.de/

    Links in der Spalte einen der Begriffe anklicken und dann werden die in einem PDF – das noch zu öffnen ist -, ausführlich erklärt. Ich finde, dass sind sehr wertvolle Informationen, auch mit Buchhinweisen und Adressen von Anlaufstellen, die dem einen oder anderen vielleicht weiterhelfen auf der Suche nach sich selbst.

    Liebe Grüsse
    Mario

    • lieber Mario

      das ist alles sehr spannend und interessant und erhellend natürlich auch! :o )
      babies muss man einfach achten und behüten.

      danke dafür!

      herzliche Grüße
      Tonie

  13. Hallo zusammen,

    ich möchte Euch auf einen Text von mir hinweisen, den ich heute online gestellt habe: http://kriegsursachen.blogspot.de/2014/02/gewalt-gegen-kinder-in-deutschland-in.html

    Ich habe darin etliche Studien zusammengestellt, die das Ausmaß an Gewalt gegen Kinder in Deutschland beleuchten. Ich finde es besonders erfreulich, dass die Generation ab den 1990er Jahren mittlerweile mehrheitlich die “nicht geprügelte Generation” ist :-) . .

    Herzlichen Gruss

    Sven

  14. Der Maler, Philosoph und Dichter Khalil Gibran schrieb in seinem Hauptwerk “Der Prophet” (1923 veröffentlicht) folgendes über die Kinder:

    “Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch. Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
    Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken. Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen, denn ihre Seelen wohnen im Haus der Zukunft, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen. Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
    Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden. Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und er spannt euch mit seiner Macht, damit Seine Pfeile schnell und weit fliegen. Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein. Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist. “

    • Lieber Mario,

      das ist wunderschön,weise und klug.

      Es gab also “immer schon” Menschen die es besser wussten und Kinder achten konnten.Wenigstens in der Theorie.

      Herzlichen Gruss
      Tonie

  15. Eine aktuelle Sendung zum Thema transgenerationale Weitergabe von Traumatisierungserfahrungen: “Mama, du quälst mich. Töchter berichten” (von Katrin Jäger).
    Rund acht Millionen Deutsche zwischen 15 und 64 Jahren erlebten in ihrer Kindheit schwere bis extreme Misshandlungen, sexuellen Missbrauch oder Vernachlässigung. So lautet das Ergebnis der Traumafolgekostenstudie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Die Studie untersucht nicht, in wie viel Prozent der Familien die Gewalt von Frauen ausgeht oder ausging. Bei den Töchtern, die in dieser Sendung zu Wort kommen, ist oder war die Mutter die Täterin.
    Bis 12.02.2014 abrufbar: http://www.tidenet.de/radio/audiothek/288

    • erschütternd das zu hören. Vieles davon kenne ich sehr gut.Leider.
      Eine tolle Sendung.
      aber gabs nicht schon vor dem Krieg Misshandlung an Kindern? Ist der Krieg wirklich DIE Ursachenerklärung?

  16. “Deutschland misshandelt seine Kinder” lautet der Buchtitel der beiden Rechtsmediziner Dr. Saskia Guddat und Prof. Michael Tsokos.
    “Jeden Tag werden in Deutschland mehr als 500 Kinder von Erwachsenen aus ihrem familiären Umfeld misshandelt. Fast jeden Tag wird ein Kind durch körperliche Gewalt getötet. Und erschreckend hoch ist die Zahl der Opfer, die später selbst zu Tätern werden.”

    http://www.droemer-knaur.de/buch/7875471/deutschland-misshandelt-seine-kinder

    Gestern Abend um 22:45 Uhr brachte die ZDF-Sendung “Zoom” eine Doku mit dem Titel “Kinderschutz am Pranger”, worin sich auch die beiden oben erwähnten Rechtsmediziner äusserten. Anschliessend kam bei “Markus Lanz” eine Diskussion darüber. (Zur Nachschau siehe ZDF-Mediathek)

    Beste Grüsse
    Mario

    • Vielen Dank Mario!
      Hab von dem Buch auch gehört.
      Finde ich gut dass sich endlich jemand dieser Skandale annimmt und den kleinen Opfern eine kräftige Stimme gibt.
      Der sogenannte Kinderschutz ist wahrlich eine Farce.

      Lieben Gruss
      Tonie(wieder mit ie ,-))

  17. Da ich selber Weseiten usw. erstelle und hier in Abständen (gern) vorbeischaue, ist es mir ein wirklich echtes anliegen mein Lob heute einmal für dies tolle Webseite auszusprechen. Da ist ja Einiges auf den Seiten passiert. – Bin gern hier.

    Ganz liebe Grüße :-) <3

        • Lieber Mario

          danke für den Pfad zu Rogers und den links denen man dort noch folgen kann.
          das mit dem sich selbst vergeben ,verstehe ich allerdings nicht so recht.
          wenn ein kind unschuldig ist und in seiner not auswege sucht gibt es doch gar keinen grund zu vergeben.verstehen reicht mir da eigentlich völlig.
          ich bin doch nicht schuld an der not die meine eltern verursachten.keine ahnung aber ich finde das nicht logisch.
          was rogers über den verrat an den lesern zugunsten von bewunderung schreibt teile ich völlig.
          ich fühle mich auch verarscht von ihr.und ärgere mich auch dass ich meinen spontanen gefühlen damals nicht traute als ich mich über ihre “coolen”kommentare wunderte.
          andererseits empfand ich die empathie von rogers auch nciht immer als echt,sondern verdeckt aggressiv und aufgesetzt.
          klar sie hatte ja auch ihre wut auf miller verdrängt,das macht was mit einem.das ist aber ihre verantwortung und als erwachsene ist sie dann wohl “selber schuld”

          das ganze ist schon aufwühlend für mich..

          Lieben Gruss
          Tony

  18. Ich denke, jeder muss seinen eigenen Weg finden, wie er mit den Folgen seiner schlimmen Erfahrungen der Kindheit umgeht.
    Wichtig ist doch nur, das der gewaehlte Weg am Ende zu einem zufriedenen Leben fuehrt.
    Und jeder sollte mit seinem Weg respektiert werden. Denn den Weg den der Eine gehen will muss nicht der Richtige sein fuer den Anderen.

  19. Liebe Petra und Tonie,

    ich finde es schade, dass diese Kommentarseite mittlerweile fast zu einer alleinigen Plattform für Eure Unterhaltung geworden zu sein scheint. Auf mich macht es den Eindruck, dass Ihr Beide einen ganz persönlichen wunden Punkt habt, den Ihr gegenseitig ständig berührt und auch gezielt berühren möchtet. Für mich geht das über die Art der Auseinandersetzung mit dem Thema “Gewalt an Kindern” hinaus und das zur Schau stellen Eurer Debatte könnte anderen Menschen durchaus den Raum nehmen, sich mit den eigenen Gedanken zu zeigen und auch tatsächlich von wieder anderen gesehen zu werden. Denn Eure Zweierkonversation verdrängt leider auch Geschriebenes von ganz neuen Beitragenden.
    Ich kann hier natürlich nur meine Wahrnehmung und meine Empfindung darlegen und nicht allgemein für “alle” sprechen. Ich bin jedoch eine von den noch Mitlesenden, die Euch darum bittet, Eure e-mail-Adressen auszutauschen und Eure Unterhaltung auf privater Ebene fort zu führen. Dass Ihr Euch viel zu sagen habt, ist ganz offensichtlich und die Diskussion sicherlich auch notwendig. Doch leider ist dies eben nur eine Kommentarseite und kein Forum, in dem es mehrere Räume gibt und alle Beteiligten zwischen den verschiedenen sich unterhaltenden Gruppen wählen können. Auf dieser Seite ist jeder dazu “gezwungen”, alles mit zu lesen. Darum finde ich es hier besonders wichtig darauf zu achten, dass der große Raum ausgeglichen aufgeteilt wird. Für die Aufarbeitung von einzelnen Biographien sind andere Räume und Konstellationen geeigneter. Gerade im psychosozialen Bereich arbeitende Menschen sollten das am besten wissen.

    Ich hab versucht, mein Anliegen so gut es geht zu formulieren und dabei respektvoll zu sein. Ich hoffe, es ist mir gelungen und hat für den Hintergrund etwas sensibilisiert.

    Gruß
    Tochter

    • Liebe Tochter,

      du hast Recht und ich werde in Zukunft darauf achten, das meine Beitrage nicht wieder diese Richtung nehmen.

      LG
      Petra

    • Liebe Tochter,
      ich hab deinen Einwand eben erst entdeckt.
      Wenn es für dich nervig ist wie ich hier meine Meinung kund tue finde ich es schade…
      …Pauschal …Trotzdem habe ich nicht den Eindruck dass es andere hindert von sich zu berichten. Mir scheint eher dass der Bedarf sich hier zu öffnen einfach nicht so in der Breite vorhanden ist.
      Es gibt ja viele Foren zur Thematik Misshandlung in der Kindheit.
      ZB.NetzwerkB und andere.

      Beste Grüße
      Tony

  20. Liebe Tonie

    Ich finde es immer wieder so wohltuend, Deine Beiträge zu lesen, denn Du stellst Dich kompromisslos auf die Seite des Kindes. Das tut unendlich gut! Ich danke Dir!
    Ich wünsche mir eine Freundin, die so denkt wie Du!

    Liebe Grüsse
    Mario

    • Kompromisslosigkeit schafft Polarisation und ist daher auch nicht immer gerecht.

      Ich denke nicht, das es in meiner Kindheit gut fuer mich gewesen waere, wenn sich jemand kompromisslos auf meine Seite gestellt haette.
      Das haette unter Umstaenden ja bedeutet, das ein Jugendamt eingeschritten waere und mich aus der Familie geommen haette. Das haette ich nicht gewollt.
      Lieber waere es mir gewesen, wenn sich jemand in der Form fuer mich eingesetzt haette, das er meinen Eltern bewusst und verstaendlich macht, was sie mir antun. Dahinter verbirgt sich die Chance, das sie ihr Verhalten aendern und die Schaeden an mir haetten verhindert werden koennen. Das waere ein Kompromiss gewesen.

      Kompromisslos sein heisst fuer mich auch, sich anderen Sichtweisen und Moeglichkeiten zu verschliessen und ist eine sehr eingeschraenkte Denkweise. Aber es gibt nicht nut Schwarz oder Weiss.

      • Hallo Petra,
        naja Kompromisse bei Kindesmisshandlung einzugehen kann nicht dein Ernst sein oder du nimmst das nicht wirklich ernst.
        Klare Postionen erfordern natürlich Mut und den noch immer vorhandenen Tabubruch mit der Elternshconung.
        Verantwortung tragen.
        Das Jugendämter viel zu selten intervenieren und viele Kinder in der Obhut der Eltern oder Ersatzeltern schlimmes erleben ist gerade dieser tollen Kompromisswut zu verdanken.

        Kindesmisshandlung ist nun mal schwarz und hat verheerende Auswirkungen auf das gesamte Leben -und ist nicht grau oder bunt.
        So wie Mord und Totschlag und Vergewaltigung.
        das darf und sollte man finde ich anerkennen auch wenn es unbequem ist.
        Das Aufweichen durch schönreden hilft nur den Misshandlern und stärkt ihre MACHT

        Ich sehe das nicht so sentimental.
        Mir geht es um den Schutz des bedürftigen Kindes,nicht um den Erwachsenen,,der ist für sich verantwortlich und kann zur verantwortung gezogen werden.,und sollte nicht infantilisiert werden.
        Gruss
        Tonie

        • Aus verschiedenen Untersuchungen ist bekannt, das selbst sexuell missbrauchte Kinder nicht aus der Familie herausgenommen werden wollen, sondern nur, das der Missbrauch ( oder eben auch die Misshandlungen ) aufhoeren.
          Sie wollen nicht von den Eltern getrennt sein und eine Trennung ist immer erst mal eine weitere Traumatisierung.
          Der Taeter gehoet aus der Familie genommen und die der Rest muss zusammen bleiben und benoetigt Hilfe.

          Das ist fuer mich Solidaritaet fuer das Kind.

          Kompromisslos waere, das Kind gleich raus zu nehmen und beide Eltern zu verteufeln, ohne sich darum zu scheren, welche Rolle der nicht missbrauchende oder misshandelnde Elternteil, der womoeglich selber missbraucht und misshandelt wird, darin spielte.

          Man muss immer erst nach Moeglichkeiten suchen, inwieweit ein Kind ind er Familie bleiben kann ( nur mit einem Elternteil und Geschwister ).
          Bei einer Vermittlung in Pflegefamilen werde auch manchmal die Geschwister getrennt.oder sie muessen eben in ein Heim.

          Naja, ich komme aus dem sozialen Beruf und denke da sicher weniger radikal. Sonst wuerde ich bei jedem blauen Fleck der Kinder ja gleich das Jugendamt rufen, ohne die Situation zu hinterfragen.
          Es geht immer erst mal darum, abzuwaegen, was zu tun ist, um weiteren Schaden am Kind zu vermeiden. Auch wenn ich emotional stark betroffen bin und das Kind am liebsten gleich aus der Familie nehmen und dir Eltern betrafen wuerde, muss das nicht unbedingt das Beste zum Whole des Kindes sein.

          Was mir sehr fern liegt, ist den Taeter zu entschudligen.
          Ich verstehe nicht, warum du meine Beitraege immer wieder so interpretierst.
          Ich bin selbst ein von seelischer und koerperlicher Gewalt, sowie sexuellem Missbrauch betroffenes Kind und immer emotional sehr betroffen, wenn ich erfahre, das so etwas wieder passiert ist.

          Nur, Hitler hat seine Idee auch kompromisslos durchgesetzt.

          Was ich damit sagen will, ist, es gibt nicht nur faule Kompromisse, sondern auch faule Kompromisslosigkeit.

    • Lieber Mario,
      ich bin ganz überrascht und doch sehr froh über deine Rückenstärkung!!

      Ich schreibe einfach so wie ich es fühle,ich mag nicht unaufrichtig sein und kein Verständnis vorspielen wo ich keins habe.
      Für die Kinder habe ich ein tiefes solidarisches Gefühl.
      Sie brauchen und verdienen es,auch die kinder die wir waren. Wenigstens im nachhinein. Das ist das mindeste!

      Dir alles liebe und herzliche Grüße
      Tonie(ganz gerührt)

  21. Ich weiss heute, das ich damals ein sehr schwaches Selbstwertgefuehl hatte und glaubte verpflichtete zu sein, all diese Aufgaben zu uebernehmen. Mich gab es garnicht mehr, sondern nur noch ein Ding in einem Getriebe, das glaubte genaus funktionieren zu muessen.
    Ich versuchte mir schon mir Hilfe zu holen, bei meinen Eltern, die es ablehnten, da ich mich ja fuer diesen Mann entschieden hatte und nun damit mit allen Konsequenzen alleine fertig werden sollte. Meine narzisstische Mutter unterstuetzte eher den Verlust meiner Selbstachtung. Wohl weil es fuer sie sinnvoller war, wenn die Ehe scheiterte, dann hatte sie mich wieder besser unter Kontrolle.
    Meine Schwiegereltern versuchten fuer mich zu intervenieren, gaben aber dan auf, weil ihr Sohn mit ihnen die gleichen fiesen Streitereien anfing und sie dem nicht gewachsen waren.

    Nur mein Hausarzt sah das Problem und sagte mir den Burn Out vorraus. Ich glaubte ihm nicht, weil ich dachte, ich schaffe das.
    Erst als ich am Boden lag, began ich eine Therapie.

    Ich haette frueher reagieren muessen. Damit, das ich es nicht tat, habe ich zu all dem auch beigetragen.

    Ich hatte es so gelernt, von meiner Mutter, aber ist das eine Entschuldigung?

  22. Tonie,

    es geht hier nicht darum, wer das Recht hat, meine Tochter zu “besitzen”. Das liegt mir sehr fern und damit wuerde ich mich auch auf die gleiche Stufe stellen wie meine Mutter und mein Kind missbrauchen.
    Sie ist erwachsen und kann selbst entscheiden.
    Nur, eine Entscheidung ist nur dann moeglich, wenn man erkennt, was passiert. Solange meine Tochter nicht erkennt, das sie von meiner Mutter missbraucht wird, kann sie nicht entscheiden, wie sie damit umgeht. Ob sie den Kontakt zu uns beiden halten will, ob sie oihre Grossmutter damit konfrontiert, ob sie mit mir darueebr spricht und den Kontakt aufnimmt oder ob sie den Kontakt zu uns beiden abbrechen will.

    Von meinem Sohn Weiss ich, das meine Mutter ( aber nur jeweils unter 4 Augen und mit dem Hinweiss, niemandem etwas davon zu sagen ), sehr schlecht ueebr mich redet. Fuer ihn kam dabei ein unwohles Gefuehl auf und er sagte mir, das er es nicht normal findet, wenn eine Mutter in dieser Weise ueber ihr Kind spricht. Deswegen ist er mit mir in Kontakt geblieben und hat sich auch entschieden, in Kontakt mit meiner Mutter zu bleiben, sich derartiges ueber mich nicht mehr anzuhoeren und meine Mutter sofort abzublocken, wenn sie wieder anfaengt.
    Meine Mutter sagte mir vor der Eskalation und meinem Kontaktabbruch zu ihr, das ihr mein Sohn voellig gleichgueltig waere. Eine normale Reaktion eines narzisstisch gestoerten Menschen, wenn ein anderer sich seinen Manipulationen und Kontrolle entzieht.

    Solange meine Tochter nicht bemerkt, das sie manipuliert wird, ist sie auch nicht frei in ihrer Entscheidung. Und sie ist verzweifelt, weil sie spuert, das was nicht richtig laeuft, es aber nicht benennen kann.

    Wenn du dir meinen Link ansiehst und unter Èntfremdung `nachliest, findest du eine sehr genaue Beschreibung dessen, was auch bei mir sehr aehnlich abgelaufen ist.

    Petra

  23. Ich kann nicht behaupten, jemals so etwas aufrüttelndes gelesen zu haben, als hier an dieser Stelle,
    weder sonstwo im Internet, noch in Zeitschriften oder Büchern, in diesen Kommentaren und Berichten.
    Es sind die Geschichten meiner eigenen Kinderzeit, die hier berichtet werden,
    ohne dass ich selber ein Wort dazu geschrieben habe, die ich hier wiederfinde,
    mit Tränen in den Augen. Berichte, die mir die Hoffnung geben, dass das Internet doch eine segensreiche
    Einrichtung sein kann, eine Hilfe, sich selbst, das eigene So-Sein zu verstehen. Ja, es taucht alles wieder auf,
    der prügelnde Vater, die hilflose Mutter, die Sprüche:’Du fällst doch jeden Tag herein’ oder ‘Ich wollte
    auch gern auf’s Gymnasium und musste Mist fahren’ oder ‘Heulst du, gibts noch ein paar zusätzlich’
    oder ‘Warte nur, bis Papa kommt’ und so weiter. Alles, aber auch alles, was ich an Erziehung in diesem
    Elternhaus ‘genossen’ habe, baute auf dieser endlosen Prügel – Angst – Prügel – Angst – Kette auf, so
    dass ich mir immer nur wünschte, niemals eigene Kinder zu haben, um diese Kette endlich durchbrechen
    zu können.
    Ich war nur dann frei und ich selbst, als meine Eltern und ich möglichst weit voneinander getrennt waren.
    Nein, es geht nicht um die viele körperlich schwere Arbeit, die in der Landwirtschaft zuhause zu verrichten war,
    da hab ich mir gedacht: ‘Dadurch werde ich groß und stark und kann mich wehren, da hören die Prügel eines Tages
    von selber auf und ich bin endlich ein Gleicher unter Gleichen’, die hat mir nichts ausgemacht.
    Noch heute muss mich meine Frau da oft bremsen.
    Was viel tiefer trifft, ist die Nichtbeachtung, das Nicht-Registrieren-Wollen als eigener Mensch
    durch die Eltern, dieses Nichtinteresse, wenn man von eigenen Gefühlen oder auch nur eigenem Erleben
    erzählen will, was sie auch jetzt noch in ihrem hohen Alter von über 80 Jahren beibehalten haben.
    So bleibt nur eins übrig, ich muß lernen, Distanz zu wahren, sie nicht mehr an mich herankommen zu lassen,
    ‘das innere Kind’ vor ihnen zu schützen.
    Ganz lieben Dank
    Gerhard Fischer aus Mülheim

    • Hallo Gerhard,
      ich finde es schön zu lesen dass du dich schützen willst vor erneuter Verletzung durch deine ignoranten ,grobschlächtigen Eltern.
      das kannst du dir wirklich gönnen.Wenigstens jetzt da wir Misshandelten erwachsen und äusserlich frei sind können wir es geniessen für uns selbst einzustehen und fernzubleiben oder wenn wir es für richtig und gut halten die Wahrheit zu sagen und keine falsche Rücksichten mehr zu nehmen auf die uneinsichtigen Eltern. Wir brauchen sie nähmlich nicht mehr um zu überleben. Das ist vorbei.

      schöne Weihnachten

      Tonie

      • Hallo Gerhard,

        das innere Kind zu schuetzen, sich um es zu kuemmern, ihm das zu geben, was ihm die eigenen Eltern vorenthielten, ist das einzige und richtige was wir als Erwachsene fuer dieses gestoerte, verletzte und traurige Kind tun koennen.
        Ich vermute, du bist auch mit der “Innere Kind Arbeit ” vertraut.
        Nur so wird man unabhaengig von den schaedingenden Eltern und schafft den Absprung, kann die Erwartung von ihnen jemals eine Entschuldigung, Reue oder dergleichen zu bekommen, aufgeben.
        Denn sie wird nie kommen.

        Und wenn dieses innere Kind mit Recht wuetend ueber das ertragene wird, hast du deinen inneren Erwachsenen, der es in den Arm nimmt und ihm zeigt, das er von nun an fuer es sorgen wird.
        Dazu brauchet man dann die eigenen Eltern wirklich nicht mehr und man ist vollstaendig frei, nicht nur aeusserlich sondern auch innerlich.

        Sorge gut fuer dein inneres Kind, du hast den Menschen in dir, der das kann, weil er am Besten weiss, was dein Kind braucht.
        Deine Erzeuger wussten es nicht und wissen es auch heute noch nicht.

        Ind diesem Sinne wuensche ich dir ein gesegntes Weihnachtsfest und ein kraftvolles neues Jahr.

        Petra

  24. Vielen lieben Dank für diese Buch. Endlich darf ich laut denken und vielleicht auch mal laut sprechen, was mir passiert ist.

    Immer ertappe ich mich – das ist mir doch nicht passiert. Will sagen: Ein Teil in mir läßt es zu – ein anderer verdrängt – SOFORT.

    Oh je, dann habe ich einmal in meiner Familie vorurteilsfrei und ohne Vorwurf gesagt wie ich mich fühle. Ich dachte doch in meiner Naivität so wäre für uns alle ein besseres Leben möglich….
    DANACH
    …bin ich nur noch die Person (na ja) die die ich in den Augen meiner Familie sein soll. Gerade beim Schreiben merke ich – schreib nicht …du hast dich geirrt …aber das stimmt nicht. Das es nicht stimmt ist auch längst klar Zumindest in den Augen derer die mich kennen und mögen und in den Augen einer befreundeten Psychologin. Wir kennen uns seit dem ersten Schultag.

    Warum denke ich immer noch ich bin schuld.

    Wenn ich hier schreiben würde was alles passiert ist, wie ich fallen gelassen wurde und mir ganz wichtige Menschen etfremdet wurden und das in Niedersachsen.

    Wenn ich wikrlich berichten würde, dann weiß jeder, dass ich die Wahrheit sage.

    Tolles für mich sehr beindruckendes Buch.
    DANKE dafür!

    • Liebe Sieglinde,

      ich Weiss sehr genau was du meinst, den es erging mir lange Zeit ganz genauso.
      Der Verstand Weiss sehr genau Bescheid, nur das Herz kann es nicht fassen, will es nicht fassen, das die eigenen Eltern, die, die man liebt, von denen man abhaengig war, ihrem eigenen Kind das antun.
      Wenn der Verstand es versteht, will man das Herz schuetzten indem man es verdrengt, sich sagt, das kann nicht sein. Es ist die Angst vor den hoellischen Schmerzen des Herzen, die es verhindert, das Geschehene ganz und gar als Wahrheit zuzulassen.

      Inzwischen hat auch mein Herz es begriffen und es war sehr schmerzhaft. Schon lange bin ich in Therapie und irgendwann war ich stark genug, auch mit diesem Schmerz umzugehen. Es kostet Kraft und viel Mut.

      Meine Mutter hat eine narzisstische Persoehnlichkeitsstoerung und hat mir als Kind nicht nur meinen Vater entfremdet, sondern inzwischen auch meine Tochter und damit verbunden auch mein Enkelkind.
      Ueber sehr lange Zeit habe ich nicht verstanden, was und wie sie das machte, habe auch immer an mir gezweifelt. Ich war mein Leben lang der Suendenbock der Familie und habe oft an Selbstmord gedacht. Das ich noch lebe verdanke ich meinen Kindern. Fuer sie habe ich weitergelebt.

      Und im naechsten Jahr werden ich um meine Tochter kaempfen, die nicht merkt, das sie von meiner Mutter instrumentalisiert wird um mich auch weiterhin seelisch zu quaelen. Sie wird ebenso wie alle anderen Familienmitglieder von meiner Mutter missbraucht und ich bin die Einzige, die das durchschaut und damit auch einen Weg finden kann, das zu beenden.

      Liebe Gruesse
      Petra

      • Liebe Petra,
        hm…kämpfen um die Tochter,die sich wie du ja selber zugibst, abgewendet hat von dir.
        Wärs nicht respektvoller gegen dich selbst und auch sie, wenn du loslässt?
        Ich denke du machst es nur noch grausamer für dich wenn dich so fixierst.
        Bei Menschen die nicht von Geburt “zu einem gehören”würde man das doch stalking nennen,oder?
        Kann doch sein das deine Tochter sich sehr belastet fühlte von einer Mutter die nur am Leben bleiben konnte wegen der Kinder.
        Das ist doch heftig oder?
        Vielleicht wenn du eine glückliche befreite Frau werden kannst (soweit das geht)kommt sich freiwillig auf dich zu

        Gruss
        Tonie

        • Tonie,

          die Situation ist inzwischen eine andere als noch vor einigen Monaten. Inzwischen habe ich einige Informationen ueber meine Tochter durch meinen Sohn und sie leidet genauso unter dem Kontaktabbruch wie ich.
          ” Sie ist verzweifelt “, sagte mein Sohn, ” moechte den Kontakt zu mir, fuehlt sich schlecht, schafft es aber nicht.” Und er hat inzwischen auch mitbekommen, wie meine Mutter sie manipuliert. Nur meine Tochter kann es nicht wahrnehmen, da meine Mutter sie in emotionale Abhaengigkeit gebracht hat. Sie hat die Zeit genutzt, die ich im Ausland war.
          Mein Sohn hat den Kontakt nicht abgebrochen und er hat mich auch zur Therapie begegleitet. Er ist resistant gegenueber den Manipulationsversuchen meiner Mutter. Aber deswegen ist niemand von uns beiden abhaengig vom Anderen.

          Deine Sichtweise ist im Zusammenhang mit meiner Geschichte einfach falsch.

          Petra

          • Und gleich von stalking zu reden, ohne zu wissen, wie die Situation ist, ist schlicht unverschaemt.
            Soviel ich Weiss, ist stalking das permanente auflauern und stoeren der Person in Form von Anrufen, Briefen, Geschenke vor die Tuer legen, auflauern.
            Ich tue nichts dergleichen und habe das auch nicht vor.

          • Das kannst du natürlich so sehen,Petra.

            Trotzdem ist deine Tochter eine erwachsene Frau,für mich klingt das so als würden 2 Personen(deine Mutter und Du )an ihr Zerren.Deine Tochter kannst du nicht zum Glück zwingen( zu deinem Glück?) Du kannst nicht wissen ob sie verzweifelt ist nur weil dus über dritte hörst.

            Wir haben kein Recht auf unsere erwachsenen Kinder.Dabei bleibe ich.

            Gruss
            Tonie

      • Liebe Petra,

        wenn du wüsstest welchen gemeinsamen Weg du und ich gegangen sind. Mehr Parallelen gibt es kaum.

        Gern würde ich mit dir in Verbindung treten.

        Da es für mich leichter ist zu telefonieren wäre schön. – Aber nur wenn das für dich auch in Ordnung ist.

        Einen ganz lieben gruß von mir an dich :-)

        • Liebe Sieglinde,

          man kann ueber die Moderatoren emails austauschen um in Kontakt zu treten.
          Meine Tel.Nr. werde ich hier nicht veroeffentlichen.

          Lieben Gruss
          Petra

          • Stalking ist es ganz und gar nicht. Und dass du deine Tele nich geben magst kann ich auch gut verstehen.

            Für mich ist hat das Schreiben sehr schwer, da gerade hierdurch bei mir (zu)viel aufgewühlt wird.

            Ich wünsche dir alles Liebe :-)

        • Liebe Sieglinde,

          der Kommentar mit dem Stalking bezog sich auf Tonies Beitrag und nicht auf dich.
          Wenn du den Moderatoren erlaubst, mir deine Email zu geben, kann ich dir meine Tel. Nr. schicken und wir koennen telefonieren.

          Lieben Gruss
          Petra

  25. Ich habe dieses Buch gekauft, obwohl ich nicht geprügelt oder sonst wie körperlich misshandelt worden bin. Ich dachte mir schon, dass evtl. auch etwas über emotionale Misshandlung dort enthalten sein würde. Es hat mir sehr geholfen, als ich gelesen habe, dass man emotionale Gewalt heute als relativ genauso schwerwiegend ansieht wie körperliche Gewalt, nur dass sie viel schwerer zu fassen und zu benennen ist. Genau das war jahrzehntelang mein Problem, da ich keine benennbare Gewalt “vorweisen” konnte. Deshalb empfinde ich es als schade, dass in der Umfrage nur allgemein von Gewalt die Rede ist. Ich hätte mich ohne die Lektüre des Buches nicht dort eingeordnet. Ich halte es für wichtig, auch dieses Thema noch eingehender zu beleuchten.

    • Das siehst Du sehr richtig. Es war ja nicht nur der Teppichklopfer, der im Flur hing, für alle sichtbar, auch für die Besucher. Noch schlimmer war die jeweilige Entehrung, ob mit oder ohne Klopfer, die psychisch ausgeübte Gewalt. Das fing schon mit dem Ausschimpfen an, auch wenn es nicht immer was auf den Po gab.:

  26. Danke für dieses Buch, es hat bei mir eine emotionale Lawine ausgelöst.
    Alleine die Berichterstattung im TV hat mich darauf aufmerksam gemacht und nun bin ich auf Ihrer Seite und lese all die Kommentare und die Tränen stehen mir in den Augen. Ich bin die jüngste von drei Geschwistern ich 50, meine Schwestern 52,58. Wir haben alle Prügel bekommen mit dem Gürtel usw. Ich werde jetzt Ihr Buch bestellen und anschließend brauche ich wohl einen Therapeuten, denn mir wird nun klar warum ich so bin wie ich bin und warum das Verhältnis in der Familie so gestört ist. Ich habe immer nach Antworten gesucht, leider habe ich meine Tochter auch zweimal geschlagen, den Hintern versolt wie man sagt, da war sie etwa 11 Jahre alt. Es tut mir so leid und ich denke ich werde mich umgehend bei Ihr entschuldigen, sie ist jetzt 23. ich hoffe sie ist nicht traumatisiert und verzeiht mir.

  27. Hallo, im WDR habe ich den Beitrag gesehen und anschl. die Leseprobe gelesen. Allein das Titelbild verursachte bei mir eine Gänshaut. Gleich der Beitrag von Sonja weckte stark die Erinnerung an meine Zeit in meinem Elternhaus. Älteste von 5 Kindern, Vater in gehobener Position, Mutter daheim. Alles nach außen immer ordentlich, sauber und fein. Das Haus wie geleckt. Für “Fehlverhalten” gab`s im besten Fall ne Ohrfeige. Ansonsten der Teppichklopfer und auch das stundenlange Sitzen im dunklen Keller kenne ich. Ich habe noch eine Woche vor meiner Hochzeit mit 18 J. Prügel mit einem Messingschuhanzieher bekommen. Mein Mann (mit dem ich jetzt 40 J. verheiratet bin) hat mich da raus geholt. Unter Androhung das Jugendamt u. die Polizei zu benachrichtigen durfte ich vor meiner Volljährigkeit heiraten. Heute bin ich 58 J. habe 2 wundervolle Kinder, eine gute Beziehung. Keinen Kontakt zu den Eltern und sehr schlechten bis gar keinen Kontakt zu den Geschwistern. Auch ich habe bei dem Versuch einer Aussprache schon vor Jahren zu hören bekommen: So schlimm war das gar nicht, das weiß ich nicht bzw. das bildest du dir ein. Das schmerzt fast genauso wie die Prügel. Ich hatte lange Jahre das Gefühl der Elternliebe hinterher zu laufen. Wie ein roter Faden hat sich das durch mein Leben gezogen und ich habe lange gebraucht zu erkennen: Auch wenn ich mal nein sage: Ich werde weiterhin geliebt. Von Mann, Kindern und ganz tollen Freunden. So, morgen werde ich mir das Buch kaufen und ich bin sicher: Es bringt mich ein Stück weiter. Ich bin so froh, ein optimistischer und fröhlicher Mensch geworden zu sein.
    Herzlichst
    Cornelia K.

  28. Ich war mal wieder zu Hause. 57 jährig, zum 80 meiner Mutter, die nun an Altersdemenz leidet und sehbehindert ist.
    Mein Bruder war auch dabei, 54… Er wurde von meinem “Vater” zum psychisch kranken Menschen geschlagen. Ich habs gesehen, und leide heute noch darunter, das ein kleiner, heiler Mensch so in Angst und Schrecken und körperlich und seelisch misshandelt wurde.
    Ich wurde auch geschlagen, von ihm übergriffig angefasst , und versuchte die Familie vor ihm zu schützen. Ich hatte keinen Wert an sich, nur den , ihm alles recht zu machen. Nur wenn es ihm gefiel, war es okay. Wehe einer von uns widersprach. Er – erst Maurer, später Manager , aufgestiegen. Leuteschinder genannt, von den Chefs aber anerkannt.
    Und wie oft habe ich sie seitdem besucht, IMMER in der Hoffnung, es wird doch mal anders.
    Aber wie oft wurde ich totgeschwiegen von ihm, nicht beachtet. Übersehen.
    Am Telefon ist alles gut, aber wenn ich in echt da bin, passe ich nicht.
    Auch dieses Mal.habe ich den Irrsinnn seines Verhaltens wieder erlebt, wie er Menschen manipuliert, meine Mutter mich verpetzt bei ihm. Ich wagte es, zu wünschen, das er uns ihn Ruhe frühstücken läßt, ohne das wir gleich aufspringen müssen , wenn er das will. Das hat sie gleich verpetzt, und ich war wieder mal die Böse, die alles besser weiß. Aber ich kann gar nicht erzählen, wie es alles war, meinem Bruder die Hände zitterten.. in mir die Angst und der Schmerz hochkamen. Mein Bruder äußert keine Kritik.

    Wie alleine waren wir doch.
    Mein Vater selber geschlagen, Liebe gab es nicht sagte er mal , sein Vater im Krieg.
    Meine Mutter aus Pommern geflüchtet, die Panzer fuhren über die Leute und haben sich auf ihnen noch mal rumgedreht. Erzählte sie. Traumatisiert wie sie war, sah sie nicht die Misshandlungen, denen wir ausgesetzt waren. Verpetzte uns noch. Sie selbst ein Kind aus einer Vergewaltigung durch den Stiefvater. .
    Und doch gab sie sich Mühe, und doch merkte ich immer, das sie meinen Bruder mehr liebte und mich nicht schützte, ihn auch nicht.
    Und nun sind beide alt un d tun so als sei alles in Ordnung. .. Als wäre alles gut gewesen. Das ist das krasseste , am schwersten auszuhalten.
    Aber es hat keinen Sinn, die Wahrheit zu sagen….. sie würden sie nicht ertragen.

    • Hallo Ute

      Ich habe Deinen Bericht gelesen und kann Deine Ohnmacht recht gut nachvollziehen.
      Spontan möchte ich Dir den Mut Wünschen, beiden Elternteilen mal links und rechts mal ein paar ordentliche Watschen zu verpassen.
      Ich denke ein probates mittel um den Eltern vor Augen zu führen, wie es sich in der Position des Schwächeren anfühlt, für echte oder vermeintliche Verfehlungen durch physische oder auch psychische Verletzungen in ihrer Persönlichkeit herabgewürdigt zu werden.
      Denn Watschen sind doch nicht etwa nur Kindern vorbehalten, wenn sie sich mal nicht erwartungsgemäß verhalten haben?
      Wie gesagt nur ein Spontangedanke.

      Viel wichtiger erscheint mir, etwas für Dich und Dein Seelenheil zu tun. Denn aus Deinen Zeilen lese ich noch sehr viel Schmerz heraus.
      Wie allen Betroffenen kann ich da nur das Buch von Susan Forward mit dem Titel: “Vergiftete Kindheit” empfehlen.
      Dieses Buch zeigt nicht nur die zahlreichen Facetten von Verletzungen auf, die junge Menschen auch von gutmeinenden Eltern erleiden, sondern und das macht das Buch so einzigartig, zeigt es in 10 Punkte-Schritten Wege auf, wie Du Belastendes zwischen Deinen Eltern und Dir auflösen kannst.
      Dies betrifft nicht nur die Aufarbeitung mit lebenden, sondern auch mit bereits verstorbenen Eltern/Teilen.
      Probiers einfach mal aus, mir hat es jedenfalls wahnsinnig geholfen, die alten Fesseln zu sprengen.
      Dir viel Erfolg wünschend.
      LG Klaus

      • Hallo Klaus,

        danke für den Tip. Die Watschen sind eine gute auch wenn ich sie nur gedanklich ausführe.
        Ich hab heute noch mal in dem Buch gelesen ( Geprügelte Generation) und viele Parallelen gefunden. Bei manchen Geeschcihten stockt mir der Atem, und die Tränen treten iun die Augen vor so viel Unbarmherzigkeit.
        Ich werd mir Deinen Buchtip anschauen. Viele Grüße Ute

    • Liebe Ute,

      es macht wütend ,ja einfach wütend wenn ich deinen Bericht über diese entsetzlichen Eltern lese.
      Es ist eine andauernde Entwürdigung die du und dein Bruder erleidet.
      Warum nur hörst du nciht auf deinen gestressten Körper(der will dir doch was sagen) und schützt dich endlich. Deine Eltern kümmern deine Gefühle nicht.Und du?
      Was willst du da noch? Noch mehr Scherzen?

      Tonie

      • Liebe Tonie,
        das ist eine gute Frage, die Du mir stellst. ich frage mich das auch.
        Selbst meinen Sohn und Enkel haben sie nie gemocht, geliebt, wertgeschätzt. Ihre Stimme klingt immer kühl wenn ich über die beide rede. das schmerzt auch sehr.
        Es war zeitweise mal besser, aber nicht lange.
        Und nun, da sie alt sind, können sie es nicht mehr so gut verbergen.
        Ja warum… weil sie mir leid tut? Selbst Kind einer Vergwaltigung, einer Mutter die sie nicht geliebt hat? Ich weiß nicht, sie ist fast blind nun, vielleicht braucht sie mich? Ich bin ihnen nicht gleichgültig… sicher nicht. Sie ist öfter verwirrt, die Demenz schreitet fort. Ich kann sie nicht alleine lassen, vor allem da mein V. an Prostata Ca. erkrankt ist. Es ist absehbar….

    • Liebe Ute,

      es ist schrecklich, dass deine Eltern dich dein Leben lang so sehr gequält haben. Es ist kaum auszuhalten, das zu lesen.

      Warum lässt du dich weiterhin so quälen? Warum brichst du nicht den Kontakt zu deinen Eltern ab?

      Ich bin auch in der Kindheit schwer misshandelt worden. Ich könnte es nicht ertragen, Kontakt mit meiner Mutter zu haben.

      Liebe Grüße

      Sylvie

      • Liebe Sylvie,

        danke für Dein Interesse. Deine Frage ist der von Tonie sehr ähnlich, darum möchte ich Dir gerne auch die Antwort zum Lesen geben. Bitte les bei Tonie.

        Herzliche Grüße Ute

    • Hallo Ute,
      alles was du schreibst kann ich nachvollziehen, bin in deinem Alter. Die Eltern benutzten uns Kinder als Prellbock, Wutablasser und deren Krankheiten benutzten sie als Mittel um uns emotional zu erpressen. Ich hab mich mühsam rausgewunden und bin froh, der Hirnwäsche meiner Kindheit entkommen zu sein, halte keinen Kontakt mehr zu einer noch quälenden Mutter, die so tut als sähe sie nichts mehr, sich dumm stellt… Mich aber täuscht sie nicht mehr mit ihrem giftigen Spiel. Würde ich ihr immer wieder nachgeben (verzeihen) wäre mein Leben nicht meins. Ich will endlich leben und es geht auch ohne ihre falsche Liebe! Alleine schafft man das nicht so gut da raus zu kommen, habe professionelle Hilfe in Anspruch genommen, die mich darin unterstützt bei mir zu bleiben und mich nicht moralisch verpflichtet zu fühlen, Menschen zu pflegen, die mich nicht verdient haben.
      Viel Glück und Stärke für Dich!

      Anna

      • Liebe Ute, liebe Anna,

        die gleichen Kinderschicksale verbinden uns, ich kenne das nur zu gut. Es ist so bedrueckend, immer wieder davon zu lesen.

        Anna, es ist gut, das du dir professionelle Hilfe gesucht hast, das habe ich auch. Und es tut mir gut

        Zu meinen Eltern habe ich den Kontakt abgebrochen, zu Beginn diesen Jahres. Nach einer erneuten Eskalation. Ich hoffe nicht mehr, nicht wenn es um meine Eltern geht. Genauso wenig, wie es sie interessiert, was sie mir angetan haben, wie krank es mich machte, genausowenig interessiert es mich, wie sie mit ihren Krankheiten ihr Dasein fristen.

        Stueck fuer Stueck befreie ich mich aus dieser Enge in Richtung Freiheit.

        Ich habe noch einige Jahre zu leben und die gehoeren alleine mir.

        Liebe Gruesse

        Petra

    • Hallo,
      Selbstschutz – bitte denkt an euren Selbstschutz! Mit dem Gefühl von Ute, dass unsere Eltern die Wahrheit nicht aushalten würden, SCHLAGE ich mich zeitlebens rum Wie geht es uns selbst damit? Uns haben sie das alles aufgebürdet – mit der SchweigePFLICHT, die uns ein lebenlang quält. Wann erlauben wir uns endlich, es rauszuschreien, wann? Schaut auf die Welt, wie sich die unterdrückte Wut in Form von Gewalt ihren Weg sucht.
      Wenn wir weiter schweigen, wenn wir nicht aufstehen und unseren Schmerz rauslassen, brodelt das Gift immer weiter. Ganze Generationen sind traumatisiert und benebelt von Kriegen, Verschleierungen, Blindheit, Lügen, … Die Folgen sind verhehrend für alle Menschen. Unbewußtes Umsichschlagen lässt sich auf Dauer nicht mehr vermeiden.
      Jede/r Mensch hat ein RECHT auf die Aufarbeitung seines erlittenen Traumas, jede/r darf professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ideal wäre, wenn sich die Familien öffnen könnten für das zwar Vergangene, aber im Unterbewußtsein weiter brodelnde schreckliche Trauma.
      Reply ↓

  29. Hallo allerseits

    Hier ein Hinweis auf die sog. „Therapie der vier Schritte“ von J.K. Stettbacher. Sein Hauptwerk „Wenn Leiden einen Sinn haben soll – Die heilende Begegnung mit der eigenen Geschichte“ beschreibt eine Form der Therapie, die eine Hilfe zur Selbsthilfe ist. Sein Buch kann als PDF-Datei auf seiner Website heruntergeladen werden. Ich habe ein älteres Exemplar dieses Buches zuhause und dieses enthält noch ein Vor- und ein Nachwort von Alice Miller.

    http://www.therapie-der-vier-schritte.ch/wenn-leiden-einen-sinn-haben-soll/

    Auf seiner Website gibt es noch andere Schriften von ihm (auch als PDF abrufbar), sowie Verweise auf andere Bücher zum Thema und auch zu passenden Musikstücken, wobei das für mich persönlich schönste Musikstück fehlt, nämlich „Prendre un enfant par la main“ von Yves Duteil:

    http://www.youtube.com/watch?v=wiI8f8yKwlA

    Eine sehr gute deutsche Übersetzung dieses Liedes habe ich hier gefunden (auf Seite 6): http://www.kirchenblatt.ch/upload/20090109004829.pdf

    Vielleicht ist mein Hinweis ja für den einen oder anderen eine Hilfe.

    Liebe Grüsse
    Mario

    • hallo Mario
      danke für deine Mühe.
      Mich wundert es das Alice Miller das Vorwort geschrieben haben soll zum Buch zur Primärtherapie.
      Sie hat deutlich gesagt das sie Primärtherapie für schädlich hält.

      Grüße
      Tonie

      • Hallo Tonie
        In meiner Ausgabe (Verlag Hoffmann und Campe) steht ein Vorwort von Alice Miller vom September 1989 und ein Nachwort von ihr vom Juli 1990. Da lobt sie die Primärtherapie in den höchsten Tönen! Offenbar hat sie sich dann später dagegen entschieden. Kennst Du die Gründe?

        Liebe Grüsse
        Mario

    • Hallo Mario,
      ah du weisst auch davon…
      ich kann mich erinnern dass sie meinte es sei nicht gut wenn die Klienten in eine Regression getrieben würden.Es würden kurze Einblicke in die Situation von damals genügen um zu verstehen und Zugang zu den Gefühlen zu haben.
      Sie fand das Primärtherapie den Klienten vergewaltigen würde.Sie hat das ja selbst auspobiert an sich selbst und fand die Erfahrungen im Nachhinein nicht wirklich hilfreich sondern eben schädlich.

      Ich hab ein wenig in den SEiten gelesen die man runterladen kann.
      Er hat einiges wohl übernommen von Alice Miller.
      Keine Ahnung was ich von seinen Texten sonst halten soll,ich geh da nach meinem Bauchgefühl und ich hab da kein gutes.
      An Miller fand ich immer sehr stärkend das sie so klar war und den Focus auf das Wissen wollen legte.
      Also ich hab mich da sehr angesprochen gefühlt auf sehr persönliche Weise.

      ich Leute die Primärtherapie nach Janov praktiziert haben,das waren sehr heftige leute die sehr bedrängend waren. Da wurde immer alles und nur auf die Primärphase des Lebens reduziert.
      Das ist auch verdummend,oder?

      Grüße
      tonie

      • Hallo Tonie
        Nun, es gibt verschiedene Methoden der Therapie und jeder soll das suchen und finden, was ihm am besten bekommt. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass es diese „Therapie der vier Schritte“ gibt. Ob die als „Urschreitherapie“ bekannt gewordene Primärtherapie nach Janov und die „Therapie der vier Schritte“ von Stettbacher die gleichen sind, möchte ich bezweifeln. Aber jeder kann das ja selbst untersuchen und entscheiden.
        Die Bücher von Alice Miller habe ich alle und ich habe sie auch alle gelesen, aber dennoch ist sie für mich nicht das Mass aller Dinge. Auch ihre Aussagen darf man kritisch prüfen.

        Sonnige Grüsse
        Mario

    • Hallo Hardy,

      hier ein Artikel der deine Behauptung dass Kindesmissbrauch shcon immer verboten und verpönt gewesen sei widerlegt.
      Nach meiner Beobachtung war es in den Sechziger bis in die Mitte der 80ger Jahren so.
      http://www.emma.de/ressorts/artikel/missbrauch-inzest/missbrauch/
      Ich erinnere mich an einen Hausartzt in der Nachbarschaft über den recht offen geredet wurde das (olala) er seine beiden Kinder sexuell anfassen würde.Ein Mann mit hohem Ansehen.Ein toller Hecht.
      Gruss
      Tonie

    • Liebe Tochter (leider hab ich keine)

      ich finde du musst dir ,deinem inneren Kind gar nichts verzeihen.du hast aus überlebenswillen so handeln müssen. du wurdest genötigt.im Grunde hast du für dich klug gehandelt mit deiner Anpassung.das du in diese unwürdige lage getrieben wurdest ist die schuld deiner Mutter.
      Das hab ich vergessen dir auf deinen lieben Brief zu antworten,ist leider unter gegangen bei mir.
      Uns bleibt nur die Trauer und das Mitgefühl mit dem Kind das wir waren.Und die gute Wut ,na klar.

      Ihc wünsch dir neue Kraft und Abstand zur Vergangenheit.Die Zukunft gehört uns!

      herzliche Grüße
      Tonie

      @hardy
      http://www.freitag.de/autoren/mikael-krogerus/maenner-baggern-wie-bloede

  30. Hallo,
    Danke Mario für die feinen Naturgedanken.
    gehöre, wie fast alle menschen, auch zu den geschlagenen, gedemütigten, braven, die sich liebe erst verdienen musstenn… liebe für leistung…. die sich heut noch hektisch umschaut aus angst, nicht gesehen zu werden, die sich wundert, wenn sie gesehen wird und sich dann lieber duckt und unsichtbar machen will, die nicht fühlt wenn sie geliebt wird… und vor der liebe das weite sucht aus angst vor neuen enttäuschungen, die sich und alle wegdrückt, die ihr zu nahe kommen wollen, aus Angst auch noch das letzte bisschen selbst zu verlieren, die wartet auf entschuldigungen und sich selbst uns zu wenig entschuldet und auch andere nicht darum bittet ihr zu vergeben. Ich bin so oft durch die leiden anderer gegangen hab mein leid nicht gefühlt, beides zwanghaft… keinen weg fand ich raus, es wurd immer enger und es geht nicht weg, es ist teil von mir. Mein alleingang machte mich innerlich und äußerlich so einsam, dass ich jetzt in der vorstufe zum alter etwas tun muss für mich, habs mir erlaubt zur therapie zu gehen und es ist wie eine Befreiung aus dem selbstgezimmerten gefängnis namens alleineschaffenmüssen. betrachte mich selbst auch kritischer, weiß das ich beides in mir habe, sowohl licht als auch schatten. ich will versuchen mit meiner geschichte leichter fertig zu werden und meine verbleibende lebenszeit auf mich selbst und andere mehr acht geben. dass das leichte ohne das schwere nicht möglich ist, bleibt zu erkennen und dies macht mich zum Menschen, der sich und andere leben lassen kann.
    “Die Kinder, die Blumen und die Sterne diese 3 sind uns aus dem Paradies geblieben”.
    Annie

    • @hardy
      ja petra hat recht,zu verwechselst eine menge.die mit krishnamurti war ich und die das verzeihen- müssen -wollen, sehr skeptisch und kritisch sieht auch.mir geht es sehr viel um die eigene lebendigkeit und die selbstbestimmung über die eigenen werte und die freiheit danach zu handeln und zu leben versus abreagieren und ausagieren.
      verzeihen und vergessen halte ich für quatsch.(meine meinung) es geht mir nicht ums lieb sein.

      gut das petra etwas klargestellt hat. Ich dachte shcon ich hätte bei petra etwas nicht mitbekommen..nein du hast vieles nicht richtig mitbekommen!

      wünsche dir und den andren gute erhellende träume
      tonie.

    • Liebe Annie,
      noch ein Nachtrag.
      Ich selbst habe an dem Punkt gestanden, wo ich deutlich gespuert habe, das es fuer mich um Leben oder Tod ging.
      Ich habe damals in mein Tagebuch geschrieben:
      ” Ich spuere deutlich, das in mir um die Frage geht: Will ich leben oder sterben.”

      Ich habe mich fuer das Leben entschieden, denn sich selbst das Leben zu nehmen erfordert mindestens genausviel Mut, wie sich dem Leben und dem erlittenen Unrecht zu stellen. Und ich wollte diesen Mut fuer das Leben einsetzen.
      Und diese Wahl hat jeder. Du hast eine gute Wahl getroffen.

      Und spaeter ging es um die Frage, WIE will ich leben. Will ich mein weiteres Leben von meiner Wut und Angst dominieren lassen und damit auch weiter alleine bleiben oder will ich meinen inneren Frieden finden.

      Frieden erschien mir die bessere Alternative.

      Und falls du unsicher bist, ob dein Therapeut der Richtige ist um dich auf diesem Weg zu begleiten, empfehle ich dir das Buch:
      ” Tut mein Therapeut mir gut” das Begleitbuch zur Psychotherapie von Wolfgang Siegel. Denn auch hier bist du nicht vor schwarzen Schafen geschuetzt, die Kunst ist diese zu erkennen, das Buch kann dabei helfen.
      Und lass dich nicht verunsichern von denjenigen, die rigoros Therapeuten generell verteufeln.

      Alles gute und das der Mut dich auf deinem Weg nicht verlaesst, du bist staerker als du denkst. Denn der Mut zum Leben zeugt von einem starken Lebenswillen und einer gewissen Reife. Das sind deine Ressourcen, mit denen du beginnen kannst. Und die anderen wirst du bald entdecken.

      Liebe Gruesse
      Petra

  31. Hallo Hardy,
    wenn schon mitlesen, dann bitte auch richtig und aufmerksam.
    Du wirfst meine Beitraege und die von Tonie durcheinander.
    Ich hatte deutlich geschrieben, das ich nicht mehr auf eine Entschuldigung warte und wiegesagt, den Beitrag mit der bequemen Couch sarkastisch gemeint, eben genau in die Richtung deren, die darauf warten und andere fuer sich arbeiten lassen, dafuer das sie bekommen was sie wollen.

    Bitte meine Beitraege und die von Tonie differenzieren, den ich stimme nicht in allen Aussagen mit ihr ueberein.

    Und jetzt mochte ich mich erst mal von dieser Diskussion verabschieden, den ich habe auch noch andere Dinge zu tun, die etwas mit meinem weiteren Leben zu haben.

    Beste Gruesse
    Petra

    • lieber könig hardy

      ich finde das kinsiki eben mit ihrer kritik an der schuld ihrer mutter und ihrers stiefvaters(hose ausziehen,aufs bett legen und dann hat er sie verdroschen) sehr gut herpasst.
      wäre sie nicht so misshandelt worden vor allem seelisch durch ignorieren und körperlich schon von der Mutti hätte dieses verbrecher klaus nicht so erfolgreich gewesen.
      das hat sie in den talkshows shcon versucht zu vermitteln auch im buch.
      ihre klare weigerung zu verzeihen mit einem klaren NEIN,finde ich obendrein mutig
      überigens auch john burnside (die lügen des vaters)hat als er gefragt wurde ob er seinem brutalen vater verzeihen könne ,(er stutzte erst) gesagt (was auf seine emotionale redlichkeit shcliessen lässt) nein das kann man nicht,höchstens in form einer amnesie.

      meine mutter hatte empathische züge hin und wieder und genau dieser umstand machte es für mich zu so einer brutalen enttäuschung.
      die empathie galt meistens sich selbst.da war ein imenses verständnis für menschliche schwächen.ihre schwächen.

      mit worten nehme ich es auch gelegentlich genau.
      so das ich das wort fehler bei schuldhaftem verhalten auch so beschissen finde.

      gruss
      tonie

    • nochwas

      die hippies die ihc aus den frühen 80ger jahren kenne waren überigens alles andre als liebevoll mit dem nachwuchs,eher gleichgültig und genervt.(vielleicht lag es in der zeit auch an bagwan einflüssen,mag sein)
      soviel ich weiss wars früher auch häufig so dass sie ihern nachwuchs früh sexualisierten und iher verdränten ängste auf die väter auf den nachwuchs projezierten.
      bekannt ist der fall von river phoenix der in einer hippie kommune aufwuchs.

      • @tonie

        man muss nicht in einer “kommune” gelebt haben, um sich als “hippie” zu bezeichnen, und viele, die sich in den 80ern als solche verstanden, kamen schlicht ein dutzend jahre zu spät.

        worauf du anspielst, deckt sich mit meinem VHS-anwurf: viele nehmen sich nur halb verstandenes zeugs als rechtfertigung für das, was man gerne “selbstverwirklichung” nennt – es ist aber eben nur eine entschuldigung für die reinen egoismus, der die kinder verwahrlosen läßt (angeblich antiautoritäre erziehung) und sich einer falsch verstandenen “esoterik” hingibt.

        ende der 60er anfang der 70er bezeichnete das noch eine klare abgrenzung von der welt der ns-sozialisierten eltern, eine in der es mehr um empathie als um die karriere ging.

        in meinem fall mehr um meine kinder als um meinen job. daß ich damit eine kette unterbrochen habe, hat mir so deutlich erst dieses buch gemacht.

        das mit den königinnen/königen ist übrigens nur die zustandsbeschreibung für das, was man früher “erwachsen” nannte. ich lebe ja heute in einer welt, in der das keine selbstverständlichkeit mehr ist und prinzessinnen/prinzen diesen zustand gerne jenseits der 50 konservieren möchten ;-)

    • @petra,

      schande über mein haupt. ich habe es ein paar sekunden, nachdem ich es gepostet hab’, selbst bemerkt, aber da war es schon zu spät.

      mea culpa.

  32. @petra

    ich hatte das schon richtig verstanden (wie gesagt, ich lese still seit einem jahr mit), mir kam die aneinanderreihung dreier in sich vollkommen verschiedenen themenbereichen (mißbrauch, entführung und dem thema, das frau MM dankenswerterweise auf’s tablett gebracht hat) nicht “dienlich” vor. ich verstehe es so, daß es hier darum geht, daß gewalt gegen das eigene kind “normal” war … sexuelle gewalt war das nie. kinder zu schlagen, sie zu brechen und so zu “formen” galt ja als gesellschaftlich sogar gewünscht.

    frau kinski und frau kampusch gehören für mich nicht hierher, aber wie gesagt, eigentlich lese ich nur mit und denke darüber nach. aber ich “passe” wahrscheinlich auch nicht so recht in die runde, ich bin ein alter hippie mit ziemlich radikalen ansätzen, die sicher nicht geteilt werden.

    meiner meinung nach zb. wäre eine therapie der prügelnden erwachsenen mit oxytocin angebracht, daß ist das hormon, das bei der geburt von frauen ausgeschüttet wird und die bindung zu ihrem kind erst erzeugt. oxytocin führt zu der erfahrung von “empathie” würde also die “klienten” mit ihrer eigenen tat überhaupt erst konfrontieren.

    du sagst da oben, daß du auf eine entschuldigung wartest. dazu ist jemand, der nicht zur empathie fähig ist, überhaupt nicht in der lage. oxytocin würde genau das erreichen, der oder die jenige würde eine erfahrung machen, hinter die er/sie nicht mehr zurück kann und … eine entschuldigung, weil man verstanden hat, was man getan hat, überhaupt erst möglich.

    ich habe die woche auch auf meinem eher persönlichen blog (hinterwaldwelt.blogspot.de) eine kleine kritik zu “the substance” geschrieben, meine vorstellungen davon, welche erfahrungen menschen machen sollten, um sich ihrer selbst “bewusst” zu werden, gehen noch einige schritt darüber hinaus, was ich gerade zu oxytocin gesagt habe. ich stelle mir einen kontrollierten umgang mit diesen dingen, wie ihn stanislaw grof vorschlägt und entwickelt hat vor.

    wie gesagt, ich bin hier sicher eher radikal in meinen meinungen und höre deshalb lieber zu. ich kann mich auch (summa summarum) nicht wirklich beklagen, ich habe große teile meines lebens in einem kloster verbracht und hatte – im gegensatz zu vielen, die hier schildern, was ihnen widerfahren ist – ab dem 10. lebensjahr einen “gegenentwurf”, ich war nicht ausgeliefert.

    das mindert den (angst)-reflex nicht, aber ich betrachte “die sache” eher als ein gesamtgesellschaftliches phänomen und lege weniger mich selbst als das land, in dem ich lebe, auf die couch.

    was dür dich krishnamurti ist ist für mich übrigens crosby stills nash & young “teach your children well”.

    [..] Sie sind es wert erzaehlt zu werden.

    aber ja doch. ich bin frau MM dankbar für dieses buch, wil sie eine eiterblase aufgestochen hat. aber das thema ist ein “tabu”, weil es an _alle_ rührt und nicht nur an ein paar übeltäter, die wir jetzt in die wüste jagen könnten. also ein thema wie das NS system und dessen nachwirkungen, über die mich übrigens die arte doku “heidschi bumm beidschi” (über schlager …) genauso “erleuchtet” hat wie “die geprügelte generation”. nach beiden hatte ich etwas verstanden, was mir 30 jahre nicht “klar” geworden ist, weil beides so “normal” war.

    @tonie

    ich bevorzuge _königinnen_.

    meine töchter sind _entsetzt_ über den #aufschrei. die wollen sich lieber über ihre person als über ihr geschlecht definiert sehen.

    ich habe das auch nur erwähnt, weil wir einer nicht wirklich stattgefundenen belästigung (der herr war ja nicht “zudringlich”, er war “nur” peinlich und die klägerin konnte offensichtlich ein jahr lang ganz gut damit leben) mehr aufmerksamkeit widmen als _generationen_ von kindern, die sich – im gegensatz zu unseren – nicht wehren konnten .

    das haben wir ihnen erst beigebracht und da setzt auch mein zentraler kritikpunkt zu #aufstand an: liebe mütter, was habt ihr eigentlich die letzten 30 jahre getan, wenn ihr die zeit nicht genützt habt, euren töchtern selbstbewusstsein und euren söhnen respekt beizubringen? VHS bauchtanzkurse???

    ich weiss: ich bin da sehr boshaft, tut mir leid, aber mir ist die prinzessinnen attitüde sehr fremd. ich mag halt königinnen, die starke kinder erziehen. was ja ganz einfach ist: einfach weniger tadeln und mehr loben. das ist banal, aber … funktioniert.

    [..] deutschland ist sehr rückständig.

    oh ja. wir fahren immer noch auf adolfs autobahn, sie ist bloß unter schichten von schichten von schichten straßenbelag verdeckt, unter und in uns und wir wollen es nicht sehen.

    lieb grüße in die runde: euch (und das gilt für alle) zu lesen ist mir auch noch nach einem jahr nicht langweilig geworden.

  33. Frühlingsgedanken

    Wenn ein Gärtner einen Samen eines Apfelbaumes in die Erde legt, so ist in diesem einen, winzigen Samen bereits schon der ganze Apfelbaum mit enthalten! Der Same enthält also alles bereits in sich, um eines Tages ein Apfelbaum sein zu können!

    Das Gleiche gilt natürlich für alle Pflanzen! Und wenn wir in unserem Garten im Sommer zum Beispiel Tomaten, Gurken und Zucchetti ernten wollen, so legen wir im Frühjahr entsprechende Samen in die Erde und hegen und pflegen unsere Pflänzchen meist mit allergrösster Sorgfalt und Liebe, damit ihm nichts zustößt und es gut gedeiht, denn wir wollen uns ja eines Tages an den „Früchten“ erfreuen. Wir wären erbost, wenn jemand die Pflänzchen zertrampeln würde, an ihnen herumziehen täte, etwas abbrechen oder sonst wie manipulieren würde. Wir schützen unsere Pflänzchen, versorgen es mit allem Nötigen und vertrauen im Übrigen der Natur, die schon für das Wachstum, die Entwicklung und Entfaltung sorgt.

    Was aber für alle Pflanzen gilt, gilt ebenso für den Menschen! Auch bei ihm ist im Anfang alles schon enthalten, was aus ihm werden kann! Jedem einzelnen Menschen sind ganz bestimmte Anlagen mit auf den Weg gegeben, ganz bestimmte Fähigkeiten, die von Anfang an in ihm schlummern, wie in einem Samen und auch der Mensch braucht unbedingt gute „Rahmenbedingungen“, damit seine in ihn gelegten Anlagen sich entwickeln und entfalten können und er ein glücklicher und zufriedener Mensch sein kann.

    Und darum kann man sagen:

    Wer einen Knaben misshandelt,
    misshandelt auch den Mann in diesem Knaben,
    misshandelt auch den Vater in diesem Knaben,
    misshandelt auch den Grosvater in diesem Knaben!

    Wer ein Mädchen misshandelt,
    misshandelt auch die Frau in diesem Mädchen,
    misshandelt auch die Mutter in diesem Mädchen,
    misshandelt auch die Grosmutter in diesem Mädchen!

    Denn wer ein Kind misshandelt, misshandelt gleichzeitig auch das ganze Leben, das in diesem Kind angelegt ist und verhindert so das Wirken der Evolution, die in jedes neue Menschenleben exakt jene Anlagen legt, die für die jeweilige Familie (und allenfalls einen grösseren Kreis) absolut notwendig ist, um die Gesamtsituation zu verbessern.

    Mario, am 10. April 2013

    • Hallo Mario,
      ich kann das absolut so unterschreiben.
      Was jedoch den Menschen von Pflanzen und Tieren unterscheidet ist ein Intellekt der es ihm ermoeglicht, aus diesen eigenen Erfahrungen heraus einen neuen Sinn des eigenen Lebens zu entwickeln, naemlich den, sich dafuer einzusetzten, das nachfolgende Generationen das nicht mehr erleben muessen.
      Die Wut, die wir spueren ueber das Unrecht, das uns angetan wurde, koennen wir, wenn wir wollen, dazu nutzen, die Gesellschaft ein klein wenig zu verbessern. Das Bewusstsein darueber, das es Unrecht war, was uns passierte, ist ein erster Schritt. Das sich loessen von schaedigenden Einfluessen der zweite, das lenken der destruktiven Wut und Aggression in produktive fuer die Gesellschaft ist ein weiterer und das Suchen von Moeglichkeiten sie sinnvoll einzusetzen.

      Gerade weil wir wissen, wie ein mishandeltes Kind sich fuehlt, welche Chancen man ihm raubt, wie man damit sein Leben beeintraechtigt, haben wir die noetige Emphatie anderen Kindern zu helfen, denn wir koennen fuehlen, was sie fuehlen.

      Das Buch von Frau Mueller Munsch hat die erste Tuer geoeffnet, jetzt ist es uns, etwas daraus zu machen fuer eine bessere Welt von Kindern.Wer sich dafuer entscheidet, hat keinen leichten Weg fuer vor sich. Aber waeren wir nicht stark genug, diesen Weg zu beschreiten, haetten wir nicht ueberlebt.

      LG
      Petra

      • Hallo Petra, hallo @ll

        Ich denke es ist etwas zu kurz gedacht von einstigen Kinderopfern die notwendige Intelligenz oder Einfühlungsvermögen zu erwarten, um bewusst alternative, oder gewaltfreie Erziehungsmethoden gegenüber ihren eigenen Kindern anwenden zu müssen.
        Die Geschichte beweist ja genau in dieser Hinsicht den generationsübergreifenden Irrtum.
        Denn wären die einstigen Opfer bereits in der Lage ihr eigenes Verhalten in einem gewaltsamen Sozialmilieu kritisch zu reflektieren, benötigten wir heute keine Bücher von Frau Müller-Münch, oder Alice Miller die uns ein wenig helfen, uns im dargereichten Spiegel zu entdecken.
        Ich habe ja auch erst mit Mitte 40, zu realisieren begonnen, dass meine Kindheit alles andere als harmonisch, oder liebevoll verlief.
        Da hatte ich längst eigene Kinder und muss zugeben, sie gleichfalls biografiebedingt geschädigt zu haben.
        Und obwohl wir bereits heute offen über diese Fehler und ihre Folgen sprechen, merke ich doch, wie schwer es ihnen heute fällt, die daraus notwendigen Schlüsse für ihr eigenes Leben zu ziehen.
        Womit ich noch einmal die Notwendigkeit einer nachhaltigen und kontinuierlichen Unterrichtung junger Menschen zum Thema Sozialethik, kritischer Eigenwahrnehmung und Elternvorbereitung halte, welche idealerweise breitenwirksam in unseren Schulen vermittelt werden könnte.
        Doch bislang sehen unsere Kultusminister, bzw. Landesregierungen dafür noch kein Erfordernis.
        Und solange unsere Schulen weiterhin als Erfüllungsgehilfen der Wirtschaft fungieren, werden auch zukünftige Kindergenerationen unsere Schulen als obrigkeitshörige Arbeitssklaven verlassen, die weder in der Lage sind sich selbst und ihre eigentlichen Bedürfnisse wahrzunehmen und entsprechend all ihrer gefühllosen Vorgaben und Vorbildern mehrheitlich genauso gefühllos mit ihren Kinder umgehen, wie sie selbst groß werden mussten.
        Wer es schafft aus eigener Kraft den einstigen Folterkellern zu entkommen, herzlichen Glückwunsch, doch solche Menschen dürften noch immer seltene Ausnahmen bleiben.
        Mit anderen Worten, bin ich der Meinung, dass unsere Mitmenschen zunächst einmal flächendeckend darüber unterrichtet werden müssten, was unter Eigenverantwortung alles zu verstehen ist.
        Denn erst wenn ich in der Lage bin, bewusst Verantwortung für mich zu übernehmen, kann ich daran denken, hilflose Kinder in die Welt zu setzen, die bislang noch immer den Unzulänglichkeiten generationsübergreifender Steinzeiterziehung ausgesetzt werden.

        • Hallo Klaus,
          ich stimme dir zu. Zuerst muss man bei sich selbst angekommen sein und wissen, was Verantwortung fuer sich selbst bedeutet und ich bin auch auf deiner Seite, das etwas passieren muss, was die Gesellschaft auf den noch immer stattfindenden Missbrauch von Kindern, der viele Gesichter hat, deutlich aufmerksam macht.

          Unsere Generation wird es nicht schaffen, es noch zu erleben, das sich die Gesellschaft zu Gunsten der Kinder tatsaechlich veraendert hat. Veraendrungen ind en Koepfen der Menschen dauern lang.
          Aber vielleicht koennen wir alle die noetigen Samen aussaen.

          Es gibt ja bereits Gruppen die sich treffen und vielleicht kann von dort einmal mehr ausgehen. Aber zuerst muessen wir uns doch versammeln und viele sein und uns zusammenschliessen, damit man uns hoert. Nicht nur um uns gegenseitig unsere traurigen Geschichten zu erzaehlen, sondern um einen Handlungsansatz zu finden.

          Kein Politiker liest in diesem Forum mit.

          Will man etwas bewegen, braucht man Mitstreiter und findet man sie nicht in seinem Berufsfeld, sind sie woanders und muss zu ihnen gehen.
          Ich bin auf der Suche nach einer Gruppe, nur leider ist Muenchen zu weit weg fuer mich.

          Beste Gruesse
          Petra

    • Erfreulicherweise gibt es immer mehr Resonanz auf unsere Initiative. Daher können wir bereits den ersten Gesprächskreis in München anbieten.
      (Weitere Gesprächskreise im gesamten Bundesgebiet sind geplant. Sie können sich dazu vormerken lassen.)
      Dieser findet am Samstag, den 4. Mai 2013, von 14 bis 17 Uhr statt.
      Anmeldungen zu diesem Treffen bitte über das Kontaktformular auf unserer Homepage.
      Wir freuen uns auf Ihr Kommen und auf regen Austausch!
      Beste Grüße
      BROKENFAMILIES

    • @klaus

      natürlich können das nur Erwachsene leisten die wissen und fühlen können dass sie einst Opfer von Gewalt durch Eltern und Erzieher wurden.
      Die Verdrängung wirkt bei den meisten ehemaligen Opferb bis ins Alter.
      Doch sehe ichs nicht so schwarz denn durch die öffentliche Berichterstattungen über diverse Verbrechen an Kindern (Huckele hat da etwas geleistet,und auch Menschen wie Pola Kinski,Kinski fand ich sehr aufrecht und stark ) ist doch nicht mehr so einfach die Verleugnung aufrecht zu erhalten.
      Das Versagen gegenüber unseren Kindern möchte ich nicht als Fehler bagatellieren sondern als Unrecht bezeichnen,für das man sich mindestens entshculdigen sollte.Es wird doch Zeit Ernst reinzubringen in die Kinderbetreuung.

      Wem das zu unbequem ist sollte es doch besser sein lassen,das kinderkriegen.

      schönen Abend noch
      Tonie

      • Na dann warten wir bequem in unseren Sesseln zu Hause auf die Entschuldigung unserer Eltern waehrend wir die Aufgabe der Bewusstseinsveraenderung in der Gesellschaft Huckle, Kinski, Natascha Kampus und Frau Mueller-Munsch ueberlassen, weil wir ‘normale’ nichrt medienwirksame Menschen ja nichts tun koennen.

        • @petra

          [..] Unsere Generation wird es nicht schaffen, es noch zu erleben, das sich die Gesellschaft zu Gunsten der Kinder tatsaechlich veraendert hat.

          ich lese hier still mit, nachdem ich am anfang mal alles gesagt hatte, was ich sagen wollte, aber ich muss gerade mal widersprechen: also, ich (jenseits der 50) habe genau das erlebt. früher waren kinder, bis sie nützlich waren, puppen ohne verfügungsgewalt mit denen erwachsene “spielen” konnten. heute sind sie individuen mit rechten. das ist nicht das paradies, aber, ahem, besser als die 50er oder 60er.

          [..] Na dann warten wir bequem …

          nichts für ungut, aber die sache ist einfach: meine drei töchter sind jetzt erwachsen und wurden nie von mir geschlagen.

          das ist im grunde das wichtigste, was man tun kann, die kette zu unterbrechen, neue traditionen in den familienkontext einführen.

          die von dir genannten beispiele sind für mich konfus: öffentlich mißbrauch durch den toten vater zu beklagen ist nichts, was ich für hilfreich hielte. sein eigenes schicksal zu erzählen wiederum halte ich für legitim, aber wie passt das zum thema – und das, was frau müller-münch da gemacht hat, für einen der essentiellsten beiträge zum besseren verständnis, wie diese gesellschaft im geheimen tickt: alles angsthasen, immer die erhobene hand im kopf, untertanenmenschen par excellence.

          es ist sehr bedauerlich, daß es keine größere gesellschaftliche oder medial breit geführte diskussion über das thema gibt. es ist – wie unsere immer noch tiefe verankerung in nationalsozialistisch geprägten mustern – ein tabu, weil es so viele betrifft, die sich aus dem teufelskreis eben nicht befreien können.

          statt dessen schlagen wir uns lieber mit den befindlichkeiten von prinzessinnen, die #aufschreien herum, oder diskutieren die frage, ob manh “neger” in alten kinderbüchern stehen lassen darf.

          • ps

            ich hab mein kind übrigens auch nicht geschlagen
            auch nicht geklappst!
            in der münchner montesorrischule wurde über meinen sohn von einer frau kaminski (mit scientologie verstrickt) orakelt der würde nicht mal die realschule schaffen,so chaotisch wie der sei…

            ich hab mein rückgrad das ich damals entwickeln konnte)für das kind) sehr krishnamurtis buch :wie man ein kind lieben soll” zu verdanken.(absolut gewaltfrei)
            und natürlich der vorreiterin alice miller.
            und mir und meinem willen zur veränderung.
            ein motto war: mein kind schlägt niemand!

          • @ hardy
            Mein letzter Beitrag war sarkastisch gemeint. Ich gehoere nicht zu den Menschen, die bequem sind.
            Und eine viel breitere medienwirksame oeffentliche Diskussion ist genau das, was ich mir vorstelle, wenn wir wollen, das man uns hoert.
            Und mit unseren Lebensgeschichten koennen wir glaubhaft darlegen, was eine derartige Erziehung verursacht. Sie sind es wert erzaehlt zu werden.

            Zum Verstaendniss der Folgen fuer die Opfer des Holcaust haben am meisten die Berichte der Zeitzeugen beigetragen.

            Und wir sind auch Zeitzeugen dafuer, das Unrecht an Kindern veruebt wurde, weil es zu Johanna Harrers Erziehungsratgeber zu wenig Alternativen gab. Und unsere Eltern unreflektiert das angewendet haben, was sie selbst erfahren haben.

          • Achso, und mein Vater ist nicht tot und hat mich auch nicht missbraucht, da hast du was falsch gelesen. Der Missbrauch erfolgte durch einen anderen Mann, mein Vater hat mich dafuer nur noch anschliessend halb tot geschlagen.

    • @hardy,

      -prinzesinnen die aufscheien!(hört, hört)

      naja prinzessinen werden im märchen zumindest mit respekt behandelt und müssen es nicht als kompliment(gefälligst aber auch!) betrachten wenn sie unaufgefordert angemacht werden,da steckt shcon viel aggression drin und die kommt wohl irgendwoher.
      man muss nicht immer bei der spitze des eisbergs anfangen sondern kann ihn auch versuchen von unten zum schmelzen zu bringen.
      mir bringt auch das etwas wenn ich mich als frau meiner würde bewusst bin und diese in solidarität mit andreren verteidigen kann.
      ………………………………………………………………………..
      es braucht m.e. den willen der politik geld locker zu machen für bildung.ich denke da an finnland wo bekannterweise shcon lange ein andres denken gegenüber kindern in schule praktiziert wird.-ein kind darf nicht beschämt werden-das land gibt viel geld aus für kinder.
      deutschland ist sehr rückständig.
      wenn immer mehr leute den mund aufmachen ,leserbriefe schreiben z.b unter freunden widersprechen und bei gelegenheiten einschreiten..ist das etwas .besser wärs mehr personen der öffentlichkeit und wissenschaftler würden deutlich machen was misshandlung bedeutet,aber die haben wies scheint angst die eltern in bedrouille zu bringen.nein eltern darf man nicht angklagen und verunsichern in ihrer machtausübung erziehung genannt.als würde die welt aus den fugen geraten würde man sich dem allen stellen.(würde wohl zu einer erschütterung kommen wenn gewalt gegen die kleinen tabu würde,wohin dann mit der scheiss wut?)

      es gibt längst neurowissenschaftliche beweise das nicht die gene sondern vor allem die frühkindliche behandlung die basis für später legen.
      (gene sind kein shcicksal von jörg blech-wie erfahrungen unsere gene prägen)
      Aber auch er in seinem tollen Buch zieht nicht die schlüsse die wirklich revolutionär sind.nein ,es gibt hilfe(!) durch neue tropfen für die folgen.
      ich fasse es nicht…na dann isses ja gut,oder?

      gene sind veränderbar.also auch ein baby dessen eltern schwer misshandelt wurden und entsprechende gene mitbringt kann durhc eine liebevolle ,geborgene babyzeit ein gesünderer mensch werden und einen andren charkter entwickeln.
      das ist doch wunderbar!

      aufschrei für die kinder wäre nicht so falsch…

      solche foren wie hier helfen doch auch durch die solidarität in der sache den rücken für draussen zu stärken-auch das ist wichtig finde ich ..

      gruss,
      tonie.

  34. As I began to love myself……

    As I began to love myself
    I freed myself of anything
    that is not good for my health
    - food, things, people, situations
    and everything that drew me down
    and away from myself.
    At first I called this attitude
    a healthy egoism

    Today I know it’s:

    “LOVE OF ONESSELF”

    ( April 16th, 1909 by Charly Chaplin )

  35. Hallo Mario und alle anderen,

    (Ich schreibe mal hier oben meine Antwort auf Deinen letzten Eintrag, weil sonst alles durch die Verschachtelung so unübersichtlich wird.)

    jaaaaaa!!!!! Genau so wie Du hätte ich es auch schreiben können und hab es hier und da auch schon, genau wie andere auch. Ich finde, Du hast es wunderbar auf den Punkt gebracht.

    Mir ging es als Kind natürlich genau so: Ich durfte meine Gefühle von Wut (neben Angst und Traurigkeit) nicht zeigen, geschweige denn hatte ich einen Menschen, mit dessen Rückhalt ich sie hätte wenigstens ein bisschen ausleben können. Ich hab sie statt dessen zum Teil an meiner jüngeren Schwester ausgelassen. – Ich hab mich im letzten Jahr bei ihr dafür entschuldigt, ohne mein Verständnis für mich als Kind zu verlieren. Das war gut, auch wenn meine Schwester dabei völlig emotionslos blieb und meinte, das sei doch so lange her und sei auch gar nicht schlimm gewesen. Sie würde gar nicht mehr daran denken. Ich hab gesehen, dass sie ebenso in sich verinnerlicht hat, ihre Gefühle deckeln zu müssen. Doch das ist ihre Baustelle.

    Vor ein paar Wochen gab es bei mir einen Wendepunkt. Mir wurde in einem Gespräch schlagartig deutlich bewusst, dass ich seit meiner Kindheit die Verantwortung für das Verhalten meiner Mutter mir gegenüber trug, weil sie nicht bereit war und immer noch nicht ist, sie selber zu tragen. In diesem Moment flog der Korken in mir hoch, der bis dahin meine Wut für sie unterdrückt hatte. Was hab ich mich lautstark aufgeregt und genau wie Du, Mario, dabei die schlimmsten Ausdrücke benutzt! Später habe ich aus dieser Wut heraus einen authentischen Brief an meine Mutter verfasst, den ich ihr so aber nicht geben wollte. Ich will mich nicht so verhalten, wie sie es tat. Er war allein für mich zur Unterstützung dieses neuen Fließens meiner Wutenergie.
    Einen Tag später habe ich endlich einen sehr langen Brief an sie verfasst, den ich auch tatsächlich abgeschickt habe. Ich habe endlich ihr gegenüber die Wahrheit offen gelegt, habe ihr beschrieben, was sie mit mir gemacht hat (inklusive Beispiele), wie ich mich dabei gefühlt habe, was ich mir von ihr gewünscht hätte, wie es mein weiteres Leben beeinflusst hat und wie es mir heute geht. Ich bin nicht unfreundlich gewesen oder habe unter er Gürtellinie erzählt, sondern klar und deutlich. Ich war noch nie vorher so klar, weder mir selbst noch ihr gegenüber. Der Brief ist durchaus schonungslos, eben weil der Inhalt er Realität entspricht und das, was gewesen ist, ist nun mal nicht sehr schön und nicht leicht auszuhalten. Mit diesem Brief habe ich meiner Mutter ihren Teil der Verantwortung zurück gegeben, was ich auch so schrieb. Duch das Tragen dieser Verantwortung habe ich bislang eben meine Mutter auch geschont und statt dessen den ganzen Ballast geschleppt.
    Nach 1 1/2 Monaten erhielt ich letzte Woche ihre Antwort. Sie geht mit keiner Silbe (!) auf das von mir beschriebene lieblose Verhalten und Tun ein. Statt dessen setzt sie meine Gefühle wie damals schon herab, nennt die Gründe für meine Ängste harmlos und erklärt, dass ich wohl schon als kleines Kind eine psychologische Behandlung gebraucht hätte. An keiner Stelle ihres Briefes habe ich erkennen können, dass sie sich selbst reflektiert.
    Dieser Brief hat mich erschüttert, zuerst sprachlos und dann auch wütend gemacht, auch wenn ich mit diesem hohen Maß an Widerstand gerechnet hatte. Es zu vermuten und sich vorzustellen ist halt doch immer noch etwas anderes, als die Wort real zu lesen.
    Ich spüre deutlich, dass ich nichts in mir mehr zu Verfügung habe an Möglichkeiten, meiner Mutter verstehen zu geben, wie sehr sie mich damals verletzt hat und selbst heute erneut und ganz besonders durch diesen Brief. Ihre Antwort hat mich sehr ernüchtert. Es ist endlich bei mir angekommen, dass ich mich zusammen mit meiner Mutter nicht über das, was in unserer Beziehung durch ihr Verhalten falsch gelaufen ist, verständigen kann. Einerseits kommt es bei ihr nicht an, weil sie sich selber vor ihren kindlichen Gefühlen schützen muss, ja. Dennoch… Ich habe ihr und mir eine Chance gegeben. Sie hat die Möglichkeit gehabt, sie zu nutzen um einer besseren Beziehung zu ihrer Tochter wegen. Ich nehme wahr, dass sie nicht nur kann, sondern zu einem Teil anscheinend auch nicht will.
    Auch wenn diese Generation zu der Zeit, als sie Eltern wurden nicht solche Möglichkeiten hatten wie wir, sich therapeutisch unterstützen zu lassen, es gab sie und es gab Eltern, die eine Therapie gemacht haben oder sich für sich auf den Weg der Selbstreflexion zu begeben. Den Schritt in diese Richtung muss jedoch jeder selber tun und dazu gehört das Bedürfnis oder der Wille, an sich selber arbeiten zu wollen. Diese Entscheidung hat jeder Mensch, der kognitiv dazu in der Lage ist. Ich zum Beispiel habe es auch getan, hätte es auch lassen können. Die Ausrede, alte Menschen seien dazu nicht mehr in der Lage, kann ich nicht gelten lassen. Es sei denn, er ist kognitiv durch eine Krankheit eingeschränkt. (Alter bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Geist nachlässt, wie es gerne behauptet wird.)
    Jedenfalls…. Auch wenn ich die Mechanismen des Verhaltens meiner Mutter verstehen kann, ich kann in meinem Interesse keine Nähe mehr zu ihr zulassen. Mir ist nun neu klar geworden, dass das Risiko, erneut von ihr verletzt zu werden, sehr hoch ist. Und ich werde nicht zulassen, dass sie dazu noch ein Mal die Gelegenheit bekommt. Nach zweijährigem Versuch meinerseits meine innere Tür für eine Veränderung offen zu halten, werde ich sie nun schließen. Ich habe alles mir mögliche getan und ich glaube, dass ich jetzt an dem Punkt bin, zum einen endlich über den Mangel an einer liebevollen Mutter trauern zu können, zum anderen besser nach vorne zu schauen und mich auf mein weiteres Leben zu fokussieren. Ich muss mein Leben leben mit allen auch schlechten Erfahrungen und gut für mich sorgen, genau wie meine Mutter ihr Leben leben muss. Nur nebeneinander werde ich nicht mehr gehen.

    Ohne das Zulassen und Rauslassen meiner Wut – und dieser Prozess ist noch nicht ganz beendet, wäre ich nie an diesen sehr gesunden Punkt gekommen.
    Es stimmt, Mario, es ist schon super und durchaus heilsam, wenn man in der Lage ist, dies mit sich alleine ausmachen zu können und zum Beispiel ein Sofa darunter leiden zu lassen. Für unser inneres Kind ist es sehr heilsam, dass es endlich spürt, wir sind für es als liebevoller und haltgebender Elternteil da. Ich finde aber auch, dass es uns als früh tief verletzte und emotional verlassene Kinder gut tut und für eine Zeit lang wichtig ist, einen verständnisvollen und empathischen Menschen bei diesem Prozess an der Seite zu haben. Ich weiß, dass es möglich ist, so einen Menschen finden zu können. Leicht ist es nicht, wie wahr. Doch es gibt gute Therapeut*innen, die sich auch mit Entwicklungstraumatisierung gut auskennen und vor allem ihre eigene Kindheit gut aufgearbeitet haben. (Ohne dem kann keine Therapie gut sein meines Erachtens.)
    Leider ist es so, dass die Suche nach solch einem Menschen erschwert ist, wenn man auf die Kostenübernahme durch die Krankenkasse angewiesen ist. Da braucht man einen sehr langen Atem, den man nicht immer haben kann. Dieser gesellschaftliche Missstand ist schwer auszuhalten. Die Sache ist, dass die klassische Schulmedizin immer noch nicht die Zusammenhänge von frühkindlichen schädigenden Beziehungsstrukturen und der Entwicklung von psychischen Einschränkungen in der Gänze begreift. Wer es sich finanziell leisten kann, kann schneller einen Therapieplatz bekommen und im eigenen Interesse auch danach suchen, wie ich finde. Der Satz ist abgedroschen, ich weiß, doch ich finde, er passt hier trotzdem: “Weil ich es mir wert bin.”

    Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit der Kombi Gesprächs-/Gestalttherapie und Tiefenpsychologie so wie getrennt davon mit der körperorientierten Traumaarbeit nach Peter Levine (Somatic Experiencing).
    Über die vergangenen vielen Jahre habe ich ein Heidengeld ausgegeben, doch war es eine gute “Anlage”, denn mir geht es heute wesentlich besser als vor meinem ersten Schritt. Ich kenne mich besser, bin mir meines Selbst bewusster und kann meinen Wert besser erkennen, auch wenn ich immer noch daran arbeiten muss…. weil ich es möchte.

    Ich schließe mich Dir an, Mario, mit meinem Wunsch an Dich, alle anderen und mir selber von Mut, Kraft, Ausdauer und Geduld auf dem Weg zu uns selbst und dass wir uns immer mehr unserer Selbstsicherheit nähern, um sagen zu können: “I did it my way.”

    Herzliche Grüße
    Tochter

    • Hallo Tochter,

      ich finde auch:wo ein Wille ist auch ein Weg.

      Ausreden und rausreden gilt nicht.Das ist falsches Selbstmitleid.Da wird an die Opfer keine Sekunde gedacht.
      Da muss man sich als ehemaliges Opfer dagegen auflehnen.

      Sonst ist es als würde man sich selbst opfern.
      das nicht perverse Selbst will aber leben,so hat es die Biologie angelegt.Den Lebenstrieb.
      Gutes Buch von(Hirnforscher) Antonio Damasio:” Ich fühle also bin ich”!

      Würde ist ein hohes Gut

      Gruß
      Tonie

      • Hallo Tonie und Tochter,

        Ich bin inzwischen an einem Punkt angelangt, das ich keine Entschuldigung von meinen Eltern mehr brauche.
        Die Misshandlungen und die Gefuehle die dazu gehoeren sind die meines inneren Kindes und ich habe sie, denke ich, zum groessten Teil verarbeitet. Gelegnetlich flammt die Wut nochmal auf, eben in Situationen wie mit meiner Tochter oder in Triggersituationen auf der Arbeit oder im Alltag, aber ich habe differenzieren gelernt zwischen meinem inneren Kind und meinem inneren Erwachsenen.
        Ich nehme mir die noetige Zeit, mich um mein inneres Kind selbst zu kuemmern und es zu verstehen. Von meinen inneren Eltern habe ich mich aeusserlich bereits verabschiedet und arbeite daran, die falschen Glaubensaetze, die sie mir vermittelt haben in fuer mein heutiges Leben sinnvollere zu veraendern.

        Meine Eltern tun mir leid, mehr nicht und ich fuehle mich gut auf meinem Weg in ein eigenes Leben, und ich moechte nicht, das darin Wut und womoeglich Hass noch einen grossen Raum einimmt, nur da, wo Wut und Aerger berechtigt ist. Es ist wichtig sie zu spueren, denn sie kann auch eine starke Kraft fuer positive Veraenderungen sein, dafuer, sich aus negativen Verstrickungen zu loesen. Niemand verlangt, das man ein Heiliger wird.

        Vielleicht schaffe ich es auch eines Tages sogar meinen Eltern zu verzeihen, wohl spaetestens dann, wenn ich mit mir selbst und dem Leben das ich mir alleine aufgebaut habe, mit eigenen Entscheidungen und ohne elterliche Manipulationen, gluecklich und zufrieden bin.

        Ein Stueck des Weges liegt noch vor mir, aber das Verzeihen ist nicht das Endziel, es waere aber sicher auch gut fuer mich selbst, wenn es am Ende als Beigabe dabei herauskommt.
        Ich habe schon gehoert, das es dann ganz von alleine kommen soll, ohne Anstrengung, sozusagen als Belohnung fuer die Anstrengung die man vorher geleistet hat auf dem Weg zur Verantwortung fuer sich selbst.

        Eine schoene Woche noch

        Petra

        • Hallo petra,
          ich hab mal gehört das es das Mitleid ist mit den Menschen die einen verwundet haben das die Wut am leben hält und auch dem Hass immer neue Nahrung liefert.
          Ich hab kein Mitleid mehr mit den Menschen die das kleine Mädchen als Ventil und Triebabfuhr benutzten.

          Meine Mutter hatte immer sehr viel Mitleid mit ihrer Mutter und ihrem Vater.
          Das hab ich ausgebadet dieses tolle Verzeihen von Schuld und dieses Mitleiden mit Erwachsenen die eigentlich für sich selbst Verantwortung tragen hätte müssen.
          Im Berufsleben und in der Gesellschaft von Respektspersonen hatte sie es prima gekonnt.

          Mich interessiert die Wahrheit und die Fakten. Die Auswirkungen von allem auf mein Leben.Ich meine das sollte wahrlich genügen .
          Der Lohn ist für mich mein Leben frei von Symptomen gestalten zu können so das ich im Einklang mit mir sein kann und ich mithelfen kann die Gesellschaft zu verbessern.Als ein Teil von ihr.
          Ich bin ein neugieriger Mensch und wurde lange unterdrückt , meine Eltern gehn mich nichts merh an.

          Es gibt Menschen die meine Liebe wahrlich verdient haben.Und da ist auch Mitleid bzw Mitgefühl möglich.

          gruss
          T.

        • Es ist das Mitgefuehl, mit Anderen und mit sich selbst, das die Wut reduziert und die Aggression auf ein Mass reduziert, wie sie zum ueberleben noetig ist.

          Mitleid, weder mit Anderen noch sich selbst ist destruktiv und, wie du richtig sagst, haelt die Wut auf Andere am Leben, die sich auch, wenn mann nicht mehr weiss wohin damit, gegen sich selbst richten kann, im schlimmsten Falle fuehrt es zum Selbstmord.

          Was man verarbeitet hat, macht nicht mehr wuetend, dann ist es vorbei und du bist wirklich noch sehr wuetend, das ist unschwer zu erkennen. Die Wut des kleinen Kindes, das sich unverstanden und nicht angenommen fuehlt.

          Ich moechte das, was ich schreibe hier nicht als Angriff missverstanden wissen, es sind lediglich meine Gedanken und Gefuehle, die genauso ihre Berechtigung haben, wie deine.
          Und ich verurteile niemanden dafuer, das er ist wie er ist und muss mich auch nicht rechtfertigen.

          LG
          Petra

          • Ich unterdruecke weder Aerger noch Wut, aber ich lasse sie mich nicht mehr von ihr knontrollieren und mein Leben bestimmen.

      • Sehr gutes Video. Er sagt was ich meine, wenn ich im Erwachsenen Ego angekommen bin, kann ich besser damit leben und auch erst dann etwas tun, damit nachfolgende Generationen nicht das gleiche erleben muessen.
        Und das tue in meinem Beruf als Erzieherin unter den Rahmenbedingungen die mir zur Verfuegung stehen.

        Aber zuerst muss ich in mir selbst aufraeumen.

  36. Hallo in die Runde,

    als Betroffene (erwachsenes Kind von 47 Jahren) möchte ich auf das Forum “Beziehungswaisen” aufmerksam machen.
    http://beziehungswaisen.weebly.com/index.html
    Die Seite und das Forum spricht die Menschen an, die den Kontakt zu den Eltern abgebrochen haben oder sehr auf Distanz gegangen sind.

    Es wird sehr gut morderiert. Eltern haben nur als Gast Zugang. Unsere Geschichten sind gut geschützt und die Freischaltung dorthin erfolgt durch Zulassung des Administrators. Bis jetzt sind wir noch relativ wenige, die ihre Erfahrungen austauschen. Die Atmosphäre ist sehr angenehm. Ich kann die “Kinder” hier nur einladen.

    Viele Grüße
    Tochter

  37. Hallo an Alle,
    ich wollte euch mal fragen, wie ihr mit eurer Wut ueber das was ihr durch eure Eltern erlebt habt umgeht.
    Ich habe zur Zeit das Gefuehl, das diese Wut in mir immer uebermaechtiger und unkontrollierbarer wird. Sicher ausgeloest durch die Schwangerschaft meiner Tochter und die Tatsache, das sie mir den Kontakt zu diesem Kind verweigern will.
    Es ist als wuerde der Dampfkochtopf, den ich mein Leben lang muehsam und unter Aufwendung von viel Energie am explodieren gehindert haben, kurz vor eben dieser stehen. All die Wut, die ich ja nie zeigen durfte, die ja boese ist und eliminiert werden muss, befindet sich darin.
    Es ist mir bewusst, das diese Wut auch sehr viel destruktive und zerstoererische Energie enthaelt und ich, wird sie einmal freigelassen, wie eine Bombe nicht nur mich selbst sondern auch Andere treffen wird.
    Ich moechte das unter allen Umstaenden vermeiden und sehe im Moment nur die Moeglichkeit des totalen Rueckzuges von der Aussenwelt um niemandem zu schaden.
    Aber mit dem Rueckzug schade ich mir selbst und bin ihr hilflos und zerstoererisch ausgeliefert.

    Wer kennt das auch und was tut ihr, wenn ihr euch so fuehlt um den Kontakt zur Umwelt nicht zu verlieren und euch nicht selbst weiter Schaden zuzufuegen?

    • Hi Petra,
      ich bin immer froh wenn ich die Wut auf die Misshandlungen überhaupt hinkriege.
      Bin da oft noch blockiert,wie im Vakum(Traumareaktion?) leide aber immer wieder an meiner Umwelt und bin oft verunsichert wenn ich verächtlich oder achtlos behandelt werde, spüre dann Wut wenn vermeintliche Freunde alles runterspielen wollen und mich nicht ernst nehmen wollen/können.(War wohl so mit der Mutter und Vater)
      Die Wut auf meine Eltern habe ich lange gegen mich selbst gerichtet.Weil ich nicht genügend verstand wie sehr ich verletzt wurde.
      Weil ich meine Gefühle als Kind wegstecken sollte und mich mal nicht so mimosenhaft verhalten sollte und überhaupt fand die Mutter sowas wie eigenen Willen bei mir perse als tyrannisch.Das ist fatal für ein Kind,die völlige Selbstentfremdung.WEr bin ich eigentlich? WEnn ich nicht fühlen darf und nicht wissen darf das ich fühle.Wie lernen damit umzugehen und die Gefühle für mich nutzen lernen?

      Also wenn ich es schaffe den Hass auf die Eltern zu merken dann ist das für mich so befreiend,es fühlt sich vital und gerecht an. Angstbefreit
      Ich versuche mir immer wieder serh viel verständnis zu geben.
      und immer weniger dieses antrainierte Mitgefühl an die Eltern zu verschwenden.Weil beides geht nicht ,sie verstehen und mich achten .Das shcliesst sich für mich aus.

      Wenn du die Wut an die Eltern gefühlmässig und verstandesmässig an sie adressierst dann wirst du bestimmt keinen Schaden anrichten.
      Deine Tochter ist nicht Schuld. Irgendwie ist sie aber auch Grund für Stolz auf dich ,denn sie traute sich sich abzugrenzen .

      Das waren meine Gedanken zum Thema.

      lieben Gruss
      Tonie

      • Hallo Tonie,
        danke fuer deine Worte.
        Ja, ich empfinde auch diesen Stiolz auf meine Tochter, die sich traut, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, aber das ist natuerlicherweise auch die Trauer, das sie sich mir gegenueber abgrenzt und die Wut, das sie sich aber nicht von meinen Eltern abgrenzt.
        Ich kann es mir nur so erklaeren, das hier finanzielle Interessen dahinter stecken, denn meine Mutter hat sich ab einem gwissen Zeitpunkt ( ich war so ca. Ende 30 ), die Loyalitaet aller Familiemitgliedern durch grosszuegige finanzielle Zuwendungen erkauft. Auch mir hat sie imemr wieder, meistens auch gegen meinen Willen, Geld zugesteckt. Zuletzt einen nicht gerade unerheblichen Betrag als ich in Kanada war und ich denke, weil ich vor meiner Abreise gesagt habe, das es Zeit wird, das ich lerne auch ohne sie auszukommen ( ich sagte, ich muss das lernen, denn es wird ja nicht bis an mein Lebensende so weiter gehen, das sie da sind ). Zu diesem Zeitpunkt habe ich angefangen zu bemerken, das ich emotional sehr abhaengig von ihr war, was nach meinem Eindruck wohl auch so gewollt war und ja auch eine Folge von Misshandlungen und emotionalem Missbrauch ist.
        Da wollte sie mir diesen grossen Betrag auf mein Konto ueberweisen, was ich damals ablehnte.
        Meine Schwester hat uebrigends auch diesen Betrag bekommen, mit der Auflage, das Geld nur fuer einen Hausbau im gleichen Dorf meiner Eltern verwenden zu duerfen. Da wohnt sie jetzt auch, 5 Gehminuten vom Haus meiner Eltern entfernt und findet das alles voellig in Ordnung. Sie macht sich inzwischen auch bereits Sorgen darueber, wie sie ohne meine Eltern weiterleben soll und sagte mal, das sie nicht will, das meine Mutter jemals stirbt. Als ich das letzte Mal mit ihr sprach hat sie auch zum ersten mal zugegeben, das sie auch Depressionen bekommt und war sehr verwundert darueber. Sie hatte bisher nie dieses Gefuehl.
        Hier wird fuer mich wieder der emotionale Missbrauch meiner Mutter deutlich, die alle Faeden in der Hand haelt. Wie es narzisstische Muetter eben tun.

        Neben allem Stolz auf meine Tochter habe ich aber auch Angst um sie, denn sie ist bereits in den Faengen der Spinne. Ich hoffe, das sie es rechtzeitig merkt, bevor all das in die naechste Generation meiner Familie weitergetragen wird.

        • Hallo Petra,
          die Sorge um deine Tochter..hm vielleicht wenn du konsequent vorlebst dass man auch ohne diese dominante Grossmutter überleben kann ,merkt sie im HInterstübchen etwas für sich.

          Lass sie nur machen,sie ist alt genug und wird ihr Leben shcon meistern.Sie muss eigene Erfahrungen machen.

          Mein Sohn hat einmal gesagt:ich finde es beeindruckend dass du dich gegen deine Mutter entschieden hast.
          Er hat nie den Kontakt zu ihr gesucht,weil sie ihm zu verrückt ist.
          Ich hab ihm glaube ich einen gesunden Egoismus beigebracht(weil ich ja keinen Willen haben durfte,genoss ich es an ihm zu erleben das es nichts Böses ist einen zu haben)

          Klar das Finanzielle ist immer eine Macht. Ich denke man soll nehmen worauf man gesetzlich (moralisch)ein Recht hat.Ohne Scham.

          soweit..alles Gute.
          Lieben Gruss

          • Hallo Tonie,
            ich lasse sie ihre Erfahrungen machen und habe inzwischen kein Problem mehr damit, meinem Impuls Kontakt mit ihr aufzunehmen nicht nachzugeben.
            Mein Sohn denkt genauso wie deiner, so wenig Kontakt zu dieser durchgeknallten Grossmutter wie noetig, gerade genug, damit die Geldquelle vorlaeufig nicht versiegt ( er geht gerade wieder zur Schule und muss mit Bafoeg und einem kleinen Nebenjob auskommen. Da kann er jeden weiteren Cent gut gebrauchen ).
            Zu ihrem Geburtstag ist er dieses Jahr nicht dort aufgetaucht.
            Ich bin froh, das meine Kinder sich nicht wirklich tief in all das hineinziehen lassen.

            Ich erinnere mich, das, als meine Tochter in die Pupertaet kam, ich den geheimen Wunsch hatte, das sie die unheilvollen “Traditionen” unserer Familie ein Ende setzt und die Ketten bricht.
            Ich denke inzwischen, das sie das wirklich tut und ja, das macht mich stolz auf meine Kinder.

            Mein Sohn hat sehr lange so schwer getan, seinen eigenen Weg zu finden. Auch er musste sich erst mal aus diesen Zwaengen befreien.
            Wenn ich heute seinen weiteren Plaenen zuhoere, wird mir bewusst, das der samen, den ich in sie gesaet habe, aufgeht. Fuer beide ist es selbstverstaendlich, das sie fuer ihr Leben selbst verantwortlich sind und das, was sie daraus machen, was ihnen mitgegeben wurde.
            Er bekam von seinem Lehrer kuerzlich gesagt, das er ihn fuer sehr intelligent halte und ihm das Studium vorgeschlagen. Es gab Phasen in seinem Leben, wo ich die einzige war, die an ihn glaubte und wusste, das er, gegen die Meinung meiner Eltern, ein cleveres Kind ist.
            Ich denke, das habe ich richtig gemacht, weil es das war, was mir immer fehlte. Er hat sich nie fuer dumm gehalten, wie ich als ich Kind war. Und auch meine Tochter nicht.

            Ich weiss, sie werden beide ihren Weg gehen.

    • Hallo Petra,
      wodurch glaubst du entsteht diese Wut auf die Schwangerschaft Deiner Tochter? Warum will sie den Umgang mit dir verweigern? Fühle oft auch Wut als Zorn auf den Mangel in mir, nicht wirklich geliebt worden zu sein. Wenn ich Mangel verspüre, ist es eigentlich immer noch der alte Mangel. Unbewußt setzt man auch andere Menschen damit unter Druck, den Druck, den man selbst ja nicht nicht erträgt.
      Es gibt die Möglichkeit, sich einfach nur zu freuen über das Wesen, das da heranwächst ohne Anspruchsdenken, ohne es greifen zu wollen. Dies wäre meine Option loszulassen vom üblichen HabenWollenDenken. Ein neues Wesen wächst auf diese Art des im Frieden heran. Den eigenen Mangel kann ich nur selbst versuchen auszugleichen, indem ich für mich gut sorge, das betrifft auch und in großem Maße meine GedankenGänge. “Die Möglichkeiten sind immer größer als die Wirklichkeit” .
      Alles Gute!
      Sabine

      • Hallo Sabine,
        ich habe keine Wut auf meine Tochter und ihre Schwangerschaft, ich habe mnich da wohl missverstaendlich ausgedrueckt.
        Ihre Schwangerschaft und ihr Kontaktabbruch macht mich sehr traurig.
        Wuetend bin ich auf meine Mutter, von der ich mir sicher bin, das sie zu diesem Kontakabbruch beigetragen hat, aus Neid und Wut darueber, das ich nach Kanada ging und mich damit ihrem Einfluss entzogen hat.
        Sie hat meine Abwesenheit dazu benutzt, meine Tochter zu manipulieren und sie merkt es nicht. Sie hat mir ja bis heute noch nicht ihre Gruende fuer den Kontakabbruch genannt.
        Es ist inzwischen sicher, das meine Mutter eine narzistische Stoerung hat und ich bin der auserwaehlte Suendenbock. Und narzisstische Muetter haben an nichts mehr Freude, als den Suendenbock leiden zu sehen. Sie wusste genau, das es mich hart treffen wuerde, wenn meine Tochter den Kontakt zum mir abbricht und eben auch noch mehr, wenn ich auch meinen Enkel nicht sehen darf.

        Auch das Wissen darueber schuetzt jedoch nicht immer vor den Gefuehlen der Verletzung.
        Es waere auch typisch fuer meine Mutter, wenn sie mir im Sommer ein Foto schicken wuerde, mit ihren Urenkel auf dem Arm und freudigem Lachen, nur um mich wieder zu kraenken.

        So ist meine Mutter eben.

        Und das ist es, was mich zu solchen Ereignissen noch immer traurig udn auch wuetend macht.
        Waere ich noch ein Mensch, wenn ich dann nicht so fuehlen wuerde?
        Das Entscheidende ist doch, nicht darin stecken zu bleiben, sondern es zu ueberwinden und sich nicht dauerhaft runter ziehen zu lassen.
        Und das kann sie inzwischen nicht mehr, mich dauerhaft mit ihrer Bosheit runterziehen, weil ich weiss, wie sie ist und das das nichts mit mir zu tun hat.

        Meine Tochter hat den Kontakt nicht abgebrochen weil ich eine schlechte Mutter fuer sie war, sondern weil sie die Maipulationen meiner Mutter nicht durchschaut und sich nicht dagene wehren kann.

        • hallo Petra,
          meine Mutter ist genauso wie du die deine beschreibst.
          Sie hat alles Mögliche benutzt um mich zu verletzen und hat sich darin geweidet wenn ich litt.sie brauchte das um sie zu stärken.ich wurde geopfert für ihr shcwaches selbst,ihre Unzulänglichkeitsgefühle
          Auch über mein kleines Kind damals wollte sie mich fertig machen indem sie z.b erzählte dass eine ihrer liderlichen Bekannten meinte mein Kind sähe aus wie ein Kretin! ich war zutiefst erschüttert darüber.Nur mal so ein kleines Beispiel. Sie hat das auch schon meine ganze Kindheit hindurch immer wieder gebracht das sie mir sagte irgend welche Personen (Bekannte,Freunde,verwandte)hätten sich sehr negativ über mich geäussert).Das ist seelische Grausamkeit.
          Mein kind war auch damals bezaubernd und merklich übereintelligent(das gibt es)

          deine Mutter scheint doch irgendwie nützlich für deine Tochter sein?
          Sonst würde sie nicht zu ihr mehr tendieren. Deine Mutter kann ihr wohl etwas geben was sie dir vorenthalten hatte.Das ist sehr schmerzlich kann ich mir denken.
          Vielleicht hast du deine Tochter (ungewollt)gekränkt als du nach Kanada bist?

          Ich denke nicht das man jemanden aufhetzen kann wenn in der Beziehung alles gestimmt hat und es keinen bedeutenden Mangel gab.
          Ich will dich nicht kritisieren und ungerecht sein,aber heucheln mag ich halt auch nicht.

          unsere Mütter waren wohl wirklich entsetzlich für unsere Persönlichkeitsentwicklung.Das zu wissen bringt wenigstens Klarheit.

          Lg
          Tonie
          @sabine
          deinen Satz über die Möglichkeiten versteh ich nicht.

          • Hallo Tonie,

            falls du diese Seite noch nicht kennst, wuerde ich sie dir empfehlen.
            Ich finde insbesondere das Kapitel ueber die Floehe interessant.
            Ich weiss, das ich davon welche abbekommen habe und denke, das sie es waren, die meine Tochter zu diesem Kontaktabbruch bewegt haben. Und damit hatte sie, intuitiv, auch Recht ( sie weiss sicher nicht, das sie sich vor der Infektion an narzisstischen Floehen schuetzt ).

            Das Bewusstsein ueber die Floehe reicht aber nicht aus, um sie gleich wieder loszuwerden. Das ist ein langer Prozess, aber was zaehlt, ist das man erkennt man hat sie und will sie wieder loswerden. Die gute Nachricht dabei ist, das man sie tatsaechlich wieder loswerden kann, weil es erlerntes Verhalten ist, waehrend man Narzissmus selbst nicht heilen kann.
            Und dafuer bin ich zur Zeit wieder in Therapie und fuehle mich darin auch gut aufgehoben.

            Lg
            Petra

          • Von all dem abgesehen weiss ich inzwischen, durch Kenntnisse ueber die Kindheitserfahrungen meiner Mutter, das sie garkeine andere Chnace hatte als eine narzisstische Persoehnlichkeitstoerung zu entwickeln.
            Sie ist ein Kriegskind ( 1940 geboren ), musste ohne Vater aufwachsen der im Krieg war und dort 1945 gefallen ist, musste miterleben, das meine mit 3 Kindern voellig ueberforderte Oma sich bei ihrer 4. Schwangerschaft das Leben nehmen wollte, hat erlebt, das ein Arzt, zu dem meine Oma sie brachte, ihr die rechte Brust mit 12 Jahren amputiert hat und lebte auf einem bayrischen Dorf in Armut. Ihre Gfuehle spielten nauch nie eine Rolle, den meine Oma wurde depressiv und wollte redete so lange ich sie kannte davon, sterben zu wollen.
            Sie musste auch schon frueh die Verantwortung fuer das emotionale Ueberleben meiner Oma uebernehmen.
            Als sie selbst Mutter mit mir wurde ( mit 20 ) hat sie es nicht besser gewusst als die Verantwortung fuer ihre emotionale Stabilitaet sofort an mich weiterzugeben. dazu musste ich auch einen Teil der Verantwortung fuer die Stabilitaet meiner Oma mit uebernehmen.
            Ich habe sicher auch versucht, wieder einen teil an meine Tochter abzugeben, sie aber von Geburt an anders erzogen sodass sie doch wohl die Freiheit gelernt, sich vor so etwas zu schuetzten. ich habe ihr nicht den Satz eingeimpft, der zu meiner Kindheit gehoerte:
            ” Du musst Vater und Mutter immer ehren, egal was sie dir antun. Und Elten haben immer Recht”

            Ich habe es anders gemacht, sonst waere sie nicht in der Lage gewesen sich durch den Kontaktabbruch vor diesen Uebertragungen zu schuetzten.
            Und ich denke, darauf kann ich schon stolz sein, denn waere ich auch ein ‘echter’ Narzisst, haette ich ihr dieses freiheitliche Denken nicht beibringen koennen.

            Beste Gruesse und einen schoenen Sonntag
            Petra

        • Hallo Petra
          ja danke für den link

          ja schlimm was unsere Vorfahren zum Teil erleben und ertragen mussten
          Entschuldigen (von Schuld und Verantwortung frei sprechen)tut es sie aber nicht.
          Die Kinder sind es die alles ausbaden,immer.

          abgesehen davon ist narzissmus ein recht shcwammiger Begriff
          es gibt auch einen gesunden Narzissmus,der ist sehr wichtig.

          Du warst bestimmt keine bösartige Mutter so wie deine.
          Kinder von bösartigen Müttern können sich besonders schwer vor ihrern Eltern schützen sondern suchen deren Liebe ihr Leben lang(vergeblich) Ich denke an meinen alkoholkranken Bruder der ihr immer noch ergeben ist.

          Ich denke ich konnte mein Kind besonders die ersten drei Lebensjahre emotional gut satt machen .Das ist die Basis für Abnabelung.es ist auch durch das verrückte Umfeld (auch in der Familie seines Vaters gab es Misshandlung,Krankheid und den Selbstmord der jungen Tante) einiges überfordernde an ihn herangetragen worden. Das ist tragisch.
          Der Arzt der das Buch “Mutti ist die Bestie” geschrieben hat beschreibt das ganz richtig,finde ich.(das mit der Abnabelung nach der frühen guten Bindung)

          Wir sollten zu unserer Verantwortung stehen finde ich.
          Das ist würdevoller.
          LG
          Tonie

          • Hallo Tonie,
            ja du hast Recht, es gibt auch den gesunden Narzissmus, aber um den geht es nicht auf diesem Link.

            Auch ich habe, da bin ich sicher, meine Tochter in den ersten 3 Lebensjahren emotional satter gemacht, als ich es erlebt habe.
            Alleine dadurch, das ich in dieser Zeit da war, das ich mir Gedanken um eine sanfte Geburt machte, mir viel Zeit nahm die richtige Klinik und Hebamme auszusuchen und sie 1 Jahr gestillt habe, bis sie sich selbst abgestillt hat.
            Ich habe sie in den Arm genommen wenn sie weinte und nicht in ein dunkles Zimmer gestellt und schreien lassen, damit sie lernt durchzuschlafen usw.
            Ich habe mich mit der Entwicklung von Saeuglingen und Kleinkindern beschaeftigt und zu all dem hat mit Sicherheit begetragen, das ich Erzieherin geelrnt habe und damit ein anderes Bewusstsein fuer Kinder erlernt habe.
            Waere es nicht so gewesen, waere sie nie zu einer so starken Persoenlichkeit herangewachsen die in der Lage ist, sich aus eigener Kraft vor schaedlichen Einfluessen zu distanzieren.
            Wie gesagt, ich bin der Meinung, das sie sich in erster Linie vor meinen ‘Floehen” und der Uebrtragung dieser an sie schuetzen will, denn sonst kann sie sich kein eigenes Leben aufbauen.
            Und dafuer habe ich vollstes Verstaendniss.
            Die Erkenntniss der Zusammenhaenge kann sie jetzt ( mit 32) noch nicht erkennen. Konnte ich in diesem Alter auch nicht und offensichtlich habe ich sie emotional nicht so vernachlaessigt das sie emotional abhaengig von mir wurde, wie ich es von meiner Mutter war.

            Daher kan ich sie auch in Ruhe lassen und muss ihr nicht nachlaufen und um ihre Liebe betteln. Denn das waere ja nichts anderes als das, um was ich bei meiner Mutter mein Leben lang gebettelt habe.
            Ich wuerde die Befriedigung dieses Mangels an mein Kind uebertragen und damit das gleiche mit ihr tun, was meine Mutter mit mir gemacht hat.
            Und das ist falsch und nicht die Aufgabe meiner Kinder.
            Aber ich denke das es Zeiten gab, wo ich das, unbewusst ( mit den Floehen ), versuchte und das hat sicher zu ihrer Distanzierung gefuehrt.

            Aber all das habe ich wirklich erst vor kurzem erkannt und erst, als ich mich von meiner Mutter rigoros distanzierte, eil ich am Ende meiner Kraefte war, die nicht mehr reichten, um die Verantwortung fuer mein eigenes Leben und die emotionale Stabilitaet meiner Mutter zu tragen. Der Bruch musste sein, damit ich weiterleben konnte, denn ich war kurz davor, mein Leben zu beenden.

            LG
            Petra

          • Bezueglich Entschuldigungen von unseren Eltern zu erfahren moechte ich meine heutige Sichtweise noch hinzufuegen, was ich aber nicht als Entschuldigung fuer das verstanden wissen mochte, was sie getan haben.

            Meine Eltern waren als Kinder auch nicht in der Lage, sich vor den uebertragenen Kriegstrauemen und dem erlitteten emotionalen Mangel durch ihre eigenen Eltern zu schuetzten. Und meine Mutter hat als 10 jaehrige aufgehoert Kind zu sein, so alt war sie als sie ihre Mutter vor dem Selbstmord rettete.
            Aber die kindliche Seele mit ihren Beduerfnissen lebte weiter und schrie nach Beachtung und Fuersorge. Sie musste sie irgendwie bekommen, so wie wir sie auch suchen. Und wenn es niemanden gibt, der sie beachtet, bleiben nur noch die eigenen Kinder.
            Was bei unseren Eltern die Aufarbeitung ihrer Traumen und es durch den Krieg erlittenen Mangels verhinderte war meiner Ansicht nach die Umstaende die in der damaligen Zeit herrschten, fuer die sie wirklich nichts koennen:
            - Im Krieg und danach war nur das physische Ueberleben wichtig, seelische und emotionales Ueberleben war zweitrangig. Das Beschaffen von Essen unter schwierigen Umstaenden konnte keine Ruecksicht darauf nehmen, wie sich ein Kind dabei fuehlt.
            - das nach dem Krieg auferlegte Tabu ueber das Erlebte und die kollektive Schuld der Deutschen fuer die Greultaten des Naziregimes machte es unmoeglich, darueber zu sprechen, also musste weiter verdraengt werden.
            - das der Allgemeinheit fehlenden Wissen und Bewusstsein ueber transgenerationale Uebertragung, diese Forschungen steckten ja noch in den Kinderschuhen und die Tatsache, das es ja jedem so ging, machte das alles voellig normal fuer diese Generation
            - die fehlenden therapeutischen Angebote machten eine psycholgisch begleitete Aufarbeitung nicht moeglich
            - das Wirtschaftswunder der 60er jahre und der geforderte Blick nach Vorne, blockierte ebenfalls den Blick zurueck, der fuer die Aufarbeitung notwendig war

            Unsere Eltern hatten nie eine Chance, sich mit dem auseinanderzusetzten, was sie uns angetan haben. Sie hatten ihr Lebven lang gelernt, das das Verdraengen die einzige Moeglichkeit ist zu ueberleben. Sie glaubten, das sie uns ein besseres Leben ermoeglichten, weil wir ohne Krieg und Hunger aufwachsen durften. Und damit koennen sie keine Schuld erkennen und wissen nicht, wofuer sie sich entschuldigen sollen.
            Fuer sie war der Mangel an Essen, Kleidung und warmer Unterkunft der Hauptmangel, sowie die Angst vor dem Tod, der ja im Krieg jederzeit kommen konnte, den sie am staerksten empfunden haben.
            Der emotionale Mangel war fuer sie garnicht so spuerbar, also sind sie sich auch nicht bewusst, das sie uns einem Mangel ausgesetzt haben.
            Meine Mutter ist z.B. der Meinung, das sie mich garnicht verstehen kann, warum ich depressiv bin, mir hat es doch im Gegensatz zu ihr an nichts gemangelt, ich musste doch nie hungern.

            Aber wir haben ihn gespuert und wir haben somit, denke ich die Aufgabe, darauf aufmerksam zu machen, was diese Art von Mangel fuer Auswirkungen auf das Leben von Menschen hat. Das ist der Beitrag unserer Generation den wir zu leisten haben auf dem Weg zu einer menschlicheren Gesellschaft.
            Unsere Kinder gehen diesen Weg weiter und wie unsere Generation Ende der 60er Jahre mit der Studentenrevolte auf diese Misstaende anfing aufmerksam zu machen und sich aktiv und radikal gegen Krieg engagiert hat, so agieren unsere Kinder heute radikal gegen den seelischen, emotionalen Mangel, den wir erlebt haben und den sie von uns zu spueren bekamen.

            So wie ich nicht bereit bin freiwillig in einem Land zu leben in dem Bomben fallen sind unsere Kinder nicht bereit freiwillig in einem Land ( Elternhaus ) zu leben, in dem emotionaler Mangel ( Krieg ) weitergegeben wird.

            Und das ist nur allzu menschlich und verstaendlich.

            LG
            Petra

    • Liebe Petra

      Ich persönlich finde, es ist für unser Selbstbewusstsein, für den Weg zu uns selbst, von allergrösster Wichtigkeit, uns zu erlauben, die Wut über die Misshandlungen in der Kindheit nicht nur zu fühlen, sondern auch auszudrücken! Unser Körper musste über viele Jahre hinweg die verschiedensten Misshandlungen wehrlos und hilflos hinnehmen und erdulden. Empörung war bei Strafe verboten! Der Zorn darüber ist in jeder Zelle gespeichert und kann uns sehr krank machen, wenn wir uns selbst nicht erlauben, diesen Zorn endlich einmal auszudrücken und nicht länger die Eltern zu schonen und zu schützen mit unserer falschen, widernatürlichen, anerzogenen Erduldsamkeit und „Groszügigkeit“.

      Ich habe es mir erlaubt, die Wut zu spüren und da ich alleine in einer Wohnung bin, muss ich natürlich darauf achten, mich und auch sonst nichts zu verletzen bzw. zu beschädigen. Ich nehme jeweils ein Handtuch oder einen Stoffgürtel und schlage damit auf das Sofa! Meine Empörung über das, was meine Eltern (ich nenne sie bevorzugt „Geiselnehmer“) mir angetan haben, ist riesig, ist unbändig, ist überhaupt gar nicht zu beschreiben und ich schlage dann nicht nur mit aller Kraft wie ein Tollwütiger auf das Sofa, sondern drücke meinen Zorn natürlich auch in Worten aus, und das sind keine sehr freundlichen, wie sich bestimmt viele aus eigenem Leiden denken können! Sicher, es wäre wahrscheinlich gut und hilfreich für mich, wenn ein mitfühlender Mensch anwesend wäre, der voll und ganz auf meiner Seite ist und mich begleiten täte, aber so jemanden muss man erst einmal finden!

      Das sind also meine Gedanken zur Wut und ich finde, wie gesagt, das Erlebnis, den Zorn zu fühlen und ihn auszudrücken (körperlich und verbal), von ganz grosser Wichtigkeit und dieses Erlebnis ist durch nichts zu ersetzen! Nicht durch blosses Darüber-Nachdenken, nicht durch blosses Darüber-Reden oder Darüber-Schreiben, und schon gar nicht durch vergessen, verzeihen und vergeben, wie es die Elternschützer immer wieder propagieren!

      Alice Miller schreibt dazu in „Wege des Lebens“, auf Seite 231: „Auch wenn sich die heutigen Eltern in Engel verwandeln würden, die Erinnerungen an ihre Taten, ihren Hass, ihre Ablehnung bleiben im Körper ihrer Kinder als gespeichertes Wissen zurück und es bleibt diesen erwachsenen Kindern die Aufgabe, sich von ihnen zu befreien. Nicht durch Vergessen, nicht durch Vergeben, sondern durch das Zulassen der eigenen logischen Reaktion auf Folter, nämlich das Erlebnis der Wut, die man sich so lange verboten hat. Erst wenn diese erlebt und verstanden wurde, kann sich der Körper von der Last befreien, die er oft ein Leben lang tragen musste, um uns zu der so lange verleugneten Wahrheit zu führen.“

      Die erste, wichtigste und aber auch schwerste Hürde, auf dem Weg zu uns selbst, ist das Erlebnis der Wut. Aber es lohnt sich, diese Hürde zu nehmen!

      Ich wünsche Dir, Petra und allen Betroffenen viel Mut und Kraft auf dem Weg zu sich selbst und zum eigenen Leben!

      Liebe Grüsse
      Mario

      • Hallo Mario,
        ich denke, Beides ist moeglich, die Wut auszuleben und auch Grosszuegig zu sein.

        Die Wut, die ich empfinde ist die berechtigte Wut meines inneren Kindes ueber die Misshandlungen und auch ich lebe sie aus, wenn sie kommt, natuerlich ohne mir und anderen dabei zu schaden.

        Aber ich war auch schon immer ein sehr reflektierender Mensch und auf der Suche nach der Ursache fuer all das. Und so bin ich inzwischen zu der Erkenntniss gelangt, das es sehr schwierig ist fuer die meisten Menschen und insbesondere unsere Eltern, den Schaden zu erkennen, den sie in Form von transgenerationalen Uebertragungen zugefuegt haben. Ich habe schons ehr jung damit angefangen so viel Informationen ueber meine familie zu sammeln wie moeglich, aber erst heute, mit 52 gelingt es mir sie auszuwerten und die Bedeutung fuer mein Leben zu erkennen. Und bei der Auswertung, die ich ja nicht auf der Kind sodner Erwachsenen Ebene mache, gibt es keine Wut.
        Mir ist sehr deutlich geworden, warum meine selbst emotional vernachlassigte Mutter mich damit nicht versorgen konnte, das aendert aber nichts an der Wut meines inneren Kindes, solange es in mir klein bleibt. Ich weiss, welche schlechten Gefuehle meine Mutter an mich abgegeben hat und auch wie sie das gemacht hat und auch warum.
        Ich hatte in meinem Leben Phasen unbaendiger Wut, so zerstoererischer Wut, das ich wirklich damit mir und auch Anderen geschadet habe. Das liegt jedoch bereits ca. 15 Jahre zurueck.
        Je laenger ich alleine lebe und erfahre, das ich auch fuer mich selbst sorgen kann, umso weniger wurde die Wut.
        Jetzt arbeite ich noch daran, mein inneres Kind emotional besser zu versorgen, denn ich habe bemerkt, das ich noch immer jemanden im Aussen dafuer suche. Ich bin noch nicht ganz dort angekommen, das ich es schaffe mich ganz und gar anzunehmen und zu lieben.
        Aber auch das kommt noch.

        LG
        Petra

      • Lieber Mario,

        ich finde emotionale Ehrlichkeit auch total wichtig.
        grosszügigkeit mit Menschen die einen Nachhaltig geschädigt haben ist übermenschlich oder reine Kopfarbeit .Das badet dann nur doch wieder jemand aus der schwächer ist oder man bekommt psychosomatische Probleme(war lange bei mir so)
        Ich arbeite daran nach und nach,so wie es halt kommt Dinge aufzudecken um mich besser verstehen zu können,nicht sie!
        Sie sind für sich selbst zuständig.

        Mein Kind weigert sich sich mit meiner Kindheit und meinen Schicksal genauer zu befassen.Ich versteh auch warum.
        Ihc hab viele Jahre verschendet mit dem falschen Mitleid mit den erwachsenen Eltern.
        Die Umwelt hat immer zu meiner ach so sensiblen Mami gehalten.Sie war grossartig im Täuschen.Eine schöne bunte Welt nach aussen.popig und modern.

        Ich kümmere mich jetzt ausschliesslich um mich und stehe meinem erwachsenen Kind für evntl auftauchende Fragen zur verfügung.
        Er lebt sein leben und interessiert sich nicht besonders ,er sieht wohl keinen Grund.
        Und ich muss das anerkennen und akzeptieren.

        Von einem Holocaust Überlebenden verlangt man ja auch keine Grosszügigkeit und die Frage nach dem Verzeihen wird zu recht als verhönung empfunden.Als ob die Vergangenheit dadurch weniger weh täte.Die Täter leiden nciht an sChlafstörungen und sterben sehr oft nach langem gesundem Leben. (hat mal ein Therapeut zu mir gesagt)

        das sollte finde ich für Menschen die in der verletzlichsten Fase ihres Lebens traumatisiert wurden auch gelten.Die Frage nach dem Verzeihen können sollte als despektierlich empfunden werden. Kinder haben immer Rechte und Eltern haben die Pflicht diese zu wahren und nicht ihre Kinder als Ventile zu missbrauchen egal wieso,es ist entsetzlich und man darf zur Rechenschaft ziehen.

        so denke ich und fühl mich gut dabei.

        Lg

        • Liebe Tonie,

          dieser von den Eltern (vor allen Dingen) aber auch von außen Stehenden gehobene Anspruch, wir “Kinder” müssten vergeben und verzeihen bringt mich auch eher an meine Wut als alles andere. Meine Mutter bat mich in ihrem aktuellen Brief auch um Verzeihung…. nachdem sie mir mit ihren vorherigen Worten deutlich machte, dass sie nichts, aber auch gar nichts verstand und meine von mir beschriebenen Gefühle mal wieder platt machte, bzw. völlig ignorierte.
          Nein! Ich muss in erster Linie und allem voran mir selber verzeihen. Und es gelingt mir immer besser, meinem inneren Kind zu vergeben, dass es nicht anders handeln konnte, als sich der Macht seiner Mutter unterzuordnen und ihre Verantwortung zu übernehmen. Es war nicht verantwortlich für das, was seine Mutter dazu brachte, ihre Wut (die sie wahrscheinlich schon als Kind in sich trug) an ihm auszulassen, und es konnte nichts dagegen tun als sich sehr traurig und verlassen zu fühlen. Es war ein Kind und hatte nicht die Wahl, zu gehen oder zu bleiben, sich zu wehren oder nicht. Und weil diese kindlichen Gefühle für immer in mir gespeichert bleiben, muss ich mir selbst im Ganzen vergeben, damit ich meinen Frieden finden kann.
          Es gibt erwachsene Kinder, die für sich das Vergeben der Mutter an erste Stelle setzen. Genau wie Du, Tonie, bin ich davon überzeugt, dass damit deren inneres verletztes Kind erneut in die Ecke gedrängelt wird und das tun sich im Heute selbst… stellvertretend für die Mutter (oder den Vater). Sie übernehmen schlichtweg deren Muster. (Ging mir ja bis zu einem gewissen Zeitpunkt selber so.) Das bewirkt aber keine Heilung, sondern ist nur ein erneutes Ducken vielleicht aus der uns allen bekannten Angst heraus, sich aufrecht vor die Eltern zu stellen und zu sich selbst zu stehen mit allem, was einen ausmacht – inklusive aller Gefühle für mein Gegenüber. auf lange Sicht wird der Organismus mit Störungen reagieren als ständiger Wink mit dem Zaunpfahl, um dringlich darauf hin zu weisen, die eigenen Gefühle endlich nicht mehr zu verdrängen, sondern fließen zu lassen. Ich habe dass auch an mir selbst erfahren. Manchmal passiert es immer noch. Und das will ich mir nicht mehr selber antun.
          Welchen Weg man auch einschlägt – pro oder contra mich selbst. Die Konsequenzen muss ich allein tragen.

          Tonie, ich bin ganz Deiner Meinung.
          Eltern haben die als Erwachsene immer die Wahl, ihr Kind machtvoll ihr eigenes Leid spüren zu lassen oder einen anderen Weg einzuschlagen. Sie trugen die damals die alleinige Verantwortung und müssen nun mit den Konsequenzen zurecht kommen. So ist das nun mal. Da geht es uns allen nicht anders, wenn wir einen anderen Menschen verletzen.

          Tochter

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    Loslassen
    einander lassen
    frei
    losgelöst von zwang- s-gedanken
    druck
    glücklich sind jene, die es der spannung verwehren,
    sie herumzustoßen, die nicht zulassen, dass der druck sie erdrückt.
    Loslösung * gelöst * abgelöst
    frei
    jeder
    großmütter/großväter
    mütter/väter
    töchter/söhne
    enkel
    frei
    und das was ist aushalten – lernen
    einander lassen – ohne druck ohne anspruch
    loslassen
    dann wird alles besser!

  39. Ich habe heute von meinem Sohn erfahren, das ich im Sommer Grossmutter werde.
    Meine Tochter, die den Kontakt zu mir abgebrochen hat, ist schwanger und sie will nicht, das ich Kontakt zu meinem Enkelkind habe. Mein Sohn hat mir ein Ultraschallbild gezeigt, ich denke, es ist ein Junge. Mein Sohn wusste es nicht. Es hat mir sehr weh getan, dieses kleine Wesen zu sehen und zu wissen, ich werde es nie in meinen Armen halten duerfen und nie mit ihm spielen duerfen.
    Dabei weiss ich noch nicht mal, was ich meiner Tochter getan habe, das sie zu diesem Abbruch bewegt hat.
    Alles kommt wieder hoch, der ganze Schmerz von vor 3 Jahren als sie mir ploetzlich nicht mehr auf meine Mails antwortete, nur noch ein einziges Mal in dem sie mich wuetend abwies.
    Ich habe schon im Oktober gespuert, das dieses Kind entstanden ist, als es noch niemand wusste, es war ein strakes Gefuehl und dann habe ich angefangen Briefe an mein Enkelkind zu schreiben, mein erster Brief ist vom 20.10.2012 und im Juni?Juli soll es zur Welt kommen. Ich wusste es, bevor meine Tochter es selber wusste.

    Wie komme ich da bloss auch noch durch, ich habe gerade genug zu bewaeltigen.

    Sind irgendwo ein paar starke Arme die mich gerade mal festhalten koennen.

    Petra

    • Ach du arme,
      da hast du ja noch eine Baustelle?
      Wie kann so etwas nur sein?

      Das tut mir so leid.
      Du wirst es erst einmal so nehmen müssen, wie sie es wünscht.
      Der einzige Versuch wäre evtl., dass du ihr wieder einmal eine Mail schickst.
      Ohne anzuklagen, einfach nur erzählen, wie es dir geht und was du gerade machst, wie du fühlst.
      Und dann abwarten, was passiert.

      Alles Glück der Welt für Euch alle!

      • Liebe Tochter,

        wegen mail schicken…

        ist das nicht respektlos gegenüber der erwachsenen Tochter.Sie signalisiert doch eindeutig dass sie eben keinen Kontakt wünscht.
        Wenn ich mich in die Tochter versetze würde mich ein weiteres Nachlaufen nur noch mehr wegtreiben.Sie hat sicher Gründe und auch das Recht über ihr leben zu entscheiden.

        Auch wenn das sehr bitter ist,aber schau doch einfach auf dich und versuche dich selbst glücklich zu machen.
        das entlastet auch deine Tochter die du doch indirekt für deine Gefühle verantwortlich machst.

        Alles Gute und Kraft loszulassen

        Tonie
        mit meinem erwachsenen Sohn gab es auch eine Krise. Er kommt jetzt, nach dem er sein leben auf die Reihe gekriegt hat selbst auf mich zu. Ich freue mich darüber zuvor war ich shcon soweit zu akzeptieren dass er nicht will.Jetzt ist es schön aber ich weiss auch das ich ohne ihn glücklich sein kann.Es fühlt sich frei an.Für uns beide.

        • Hallo Tonie,
          ich habe nicht vor meiner Tochter nachzulaufen und auch nicht, ihr eine Mail zu schreiben. Wo habe ich das den geschrieben? Bitte richtig lesen. Die Mails an das Baby bekommt meine Tochter doch garnicht.
          Ich habe schon lange akzeptiert, das sie keinen Kontaklt wuenscht.
          Ausserdem weiss ich, das meine narzisstische Mutter dahinter steckt und sie das alles schon laengst kontrolliert. Meine Tochter ist ein Opfer von ihr genauso wie ich.

          Petra

          • Dies hier ist ein Ort, an dem wir ueber unsere Erfahrungen mit Gewalt erzaehlen koennen. Ganz gleich, ob koerperlich oder seelisch, ganz gleich um was es dabei geht. Ob von den eigenen Eltern oder von den eigenen Kindern.
            Die Gewalt meiner Eltern muss ich integrieren und die seelische Gewalt meiner Tochter auch. Dazu den sexuellen Missbrauch als Teenager, die koerperliche Gewalt und sexuelle Noetigung meiner beiden Ehemaenner, das Mobbing am Arbeitsplatz, der mehrmaligen Verlust von Arbeitsplaetzten durch Kuendigung sowie den Mordversuch meiner Mutter an mir im vergangenen Jahr vor Weihnachten und jetzt noch die Tatsache, das ich Oma werde und mein Enkelkind nicht sehen darf.
            Wieviel kann ein Mensch verkraften bevor er nicht mehr will?

    • Loslassen
      einander lassen
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      glücklich sind jene, die es der spannung verwehren,
      sie herumzustoßen, die nicht zulassen, dass der druck sie erdrückt.
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      und das was ist aushalten – lernen
      einander lassen – ohne druck ohne anspruch
      Erst dann wird alles besser!

  40. @Tonie, und ein freundliches Hallo auch an alle Mitlesenden.

    Ich lese hier auch noch immer mit und empfinde es wie Du mehr als bedauerlich, wie in unserer vermeintlich aufgeklärten Zeitepoche noch immer mit Kindern umgegangen wird.
    Dabei ist es in den meisten Fällen nicht mal Absicht, wie wir als Erwachsene gemeinschaftlich unsere Kinder verletzen und somit alle aus ihren verletzten Kindheitserfahrungen heraus wie tickende Zeitbomben herumlaufen und ihre Mitmenschen mit all ihren innewohnenden Schmerzen vergiften.
    Dies trifft insbesondere unsere Kinder, als schwächsten Glieder unserer Gesellschaft.
    Dagegen helfen keine Großdemos, sondern meiner Überzeugung nach könnten nachfolgende Elterngenerationen durch aufklärende Bildung in unseren Schulen, auf die wichtigen Erfordernisse ihrer Verantwortung ihres zukünftigen Elterndaseins vorbereitet werden.

    Doch obwohl ich bisher mit dieser Idee sowohl von normalen Mitmenschen, als auch Lehrern und pädagogische Fachkräften bislang überwältigende Zustimmung erfahren habe, mangelt es auf politischer Ebene, bzw. Kultusministerien am Willen endlich in dieser Hinsicht aktiv zu werden um drei meiner wichtigsten Hauptforderungen in Lehrpläne aufzunehmen.
    Die da wären:
    1. Gewaltprävention, mit folgenden Lehrpunkten:
    - was Gewalt eigentlich ist?
    - wie Gewalt entsteht?
    - in welchen Facetten Gewalt zum Ausdruck kommt?
    – wie Gewalt sich auf die Betroffenen auswirkt?
    - und wie man Gewalt vorausschauend vermeiden kann?

    Damit wäre Kindern neben weiteren Aspekten der Aufklärung bereits sehr früh die Möglichkeit gegeben eine eigene Gewaltbetroffenheit zu realisieren, um auf diesem Weg auf bereitstehende Hilfsangebote zugreifen zu können.
    Dies würde nicht nur ihnen, sondern folgekostenvermeidend unserer gesamten Gesellschaft zu Gute kommen.
    Es versteht sich von selbst, dass diese Unterrichtung möglichst früh im Kindergartenalltag und Grundschulen beginnt, um in folgenden Schuljahren mit weiteren Inhalten kontinuierlich weitergeführt zu werden.

    Etwa zum Thema, eigener und sozialer Verantwortung mit videounterstützen Rollenspielen, die Kindern und Heranwachsenden helfen, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren.
    Womit meiner Hoffnung nach ein weiterer Baustein zu einer harmonischeren Gesellschaft gelegt wird. Denn zur Zeit leiden doch erkennbar immer mehr Menschen an der seelenlosen um sich greifenden Ellbogenmentalität, mit der sich all jene mit der Anhäufung vermeintlicher Statussymbolen, Macht und Ehren schadlos zu halten versuchen, deren Kindheiten ebenso verunglückt wurden, um das nötige Selbstbewusstsein für eine selbstgenügsame Lebensführung zu entwickeln.

    Als dritten gleichfalls wichtigen Punkt erachte ich die Einführung eines elternvorbereitenden Pflichtschulfach für überfällig.
    Denn erst wenn Eltern von morgen nicht nur mit ihrer Liebe, sondern auch Sachkompetenz auf die entwicklungsbedingten Erfordernisse ihrer Kinder vorbereitet sind, dürfte solch ein Angebot von Möglichkeiten, wie man auf Kindern sachgerecht eingehen kann, dazu führen, dass weniger Eltern ihrer Überforderung wegen in ihren Erziehungsbemühungen resignieren, oder gar mit Gewalt reagieren.

    Soweit in “Kürze” meine Visionen, die sich aus der späten Realisierung meiner eigenen Gewaltbetroffenheit ergeben hat und für die ich mich seither einzusetzen versuche. Leider noch mit mäßigem Erfolg, weil es stets an aktiver Unterstützung mangelte.
    Siehe meine Webseite http://www.ex-Heimkinder.de.
    Da kann jeder unter der Rubrik Aktionen einen Teil meiner bisherigen Bemühungen verfolgen. Das Resultat bisher erbärmlich.

    Ich hätte mir auch von dieser Seite, bzw. von Frau Müller-Münch etwas mehr Unterstützung gewünscht. Denn ich bin davon überzeugt, dass mit entsprechend öffentlichkeitswirksamen Diskussionen, durchaus ein Problembewusstsein mit entsprechenden sozialen und politischen Veränderungen zu erzielen wäre.
    Deshalb wäre ich sehr sehr froh, wenn dieses überaus wichtige Thema noch einmal deutlich in die Öffentlichkeit getragen würde.

    Ich als unbedeutende Einzelperson, werde da so gut wie gar nicht wahrgenommen. Denn in unserem Land gilt noch immer, dass es nicht darauf ankommt was gesagt wird, sondern obrigkeitshörig, wie unsere Kinder in den Schulen gedrillt werden, kommt es leider noch immer nur darauf an WER etwas in diesem Lande mitzuteilen hat.

    Naja, dies sind die Gedanken, die mir spontan bei Deinem Satz einfielen, dass hier ein Großdemo etwas ändern müsste.
    Insgesamt ein schweres Thema, denn die Einen sind noch viel zu verletzt, um über sich selbst hinaus tätig zu werden, während die weniger Gewaltbetroffenen noch weniger einen notwendigen Handlungsbedarf erkennen können.
    Und Dritte, insbesondere Medien und Wissenschaft, solche Themen meist nur sensationslüsternd zur Selbstvermarktung aufgreifen.
    Somit bleibt dieses Kapitel “Gewalt” noch immer ein offene gesellschaftliche Wunde.
    Viele Grüße

    • Hallo Klaus,
      ich stimme dir zu dass eine Grossdemo kein sofortiges Stopp bedeuten würde.
      Aber es wäre ein starkes Zeichen und könnte doch spontan ein Bewusstsein schaffen dass nicht mehr soleicht unterdrückt werden könnte.

      one billion rising hat das zumindest in indien bewirkt zum thema frauen und gewalt.

      ich bin auch wie du für grossflächige Aufklärungsarbeit und für Elternschulen.
      Aber das Eltern aus Überforderung zuschlagen glaube ich nciht,ich sehe das wie Alice Miller,ein Menschliches Gehirn das diese Erfahrung des Geschlagen werdens nicht gemacht hat wird sich auch bei überlastung so nicht verhalten können,es ist nicht möglich. Ich glaube dazu gibt es Studien von Hirnforschern.
      ich musste mein kind nicht schlagen weil ich mich informiert hatte,schon sehr früh und konnte die Impulse kontrollieren obwohl ich damals eine Aussenseiterin damit war und ich als übermenschlich galt.(anfang der 80ger Jahre)

      Lieben Gruss
      tonie

      • Hi Tonie

        Mit genügend gleichgesinnten Menschen, könnte man alles erreichen. :-)
        Doch in Bezug auf Umgang mit Kinder fehlt den meisten Menschen noch immer jedes Problembewusstsein, weil wir ja alle mehr oder weniger die selben Verhaltensmuster durchlaufen haben und sich deshalb kaum jemand die Frage nach richtig oder falsch stellt.
        Es nützt demnach wenig, nur einfach die Rechte von Kindern zu stärken.
        Vielmehr muss den gegewärtigen und künftigen Elterngenerationen erst einmal Möglichkeiten an die Hand gegeben werden, wie sie konkret anders und besser im Umgang mit Kindern und Heranwachsenden umgehen könnten.
        Dabei geht es mir nicht um fixe Vorschriften, sondern um eine Angebotspallette die zunächst mal vermittelt werden müsste, um Eltern zu helfen auf die verschiedensten Herausforderungen und Notwendigkeiten richtig reagieren zu können.
        Denn vielfach wissen Eltern doch nicht mal mehr was ihrer Familie und Kindern gut tut.
        Hier fehlt es doch gerade auch in Hinblick sich zunehmend auflösender Familienstrukturen an Vorbildern und adäquaten Anleitungen.
        Spätestens nach solchen langefristigen Schulungen, dürfte niemand mehr sagen, wir haben es nicht besser gewusst.
        Liebe Grüße zurück.

        • Hi Klaus

          naja ,ich denke immer noch dass die kinder den schutz und die hilfe verdienen und benötigen.

          und dazu gehören die menschenrechte und besondere rechte des kindes.

          die geduld mit den eltern finde ich übertrieben.im beruf und sonst in der gesellschaft können sich die meisten ja auch normal verhalten.
          da finde ich selbstmitleid wirklich unangebracht, dieses täterselbstmitleid geht mir auf den wecker.

          das bewusstsein dass kinder rechte haben halte ich für enorm hiflreich und wichtig

          gruss
          tonie

          • Hi Tonie

            Um fälschlichen Eindrücken entgegenzutreten, möchte ich noch einmal herausstellen, dass ich Kinderechte für außerordentlich richtig und wichtig erachte.
            Sie bleiben indes inhaltslose Absichtserklärungen, wenn Eltern, bzw. zukünftige Elterngenerationen zu wenig Optionen an die Hand bekommen, die ihnen die Erziehung von Kindern erleichtern könnten.
            Diese Überzeugung hat absolut nichts mit Selbstbemitleidung zu tun, sondern einzig mit der Sicht auf Notwendigkeiten zu einer gelingenden Erziehung im individuellen Sinn, als auch im gesamtgesellschaftlichen Miteinander.
            Gerade hier erkenne ich in meinem beruflichen Alltag innerhalb einer großen Schuleinrichtung nahezu täglich erhebliche soziale Defizite und verbreitete Ängste.
            Es besteht mithin erheblicher Handlungsbedarf und möchte uns allen den Mut zur aktiven Umgestaltung einer harmonischeren Staatsgemeinschaft wünschen. :-)
            Viele Grüße

  41. Hallo Wiebke, hallo Petra,

    obwohl die Szenen nur gestellt waren, bin ich wegen der Ignoranz der nur groß guckenden und vorbeigehenden Menschen sehr empört. Kein Erwachsener würde sich das gefallen lassen, was Kindern in sehr jungen Jahren zugemutet wird.
    Mir tut es in der Seele und im Herzen weh, dass anscheinend auch heute noch Kinder geschlagen und/oder seelisch malträtiert werden.

    Auch bei mir (Jahrgang 1960) kamen, genau wie bei dir, Petra, Gefühle aus meiner Kindheit wieder hoch. Denn auch ich wurde früher einige Male in der Öffentlichkeit von beiden Elternteilen so behandelt. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass damals die anwesenden Augen- und Ohrenzeugen mich(!) empört angeschaut hatten, getreu dem Motto “Was ist das nur für ein ungezogenes Mädchen.” Und dabei wollte ich einige Male nur nicht das, was meine Eltern wollten (z. B. keine Handschuhe, Mütze oder keinen Schal tragen, weil mir ganz und gar nicht kalt war.) Mein “Vergehen”: ich hatte laut protestiert. Meine Eltern dagegen ernteten verständnisvolle, mitleidige Blicke. Während ich das hier schreibe, laufen mir plötzlich die Tränen über beide Wangen. Nein, das ist kein Selbstmitleid, sondern die Seele des einst kleinen Mädchens “Ines” (ist nicht mein richtiger Name, denn ich möchte anonym bleiben und nicht alles mir Widerfahrene öffentlich schildern) meldet sich.

    Wäre ich Augen- und Ohrenzeugin bei Misshandlung von Kindern und auch von Tieren, ich könnte gar nicht anders, als eingreifen. Nein, inzwischen habe ich keine Ängste mehr, mich schützend vor misshandelte Kinder und Tiere zu stellen. Und auch sonst greife ich inzwischen bei Ungerechtigkeiten ein und mache meinen Mund auf. Ebenfalls liegt mir Aufklärung sehr am Herzen, weil ich mir eine absolut friedliche, humane und ehrliche Welt wünsche.

    Petra, du fragst, warum ist das so? Ich denke, viele Menschen haben die an ihnen ausgeübten Misshandlungen nie aufgearbeitet und sehen diese immer noch als normal an. Auch bin ich davon überzeugt, dass, wenn Betroffene ihre Kindheit aufarbeiten, die Selbstreflexion einsetzt. Bei mir war es jedenfalls so. Und ich muss ehrlich gestehen, dass auch ich mich aufgrund der mir widerfahrenen Misshandlungen als Jugendliche und junge Erwachsene anderen gegenüber nicht immer korrekt verhalten habe. Erst Jahre später, nachdem ich alles aufgearbeitet hatte, konnte ich den entsprechenden Menschen dies so mitteilen.

    Auf jeden Fall kann ich jedem von Misshandlung Betroffenen die Bücher der inzwischen leider verstorbenen Alice Miller einschließlich ihre Webseite, die von Susan Forward (‘Vergiftete Kindheit’, ‘Emotionale Erpressung’) und die der Ärztin Dr. med. Anke Diehlmann (‘Bitte … keine Gewalt’, ‘Der Körper packt aus’) empfehlen.

    Was das von dir, Petra, erwähnte Aufstehen und Dafür-Kämpfen angeht, ich handhabe es so, dass ich die Flugblätter auf der Webseite von Alice Miller (http://alice-miller.com/flugblatter_de.php) verteile. Die dürfen laut Webseite kostenlos verteilt werden.

    • Hallo Petra,
      ich finde es auch schrecklich wenn ich auch heute noch (und das nicht selten)miterleben muss wie Kinder öffentlich erniedrigt werden.Ich mische mich da IMMER ein auch wenn die meisten Leute darüber eher verdutzt als solidarisch reagieren.
      Einmal als ein Junge auf der Leopoldstrasse von seiner Mutter an die Wand geschleudert wurde hab ich mich sehr empört und war sehr laut dabei ,eine Frau stieg spontan vom Fahrrad und solidarisierte sich mit mir und dem Kind. Die vielen Menschen um uns rum glotzten nur dumm.Das ist doch unfassbar !

      Ich denke Selbstmitleid ist eine sehr natürliche wenn auch (von den Kirchen) Gefühlsregung.Ein solches Kind tut mir sehr sehr leid und ich wünsche ihm die Fähigkeit sich selbst zu bemitleiden und nicht wie meistens sich abzulehnen und die Härte die es erfährt als berechtigt zu bewerten.Dazu braucht es wohl Zeugen und Hilfe von aussen.

      Ich hasse Gewalt gegen Kinder einfach und wir sollten diese ächten und darauf hinweisen wenn es sich vor uns zeigt.

      Es fehlen Grossdemos wie onebillionrising die sich für Kinderrechte einsetzen.

      Das betrifft doch die ganze Menscheit.

      Guten Abend
      und solidarische mitfühlende Gedanken an Dich,
      Tonie

      • ich hab mich vertippt
        meinte wegen dem Selbstmitleid -dass dieses Gefühl von den Kirchen verpönt wurde und wird.ich finde das falsch

    • LIebe Ines,

      ich finde deine Nachricht an mich und Sylvie leider nicht …drum hier kurz
      ich kenne die website von Frau Miller fast solange sie es gibt
      und ich hatte auch persönlich per mail Kontakt zu ihr.
      Das Buch “dein gerettes Leben” hat mir ein neues ,besseres ermöglicht.Ich bin stärker geworden und konnte mich auf den Weg zu mir selbst machen.
      ich denke frau Miller wird noch nihct genug gewürdigt und ist ihrer Zeit weit vorraus.
      Ich mochte sie sehr weil sie wirklich zu den Kindern gehalten hatte in ihren Büchern.Das findet man sonst nirgens so klar.
      Und klarheit versus verwirrung brauchte ich.
      Die lamoyanz mit Eltern findet man besonders bei Wintherhoff(als GEgenstück)

      Herzliche Grüße
      Tonie

  42. Hallo Wiebke,
    der Beitrag von Stern TV den du gepostet hast, hat mich sehr betroffen gemacht, aber es ist auch die Realitaet an der sich scheinbar seitdem wir Kinder waren nichts geaendert hat.
    Der Mann der sagte: Ich bin auch so erzogen worden und lebe noch” sprach sicher stellvertretend fuer viele dieser unserer Generation.
    Ich fragte mich: Warum ist das so?
    Mir erging es so bei diesem Beitrag, das alte Gefuehle aus meiner Kindheit hochkamen. Ich fuehlte mich zurueckversetzt in meine Kindheit und genauso hilflos wie ich damals als Kind war als mir derartiges passiert ist. Und auch die Angst vor dem agierenden Erwachsenen war wieder da. Aus diesem Gefuehl heraus haette ich nicht handeln koennen, obwohl ich es wirklich gewollt haette.
    Das soll keine Entschuldigung sein fuer mich als jemand, von dem man erwarten wuerde, das sie eingreift, weil sie die Not des Kindes erlebt hat, sondern nur ein Erklaerungsversuch, was mich davon abgehalten haette.

    Ich werde mir aber jetzt ernsthaft Gedanken darueber machen, wie ich in Zukunft reagieren werde, wenn ich so etwas beobachte. Denn ich habe gerade beobachtet, was es mit mir macht und das diese Situation nichts mit mir zu tun hat und ich nicht mehr so hilflos bin wie damals.

    Das es solche Szenen jedoch immer noch gibt, macht mich sehr traurig, denn trotz so viel Aufklaerung welchen Schaden man an einer Kinderseele mit dieser Erziehung anrichtet, hat sich, seit dem wir das erfahren durften, nichts im Denken und Bewusstsein unserer Gesellschaft geaendert. Auch ein seit ueber 12 Jahren bestehendes Gesetz nicht.
    Man kann das Denken von Menschen eben nicht gesetztlich regeln. Das kann nur jeder fuer sich.
    Das Gesetz hilft aber dabei, mehr Zivilcourage zu zeigen.

    Es ist an uns aufzustehen und mit dafuer zu kaempfen, das solche Szenen nicht mehr vorkommen. Wir duerfen nicht schweigen und wegsehen, so wie unsere Eltern nach dem Krieg geschwiegen und weggesehen haben, als es um dei Greultaten des dritten Weltkrieges ging.
    Sonst werfen uns unsere Kinder einmal mit Recht das gleiche vor, wie wir unseren Eltern.

    • Nachtrag:
      Oft wird ein solches Verhalten von Eltern mit Ueberforderung begruendet, die Anforderungen der modernen Zeit, die Unsicherheit des Arbeitsplatzes und der Finanzkrise, ueberlasten Eltern und sie agieren es an den Kindern aus.
      Auch unsere Eltern waren ueberfordert, von den Folgen des Krieges, der Nachkriegszeit und vor allem von dem gesellschaftlich AUFERLEGTEN Tabu und der Scham, nicht ueber das zu sprechen was im Krieg passiert ist. Die Erziehung der gepruegelten Generation, unsere Erziehung, war eine unreflektierte Uebernahme der Methoden des dritten Reiches, damals mit dem Ziel Menschen im Sinne einer nazionalsozialistischen Idee, der Idee eines narzisstischen, verrueckten Mannes, zu produzieren. Trotzdem dass es diese Idee in den 50er und 60er Jahren nicht mehr gab, wurden wir weiter so erzogen, zu willenlosen Befehlsempfaengern.

      Welcher Idee folgt eine solche Erziehung heute? Bietet uns das vereinte Europa nicht mehr Freiheit und sollten wir unsere heutigen Kinder nicht dazu erziehen, das sie diese Moeglichkeiten fuer eine bessere Gesellschaft nutzten und darin ihren eigenen Weg finden, den ihren Faehigkeiten entsprechenden Beitrag leisten zu koennen?

      Mit diesen Methoden werden wir das nie erreichen, aber warum wird es noch immer als den Weg der Wahl und als normal angesehen und warum hilft noch immer keiner?

      Als wir Kinder waren, wuste niemand etwas darueber, wie man unserer Kinderseele damit schadet, aber heute wissen wir es.
      Es ist beschaemend, zu sehen, wie wenig Menschen das immer noch schert.

  43. Hallo an Alle,
    ich suche auch schon seit einer Weile nach einer Gruppe, die sich mit diesem Thema befasst und in der man sich austauschen kann.
    Ich wohne jetzt in Wiesbaden.
    Nachdem ich die Zeit seit Januar fuer meinen Umzug und den Neueinstieg in meinen Beruf gebraucht habe, wuerde ich mich gerne mit anderen Menschen treffen, die aehnliches erlebt haben.
    Vielleicht meldet sich ja jemand aus dem Rhein Main Gebiet, Wiesbaden/Mainz.

    Ist es moeglich ueber die Webmaster Emails auszutauschen?

    Liebe Gruesse
    Petra

      • Als erfahrene Selbsthilfegruppen-Leiterin wäre ich bereit, in München eine neue Gruppe ins Leben zu rufen, diesmal jedoch mit dem Schwerpunkt “zerbrochene Familien”. – Interessenten, die daran teilnehmen möchten, können sich gerne jederzeit bei mir melden.

        • Um Missverständnissen vorzubeugen möchte ich noch darauf hinweisen, dass die neue Gruppe keine Selbsthilfegruppe ist, sondern ein lockerer Zusammenschluss von Betroffenen, die sich zu einem offenen Gesprächskreis treffen.

      • ich fühle mit allen hier mit- und bin froh und dankbar darüber dass ich nicht alleine bin mit meinem Mut mich mit diesem Grauen zu befassen und nicht zu bagatellisieren.

        In Therapien hab ich leider erlebt dass die Eltern geschont und ihr Verhalen rationalisiert wurde oder das Thema Kindheit ganz gemieden wurde.
        Das hilft mir nicht weiter sondern behindert meinen Weg zu mir selbst ,zu meiner Würde.

        Sehr gerne würde ich mich mit in einer Gruppe zum Austausch regelmässig treffen.
        Auf Augenhöhe mit Gleichgesinnten.
        liebe Grüße
        Tonie

        • Liebe Tonie,

          ich habe in mehreren ambulanten Therapien das gleiche erlebt wie du:

          Die Therapeuten wollten nicht über meine Kindheit sprechen. Sie haben die schwere Misshandlung in meiner Kindheit einfach ignoriert. Sie wollten nur über die Gegenwart sprechen und machten mir immer wieder den Vorwurf, dass ich mich falsch verhalten würde.

          Ich habe wenig Kontakt mit anderen Menschen, hatte noch nie einen Freund und bin nicht arbeitsfähig. All das wurde mir von den Therapeuten vorgeworfen, obwohl es die Folge der schweren Traumatisierung in meiner Kindheit ist.

          Es ist schrecklich, wenn nicht einmal Psychotherapeuten einen verstehen können…

          Ich werde versuchen, einen guten Traumatherapeuten zu finden. Da habe ich bessere Chancen, verstanden zu werden.

          Ich möchte eine ambulante Traumatherapie mit EMDR machen. Jetzt muss ich aber erst einmal in eine psychosomatische Klinik, weil ich unter schweren Depressionen leide und völlig erschöpft bin.

          Ich habe in den letzten 25 Jahren die Erfahrung gemacht, dass die meisten Psychotherapeuten keine Ahnung davon haben, wie schwer ein misshandeltes Kind traumatisiert wird.

          Vor kurzem hatte ich ein Vorgespräch bei einem Psychologen in einer Klinik. Er machte mir den Vorwurf, dass ich schon so viele Therapien gemacht hätte, die alle nicht geholfen hätten. Er war davon überzeugt, dass das nur an mir gelegen haben könne…

          Ich habe mich dann natürlich gegen diese Klinik entschieden. Das Vorgespräch hat mir gereicht. Ich gehe am Mittwoch in eine andere Klinik.

          Leider wohne ich nicht mehr im Rhein – Main – Gebiet, sondern in Süddeutschland.

          Herzliche Grüße

          Sylvie

          • liebe Sylvie,
            ganz lieben Dank erstmal für deinen Kommentar an mich.
            Es tut gut nicht alleine mit diesem von Menschen gemachten Schicksal zu sein,wenn auch nur virtuell.

            schrecklich was du von den ungerechten Vorwürfen berichtest die dir wegen der vielen unbrauchbaren Therapeuten um die Ohren gehauen werden(sorry für den Ausdruck,aber sowas tut doch weh)
            Das musst du dir wirklich nicht reinziehen!
            Einmal musste ich mir genau das auch anhören von einer Therapeutin hier in München.Die wollte mich wirklich in die Enge treiben,mir Schuldgefühle aufbürden ,(als ob da nicht shcon genug in mich reinerzogen worden wären.)
            Wobei ich einfach nur sehr ehrlich gewesen bin und ihr meine Not mit der Suche schildern wollte. Dieses Suchen ist doch schon Ausdruck davon das man sich wenigstens etwas Schutz gewähren will und sich nicht blind und unkritisch aussetzt wie ein kleines unmündiges Kind.(an dieser Stelle ein Hoch auf die Mündigkeit)
            Ich bin natürlich nicht nochmal zu dieser unempathischen Frau gegangen,war aber so baff dass ich ihr sogar noch die Hand geschüttelt hatte,beim Abschied(wie ein liebes Mädchen) Im Nachhinein spüre ich gesunde Empörung.

            Ich leide an verschiedenen sympthomen ,am meisten erschüttert mich mein immer wieder auftretenes Minderwertigkeitsgefühl wenn ich nicht funktioniere wie ich es von mir selbst erwarte(sind wohl die inneren Eltern die noch wüten in mir) Ich kann mich nicht so leicht annehmen mit den Sympthomen sondern laste sie mir selbst an.(Vom vestand her weiss ich ja es ist quatsch,die Gefühle hinken hinterher)
            Äusserlich hab ich den Kontakt zu den Eltern und Brüdern abgebrochen um weitere Verletzungen und Demütigungen von dieser Seite zu verhindern.

            Ja wir sind traumatisiert worden,das heisst epigenetische Veränderungen im Gehirn- für die können wir nichts!die Traumaforschung steckt halt noch in den Kinderschuhen ,aber immerhin es tut sich etwas.

            Ich hoffe du findest eine vertrauensvolle Therapeutin/Therapeuten.
            Probieren heisst ja nicht das man bleiben muss.

            Mir würde momentan der offene Austausch mit anderen
            Betroffenen gut tun.
            Die Menschen die ich kenne haben Angst und reagieren mit Abwehr.
            Deshalb fühle ich mich oft einsam.

            Herzliche Grüße
            Tonie

        • liebe Wiepke,
          ich bin in München!
          Hab mich schon für die neue Selbsthilfegruppe angemeldet,toll dass es diese Website gibt.

          herzliche Grüße
          Tonie

        • Liebe Tonie, liebe Sylvie,

          als selbst Betroffene weiß ich, wovon ihr beiden sprecht, und ich bin sehr betroffen von euren Erlebnissen.

          Mir haben letztendlich die Bücher von Alice Miller, Susan Forward (‘Vergiftete Kindheit’, ‘Emotionale Erpressung’) und die von Dr. med. Anke Diehlmann (‘Bitte … keine Gewalt’, ‘Der Körper packt aus’) bei meiner schriftlichen Aufarbeitung geholfen. Aber dies ist nur mein ganz persönlicher Weg und soll auf keinen Fall als Maßstab dienen.

          Ja, es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine von Misshandlung betroffen ist. Man denkt ja immer, es geht einem nur alleine so, weil in der Öffentlichkeit darüber so gut wie gar nicht gesprochen wird.

          Wegen Therapie hätte ich eine Idee für euch. Ich habe oben zwei Bücher von Frau Dr. med. Anke Diehlmann erwähnt. Aufmerksam geworden bin ich vor einigen Jahren auf ihre Bücher durch die Leserbriefseite auf der Webseite der inzwischen leider verstorbenen Kindheitsforscherin Alice Miller (www.alice-miller.com). Frau Dr. Diehlmann hat selbst dort einige Leserbriefe verfasst (einfach mal auf der Webseite von Alice Milller oben rechts bei >suchePsychotherapiePresse< auf ihrer Webseite findet man ganz unten eine PDF-Datei von einem von ihr gehaltenen Workshop (auf Seite 21 dieser Datei beschreibt sie in Stichpunkten ihre Arbeitsweise, dort steht ohne Elternschonung).

          Ich kenne Frau Dr. Diehlmann nicht persönlich, sondern nur ihre einfühlsamen Bücher.

          Wenn ihr möchtet, könnt ihr euch ja mal auf ihrer Webseite umsehen und für euch selbst überlegen, ob das etwas für euch sein könnte.

          Wie schon erwähnt, ist dies nur eine Idee von mir.

          Euch beiden alles erdenklich Gute und ganz liebe Grüße
          "Ines" (ist nicht mein richtiger Name, weil ich bei diesem Thema anonym bleiben möchte)

  44. Liebe Mona

    Vieles von dem, was Du schreibst, kenne ich sehr gut und sicher auch viele, die hier mitlesen.

    Martha hat Dir wundervoll geantwortet und ich kann ihr nur zustimmen.

    Ich möchte Dir noch etwas sagen wegen der Scham. Ich finde, schämen müssen und sollten sich all jene Eltern, die ihre Kinder so viele Jahre lang unterdrückt und misshandelt haben, denn sie haben sich am Leben vergangen! Wir, die wir dann eines Tages aufstehen und die Dinge beim Namen nennen, wir müssen uns nicht schämen dafür! Im Gegenteil, ich finde, wir dürfen sogar stolz darauf sein, dass wir den Mut gefunden haben, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen und die Heuchelei zu beenden.

    Ich habe meinen Eltern irgendwann geschrieben, ich breche hiermit nicht den Kontakt zu Euch ab, weil es einen solchen gar nie gegeben hat, sondern ich beende nur endlich eine jahrlange, scheinbare Verbindung, die geheuchelt und verlogen war.

    Das Alleinsein, das Abgeschnittensein macht aber auch mir manchmal zu schaffen! Es zeigt mir jetzt aber auch, dass ich genau als Kind stets so alleine war…!

    Wegen Deines Kommentars nehme ich jetzt einen Gedanken, den ich schon länger hatte, wieder auf und frage die Macher dieser Website, ob es möglich wäre, etwas einzurichten, wo sich Leser dieser Seite vielleicht zu Gruppen (oder auch nur zu zweit) zusammenschließen könnten, um miteinander ins Gespräch zu kommen und einander zu unterstützen. Das könnte eine Art Liste sein, wo man sich mit Vornamen, der Stadt und der Mailadresse eintragen kann, sodass Interessierte Kontakt aufnehmen können. So ergeben sich dann vielleicht mit der Zeit kleinere Gruppen in München, Köln, Stuttgart, Zürich, Bregenz oder wo auch immer.

    Liebe Grüsse
    Mario

    • Möchte hier auf die Facebook-Gruppe “Kontaktabbruch-Funkstille hinweisen, wo sich schon einige Menschen gefunden haben.

  45. Liebe Petra,

    ich hatte heute in Ruhe nochmals alle Beiträge hier gelesen. Ist ja doch recht umfangreich!

    Dabei war auch dein Schicksal. Ganz furchtbar alles. So ähnlich alles, und trotzdem berührt es unglaublich. Mich auf jeden Fall. Es tut mir so leid für dich, da du auch noch so jung bist.

    Ich habe mich dann mit dem Narzismus der Mütter befasst.
    Das passt ganz genau bei mir. Die Vaterrolle ist immer die Gleiche…..
    der duckt sich und sagt nix oder Alkoholiker oder gar nicht mehr da.
    Den Vorwurf muss er sich aber doch gefallen lassen, das er sein Kind nicht beschützt, oder? Einer sollte es doch tun!!

    Die abrupte Trennung von der gesamten Familie habe ich auch genauso vollzogen. Die Geschwister und der Umkreis, Tanten usw. waren nerviger. Das war hart, immer als schlimme böse Tochter herumzulaufen. Alle hatten hinter meinem Rücken eine Menge über mich zu reden! Zum Glück hatte ich eine intakte stabile eigene Familie und die Beziehung gab mir Halt.

    Evtl. tröstet es dich, das jetzt im Alter, die Geschwister sich um die alte Mutter kümmern (pflegen) müssen und die volle ätzende Haltung von ihr abbekommen.

    Nun wird der Kontakt zu den Geschwistern besser und besser. Wobei ich höflich Kontakt halte, mehr auch nicht.
    Sie haben sogar zugegeben ungerecht zu mir gewesen zu sein.
    Nach all diesen Jahren halten wir nun zusammen und SIE hat jetzt
    keine Macht mehr, zwischen uns Ärger zu machen.
    Sie belästigt mich zwar immer noch mit “schlechtesgewissentiraden” kurz am Telefon, aber ich lege immer auf.
    Und das tut gut…

    Ich würde mich freuen, wenn das evtl. bei dir auch eintritt?
    Du hast alles richtig gemacht…genau richtig.

    Wichtig ist nur, das du gesund wirst, bist und nicht ernsthaft krank wirst.

    Ich drück dir ganz fest die Daumen!

    • Hallo Martha,
      das haben Sie alles sehr klar beschrieben und besser hätte auch ich es nicht tun können. Auch ich habe den Kontakt zu meinem alten Leben abgebrochen, es hat nie ein wirklicher echter inniger Kontakt stattgefunden, fühlte mich in der Familie wie ein Fremdkörper, geduldet, ohne mein Selbst fühlen zu dürfen. Das schlimmste Gefühl aber ist die Scham! Diese Scham isoliert mich innerlich und äußerlich von der Welt, sie ist ständig präsent und schmerzt ohne Ende, jetzt noch mehr, wo der Schnitt vollzogen ist, wo mein letztes dritte Leben beginnt. Ich weiß nicht wie ich mit dieser Leere, mit diesem Gefühl von NICHTWIRKLICHERWÜNSCHTSEIN nirgends… weitermachen soll, mit diesem Gefühl, nirgendwo wirklich hinzugehören, mit niemandem wirklich in Kontakt treten zu können, es fühlt sich an wie abgeschnitten von allem, wie ständig auf der Flucht. Ablenkung hilft nur kurz und es stellt sich keine echte Lebensfreude ein. Die Tränen laufen seit ich denken kann und selbst bei Sonnenschein bin ich traurig. Danke fürs Zuhören!
      Alles Gute, Mona

      • ach liebe Mona,

        ich nehme dich einfach einmal virtuell
        in den Arm!

        Es doch ein Anfang, dass sich Leidende finden, lesen und sich bestätigt fühlen, alles richtig zu machen!
        Ich empfinde es wie eine Selbstghilfegruppe, nur ohne Gruppenleiter!
        Mir sagt das: sieh nur, anderen geht es schlecht oder noch schlechter als dir.
        Du bist nicht allein!
        Alle nicken dir zu, hören dir zu und bestätigen Dich als Mensch. Bestätigen dein Leiden.

        Am schlimmsten es wohl, wenn selbst Fachleute (Psychologen) dir nicht glauben, die Schuld weitergeben und dir nicht das innere Kind zugestehen. Denn wir haben eines. Wir sollten es nur gut behandeln und ganz behutsam in die neue Welt gehen lassen. Du machst das gerade, daher sei nicht traurig, es beginnt ja etwas neues, wenn du schreibst, dein 3. Leben.

        Sehe es doch bitte positiv. Du hast ein 3. Leben! Wer hat das schon? Manche nie und manche wollen es noch nicht einmal.

        Weißt du, was ganz viel gibt und auch wundervolles zurückkommt?
        Kinder!
        Wenn du keine eigenen hast, such dir einen netten Kindergarten. Frag ob du vorlesen kannst oder einfach nur zuschauen.
        Sie sind so dankbar, so unverfälscht und einfach ehrlich. Und nie nie gewalttätig und hinterhältig, so wie wir aufgewachsen sind.
        Allein dafür zu SEIN, ist so wunderbar.

        Und es tut gut, denn die Kinder und die Umwelt sagt, wie toll man ist. Wie wohltuend ausserdem, der Gesellschaft ein kleines Stück Glück zu geben, wovon du geträumt hast, all die Jahre in dieser blöden Familie, die gar keine war. Sondern
        nur eine Farce…..

        Nun winke ich deinem inneren Kind zu und bin sicher, du behütest es weiter so….wie bisher.

        • Liebe Mona,
          ich verstehe sehr gut wie es dir geht. Dieses quaelende Gefuehl der inneren Einsamkeit kenne ich auch.
          Es ist unser inneres Kind das so verzweifelt ist und nach Menschen sucht, die es umarmen und sich kuemmern.
          Vergiss nicht, es hat dich. Du bist die Einzige, die es wirklich versteht und ihm helfen kann, sich besser zu fuehlen.
          Kennst du das Buch: Arbeit mit dem inneren Kind”? Es hat mir sehr geholfen, einen guten Zugang zu meinem Kind zu finden und seit dem fuehle ich mich viel besser.

          Ich habe meine Familie verlassen und auch keine eigene stabile Familie die mich stuetzt und so muss ich diese Arbeit alleine leisten.
          Wie du schreibst, ausgehen hilft nur kurzfristig und dann ist diese Einsamkeit wieder da, oft sogar wenn man unter Menschen ist.
          Aber seit ich mich immer mehr um mich und mein inneres Kind kuemmere, geht es mir auch in Gesellschaft besser und ich erlebe mich zunehmend offener.

          Ich moechte dich auch ganz lieb umarmen und dir Mut zusprechen, dir Hilfe zu holen, ich habe eine wirkjlich wundervolle Therapeutin gefunden und kann nichts negatives ueber professionelle Hilfe berichten. Aber jder macht seine eigenen Erfahrungen und manchmal ist der Erfolg auch gepraegt von den Erwartungen die ich habe, aber nicht ausspreche.

          Ganz liebe Gruesse
          Petra

  46. Liebe Frau Müller-Münch,
    mit mehr als Interesse habe ich Ihr Buch gelesen. Ich bin im Dezember 1943 in einer Lebensbornstätte geboren und ich kann nicht nur einige Ihrer Recherchen nachvollziehen, sondern auch bestätigen.
    Auch wenn immerwährende Prügelattacken in meiner Kindheit keine Priorität hatten – aber Nichtbeachtung, Ablehnung (weil nicht gewollt und abgelehnt) schmerzliche Folgen bei mir hatten.
    Ihre Recherchen haben in mir einiges bewirkt – was sicher einige Diskussionen mit meinen beiden Kindern zur Folge haben wird.
    Ich habe eine absolute Amnesie und weiß nicht, ob ich meine beiden Kinder geschlagen habe – aber was ich ihnen verbal um die Ohren gehauen habe – da dämmert es. Und ich werde meine beiden Kinder gar bald zum Gespräch bitten.
    Ihnen lieben Dank für den Input -[...].
    Mit herzlichen Grüßen xxx

    • Liebe Mitleidende. liebe Frau Müller Münch,

      ich bin durch Zufall beim Lesen in der WAMS auf ihr Buch aufmerksam geworden.
      Ich freue mich, dass es dieses Forum hier gibt, da ich früher viel bei Frau Miller gelesen habe. Ich war so traurig als sie starb. Ich hab auch einige Bücher von ihr gelesen.
      Und Bingo, all dies passt genau in mein Leben!

      Ich bin Jahrgang 1949 und habe viele der Dinge erlebt, die hier auch immer wieder beschrieben werden. Das wäre eine genaue Wiederholung. Kochlöffel, spezielle Rohrstöckchen und die wuchtige Hand meines Vaters.
      Man war wirklich gewöhnt, unglücklich zu sein, und lebte draussen auf der Strasse beim spielen, diese Agressionen aus und legte sie ab. Da war ich glücklich.

      Schlagen war noch das kleinste Problem.
      Meine Eltern waren beide Flüchtlingskinder, die früh ihrer eigenen Kinder bekamen.
      Nicht wollten, aus Liebe, sondern man bekam einfach ein Kind. Es war da! Und nun?
      Was tun damit?
      Erziehung hat niemand ihnen beigebracht, nur die vorhandenen Muster, die sie kannten.
      Das waren auch Schläge für Faulheit ( sitzen und die Sonne geniessen war schon faul) Schläge für Widerworte, Schläge für Vorlaut sein bei Nachbarn, Bekannten und Lehrern, Schläge für schechte Leistungen und Schläge für Fehler.

      Der Krieg tat sein übriges mit Not, Angst , Verlust der eigenen Eltern. Und diese jungen Menschen bekamen nun mich!
      Sie wollten alles richtig machen, aber genau das traf es nicht.

      Die gesamte Wut, die sie auf ihre Kindheit hatten, der Verlust an Freude, Lebensqualität und glücklichsein, liessen sie mit Wucht auf uns Kinder nieder. Wobei der später geborene Bruder, der King war und nicht soviel abbekam.
      Das ging nicht nur mit schlagen vonstatten. Nein, verbale Schläge, die gabs jeden Tag und die tun heute noch weh. So weh.

      Und ja, sie passieren noch heute. Ich habe sehr lange gebraucht, um alles zu verstehen, und endlich mit meiner Mutter zu brechen, total. Ich will sie nicht mehr sehen und sprechen. Ich werde krank davon, mich mit ihr zu befassen und zu umgeben. Ohne sie habe ich Frieden. Ich bin nicht Schuld an ihrem Leben, ich habe keine Verantwortung für ihre Fehler. Das muss sie nun, hochbetagt, mich sich und dem lieben Gott ausmachen.
      So wie ich mit meinen Fehlern leben muss und auch die Verantwortung trage.

      Das Schlimmste war, das mir meine Geschwister 10 Jahre vorgeworfen haben, mich nicht zu kümmern. Meine Freunde mich heute noch animieren, mich nicht ” so anzustellen” denn geschlagen wurden wir doch alle!
      Es wäre doch meine MUTTER!

      Für mich fehlt das 11. Gebot: Du sollst deine Kinder respektvoll lieben und gut behandeln.

      Leider steht das nirgends. In keinem Gesetz.
      Das ärgert mich so masslos. Auch das ich mich immer rechtfertigen muss, keine Mutter zu haben, die ich achte und auf die ich Stolz sein kann.

      Der grösste Vorwurf an sie ist, dass ich keine weise alte Frau vorfinde, sondern immer noch eine verbiesterte, einsame, alte Frau, die alle Menschen furchtbar findet, mich eingeschlossen, die sie nicht dauernd mit voller Aufmerksamkeit überschütten.
      Da ich bei der Aufgabe ja wegfalle , bin ich nun das schwarze Schaf der Familie.

      Meine Mutter ignoriert meine Argumente und sagt: Was hast du nur? Mir gings damals so schlecht, und ich konnte nicht anders! Sie ist bis heute einfach nicht einsichtig, das ich/ wir gelitten haben.

      Ich freu mich, dass ich endlich gleichgesinnte gefunden habe, die zuhören, mich verstehen und mir nicht die gleichen Atitüden vorbeten, wie viele, die da lauten:

      Ach, ist doch deine Mutter, Schwamm drüber, die arme alte Frau!

      Mit ganz lieben Grüssen
      an Euch Alle
      Ihr seit nicht Allein!

      • Liebe Martha,

        was du schreibst, beschreibst auch mein Leben ( Jahrgang 1960 ) und sicher das ganz vieler hier.
        Ich habe nach einem schrecklichen Erlebniss im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten, den Kontakt zu meiner gesamten Familie abgebrochen. Ich konnte nicht mehr anders.
        Mein Vater ist zu schwach um mir bei dieser Mutter beizustehen und ebenso meine Schwester. Meine Tochter hat den Kontakt zu mir abgebrochen und mein Sohn haelt sich bedeckt, er ist der Einzige, zu dem ich noch sporadisch Kontakt habe.
        Ich bin umgezogen und niemandem habe ich meine Adresse genannt, auch nicht meinem Sohn und niemand kennt meine Tel. Nummer. Die einzige Kontaktmoeglichkeit ist ueber mein Handy und per Email. Diese wurde aber bisher weder von meinem Vater noch meiner Schwester noch meinem Sohn genutzt.

        Inzwischen sind 7 Wochen seit meinem Umnzug vergangen. Ich bin in einer Therapie, tue viel fuer meine koerperliche und seelische Gesundheit und kuemmere mich einfach nur um mich. Es ist mir voellig egal, ob ich nun fuer meine Familie das schwarze Schaf bin oder nicht, den wie meine Familie ueber mich urteilt und mich sehen will, interessiert mich ueberhaupt nicht mehr. Denn ich habe festgestellt, wie gut es mir mit diesem Cut geht.
        Ich kann ohne weitere ” familiaere Stoerungen” alles in meiner Kindheit und meinem Leben erlebte in Ruhe aufarbeiten.
        Ich arbeite zur Zeit nur 25 Stunden an 3 Tagen um meine Therapie machen zu koennen, habe zwar nicht viel Geld, komme aber damit gut aus und kann mir ein kleines Apartmnent davon leisten. Ich habe meine psychische Gesundheit als alleroberste Prioritaet gesetzt und verzichte dafuer auf einiges. Aber das ist es mir wert. Denn das was ich erlebt habe, hat mich in meinem privaten und beruflichen Leben immer wieder behindert und mehrere Katastrophen in meinem Leben ausgeloest.

        Ich weiss jetzt, das es die richtige Entscheidung war, mit meiner Familie zu brechen, denn von dort hatte ich immer am wenigsten Unterstuetzung zu erwarten.

        Ich wuensche dir viel Kraft, Glueck und Mut fuer dein weiteres Leben.

        Beste Gruesse
        Petra

  47. Ich habe mit großem Interesse einen großen Teil der Kommentare hier gelesen – das Buch werde ich mir in den nächsten Tagen besorgen.

    Allerdings hat meine Zeit nicht gereicht, um alle Berichte zu lesen, so kann ich nur hoffen, dass ich jetzt nicht eine Frage stelle, die schon oft gestellt worden ist.

    Ich bin Jahrgang 54, also in einer Zeit aufgewachsen, in der es eigentlich normal erschien, ab und an den Hintern versohlt zu bekommen. Da ging es meinen Freundinnen nicht andes als mir.

    Heute ist mir klar, dass der alte Spruch, dass das noch niemandem geschadet hätte, absolut falsch ist und dass es meinem Selbstbewusstsein ganz gehörig geschadet hat. Und ich bin auch der Meinung, dass meine Mutter, die genauso erzogen wurde, dabei schweren Schaden genommen hat. Doch sie hat nie eingesehen, dass es falsch war. Ich glaube, dass ist mit ein Grund, weshalb ich keine Kinder habe; ich wollte die ewigen Diskussionen mit meiner Mutter über die Erziehung vermeiden.

    (Nebenbei bemerkt, seit einigen Jahren habe ich den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen; mein Vater lebt schon länger nicht mehr, aber er war es auch nicht, der für die Erziehung zuständig war.)

    Was mich immer noch sehr quält, ist die Frage, ob ich eigentlich so grenzenlos dumm bin, dass ich so lange Jahre (bis weit ins Erwachsenenalter hinein) das alles für normal gehalten habe. Ich hätte bis vor zehn, fünfzehn Jahren immer behauptet, eine glückliche Kindheit gehabt zu haben, obwohl ich mich andererseits immer gefragt habe, wieso so viele Leute die Kindheit als glücklichste Zeit des Lebens bezeichnen (das konnte ich absolut nicht nachvollziehen).

    Erst durch intensives Meditieren, Tagebuchschreiben, auch dadurch, dass ich mich langsam soweit öffnen konnte, dass ich mit Freunden darüber gesprochen habe, ist mir klar geworden, wie sehr ich durch meine Erziehung beschädigt wurde und wie viel mir dadurch in meinem Leben versagt geblieben ist.

    Freunde bestätigen mir, dass ich in den vergangenen Jahren sehr an meinem Selbstbewusstsein gearbeitet und mich darin stark verbessert habe. Doch manches bleibt. Ich leide seit Langem unter Klaustrophobie, konnte mir nicht lange vorstellen, woher es kommt, bis ich durch intensive Meditation wieder soweit in meine Vergangenheit zurückgestiegen bin, dass ich mich daran erinnert habe, wie meine Mutter mich zur Strafe in die Besenkammer gesperrt hat. Ich vermute, dass nicht wirklich abgesperrt war, aber als Kind (noch im Vorschulalter) hatte ich den Eindruck – und das zählt. So bin ich noch heute unfähig, einen Aufzug zu benutzen und marschiere die Treppen hoch, auch wenn es in den sechsten oder siebten Stock geht. Ein paar Stationen mit der U-Bahn zu fahren, schaffe ich inzwischen wieder (vorsichtshalber immer mit den Rescue-Tropfen von Bachblüten in der Tasche).

    Aber nun noch mal kurz gefasst meine Frage: Gibt es auch andere, die über eine lange Zeit gar nicht gemerkt haben, dass diese Art der Erziehung in Wirklichkeit nicht normal war, sondern gewaltigen Schaden angerichtet hat? Wie gesagt, in dem Punkt komme ich mir wirklich ausgesprochen dumm vor, obwohl ich mich ansonsten nicht gerade für dumm halte, immerhin habe ich ein ganz gutes Abitur gemacht, ein Studium und eine Sprachenausbildung abgeschlossen und bin in meinem Beruf ganz erfolgreich. Aber ich habe das Gefühl, dass meine Mutter mich buchstäblich programmiert hatte.

    Sorry, falls mein Beitrag etwas wirr ist, aber die Emotionen bei diesen Themen sind doch recht heftig.

    Und da hier schon relativ viel Lyrik zitiert wurde, möchte ich auch noch mein Lieblingsgedicht anfügen, dass ich mir immer wieder vorsage und mit dem ich mir auch Mut mache:

    “Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn, ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn.”
    Rainer Maria Rilke

    • Hallo Tiane

      Was Deine Primärfrage angeht, bin ich mir ziemlich sicher, dass nahezu alle gewaltbetroffenen Kinder erst im reiferen Alter realisieren, dass ihre Elternerfahrungen bei weitem nicht den Anspruch eines liebevollen Heims entsprach, weil ihnen oft jeder Vergleich zu einer intakten Familie fehlte.
      Wobei weiter zu hinterfragen ist, was unter einer zu idealisierenden Familie zu verstehen ist, wenn nicht nur unsere Gesellschaft über Generationen hinweg mehrheitlich in ihrer Kindheit beschädigt und traumatisiert wurde.
      Leider besteht noch immer die gängige Vorstellung, am Bewährten festhalten zu wünschen, was in Bezug auf Familien und Erziehungskompetenzen meiner Ansicht nach eine äußert fatale Falscheinstellung bleibt. Eben, weil kaum jemand wirklich weiß und in der Lage ist, Kinder nicht nur liebevoll, sondern auch mit entsprechender Sachkompetenz zu behandeln und dabei gleichzeitig die erlittenen Misshandlungen/Kränkungen und Zurückweisungen aus eigenen Kindertagen angemessen zu berücksichtigen.
      Da es hierzu keine Vorbilder gibt, an die sich Mütter und Väter gesellschaftübergreifend orientieren können, halte ich die verbindlich Einführung entsprechender Lehrinhalte in unseren Schulen für längst überfällig. Doch leider, begnügen sich unsere Kultusministerien immer noch damit, unsere Kinder zu wirtschaftshörigen Arbeitssklaven herauszubilden, während der weit wichtigere Anteil des gesellschaftlichen Zusammenlebens nahezu völlig ausgeblendet bleibt.
      So lange sich hierin nichts ändert, werden auch weiterhin Generationen um Generationen an verletzen Menschen den Erdball verletzen und ihrer eigenen unwissenden Verletztheit blind um sich schlagen und auch jene verletzen, die das Glück hatten unter halbwegs intakten Verhältnissen aufzuwachsen.
      Das dieses Thema noch immer stiefmütterlich behandelt wird halte ich für einen Skandal sondergleichen. Insbesondere mit Blick auf unsere Kirchenverbände, die sich an der monopolisierten Leidensverwaltung dumm und dämlich verdienen, statt etwas substanzielles zum nachhaltigen Schutz aller Kinder und Menschen beizutragen.
      Zu diesem Thema kann ich Seiten füllen, aber das würde hier wohl zu weit führen.
      Dir wie allen anderen leidgeplagten wünsche ich jedoch aufrichtig ein heilsames Erwachen und die Sensibilität um die einstigen Fehler nicht auch an die nächste Kindergeneration weiter zu tragen.
      Klaus Klüber
      http://www.ex-Heimkinder.de

    • Liebe Tiane,

      ich habe Deinen Text gerade eben gelesen und möchte Dir unbedingt sofort antworten. Warum? Ich möchte Dich darin unterstützen, Dich nicht selber zu erniedrigen und abzuwerten, denn das tust Du meinem Empfinden. Zu Deiner sich bereits beträchtlich veränderten Haltung Dir selbst gegenüber, empfindest Du Dich nach wie vor als “klein” und “dumm”. Ich möchte es eher als “kindlich naiv” bezeichnen, finde, das trifft den Kern besser. Vielleicht kannst Du Dich darin wieder erkennen.

      Mir selber erging es sehr ähnlich wie Dir. Ich bin Jahrgang 66 und habe leider auch eine eher gewalttätige Erziehung (körperlich und emotional) durch meine Mutter (Vater verhielt sich passiv) erleben müssen. Auch bei mir hat es viele Jahre gedauert, bis ich vor allem emotional wahrhaben wollte und vor allem emotional annehmen konnte, was ihr Verhalten nachhaltig mit mir gemacht hat.
      Wie Du es selbst auch beschreibst: Du bist nicht dumm bezogen auf den Intellekt. Ich empfinde es eher – auch auf mich bezogen und sicherlich auf die meisten unter den misshandelten erwachsen gewordenen Kindern – als emotional blockiert. Wir alle haben ein Beziehungsverhalten kennengelernt, bei dem Macht und Lieblosigkeit vorherrschte. Es war damals zum einen unmöglich für uns als Kind, uns dagegen zu wehren, weil wir von dem entsprechenden Elternteil ja abhängig waren – emotional und existenziell. Wir haben zwar gespürt, dass uns Unrecht geschieht, doch mussten wir Überlebenstrategien entwickeln, uns in diesem vergifteten Umfeld weiter aufhalten zu können. Dieser “graue Nebel”, wie ich es mal nennen möchte, fiel nicht mit Einsetzen des Erwachsenwerdens einfach von uns ab. In erster Linie geht es bei den meisten Menschen um das Funktionieren (im Sinne von Anpassung versus Selbstreflexion) im Leben. Emotionales Spüren ist gesamtgesellschaftlich nicht so angesagt. Und unbewusst haben auch wir selber ganz eigenständig den Weg des Funktionierens eingeschlagen, denn….. wie auch Du es erlebt hast: Wenn ich meinen emotionalen Schmerz beginne wahrzunehmen, zuzulassen und aushalten lerne, tut das ungemein weh, nicht wahr? Ich finde es sehr plausibel, dass ich auf meinem Lebensweg erst dann Löcher in diesen “Nebel” reißen kann, wenn ich eine gewisse Grundstabilität entwickelt habe. Manchmal scheint es zwar, dass ich gerade während dieses Selbsterkenntnisprozesses so schwach bin wie kaum zuvor, doch im Grunde ist das nicht der Fall. An dieser Stelle kommen wir “nur” mit der Hilflosigkeit des damaligen Kinders in Kontakt und können sie authentisch nachempfinden.

      Darum ist es mir wichtig, Dir zu sagen, dass der Zeitpunkt Deiner Erkenntnis nicht zu spät war, sondern genau richtig. Ich bin mir sicher, dass Du es vorher nicht so bewusst und den Umständen entsprechend gut hättest ausgehalten und vor allem hättest verstanden können, wie das Verhalten Deiner Mutter Dir gegenüber Dich nachhaltigend schädigend geprägt hat.

      Ich finde es wunderbar, dass Du den Wendepunkt in Deiner Haltung Dir selbst gegenüber bereits erlebt hast und Dich dem Be- und Verarbeiten mit allen emotionalen Höhen und Tiefen stellst. Selbst der schwere Gang, Dich von Deiner Mutter auch räumlich zu distanzieren, gehört dazu. Bei mir übrigens auch. In allem, was Du schreibst, finde ich mich wieder und kann mir gut vorstellen, was Dir durch Kopf und Herz geht.
      Der Unterschied zu unseren Müttern ist der, dass wir mehr Mut haben, uns mit unseren Gefühlen anzunehmen, uns selbst zu lieben und Verantwortung zu übernehmen. Meiner Erkenntnis nach macht uns das nicht “besser”. Wir stehen lediglich auf einer höheren Entwicklungsstufe als sie.
      Auch dieses “höher” ist nicht wertend gemeint. Ich meine das im Kontext mit dem allgemeinen Entwicklungs- und Reifungsweg von uns Menschen, genauer von uns als Seelen. Wir alle entwickeln uns hin zu mehr Liebesfähigkeit und müssen dazu die verschiedensten Erfahrungen machen. Jede Seele geht ihren eigenen Weg und in dem jetzigen Leben steht die eine eben auf dieser und die andere auf einer anderen Stufe. Nicht mehr und nicht weniger.
      Ich weiß nicht, ob Du vor allem mit der letzten Ausführung etwas anfangen kannst? Aber ich hoffe, Dich mit dem anderen auf jeden Fall erreicht zu haben.

      Ich wünsche Dir weiterhin einen guten Lebens-Weg… hin zu Dir selbst.
      Herzliche Grüße
      Tochter

    • Hallo Tiane,
      es ist sehr berührend und klar was du schreibst, wie du zu dir selbst findest, welche Wege (Mittel) du für dich gewählt hast und was sie dir gebracht haben bis jetzt. Mit dem, was du fühlst und für dich tust, leistest du wertvolle Arbeit an deiner Seele. Ich kann dich nur darin bestärken es weiter zu tun. All das hat mir auch gut getan, wirklich gut getan…, z.b. R. M. Rilke, Hermann Hesse, Meditation, Alice Miller…. das waren auch meine Begleiter um zur Ruhe zu kommen, um Trost zu finden. Eltern, Geschwister…. alle wollten so weiter machen ohne zu fühlen, zu merken, zu denken, mich zu halten. Empfindsame Menschen finden sich in der unbequemen Form des in Frage stellen (müssen). Diesen Drang spürte ich von Kind an und damit war ich eine Gefahr für meine Erzieher. Ich habe mich nie wirklich aus den Augen verloren, hatte aber viel Angst und das Gefühl mit allem allein zu sein waren meine Begleiter. Eines ist mir heute gewiss: Meine Eltern wollten ein Kind, Gott wollte mich!

      Alles Liebe,
      Ana

  48. Sehr geehrte Frau Müller-Münch,

    mit großem Interesse, innerer Bewegung und weitestgehender Zustimmung habe ich Ihr Buch “Die geprügelte Generation. Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen”. Was mich spontan zur Bestellung veranlasst hat, ist der Teppichklopfer auf dem Cover, der das Buch durchzieht und bei jedem Kapitel wieder auftaucht.

    Mit diesem Gegenstand habe ich schon als kleiner Junge Bekanntschaft gemacht. Meine Mutter hat ihn gern benutzt. Teppichklopfer, Handfeger und die blanke Hand, Vater, Mutter (vor allem), Bruder, Lehrer – jeder glaubte das Recht zu haben, mich zu schlagen, ins Gesicht, auf den Hinterkopf, auf den Hintern, soweit ich mich zurückerinnere vom Kleinkindalter bis etwa zum 14. Lebensjahr. Genau so erniedrigend waren allerdings auch die gehässigen verbalen Abwertungen, die emotionalen Zurückweisungen und das öffentliche Bloßstellen.

    Die Folgen bei mir beschreiben Sie sehr treffend auf S. 248. Dort zitieren Sie Arne Hofmann, der das Wort “Wegbunkern” von Gefühlen benutzt und die Unfähigkeit problematisiert, Glück zu empfinden und die ganze Bandbreite alltäglicher Emotionen wahrzunehmen, die das Lebendigsein ausmachen. In der Tat ist es eine Strategie, sich vor Schmerzen, Erniedrigungen, Kränkungen und Demütigungen zu schützen, sich selbst von intensiven Empfindungen abzuschirmen und sie wie ein drohendes Feuer unter dickes Panzerglas zu verbannen. Der Preis dafür ist der, wie so eine Art Zombie durch die Welt zu laufen: Es gibt Dich, aber Du lebst nicht wirklich. Ihre Überschrift (S. 244) stimmt: “Die Wut frisst an einem selbst”.

    Sie schreiben zu Recht an anderer Stelle: Nicht alle reagieren auf erfahrene Gewalt mit Gewalttätigkeit. Es gibt auch Menschen, die ihre kleinkindlichen Gewalterfahrungen gut verarbeiten konnten. Das liest sich natürlich für solche Leute wie mich besonders bitter: Wärest Du anders, dann hättest Du auch nicht so viel mit Dir selbst zu tun. Es zwingt Dich ja niemand dazu, noch so viel später an Deinen Alt-Erfahrungen zu leiden: Sei einfach konstruktiv und offen und verarbeitete gefälligst Deinen Kram so, dass wieder alles gut ist. Andere können das doch auch. Es ist also Deine eigene Schuld!

    Ein bisschen schade finde ich es, dass Sie Martin Luther doch nicht ganz gerecht werden. Ich kenne die Auffassung (auch die Methode) von Frau Rutschky. Aber ich finde, so geht es nicht. Luther hat ein sehr liebevolles Verhältnis zu seiner Frau Käthe und zu seinen Kindern gehabt und hat für seine Zeit durchaus zukunftsweisende Dinge gesagt, etwa zum Recht auf Bildung für Kinder, die Verpflichtung der Männer, sich nicht vor der Kinderpflege zu drücken, die Pflicht der Eltern und der Politik, Kinder nicht zu vernachlässigen, sie nicht zum Zorn zu reizen. Seine Äußerungen in den Zusammenhang eine prinzipiellen Rechtfertigung von repressiver Erziehung zu stellen, ist meines Erachtens nicht fair.

    Das ändert aber nichts an meiner großen Wertschätzung für Ihr Buch.

    Mit freundlichen Grüßen

    X

  49. Hallo an Alle,
    ich hatte heute ein schreckliches Erlebniss mit meiner Mutter.
    Seit einiger Zeit ist der Kontakt zwischen uns abgebrochen, obwohl ich bei meinen Eltern im Haus wohne. Es faellt mir so schwer mit ihr zu reden, denn seit ich wieder hier wohne, zieht sie sich mich mit ihrer Negativitaet wieder total runter.
    Dann schrieb sie mir einen Brief in dem sie mir aufrechnete, was se alles fuer mich getan hat und ich solle ihr nun die Anklageschrift praesentieren, was sie mir getan hat und weswegen ich nicht mit ihr rede
    Ich habe in meinem Antwortschreiben versucht zu erklaeren, das ich Abstand von ihrer Negativitaet moechte und Ruhe brauche, um fuer mich wieder eine Lebensperspektive zu entwickeln und sie bat das zu respektieren.
    Heute kam sie zu mir und flippte voellig aus. Sie schrie hysterisch herum, benahm sich wie en Rumpelstilzchen, versuchte einen Topf nach mir zu werfen und mich zu schlagen. Ich musste sie festhalten um diese Attacke abzuwehren.
    Meinen Vater hat sie keifend davon abgehalten, mit mir zu sprechen und er musste mir dann in ihrem Auftrag mitteilen, das ich bis 1 Februar ausziehen soll.
    Ich werde das auch tun und damit auch dieses Drama fuer alle Zeiten beenden. Sie wird dann ueberall behaupten, das ich, die boese Tochter, ihre alten, kranken Eltern im Stich gelassen habe.
    Meine Schwester wird sich raushalten, denn als das goldene Kind will sie die damit verbundenen Vorzuege nicht verlieren und sie wird das Spiel mitspielen, bis sie auch Depressionen bekommt und davon krank wird.

    Ich fuehle mich hundeelend, aber das ist das, was sie will.
    Kann mir jemand helfen?

    Petra

    • Selbstvertrauen und Mut war mein Gepäck als ich mich endlich von der alten Macht löste. Tapfer wie das kleine Kind, das keine andere Wahl hatte, als sein eigenen Lebenweg zu gehen gestaltete ich mein Leben neu.
      Mut – wird zur Erlöserkraft!

    • Liebe Petra,
      Deine Eltern haben nie gelernt, wie man konstruktiv Probleme löst. Meine sind ähnlich, wenn auch nicht derart körperlich aggressiv. Ich wurde auf Anpassung getrimmt. Wenn ich mal selbst einen Wunsch äußerte, wurde mir erklärt, dass ich “nur” ein dummes kleines Mädchen bin, das den Mund zu halten hat, wenn die Großen reden. Das hat sich auch später nie geändert. In den letzten Jahren bin ich nur noch zu besonderen Anlässen im Elternhaus vorstellig geworden. Anschließend war ich immer fix und fertig.
      Solche Eltern brauchen ihre Bühne und wenn Du sagts, dass es Dir reicht und Du den Kontakt abbrichts, werden sie böse. Meine lästern noch heute fröhlich bei meinen Geschwistern oder gemeinsamen Bekannten über mich. Ich ignoriere das und bleibe auf meinem Weg.
      Mir ist klar, dass ich wieder verletzt werde, wenn ich auf meine Eltern zugehe. Meine Wut auf sie ist verraucht, denn sie können nicht anders. Aber ich bin heute eine erwachsene Frau von 50 Jahren und entscheide, wen ich sehen will.
      Ich wünsche Dir, dass Du die Kraft aufbringst, Dich von diesen Menschen zu distanzieren. Ja, sie sind Deine Eltern. Aber sie tun Dir nicht gut. Lass sie los!
      Liebe Grüße

    • Liebe Petra

      An dem, was Du schreibst, merkt man sehr gut, wo Dein Problem liegt. Du willst offenbar nicht Abschied nehmen von der Illusion, Deine Eltern würden Dich eines schönen, ja wunderbaren Tages doch noch von ganzem Herzen lieben, sehr aufmerksam auf Dich eingehen, Dich verstehen und Dich als den Mensch wahrnehmen, der Du bist.

      Liebe Petra, vergiss es! Sie sind dazu nicht fähig, weil sie die Wahrheit der Realität ihrer eigenen Kindheit nicht sehen wollen! Lass sie los und kümmere Dich nur noch um Dich und das Kind, das Du einmal warst und sei Du ihm jetzt die Eltern, die es nie hatte und schenk ihm Deine ganze Aufmerksamkeit und Liebe.

      Liebe Petra, gib die Hoffnung auf die Liebe Deiner Eltern auf! Zieh so schnell als möglich aus, ziehe weit weg und achte darauf, nicht auf dem gleichen Längen- oder Breitengrad zu wohnen!

      Und wenn Du noch einen Buchhinweis willst, dann empfehle ich Dir, lies „Die Revolte des Körpers“ von Alice Miller: http://www.alice-miller.com/bucher_de.php?page=11

      Ich wünsche Dir alles Gute und vor allem viel Mut, die nötigen Schritte zu tun, innerlich und äusserlich!

      Johannes

      • Danke an alle fuer eure lieben Worte. Es tut gut soviel Verstaendniss zu finden.
        Ich habe mich auch bereits wieder gefangen und moechte meiner Mutter auch keinen Raum mehr in meinen Gedanken geben.
        Die Energie brauche ich jetzt fuer die Aufgaben, die jetzt auf mich zukommen.

        Ich bin stark, ich schaffe das!!!

        • Mir ist jetzt sehr drastisch klar geworden, woher mein lebenslanges Gefuehl der inneren Einsamkeit kommt, selbst wenn ich unter Menschen bin. Es ist die Einsamkeit meines verlassenen inneren Kindes, um das sich meine Mutter nicht kuemmerte, selbst wenn sie da war und die dafuer sorgte, das sich auch sonst niemand darum kuemmerte, noch nicht mal ich selbst.

          Ich kuemmere mich jetzt um dieses Kind.

      • Hallo Johannes,
        das Buch ist das Beste und Schwierigste zum Thema. Man muss es mehrmals lesen, ich brauchte Jahre bis der Inhalt zuerst vom Kopf aufgenommen mich hin zum Fühlen führte und ich endlich heilen konnte, heilen von kranken Erziehungsmethoden, die meinen Willen brechen wollten.
        Der Weg ist nicht einfach, aber es lohnt sich.
        Frau Miller verstarb im letzten Jahr und sie war die Anwältin der Kinder und ich empfand sie als meine Seelenmutter, die mir den Trost schenkte, den mir meine Eltern nicht geben konnten.

      • Lieber Johannes,
        von dieser Illusion habe ich mich schon lange verabschiedet, nur meine Mutter hat sich nicht von der Illusion verabschiedet, ihr Leben lang Macht ueber mich haben zu koennen. Ihr Ausbruch war einzig und allein Ausdruck davon, das sie ihre Felle davon schwimmen sieht und um mir noch ein letztes Mal ihre Macht zu demonstrieren und mich in einer Notlage vor die Tuer zu setzten, damit ich reumuetig angekorchen komme und ihr signalisiere, das ich dcoh noch hier wohnen bleiben muss, weil ich sonst nicht weiss wohin.
        Aber hier hat sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht, den Gefallen werde ich ihr nicht tun.
        Mein Auszugsplan steht schon fest und daran kann sie mich nur ueber meine Leiche hindern.
        Bis dahin bin ich so oft wie moeglich ausser Haus und wenn sie wieder so einen Anfall bekommt, habe ich einen Notplatz gefunden.

        Ich wuensche dir friedliche Weihnachten, ich mir uebrigends auch und einen guten Start ins neue Jahr.
        ;-)

        Liebe Gruesse
        Petra

  50. Hallo an Alle

    Passend zum Thema auf dieser Website, aber auch passend zur Jahreszeit und überhaupt passend, möchte ich hinweisen auf eine Rede von Astrid Lindgren, die sie 1978 hielt, als sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegennahm:
    http://www.zeit.de/online/2007/46/lindgren-friedenspreis/seite-1

    Ich wünsche allen eine gute Zeit!
    Johannes

    P.S.
    Den Link zu dieser Rede habe ich bei Sven Fuchs entdeckt: http://kriegsursachen.blogspot.ch/2012/01/uber-mich-und-diesen-blog.html

  51. Hallo!
    Wichtiges Buch zum Thema seelische Gewalt: “Die Masken der Niedertracht”. Darin werden die Mechanismen der perversen Manipulationen von Menschen aufgezeigt, die den Willen anderer brechen wollen um sich selbst großartig fühlen zu können. Es ist das Repertoire der schwarzen Pädagogik, welchem die Schwächsten (Kinder) ausgesetzt sind und waren. Der Liedermacher Reinhard Mey hat dazu den Text “Sei wachsam” geschrieben und gesungen (youtube)

    Was tun, wenn die Maske anruft und säuselt? Kann ich ihr glauben, ihr jemals wieder vertrauen? Sei wachsam, sag’ ich mir!

    • Hallo Anna,

      danke fuer den Hinweiss. Das Buch kenne ich auch, habe es vor einigen Jahren mal gelesen.
      Was ich auch sehr gut finde ist das Buch: “Toxic Parents. Overcoming their hurtful legacy and reclaiming your life” von Susan Forward. Ich denke es ist die englische Fassung von ” Vergiftete Kindheit ‘.
      Diese Buecher waren auch sehr aufschlussreich fuer mich, aber es war auch sehr schmerzvoll, mich selbst und meine Eltern darin wieder zu finden.
      Trozdem sehr empfehlenswert.

      Ich merke, das ich gerade auf einem sehr guten Weg bin.

      Liebe Gruesse
      Petra

      • Hallo Petra,
        danke für Deinen Buchhinweis, es gibt ja mittlerweile dahingehend viel Hilfe zur Selbsthilfe. Allerdings ist das alles Theorie und ohne Handeln, also die Konfrontation stagniert gerade alles irgendwie, stecke fest in einer Abwehrhaltung und weiß nicht, inwiefern ich noch Kontakt zu meinen Eltern haben kann ohne mir damit erneut psychisch zu schaden. Oft holen die alten Eltern in alter Form aus und man fährt geschlagen nach Hause.
        Wie gehst Du damit um? Magst Du von Deinem Weg erzählen, den Du gerade gehst?
        Beste Grüße,
        Anna

        • Hallo Anne,
          in dem Buch ‘Toxic Parents’ hat die Autorin zwar auch die Moeglichkeit der direkten Konfrontation beschrieben, jedoch sieht es nicht als die einzige Variante an.
          Wenn man weiss, das die gleichen Schlaege zurueck kommen, die man aus der Kindheit kennt, gerade weil man seine Eltern kennt, muss man das auch nicht tun. Zum eigenen Schutz. In so einer Situation ist Abstand wirklich die beste Loesung.
          Der Kontakt zu meiner Mutter ist zur Zeit auf Eis gelegt, mit meinem Vater hat sich dagegen der Kontakt verbessert.
          Ich habe aufgehoert zu hoffen, das meine Mutter jemals versteht, wie lieblos und verletztend sie mich mein Leben lang behandelt hat. Bei jedem Versuch stand am Ende ich immer wieder mit der Schuld alleine da. Sie ist sich keiner Schuld bewusst. Unser Verhaeltniss ist nur deswegen so schwierig, weil ich so einen boesartigen Charakter habe.
          Und das tue ich mir nicht mehr an.
          Solange ich gehofft habe, das sie es irgendwann einsieht, hatte ich die Verantwortung fuer mein inneres Kind noch nicht angenommen. Ich wollte, das meine Mutter das tut. Aber am Ende hat sie es wieder genauso verletzt wie immer.

          Seit ich diese Verantwortung selber uebernommen habe, geht es mir viel besser. Es ist wirklich erstaunlich, wieviel Ruhe ploetzlich in mir ist.
          Und ich kan auch endlich die Liebe zu meinem Vater leben, den meine Mutter hat mit ihrer Eifersucht uns mein ganzes Leben lang getrennt. Wir hatten beide Angst vor ihren Reaktionen und diese Liebe unterdrueckt.
          Damit ist jetzt Schluss.Ich habe es ihm zwar nicht erklaert, aber ich zeige es ihm ganz einfach und ich sehe, wie gluecklich ihn das macht und mich auch. Es war mir auch sehr wichtig, da uns aufgrund seiner Krankheit nicht mehr viel Zeit bleibt.

          Was ich zuerst gemacht habe, nachdem ich “Toxic Parents ” gelesen hatte, war einen Brief an meinen Vater zu schreiben, auch ueber die Dinge mit denen er mich verletzt hat. Ich war damals in Kanada und habe ihn dann bei einem Besuch in Deutschland meiner Schwester gegeben. Fuer den Fall, das ich nicht da sein sollte bei seiner Beerdigung. Sie sollte ihn dann fuer mich ins Grab werfen.
          Das war bereits ein Stueck Befreiung, alles erst mal aufzuschreiben.

          Dann habe ich angefangen, meine Kindheitserinnerungen aufzuschreiben, jedes Ereigniss in Form einer Kurzgeschichte ueber ein anderes Kind, damit konnte ich den emotionalen Abstand bewahren.

          Und zur endgueltigen Aufarbeitung mache ich zur Zeit eine Psychoanalyse, die mir auch tatasaechlich hilft, die Emotionen der Ereignisse zu verarbeiten und mit diesen in Zukunft besser umgehen zu koennen. Denn Ausloeschen kann man das alles nicht.
          Es war eine entscheidende Erkenntniss, meine bisherigen unbewussten Ziele und die daraus resultierenden Handlungen als das zu erkennen, womit ich bisher meine berufliche und private Laufbahn boykottiert habe und das diese aus meiner lieblosen Kindheit entstanden sind.
          Meine emotionale Welt bestand nur aus Depression oder Aggression, es gab nie eine Mitte und das konnten weder Arbeitskolleginnen, noch Vorgesetzte, noch Ehemaenner, noch meine Tochter lange aushalten.

          Ich bin bei meiner Entwicklung noch nicht da angekommen, wo ich hin will, aber der Weg liegt nun deutlich vor mir und das motiviert mich ungemein.
          Denn der Weg ist doch das Ziel.

          Ich hoffe, ich konnte dir damit weiterhelfen.

          Herzlichst
          Petra

          • Fuer mich war es wichtig zu erkennen, welche Glaubensaetzte und Handlungsmuster ich unbewusst von meinen Eltern uebernommen und gelebt habe, die mich in meinem bisherigen Leben behindert und auf den falschen Weg gebracht haben. Auf diesem Weg habe ich oft auf die gleicht Weise andere Menschen un die die ich liebe und AUCH MICH SELBST, weiter verletzt. Zum Beispiel auch den Glaubensatz, das immer andere an meinen Problemen Schuld sind. Als 52 jaehrige kann man nicht mehr die Eltern fuer alles die Schuld geben, denn man trifft Entscheidungen und handelt als erwachsener Mensch. Dies unreflektiert zu tun, ist die eigene Verantwortung.

            Was mir sehr geholfen hat, war mehr ueber meine Familiengeschichte zu erfahren und so habe ich Recherchen ueber meine Grosseltern gemacht und versucht so viel wie moeglich ueber ihr Leben und das meiner Mutter su erfahren. So konnte ich ploetzlich verstehen, welche Glaubensaetzte und Handlungsmuster wie und warum an mich weitergegeben wurden.
            Was bei diesem Porozess jedoch erstaunlicherweise voellig ausbleibt, ist Scham. Wenn ich mein Leben betrachte, bin ich eher stolz auf das, was ich geleistet habe und ich habe festgestellt, das ich die Einzige in der Familie bin, die auch in der Lage ist, diese Aufarbeitung zu leisten. Weil ich offen bin fuer neue Erfahrungen und Veraenderungen, weil ich MUTIG genug bin, mir alles anzusehen und weil ich STARK genug bin, die schmerzvollen Gefuehl, die mit dieser Aufarbeitung verbunden sind, auszuhalten.
            Diese Eigenschaften hat meine Mutter nicht, denn sonst waere unser Verhaeltniss laengst ein anderes und sie haette es nicht mehr noetig, mich zu verletzten.

            Sie ist ein einsamer Mensch, hat noch nicht mal eine Freundin und das ist die Kosequenz aus ihrem Deenken und ihrer Weigerung, ihre die Schmerzen ihrer eigenen Kindheit auszuarbeiten. Aber das ist ihre Verantwortung und ich kann es nicht fuer sie tun.

      • Hallo Petra,
        zunächst einmal meinen lieben Dank an Dich für Deine offenen Worte. Beeindruckend, wie klar du deine Erfahrungen beschreibst und vieles davon kommt mir sehr bekannt vor. Schön finde ich, dass du die Möglichkeit er-lebst, deinem Vater zu zeigen, dass du ihm nahe bist und verzeihen kannst. Die Eifersucht deiner Mutter dir gegenüber ist bezeichnend für das ganze Drama und auch darin finde ich mich wieder als Tochter. Wie geht Deine eigene Tochter mit der Situation um, und hält sie auch von sich aus Distanz zur Oma? Ich kann mir vorstellen, dass man als Mutter dadurch auch noch in der Zwickmühle steckt? Fühlt man sich da nicht auch schon wieder schuldig (altes Verhalten) der Tochter gegenüber ein schlechtes Vorbild zu sein, die Mutter nicht akzeptieren zu können, wie sie ist?
        Zum Thema gibt es in der Zeitschrift Brigitte Woman den Artikel ” Frieden schließen – das wäre so gut!” Vor ein paar Monaten noch wäre ich dazu nicht bereit gewesen, las den Artikel und kurze Zeit später, nach einem Jahr Sendepause meldet sich plötzlich meine Mutter von sich aus…. Zufall?
        “Der Weg ist das Ziel” und vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt für mich, Frieden zu schließen. Etwas mulmig ist mir schon dabei, dreh’ mich wenn ich stur meinen Kurs beibehalt sonst im Kreis und vereinsame immer mehr; man trägt seine Haltung auch nach außen. Ich denke zwischen Demut und Unmut steht Mut, der Mut nach vorne zu schaun und sich erwachsen zu verhalten, sich selbst und anderen gegenüber. Ich hoffe, diese Erkenntnis schenkt mir mehr Frieden als in der augenblicklichen Isolation zu verharren.
        Werde ich etwa erwachsen?
        Danke Dir Petra für Deine Ansichten ganz herzlich.
        Liebe Grüße,
        Anna

        • Liebe Anne,
          vielleicht moechtest du mir ueber die Moderatoren deine Email Adresse zukommen lassen.
          Ich moechte ungern alles hier oeffentlich ausbreiten.

          Liebe Gruesse
          Petra

  52. Liebe Ellen,

    nachfolgend habe ich noch ein Gedicht fuer dich. Es handelt von meinem Vater. Er ist an seinem Herzen schwer erkrankt, lebt aber noch. Seine Mutter war eine sehr warmeherzige, liebevolle, guetige Frau, die auch an einem kranken Herzen bereits mit 49 Jahren starb. Alle Geschwister meines Vater erkrankten auch am Herz. Man sag, es ist erblich. Ich habe ihn als jemand in Erinnerung, der kaum da war, ausser wenn es galt, die von meiner Mutter verhaengten Strafen zu vollstrecken. ” Warte nur wenn der Vater nach Hause kommt!!” Diesen Satz kenne ich auch zu gut. Aber trotzdem habe ich auch schon als Kind gespuert, das mein Vater und auch seine Geschwister sehr sensible Menschen sind und waren ( er ist noch der Einzige der lebt, von der Familie und ist der Aelteste ), Meine Oma war mit einem sehr hartherzigen, gewalttaetigen Mann verheiratet, meine Tante mit einem sehr kalten, gewalttaetigen Mann, mein Onkel mit einer eher kaltherzigen Frau und auch meine Mutter hat keinerlei Waerme in sich. Sie alle sind am Herzen erkrankt und daran gestorben.

    Meines Vater Herz

    Es war ein Herz, so zart und klein
    das durfte niemals froehlich sein
    den in der Zeit
    in der es wuchs
    herrscht Krieg und Hass und nur Betrug

    Doch hat des Mutter Waerm’ und Lieb’
    bewahrt es vor gar hartem Trieb
    denn noch bevor es wurd zu Stein
    Drang seines Mutters Liebe ein
    und hielt es warm und packt es ein.

    Doch seilder war es nicht genug
    die Mutter starb, das Herz es sucht
    Und all das Gift vor dem sie schuetzte
    drang in die Bahn
    zum Herz
    es nuezte
    so garnichts was das Herze taet
    Gift sammelt sich, es war zu spaet.

    Das Gift begann sein Teufelswerk
    Es brach das Herz
    begann der Schmerz.

    Es kann ihm niemals nur gelingen
    in seines Kindes Herz zu dringen.

    Doch trotzdem weiss und spuert das Kind
    das fluestert ihm der sanfte Wind
    Das tief in diesem Herze wohnt
    die Lieb’ die ueber allem thront.

    Und so des kleinen Kindes Herz
    das spuert so sehr des Herzens Schmerz
    so sehr es will dem Herz gefallen
    wuenscht sich, das doch die Mauern fallen
    so stark auch immer sein Bestreben
    es schafft es nicht, sein Herz zu geben.

    Das grosse Herz ihm immer sagt
    komm nicht zu nah
    du nicht es wagst
    beruehre nicht mein schmerzvoll Herz
    es bringt dich um, das ist kein Scherz

    Und so des kleinen Kindes Herz
    blieb in der Fern und sah den Schmerz
    es trug es mit ins eigne Leben
    und hoffet dabei auf Gottes Segen.

    • Liebe Petra,
      das ist sehr berührend! Dazu fällt mir eine kleine Zeile von der Buchautorin Ulla Hahn ein:

      “Wenn das Herz schwer ist, ist alles schwer.”

      Mach’s Dir leicht, sorge gut für Dich!

      Liebe Grüße,
      Ellen

  53. Liebe Ellen,
    ich kenne dieses gehetzt sein auch nur zu gut. Ich war immer auf der Suche im AUSSEN nach jemandem, der sich meinem inneren Kind anahm, anstatt mich selbst um es zu kuemmern. Ich hatte damals ja auch nichts von diesem inneren Kind gewusst. Ich rannte durch das Leben auf der Suche nach Menschen, die mich wahrnahmen und mir Anerkennung geben. Aber selbst bei denen, die ich fand, wurde ich nie satt. So das ich wieder aufbrechen und weitersuchen musste.
    Heute weiss ich, das ich das, was ich brauche und in meiner Erziehung so vermisst hatte, NICHT im Aussen finden kann, sondern nur in mir selbst. Seit dem ich mein inneres Kind wahrnehme, es wertschaetzte, ihm zuhoere, es respektiere und ihm die Fuersorge zuteil werden lasse, die es vermisste, komme ich langsam zur Ruhe und brauch nicht mehr rennen.
    Ich wuerde dir empfehlen, dir mal das Buch : Das innere Kind ;’ zu besorgen. Es gibt noch mehr Buecher zu dem Thema. Ich glaube eins heisst : Anleitung fuer die Arbeit mit dem inneren Kind’ oder so aehnlich.
    Als Maedchen fuer alles suchst du anscheinend immer noch deine Wertschaetzung im Aussen.
    Ich erlebe erstaunliches, seit ich mit meinem inneren Kind arbeite. Es wird zunehmend spannend und auch wenn ich mir die schmerzvollen Geschichten ansehe, weiss ich jetzt, das ich mich danach befreit fuehle.
    Und das ist eine starke Motivation weiter zu machen.

    Ich schreibe weiter und dokumentiere jetzt meine, diese Arbeit mit meinem inneren Kind. Mal sehen, vielleicht wirds ein Buch.

    Herzliche Gruesse
    Petra

    • Liebe Petra

      Welches Buch meinst Du mit “Das innere Kind”? Es gibt verschiedene… Würde mich freuen über genauere Angaben. Danke!

      Beste Grüsse
      Johannes

      • Hallo Johannes,
        ich habe folgende Buecher:
        “Befreie dein inneres Kind ”
        : Aussoehnung mit dem inneren Kind” und
        ” Arbeitsbuch zur Aussoehnung mit dem inneren Kind”

        Ich hoffe, das hilft dir weiter

        Liebe Gruesse
        Petra

  54. Hallo,
    dieser Satz von Alice Miller hat mir selbst sehr viel geholfen um für mich zu fühlen. Ich begriff, dass ich als erwachsener Mensch (57) das traurige Kindheits-Gefängnis nur verlassen kann, wenn ich mich ernst nehme, wenn ich fühle, was mir fehlt und wie ich es mir selbst geben kann. Die Liebe meiner Mutter kann ich nicht mehr nach-bekommen, ich kann nur gut sorgen für mich – heute…..
    Allen viel Wärme! Ellen

    “Wie kann sich ein Mensch lieben, der sehr früh lernen musste, dass er nicht liebenswert sei? Dass er Schläge bekommt damit er anders wird, als er ist. Er fühlt sich schuldig, will sich bessern, aber das kann gar nicht gelingen, weil die Eltern an ihren Kindern die Wut erleben und auslassen, die sie bei ihren eigenen Eltern zurückhalten und unterdrücken mussten. Das Kind ist nur Auslöser dieser Wut. Wenn man dies einmal wirklich begriffen hat, hört man auf, auf die Liebe der Eltern zu warten. Erst dann erlaubt man sich, zu sehen, wie man als Kind behandelt wurde, und zu spüren, wie man darunter gelitten hat. Statt die Eltern wie bisher zu bemitleiden, zu verstehen und sich selber zu beschuldigen, fängt man an, dem mißhandelten Kind beizustehen, das man einst war. Das ist die Geburtsstunde der Liebe zu dem Kind , die ohne diese Vorbedingungen, ohne die Einsicht in die damalige Tragödie, nicht zustande kommen kann.” Alice Miller

    • Wie recht sie hat!!!!

      Ich bin der Ueberzeugung, wenn wir unsere Aufarbeitung geleistet haben, die noch lebenden Eltern auch zu ihrem Seelenfrieden finden werden, wenn sie in der Lage sind, unsere fuer sie sicht – und spuerbare Veraenderung zu hinterfragen.

      Falls nicht, haben wir zumindest den Kreislauf von unglueckseligen Uebertragungen innerhalb unserer eigenen Familien und fuer unsere Nachkommen zum Stillsatnd gebracht.

      Es ist nie zu spaet.

      • Hallo Petra,
        ja, es nie zu spät für Veränderung und um für das eigene Wohlgefühl zu sorgen. Wie Du, schreibe auch ich meine Gedanken auf, es ist sozusagen meine ideale Selbsttherapiemethode, die mich auf die Spur bringt mit meinem Tempo. Therapien habe ich auch gemacht und mit ihnen die Erfahrung, dass man mich wieder irgendwo hin lenken wollte. Mit meinem Tempo kann ich selbst entscheiden, wann ich was lese, wann ich auf-schreibe was mich bedrückt, wann und wie ich mit meiner Wut und Trauer umgehen will. In Therapien habe ich immer gleich die ganze Ladung von mir gegeben. Das hat mir nicht gutgetan. Wenn es mir richtig schlecht geht, schreibe ich, höre Musik, male, lese, gehe in die Natur oder spreche mit emphatischen Menschen, die ich auf meinem Weg gefunden habe. Zu allem brauchte ich Geduld, viel Geduld!
        Die wünsche ich Dir auf Deinem Weg.
        Herzlich, Ellen

      • Hallo Petra,
        habe mir Deine Schilderungen weiter unten durchgelesen und möchte mich bei Dir bedanken für Deine Sichtweisen, besonders
        die treffenden Ausdrücke “Symptomträger” und “Übertragungen zum Stillstand gebracht”
        sind wichtige Ansätze für das eigene künftige Verhalten und das sich selbst Bewußtwerden, welche Mechanismen da ablaufen in einem und wie wir mit unseren unterdrückten Gefühlen unsere hochsteigende Wut selbst oft die FALSCHEN treffen.
        Im übrigen kann ich Deine Gefühle als Erzieherin sehr gut nachempfinden, die Du spürst, wenn Eltern ihre Kinder respektlos behandeln. Dies zeigt Deine emphatische Gabe. Auch mir ging es oft so, geriet schnell an meine Grenzen habe die Erkenntnis gewonnen, dass ich mich erst einmal um meinen eigenen Schmerz kümmern musste, bevor ich anderen wirklich helfen kann.
        Meine “Lust” zu helfen, war sogar dermaßen groß, dass ich selbst meine Therapeuten therapieren wollte.
        Erst das Buch “Dein gerettetes Leben” von Alice Miller zeigte mir, dass ich ein Recht auf mein Leben habe und das es nicht meine Aufgabe ist, andere Menschen selbstlos retten zu müssen.

        • Liebe Ellen,

          danke fuer deine Worte.
          Mich hat waehrend meiner beruflichen Taetigkeit immer angetrieben, die von mir betreuten und von lieblosen Eltern betroffenen Kinder “retten” zu wollen und ich habe lange nicht begriffen, warum ich trotzdem immer wieder in Schwierigkeiten auf meinen Arbeitsplaetzen geriet. Hatte ich doch nichts anderes, als ein wirklich edles Ziel. Ich habe mich bis zur Erschoepfung verausgabt und dann erst gemerkt, das meine Ansprueche zu hoch, es nicht moeglich ist, jedes Kind zu retten.
          Aber dennoch werde ich bei meinem Berufsfeld bleiben, nur das ich jetzt gerne in die Elternberatung gehen moechte. Ich versuche gerade herauszufinden, ob und mit welchen Bedingungen ich nochmal studieren kann um die dafuer noetige Qualifikation zu erreichen.
          Auch bin ich dabei, mir wieder eine eigene Wohnung zu suchen. Das Leben in meinem Elternhaus war sowieso nur temporaer gedacht, sozusagen als voruebergehendes Auffanglager nach meinem Auslandsaufenthalt….ist ja auch kein dauerhaft akzeptbler Zustand fuer eine 52 jaehrige Frau, die im Leben bereits so viele Krisen gemeistert hat, oder?
          ;-)
          Krisen helfen uns dabei, unsere Staerken zu erkennen, auch wenn wir uns in ihr so schwach fuehlen!!!!!

          Liebe Gruesse
          Petra

          • Hallo Petra,
            alle Achtung, wieviel Kraft in dir steckt, nochmal studieren, eigene Wohnung… tolle Ziele.
            Bei mir ist es gerade sehr stockend, habe das Gefühl, die Zeit läuft mir davon, bin bereits 57 und stecke ziemlich fest in der alten Rolle Namens “Mädchen für Alles” und die ist natürlich auch selbst gemacht, jeder kann sein Hamsterrad verlassen, glaubt man. Bei aller Mühe da herauszukommen, verrenne und überfordere ich mich immer wieder neu und die Zeit läuft…
            Ist dieses innere Gehetztsein das nicht auch ein Ausdruck unserer Erziehung?
            Nichtstun und das auszuhalten gehört zu meiner schwersten Übungen! Geduld, sage ich mir täglich.

            “Und wenn du dann
            zu meiner Freud
            gebogen bist gar niedlich.
            Dann wird das Glueck
            stets bei dir sein
            und mich macht es ganz friedlich”
            Starke Worte! Schreibe weiter!!
            Liebe Grüße,
            Ellen

  55. Hallo Tochter,

    danke fuer deine aufmunternde Worte, ich denke ich bin bereit, diesen Weg zu gehen und endlich alles zu einem Abschluss zu bringen.
    Aufarbeitung habe ich bereits mein ganzes Leben, Stueckchen fuer Steuckchen, gemacht, ohne mir zeitweise darueber wirklich bewusst zu sein ( wie bereits erwaehnt VIER Therapien ).
    Mir ist auch jetzt erst klar geworden, das meine Brufswahl, Erzieherin zu werden, dazu beigetragen hat.
    Nur hatte ich ueber lange Zeit das Problem, das die Anforderung an meine professionelle Distanz durch die Gefuehle meines inneren Kindes gestoert wurde. So habe ich Wut empfunden, wenn ich Eltern oder auch Vorgesetzte beobachtete, die die Kinder behandelten, wie ich behandelt wurde, Eifersucht, wenn ich Kinder sah, die so behandelt wurden, wie ich es mir gewuenscht haette. Ich war dann wuetend auf mein inneres Kind, das offensichtlich nicht gut genug war, um auch liebevolle Eltern zu haben und habe es die meiste Zeit meines Lebens deswegen verachtet. Ich war verletzt, wenn ich mich in meiner fachlichen Kompetenz von Vorgesetzten und Kolleginnen nicht wertgeschaetzt fuehlte, weil ich sie als Ersatz fuer meine Herkunftsfamilie ansah und mir von dort die vermisste Anerkennung erhoffte. Aber meine fachliche Kompetenz und die noetigen persoenlichen Basiskompetenzen klafften weit auseinander.
    Seit ich dieses Buch gelesen habe, sind schon mal tonnenschwere Steine von mir abgefallen. Die mir selbst gegebene Schuld ist weg und erst seit dem habe ich wieder Kontakt zu meinem inneren Kind aufgenommen und kann anfangen ihm die vermisste Fuersorge zu geben. Es von meinen Eltern zu bekommen, habe ich aufgegeben. Seit dem geht es mir schon um einiges besser und ich endecke die Kreativitaet des Schreibens in mir.
    Je mehr ich ueber die Krankheit meiner Mutter erfahre, umso mehr kann ich zu ihr innerlich auf Distanz gehen und meine Erwartungen an sie auf Null schrauben, weil sie es nicht kann.
    Die anstehende Psychoanalyse wird noch so einiges zutage foerden, die mein inneres Kind jetzt noch fuer sich behaelt und du hast Recht, es ist nie zu spaet, sich selbst zu finden unter dem Berg all dieser schlimmen Ereignissen, auch wenn man dafuer lange und tief graben muss und es wehtut.
    Es ist nur sehr Schade, das die Generation unsere Eltern sich selbst diese Entdeckungsreise mit ihrem beharrlichen Schweigen und Verleugnen verweigert.
    In diesem Sinne wuensche ich dir ein schoenes Wochenende.

    Petra

    • Liebe Petra,

      wow, Du bist schon ganz schön weit auf Deinem Weg zu Dir selbst! Hast eine Menge Erkenntnisse über die letzten Jahre gewonnen. Hut ab!
      Ich teile Deine erlebten Gefühle des Inneren Kindes und die Wohltat, endlich das lang empfundene mächtige Schuldgefühl Schritt für Schritt abbauen zu können. Ja, Du hast recht. Auch die Erwartung, meine Eltern könnten endlich begreifen, sie könnten die Wahrheit aushalten wollen und zu ihrer Liebesfähigkeit gelangen löst sich langsam auf und unsere Lebendigkeit (viel zu lange unterdrückt) kann sich endlich zeigen und darf gelebt werden.
      Auch ich finde es sehr schade mitzuerleben, dass sich meineunsere Eltern den Weg der Selbsterkenntnis mit allen Schattenseiten aber auch mit allen wunderbar neuen Möglichkeiten so vehement verschließen. Ich kann es als puren Selbstschutz durchaus verstehen. Doch werde ich nie nachvollziehen können, es nicht als Chance begreifen zu wollen, für sich selbst ein entspannteres Leben führen und eine wohltuendere Beziehung zu den eigenen Kindern leben zu können. Im Grunde tun sie mir mittlerweile einfach nur leid. Sie scheinen nicht zu verstehen, dass sie selbst für ihre Lebenszufriedenheit verantwortlich sind und sie durchaus grundsätzlich das Potenzial in sich tragen, etwas zum Positiven verändern zu können. Mitleid ist jedoch keine gute Grundlage für eine gute und ausgeglichene Beziehung, wie ich finde.
      Erst gestern habe ich mir erneut die Sendung “Wenn Kinder ihre Eltern verlassen” (Menschen hautnah) angesehen. Hier der link zur Mediathek:
      http://www.ardmediathek.de/wdr-fernsehen/menschen-hautnah/kein-wort-mehr-wenn-kinder-ihre-eltern-verlassen?documentId=9622188
      Auch wenn meine Geschichte eine andere ist, finde ich es durchaus faszinierend mitzuerleben, dass sich Menschen gegenüber stehen, die eine unterschiedliche Sprache sprechen und sich darum nicht verstehen können. Die eine Seite kann Gefühle zulassen, die andere nicht. So wie den betroffenen erwachsenen Töchtern und ihrer Mutter in diesem Filmbeitrag geht es wahrscheinlich den meisten Menschen, die von diesem Thema betroffen sind. Die große stellt sich mir: Wie kann diese Sprachbarriere aufgelöst werden und ist es überhaupt möglich? Interessant ist auch der Aspekt (der hier bereits schon aufgegriffen wurde), dass die Mütter unserer Generation den Krieg oder die unmittelbare Nachkriegszeit miterlebt haben. Ich denke, dass die machtvollen Auswirkungen dieser traumabelasteten Zeit eine ganze Menge mit den offensichtlichen Beziehungsstörungen der nachfolgenden Generationen zu tun hat. Wichtig für unsere Generation ist es anscheinend, dass wir diejenigen sind, die die Aufarbeitung dieser Traumata tatkräftig in die Hand nehmen. Man könnte fast sagen, dass wir die Seelentrümmerfrauen und -männer sind.

      Herzliche Grüße
      Tochter (46 J.)

  56. Mir kam heute so der Gedanke, wie eigentlich das Leben der Kriegskinder verlaufen ist, die keine Kinder hatten? Sind diese psychisch krank geworden? Haben sie sich in ihren Ehen gegenseitig zerfleischt, oder haben sie nebeneinander her gelebt? Wie sind sie mit ihren Erlebnissen umgegangen, wenn sie ihre Gefuehle davon nicht an eigenen Kindern abreagieren konnten? Wir gehoeren zu den Baby Boomern, brauchte damals jede Familie mehrere Kinder um genung Projektionsflaeche zu haben. Immerhin gab es Anfang der 60er ja schon die Pille und ob die Zeiten wieder schlechter werden, wusste man ja nicht. Hitler hatte unsere Grosseltern ja auch belogen, woher sollten unsere Eltern wissen, das Adenauer und Erhardt es nicht auch tun ( trotz boomender Wirtschaft, die gab es vor dem Krieg durch Hitlers Ruestungsindustrie ja auch ).
    Ist jetzt mal alles so theoretisch dahergesagt, ich dachte nur heute, das das der Grund sein koennte, das wir so viele sind. Man brauchte genug Nachkommen die das Erlebte abfangen.

      • Also ich verstehe den Zusammenhang zu meiner Frage jetzt nicht…….aber der Artikel ist der HAMMER.
        Ich hatte zwar eine Ahnung, das meine Mutter so ist, hab das aber jahrelang wohl aus meinem moralischen Gewissen heraus, irgendwie relativiert und abgeschwaecht. Es faellt verdammt schwer zu verkraften, das man so eine Mutter hat. Aber mir ist schon lange klar, das sie die Kranke in unser Familie ist und ich der Symptomtraeger.
        Dieser Artikel kommt gerade zur richtigen Zeit. Fange in kuerze eine Psychoanalyse an ( ist nach 4 erfolglosen Gespraechstherapien jetzt meine FUENFTE ) weil ich inzwischen wegen lebenslanger immer wiederkehrender Depressionen zunehmenden koerperlichen Erkrankungen, staendigen Problemen auf frueheren Arbeitsplaetzen, derzeit meinen Beruf nicht mehr ausueben kann ( bin Erzieherin ). Ich habe immer wieder festgestellt, das ich in meinem Job ueberreagierte ( Wut ) wenn ich Eltern sah, die ihr Kinder so behandeln, wie man mich behandelt hat oder wenn ich mich nicht von Kollegen wahrgenommen fuehlte.
        Obwohl es einen riesen Erziehermangel in Deutschland gibt und ich morgen schon vom Arbeitsamt vermittelt werden koennte, hat der medizinische Dienst erkannt, das man mich da nicht mehr hinschicken kann, weil ich inzwischen ein psychisches Wrack bin. Es ist Zeit fuer mich, all das endlich zu bearbeiten und mein Leben voellig neu zu ordnen.

        • Wobei mich das jetzt erst mal wieder ziemlich runter zieht. Wie kann ich mich HEUTE, als 52 jaehrige Frau, die garnicht weiss, wer sie wirklich ist, von den noch immer wirksamen Auswirkungen und Manipulationen durch eine derartige Mutter, die auch noch lebt, befreien? Das klingt nach sehr schmerzvoller und wirklich harter Arbeit. Wie kann ich jetzt noch, nach so langer Zeit, zu einem eigenstaendigen Individuum werden. Geht das noch? Vor allem, nachdem ich aufgrund eines gescheiterten Versuchs ( irgendwie hat sie das auch geschafft, obwohl ich 6000km weg war ) im Ausland mich von ihr zu befreien, wieder erst mal in meinem Elternhaus untergekrochen bin. Was fuer ein fataler Fehler. Sie hat jetzt endlich den Freifahrtschein fuer sich selbst, das ich die gestoerte, erfolglose bin und sie kann sich von aller Schuld freisprechen. Wenn wundert es, das ich sie mir manchmal tot wuensche, aber wuerde das etwas daran aendern, wie ich mich selbst empfinde?

          • Ich schreibe seit kurzem auch Gedichte. Hier eines davon. Ich habe die Ueberschrift nach dem Lesen des Artikels geaendert, jetzt passt er fuer mich besser:

            Die Narzzistische Mutter an Ihr Kind:

            Es ist wie ja ein jeder weiss
            man selbst des Glueckes Schmied.
            Ich helf dir nur
            auf meine Weiss
            damit dies auch geschieht.

            Von Noeten ist es dann und wann
            und nur zu deinem Besten
            Das ich dich dafuer zuecht’ge dann
            um dies in dir zu fest’gen.

            Auch dein Gefuehl
            das lass dir Kind
            ich Wissende dir sagen
            ist nur ein Last
            im Leben dann
            drum lern ihm zu versagen.

            Und wenn du dann
            zu meiner Freud
            gebogen bist gar niedlich.
            Dann wird das Glueck
            stets bei dir sein
            und mich macht es ganz friedlich

          • Hallo liebe Petra,

            aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen: Ja. es wird anstrengend, weil auch sehr schmerzhaft, werden. Doch meines Erachtens lohnt es sich IMMER herauszufinden, wer man wirklich ist – egal wie alt man ist. Jeder Tag, den ich mir wieder ein Stück näher komme, ist ein Gewinn. Ich möchte es mal so ausdrücken: Es gibt nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen. Das Glas ist doch immer noch halb voll. Das Schwierigste für mich war, meine Gefühle endlich mal tatsächlich zuzulassen. Doch es geht immer besser. Und heute, nach vielen Jahren mit therapeutischer Unterstützung, kann ich aufsteigende Trauer, Hoffnungslosigkeit und Wut viel besser aushalten, weil ich alles besser fließen lassen kann. Dadurch gebe ich die Energie frei anstatt sie zu blockieren. Ich bin mir sicher, dass Du auch an diesen Punkt kommst.
            Ich wünsche Dir einen guten Weg!

            Liebe Grüße
            Tochter

        • Liebe Petra

          Ich wollte etwas sagen zum Beruf der Erzieherin. Mir gefällt schon alleine das Wort gar nicht! Es wirkt auf mich so streng, aggressiv, spitzig und beschneidend. Also dieses Wort weckt in mir nichts Gutes! Erinnert mich natürlich auch an meine eigene durchlittene Erziehung!

          Könnte ja auch ein gutes Zeichen sein, dass es einen Erziehermangel gibt! Man will es nicht mehr machen! Es ist ja auch gegen die Evolution des Lebens! Man sollte eben endlich damit aufhören, Menschen zu erziehen. Es ist ein Verbrechen!

          Ich hoffe, der Tag kommt, wo Menschen in ihren ersten Lebensjahren nicht mehr erzogen, sondern liebevoll begleitet werden! “Begleiterin” wirkt schon als Wort ganz anders, viel friedlicher, freundlicher und weicher. Achtvoll mit den jungen Menschen umgehen und sie begleiten in ihr EIGENES Leben, damit sie glücklich werden!

          Liebe Grüsse
          Johannes

          • Hallo Johannes,

            ich kann deine Haltung sehr gut verstehen.
            Meine hat sich nach dem Erwerb des Montessori Diploms drastisch geandert, obwohl ich waehrend der Ausbildung eigentlich nur mir laengst Bekanntes ( unbewusst Wissendes )gelernt bzw. nochmal bestaetigt bekam.
            ‘Hilf mir es selbst zu tun’ ist Maria Montessories Grundsatz und damit meint sie NICHT: Schlage und quaele mich solange, bis ich kapiert habe, wer und wie ich werden soll. Sie meint damit, das Erwachsene die Ressourcen des Kindes erkennen und die Umgebung so bereitstellen, das sie sich entfalten koennen. Sie meint, dem Kind dabei zu helfen, sich selbst, seine Ressourcen, seine Umwelt zu entdecken und aus diesen Entdeckungen das BESTE was ihm moeglich ist, aus seinem Leben zu machen.
            Gerade nach dem Diplom nahmen die Probleme auf der Arbeit zu, weil unsere Gesellschaft noch nicht so weit war und auch heute noch nicht so weit ist. Verhaltensauffaellige Kinder nehmen zu. Aber was ist eigentlich Verhaltensauffaelligkeit? Und was ist Normal? Auffaellige Kinder zeigen uns NICHT, das mit ihnen etwas nicht stimmt, sondern mit dem Umfeld in dem sie gross werden.
            Und weil unsere Gesellschaft noch immer nicht kapiert hat, was mit ihr los ist, gibt es keine Erzieher mehr.
            Vielleicht wird der Beruf ja bald umbenannt zum Entwicklungsbegleiter ( im hessischen Bildungsplan werden wir schon so genannt ).

            Gruss
            Petra

  57. Hochverehrte Frau Müller-Münch,
    auch von mir als ehemalig Betroffenen heißen Dank für dieses wunderbare und notwendige Buch. Unser Internat gehörte zu den letzten, in dem noch der Rohrstock eingesetzt wurde. Für kleinere Vergehen “drei dran” vor der Klasse für uns Jungs, auch vor den Augen der Mädchen, die sehr unterschiedlich auf unsere Strafen reagierten. Für größere Verstöße gings ab ins Büro der Direktorin. Sie vollstreckte die Strafen gemeinsam mit der Klassenlehrerin. Alles lief nach einem Ritual ab, dass der Tradiion der Schule für Heranwachsende aus “besseren Kreisen” entsprach..

    Aber lassen Sie mich über Hamburg berichten, entsprechend einem Bericht des hamburger Abenbdblattes. Kein Aprilscherz: erst ab 1, April 1969 wurde an Hamburger Schulen die Prügelstrafe abgschafft. Genau neun Jahre zuvor regelte eine Verfügung der Schulbehörde, dass den Pädagogen “amtlich genehmigte Rohrstöcke zur Verfügung stehen, gegen deren Verwendung auch Ärzte keine Bedenken erheben”. Die Stöcke wurden von der Behöde geliefert. Mädchen dürften nicht gezüchtigt werden, doch die Knaben ab dem dritten Schuljahr bis zur Vollendung des 15. Lebensjahres. Schläge an den Kopf waren verboten.

  58. Hallo an Alle,
    weiss jemand ob es eine Selbtshilfegruppe im Taunus gibt. Ich bin auf der Suche nach einer Gruppe in meiner Naehe.

    Falls nicht wuerde ich gerne eine gruenden, ich weiss nur nicht wie es geht, vielleicht kann mir jemand helfen.

    Danke

  59. Hallo allerseits

    Es gibt einen Film, genauer eine Filmkomödie, die heisst „Mein Führer“ und ist von Dani Levy. Der Untertitel lautet „Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“.

    In diesem Film gibt es einige fiktive Dialoge zwischen dem Schauspieler Adolf Grünbaum und Adolf Hitler. Man muss schon fast sagen, leider sind dieses Dialoge fiktiv und haben so nie stattgefunden! Sie zeigen aber einiges auf und hätte Adolf Hitler tatsächlich jemanden gehabt, mit dem er über seine Kindheit hätte reden können…, wer weiss…

    Allerdings hätten noch zig Tausende anderer Nationalsozialisten über ihre Kindheit reden sollen, damit all die Gräueltaten nicht hätten geschehen müssen.

    Ich habe den Film auf DVD angeschaut und die speziellen Dialoge notiert. Hier nun der Wortlaut dieser:

    Adolf Grünbaum zu Adolf Hitler: „Gehen Sie noch einmal in das Glückgefühl, das Sie gestern gefunden hatten. Sie denken erneut an ihren Vater, der Ihnen die Steinschleuder gab. Ihr geliebter Vater legt seine Hand auf ihre Schulter…“

    Adolf Hitler: „Nein! Fassen sie mich nicht an, Herr Vater! Er darf mich nicht anfassen, sagen Sie ihm das! Er soll damit aufhören! Sagen Sie es ihm! Sagen Sie es ihm!“

    A.G.: „Bitte fassen sie ihren Sohn nicht an!“

    A.H.: „Wissen Sie, wie oft er mich geschlagen hat, mein Vater?“

    A.G.: „Nein, das weiss ich nicht.“

    A.H.: „Täglich!“

    A.H. (mit der Stimme seines Vaters): „Adolf komm!“

    A.H. (mit der Stimme des kleinen Adolf): „Ich habe nichts getan, Herr Vater!“

    A.H. (mit der Stimme seines Vaters): „35!… und zählen, los!“

    A.H. (mit der Stimme des kleinen Adolf): „Eins, zwei…
    …(er beginnt zu schluchzen, zu weinen..), drei, vier, fünf, sechs…, dann fasst er sich wieder und meint: Was gibt’s?“

    A.G.: „Das tut mir so leid, Herr Hitler.“

    A.H.: „Ihr Mitleid können Sie sich am Arsch abwischen! Mein Vater Adolf hat mich versucht zu brechen, aber es ist ihm nicht gelungen! Seine Prügel, seine Ungerechtigkeit, seine Willkür, haben mich nur gestählt, haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin!

    A.G.: „Dann hat Sie Ihr Vater geliebt!“

    A.H.: „Mein Vater…, der war eine kümmerliche Natur, ein armseliger Wurm, der nichts Anderes konnte, als ein wehrloses Kind zu schlagen! Die Gene, mein lieber, ihre Gene…

    A.G.: „Meine Gene?“

    A.H.: „Das Jüdische! Der Vater meines Vaters soll Jude gewesen sein! Das Heimtückische, Jüdische, Verkommene sprang von meinem Grosvater auf meinen Vater über! Aber, Grünbaum, nehmen Sie das nicht persönlich, ich habe nichts gegen die Juden, wenn sie mich in Ruhe lassen.“

    Später im Film…

    A.H.: „Mein Wut gegen das Kranke, Minderwertige, gegen diese lächerlichen Kreaturen… Mein Vater schlug mich nicht nur, wenn ich etwas Verbrochen hatte, – und ich war ein frecher Lausbub -, nein, er schlug mich völlig unberechenbar und willkürlich, jederzeit, auch mitten in der Nacht konnte das passieren! Einmal hörte ich Vater die Treppe herauf poltern, ich floh aus dem Fenster, wollte aus dem kleinen Fenster fliehen…, doch das Fenster war so eng sodass ich mich meiner Kleider entledigen musste, um nackt hindurch zu kriechen, doch ich blieb stecken, Als mein Vater kam, bedeckte ich meine Blöße mit einem kleinen Tuch…, und mein Vater lachte mich laut aus und rief meine Mutter! Das Gefühl dieser Lächerlichkeit war schlimmer als tausend Schläge.

    A.G.: „Das Kind ist nie lächerlich, Herr Hitler. Der Vater ist es! Ein wehrloses Kind zu schlagen ist immer feige und lächerlich!

    A.H.: „Sie haben recht! Mein Vater ist der Lächerliche! Wehrlose Menschen hinterrücks zu überfallen ist charakterlos!“

    A.G.: „Mein Volk wurde hinterrücks überfallen und wehrlos in die Lager getrieben! Ist das die deutsche Charakterstärke? Oder spielen sie da nicht die Rolle ihres Vaters nach?“

    A.H. steht regungslos da und schweigt nachdenklich…

    In der Schlussrede sagt Adolf Hitler (die Rede hält, versteckt unter dem Rednerpult, Adolf Grünbaum!).: „Ich danke Euch für Euer blindes Vertrauen in mich, treu und deutsch seid ihr mir gefolgt, um die Welt zu Sauerkraut zu machen! Heute liegt unser geliebtes Vaterland in Schutt und Asche! Ihr seid alle arisch blond und blauäugig, ausser mir, und trotzdem jubelt ihr mir zu?! … Heil mir selbst!

    Warum tut ihr das? Ich bin Bettnässer, drogenabhängig, ich kriege keine Erektion, ich wurde vom Vater so oft geprügelt, bis meine Gefühle verstummt waren, und so quäle ich das Wehrlose, wie ich einst wehrlos gequält wurde! Ich räche mich an den Juden, den Schwulen und den Kranken in ganz Europa für die Qualen und Demütigungen in meinem Kinderzimmer! Jedes ungeliebte, hasserfüllte Würstchen kann die Welt erobern, wenn Millionen ihn…. Schüsse fallen, A.G., der für A.H. spricht, wird von einem treuen Nazi erschossen… doch er sagt zum Schluss noch… Heilt Euch selbst!“

    Das Volk ruft wiederholt: „Heil dich selbst! Heil dich selbst!“

    „Mein Führer“ sagt im Film Adolf Hitler zum Juden Adolf Grünbaum, der ihm geholfen hat, die Wahrheit zu sehen…

    Dani Levy zum Film:

    „Nebst aller Lust, die Nationalsozialisten von dem Sockel jeglicher denkmalgeschützter Grösse herunterzuholen und sie kleiner zu machen, menschlicher zu machen, gibt es natürlich auch diesen Ansatz (*), – den ich bei Alice Miller gefunden habe -, etwas tatsächlich über Adolf Hitlers Kindheit zu erzählen! Und dadurch natürlich auch über eine pädagogische oder psychologische, man kann auch sagen, moralische Vorbereitung, Prägung dieser Zeit.

    Den Nationalsozialismus unter einem psychologischen und menschlichen Aspekt zu betrachten und sich auch Gedanken darüber zu machen, was hat die Deutschen zu Hunderttausenden, zu Millionen sogar, nicht nur zu Mitläufern, sondern zu aktiven Verbrechern gemacht. Was gab es für eine Grundvoraussetzung in dieser Zeit, die die Menschen befähigt hat, ihnen die Grundlage dafür gegeben hat, andere Menschen zu eliminieren, zu quälen, zu foltern, fremdes Eigentum zu zerstören, sie zu vergasen, sie umzubringen.

    Die schwarze Pädagogik war so ein nachhaltig, menschenverachtendes Erziehungssystem, das so stark darauf basierte, dass das Kind gefügig gemacht wird, autoritätshörig wird, nicht selber denkt, gehorsam wird, spurt und, wenn nötig, willkürlich misshandelt wird, solange, bis es dann wirklich da ist, wo die Eltern es brauchen… Dass das das perfekte…, die perfekte Vorbereitung war für eine Diktatur wie den Nationalsozialismus.“

    (*) Anmerkung von mir: Dani Levy nimmt hier offenbar Bezug zum Buch „Am Anfang war Erziehung“ von Alice Miller, worin sie ausführlich auf die Kindheit von Adolf Hitler eingeht.

    Beste Grüsse
    Johannes

  60. Es wäre gut, wenn dieses Buch viel in Fachschulen für Altenpflege gelesen würde – weil es so viel erklärt über die Menschen, die wir pflegen. Beispielsweise, warum so viele an schwerer Demenz erkrankte Menschen immer erst einmal zurückzucken, wenn man sie über den Kopf zu streicheln oder ihr Gesicht einzucremen versucht. Wenn sie bemerken, was man möchte, entspannen sie sich und fangen an zu lächeln – aber die erste Reaktion ist immer erst einmal Zurückzucken. Und das auch noch beim hundertsten Mal – so tief steckt die Angst, daß die Menschen dem Leben nicht mehr vertrauen. Egal, wie oft sie liebkost werden – erwartet wird die Ohrfeige , die doch früher oder später kommen muß. Oder warum so viele Demenzkranke sich die Seele aus dem Leib schreien, obwohl man doch schon da ist, um ihnen zu helfen: sie haben, Haarer sei Dank, schon früh gelernt, dass sie im Zweifelsfall bis zur Erschöpfung brüllen müssen, weil niemand reagiert. Im Gefühlsleben vieler der alten Menschen klafft aus ihrer Kindheit ein riesiges Loch, dass all unsere Zuwendung und all unsere Zuneigung nicht mehr füllen kann. Oft kann man in der Pflege dann nur noch ihre Trauer mit ihnen teilen und zeigen, dass wenigstens dieses eine Mal in ihrem Leben – an dessen Ende – ihre innere Not mitempfunden wird. Manchmal fühle ich eine sehr große Wut auf all die, die “unseren” Heimbewohnern das angetan haben – manchmal aber auch auf Bewohner, die Gewalt dann auch wieder an ihre Kinder weitergegeben haben.

  61. Hallo Penny, hallo “Penny2″,
    ich habe versucht, hier ein bisschen Ordnung zu schaffen, um die beiden Beiträgerinnen zu unterscheiden.
    Grüße
    Webmaster

  62. Hallo Frau Müller-Münch,

    wie kann es sein, dass hier zwei Leute unter dem selben Nick schreiben. Da kann es doch nur zwangsläufig zu Verwechselungen kommen. Der Beitrag vom 23.10.12 ist nicht von mir, aber mit Penny unterschrieben.

  63. Hallo Penny,

    ich kann Dein Gefühl mit dem ” Heile-Welt Getue ” sehr gut nachvollziehen.Im fortgeschrittenen Alter wollte mein Vater von seinen ” guten Taten ” auch nichts mehr wissen. Wenn er dann doch die eine oder andere Erinnerung auftauchte, war dies dann nur zu meinem Besten. Wenn er dann tatsächlich irgendwann mal schlagen mußte, hatte ich dann die Bestrafung angeblich verdient.
    Ich habe irgendwann mal angefangen, mich innerhalb der Familie und einem kleinen Freundeskreis zu öffnen und dann auch zu der Nutzlosigkeit zu stehen die mir von Vater immer wieder vorgehalten wurde.
    Immer öfter setze ich mich jetzt mit seinen ” Taten und Worten ” auseinander. Mittlerweile stellt sich eine Besänftigung meinerseits ein; ich fühle mich seit dem ” Öffnen ” irgendwie befreiter und habe jetzt auch einen anderen Zugang zu den Dingen wo vorher nur Hass war.

  64. guten tag, ich bin in der DDR aufgewachsen. leider habe ich bislang nirgends angaben gefunden, wann dort die elterliche körperliche gewalt verboten wurde. gab es dafür ein gesetz?
    das züchtigungsverbot für DDR-schulen gab es ja schon recht früh.
    ich würde mich über angaben hierzu freuen. danke!

  65. Danke für das Buch.

    Lange Jahre habe ich (geb. 1960) geglaubt, dass es nur mir so schlecht ergangen ist in den Kindertagen.

    Als älteste Tochter von vier Kindern sollte ich schon früh Arbeiten übernehmen, damit “der Laden” läuft. Wenn ich mal nicht so optimal funktionierte, wie meine Mutter es wollte, gab es eine Ohrfeige. Hatte ich größere “Vergehen” begangen, wurde mittags mit dem am Abend heimkehrenden Vater gedroht: Warte, wenn Papa nach Hause kommt, gibt es Senge. Ich wurde immer verschlossener, habe mich mit Büchern in eine Parallelwelt geflüchtet und dachte immer, dass ICH falsch bin.
    Ich dummes Mädchen mochte machen Speisen nicht und wagte dies zu sagen. Meine Mutter brüllte mich zusammen und ich musste in die Ecke gehen und dort stehen bleiben. Was habe ich das gehasst. Als der Teppichklopfer einmal auf meinem Hintern zerbrach, lachten meine Eltern darüber. Dann kam alternativ der Kochlöffel zum Zuge. Wie es mir in der Situation ging, war egal. Ich zählte nicht. Wünsche äußern: Fehlanzeige. Dann hieß es immer: So lange du deine Beine unter meinen Tisch stellst, machst du, was ich dir sage.
    Das Buch macht deutlich, was meine Eltern dazu getrieben haben mag. Ich kann sie heute verstehen. Verzeihen werde ich ihnen nie.
    Meine Mutter hat sich mit Mitte 50 das Leben genommen. Mein Vater ist heute mit fast 80 Jahren krank und manipuliert die Familie noch immer. Redet schlecht über jeden, der gerade nicht anwesend ist, hat sogar meine beiden Brüder aufeinander gehetzt. Für den einen sehe ich eine Chance, diesem Kreislauf von Aggression und Hass zu entkommen. Allerdings leugnet er bis heute, dass innerhalb unserer Familie psychische und physische Gewalt an der Tagesordnung war.

    Schon früh habe ich meinen heutigen Mann kennengelernt und bin (sobald ich 18 war) mit ihm in eine andere Stadt gezogen. Das war meine Rettung. Er ist ein sanfter und gutmütiger Mensch, der mich mit seiner unendlichen Liebe aus meiner verkrampften Haltung herausgeholt hat.

    • Liebe Dolores

      Du hast geschrieben „Verzeihen werde ich ihnen nie!“ Ich finde es gut, dass Du das so deutlich geschrieben hast! Ich persönlich sehe das genau so! Ich habe nicht vor, meinen Peinigern jemals zu vergeben, denn das Verzeihen und Vergeben ist eine Falle! Verzeihen und Vergeben nützt nur den Tätern und verurteilt die Opfer zum Schweigen, wie sie dies schon in der Kindheit jeweils mussten, während sie misshandelt wurden!!!

      Ich möchte an dieser Stelle auf drei Artikel aufmerksam machen, die auf den „Mythos Vergebung“ eingehen:

      1. „Die Falle der Vergebung“ von Barbara Rogers http://www.screamsfromchildhood.com/Vergebungs-falle.html
      2. „Vergebung ist Schuldgefühle erzeugender Ballast“, ebenfalls von Barbara Rogers http://www.emak.org/artikel/vergebung-ist.htm
      3. „Mythos der Vergebung“ vom netzwerkB http://netzwerkb.org/2012/01/24/mythos-der-vergebung/

      Auf den genannten Websiten finden sich noch weitere, sehr interessante Artikel.

      Gleichzeitig möchte ich auch noch auf eine Therapieform aufmerksam machen, die ich beim Stöbern auf der Seite von Barbara Rogers entdeckt habe, die sog. IFS-Therapie. Hier auf der Website von „ifs-europe“ kann man sich darüber informieren: http://www.ifs-europe.net/?page=kurzinfo

      Vielleicht ist dies für den einen oder anderen eine Hilfe, da bekanntlich die Suche nach einer effektiven Therapieform bzw. einem guten Therapeuten sich schwierig gestaltet.

      Liebe Grüsse
      Johannes

      • Hallo Johannes, wie auch alle Leidbetroffenen.
        Ich habe mir die drei Beiträge mal durchgelesen und möchte der eher einseitigen Tendenz nicht unwidersprochen zustimmen.
        Denn in allen Berichten fehlt die Erkenntnis, dass eine mögliche Vergebung stets am Ende eines umfassenden Aufarbeitungsprozesses steht.
        So lange Du Dich und Deine Umwelt aus der Sicht des noch immer verletzten Kindes und weniger des heute erwachsenen Menschen siehst, wirken die einstigen Schmerzen, Hass und Gefühle der gesellschaftlichen Ausgrenzung, noch immer in Dir.
        Unter diesen Umständen ist meiner Überzeugung nach nicht mal im Traum an eine möglich Vergebung zu denken.
        Auch gefällt mir nicht die einseitige Vorstellung, dass mit einer möglichen Vergebung in erster Linie Täter/innen entlastet werden.
        Bei der Vergebung geht es einzig um Dein eigenes Seelenheil, bzw. um die innere Harmonie des weiteren Lebens.
        Wie gesagt steht dieser mögliche Gedanke/Wunsch erst am Ende eine längeren Prozesses, innerhalb dessen Du Dir zunächst mal Deines unschätzbarer eigenen Wertes bewusst werden durftest, der Du trotz, oder gerade wegen all der vorangegangenen Verletzungen werden konntest. Mach Deinen Wert nicht von Deinen verinnerlichten Minderwertigkeitskomplexen abhängig, sondern verstehe, dass Dein empfindsames Verhalten, Deine Ängste und Vorbehalte bei nahezu allen gewaltbetroffenen Menschen als ähnliche Folgesymptome wirksam sind, weil jeder in der schambesetzten Anonymität glaubte, allein von diesen oder ähnlichen Widrigkeiten betroffen zu sein.
        Gottlob wagen sich heut immer mehr Menschen über ihre erlittene Pein und Scham zu sprechen. Diese befreiende Offenbarung hilft nicht nur Dir selbst, sondern auch all jenen noch Schweigenden ebenfalls den Mut zu finden, sich als einstige Opfer wahrzunehmen und sich gleichfalls öffnen zu dürfen. Wenn all diese einstigen Opfer dann merken, wie viele andere es außer ihnen selbst an Betroffene gibt, dann gibt es ihnen mehr Selbstsicherheit, sich nicht mehr als exotische Außenseiter fühlen zu müssen, wie sie es bis dahin sehr häufig verinnerlicht hatten.
        Wenn sie dann weiter die Erfahrung machen, was für gute Fähigkeiten sie doch eigentlich als Mensch auszeichnen, hilft es ihnen sich immer mehr ihrer selbst als erwachsene Person bewusst zu werden, die nicht mehr ängstlich danach schielt, was wohl die anderen Mitmenschen aus Familie, Nachbarn, Arbeitskollegen, oder anderweitiger Gesellschaft über sie denken, sondern ihren Weg zu ihren eigenen Frieden und inneren Ruhe gefunden haben.
        ERST ab diesen Zeitpunkt macht es Sinn, über einen möglichen Gedanken der Vergebung gegenüber den einstigen Peinigern nachzudenken.
        Warum? Ganz einfach, weil man damit das Alte tatsächlich loslassen kann, um seinen eigenen selbstbestimmten Weg zu gehen. Ganz gleich, ob wer wie noch etwas zu den einstiegen Vorgängen sagt oder nicht sagt.
        Denn es gilt zu berücksichtigen, dass die wenigsten Täter/innen aus eigener Scham heraus die Kraft aufbringen, sich ihre einstigen Untaten einzugestehen, oder sich mit ihnen in einer Weise auseinanderzusetzen, um zu verstehen, wieso es überhaupt zu ihren teils unsäglichen Entgleisungen kommen konnte, oder gar ihren Opfern gegenüber ein Schuldeingeständnis zu leisten und um Vergebung zu bitten.
        Bei der Vergebung geht es also keineswegs darum Opfer zum Schweigen zu bringen.
        Das ist ohnehin Unsinn hoch drei. Denn in dem vorangehenden Aufarbeitungsprozess können die Gewaltbetroffenen gar nicht anders, als sich intensivst mit den Hintergründen der einstigen Taten und offensiven Konfrontation mit ihren einstigen Peinigern auseinanderzusetzen.
        Erfahrungsgemäß sind die wenigsten Täter/innen in der Lage dabei einen konstruktiven Part mitzutragen. Es geht demnach ja auch nicht darum dass nun wieder vollkommen Friede Freude Eierkuchen ist, sondern um schonungsloses Bewusstsein des Einst und Jetzt.
        Meiner Erfahrung nach werden viele Gewaltbetroffene im Zuge ihrer Aufarbeitung feststellen, dass die Täter/innen zuvor oftmals selbst Gewaltbetroffene waren, oder ihre Lebensumstände dermaßen problematisch war, um überforderungsbedingt die menschliche Liebe teils vollständig aus dem Blickfeld zu verlieren.
        Und wenn wir dann mal auf uns selbst schauen, wie ist es denn da, haben wir gegenüber unseren Mitmenschen, Ehepartner/innen und Kindern immer so souverän reagiert, wie wir es unserem eigenen Verständnis nach für uns selbst eingefordert hätten?
        Ich bin davon überzeugt, dass auch wir teils viele Fehler gemacht haben, weil wir es nicht anders wussten, oder noch immer überlieferte Verhaltensmuster wirksam waren.
        Vor diesem Hintergrund der eigenen Schwäche, scheint es mir angebracht, darüber nachzudenken, ob wir unsere Eltern oder anderen Peinigern tatsächlich dermaßen verurteilen dürfen, ohne dass die Verurteilung nicht gleichsam in abgeschwächter Form auf uns zurückfällt.
        Von dieser Warte aus, habe ich heute sogar ein gewisses Verständnis dafür, dass manche Menschen wie z.B. meine Eltern kaum anders handeln konnten, wie sie handelten.
        Denn hätten sie anderes handeln können, hätten sie es ja wohl auch getan.
        Unter dieser Prämisse neigt sich heute mein Verstand der Erkenntnis, selbst meinen Eltern vergeben zu dürfen, da sie selbst zu krank und vor lauter Verletzungen zu blind oder seelisch abgestorben waren, um wahrzunehmen, wie schwer sie wiederum ihre Kinder verletzten, wenngleich für mich manche Grausamkeiten nie nachvollziehbar bleiben werden.
        Vergeben hat indes nichts mit vergessen zu tun. Denn wenn wir vergessen, dürften wir nur allzuschnell in ähnliche Fahrwasser geraten, die uns einst selbst das Leben schwer machten.
        Soweit dazu meine Gedanken zum Thema Vergebung, ohne hieraus einen Allgemeingültigkeitsanspruch zu erheben.
        Ich wollte damit lediglich aufzeigen, dass Vergebung durchaus Sinn macht, weil sie uns in die Lage versetzt, das Alte loslassen zu dürfen, um unseres eigenen Wertes bewusst, unseren weiteren Weg in friedvoller Freiheit zu leben.

        • Lieber Klaus,

          ja! Von Deiner Ausführung fühle ich mich sehr angesprochen! Was ich noch dazu sagen möchte:

          Mir selber als damaliges Opfer vergeben lernen, finde ich, hat oberste Priorität. Diese Vergebung für mich selber zu finden, braucht Zeit, weil sie nur langsam wachsen kann wie eine aufblühende Blume.
          Erst wenn diese voll erblüht ist und ich dieses Gefühl in mir eine Zeit lang genießen kann, kann auch Vergebung für den Täter entstehen. Es wird von ganz allein passieren. Ich denke, wir brauchen nichts aktiv dafür zu tun und auch nicht darauf warten. Es geschieht einfach. Und wenn nicht oder “nur” zu kleinen Teilen, dann ist es gut, es zu anzunehmen wie es ist.
          Alles nur so weit, wie es ohne Zwang geht. Nur so kann es am Ende wirklich für mich selber passen.

          Nicht Vergebung ist das Ziel, sondern der Weg ist das Ziel.
          Wir alle sind bereits unterwegs….. zu unserem Selbst.

          Schöne Grüße!
          Tochter

      • Hallo Dolores,
        hallo Johannes,

        ich kann sehr gut verstehen, dass ihr nicht verzeihen wollt. Ich werde auch niemals verzeihen, weil ich furchtbar gequält wurde und seit Jahrzehnten unter den Folgen der schweren Misshandlung in meiner Kindheit leide.

        An Johannes: Vielen Dank für die Links!

        Liebe Grüße

        Sylvie

  66. Auch mir; Jahrgang 1953, ist das Gefühl nicht fremd; geschlagen und gedemütigt zu werden. Meine Mutter, durch mehrere Arbeitsstellen, Hausmeistertätigkeit und Haushalt total überfordert, schlug sehr häufig, meistens bei den Hausaufgaben, mit Kochlöffel oder Schürhaken auf Rücken oder Arme.Mein Vater; durch den Beruf des Kraftfahrers meistens selten zuhause, ließ seinen Frust an mir meistens mit kräftigen Ohrfeigen aus.Wenn, wie so oft, der Alkohol mit im Spiel war, kamen diese ” Maulschellen” aus heiterem Himmel und ohne ersichtlichen Grund. Es gab auch genügend Szenen wo beide Ehepartner sich handgreiflich streiteten.
    Es war fuer mich in der damaligen Zeit normal, dass in der Nachbarschaft und in den Schulen geschlagen wurde.
    Im Alter von 6 Jahren mußte ich wegen Problemen mit den Bronchien fuer 4 Wochen in ein Erholungs-Heim in Bühl am Alpsee. Dort wurde nur geschlagen. Bei der Ankunft in Bühl habe ich einen Diebstahl angezeigt. Nach der Antwort, da mußt Du auf Deine Sachen besser aufpassen, habe ich fürchterlich ” Senge ” bekommen. Der 4 wöchige Aufenthalt wurde fuer mich verlängert, weil man mir in der letzten Woche eine Gehirnerschütterung zugefügt hatte. Meinen Eltern hat man geschrieben, dass ich wegen Keuchhusten länger bleiben müßte. Den Keuchhusten hatte ich aber einige Wochen zuvor schon gehabt.
    Es gab zuhause Bestrafungen, die bis heute noch nachwirken und unangenehme Erinnerungen hevorrufen.
    Wir wohnten in einem Mietshaus in der 5 Etage. Mein Vater bestimmte, dass ich Briketts aus dem Keller holen mußte. Je nach ” Schwere ” des Vergehens mußte ich bis zu 8 x mit zwei schweren Gußeimern Briketts aus dem Keller holen.Ich hatte große Angst vor diesem Keller; dort gab es immer wieder Ratten. Oben wurde dann kontrolliert, ob ich die Eimer auch optimal gefüllt hatte.Vater hat nie gelobt;man konnte ihm nichts recht machen.Nur er selbst hatte von allem die große Ahnung; die anderen Menschen waren ja alle blöd. Sein Lieblings-Schimpfwort für mich war: “du bist ein doofer Apostel.”
    Mein Vater ist im September 2008 verstorben, meine Mutter ist jetzt 82.
    Als Jugendliche habe ich die Gewalt, die ich bekommen habe an andere weitergegeben.Gewalt war lange Zeit fuer mich d a s probate Mittel um an das zu kommen was ich wollte oder behalten wollte. Während meiner Bundeswehrzeit konnte ich Gewaltausbrüche, selbst gegen Vorgesetzte, gepaart mit großem Jähzorn, nicht abstellen.
    Erst durch meine jetzige Ehefrau habe ich Umdenken gelernt. Unsere Kinder haben wir mit Konsequenz, aber ohne Schläge erzogen, worauf ich aufgrund meiner “Vorbildung” ein wenig stolz bin.

  67. Hallo!

    Ich bin Jahrgang 1955 und habe das von meinen Eltern abgerichtete Kind überlebt. All die Erzählungen und Schilderungen auf dieser Seite hier sind mir nicht fremd. Mir ist sehr daran gelegen, niemanden mit meiner Geschichte zu belasten, eben weil allen so viel Leid widerfahren ist.
    Bin vor allem auf der Suche nach Freude um den erfahrenen Leiden etwas entgegen setzten zu können. Ich will mich nicht mehr von meiner Freude abschneiden lassen. Die Waage soll endlich ins Gleichgewicht…. Das ist mein Wunsch, das ist Recht! Ich habe ein Recht auf mein Leben und auf Heilung!
    Ich habe jeden Tag die Möglichkeit, mich selbst aufzurichten, wieder selbst mit Hilfe meiner Intuition zu fühlen was ich will oder nicht, und erlaube mir unterdrückte Wut auf meine AbRichter. Ich bin nach vielen Jahren voller Traurigkeit ausgestiegen aus meiner Leidenshaltung, habe die Verantwortung für mich übernommen, nehme mein Leben in meine Hände, ziele nach vorne, achte auf mich, fühle meine Bedürfnisse und gewinne dabei mehr und mehr SelbstVertrauen in meine eigene Kraft; es ist das Fühlen der alten Kraft, die mir schon als Kind geholfen hat zu überleben. Ich sage nein wenn ich nein fühle und damit sage ich ja zu mir. Das ist mein Weg! Schaue ich zurück, zieht es mich zurück in die Opferhaltung. Dass es mir schlecht geht, würde meinen Penigern gut gefallen. Den Gefallen tue ich ihnen aber nicht. Diese “Trotz”Haltung hat mir bereits als Kind geholfen, zu überleben. Gott sei Dank!

    Ich bin es mir als erwachsener Mensch schuldig, mich gut zu behandeln und besser zu leben als meine AbRichter es mir vormachen wollten.

    “Wie das Gute dem Besseren im Weg steht, so steht das Ziel dem Weg im Weg” Moshe Feldenkrais

  68. Hallo!

    Ich (geboren 1963) wurde von 1968 bis 1978 schwer misshandelt. Meine Erzeugerin hatte eine Borderline – Störung und war während ihrer Wutausbrüche völlig unberechenbar. Ich wurde mit Kochlöffeln, Kleiderbügeln und einem Kerzenständer aus Eisen verprügelt und war oft übersät von Blutergüssen. Ich hatte auch oft Beulen und Prellungen.

    Meine Erzeugerin verprügelte mich nicht nur, sondern warf auch mit allen möglichen Gegenständen nach mir, wie z.B. mit Büchern, einem Wecker, mit Geschirr und sogar mit Messern und Gabeln. Ich hatte oft eine Todesangst vor ihr.

    Besonders schlimm war, dass ich ab dem 8. Lebensjahr oft nach 22 Uhr aus der Wohnung geworfen wurde und dann allein mit dem Zug zu meiner Großmutter fahren musste, die zehn Kilometer entfernt wohnte. Wenn ich an dem dunklen und menschenleeren Bahnhof der kleinen Stadt, in der wir wohnten, auf den Zug warten musste, hatte ich eine Todesangst und habe mich im Gebüsch verkrochen, bis der Zug kam.

    Als ich erwachsen war, hat meine Großmutter mir erzählt, dass ich im Alter von neun Jahren einmal sogar nach Mitternacht bei ihr ankam. Leider hat meine Großmutter mir nicht geholfen. Sie schickte mich immer wieder zurück zu meiner Erzeugerin.

    Als ich acht Jahre alt war, hat meine Erzeugerin mich einmal an den Haaren durch das Wohnzimmer geschleift und hat mir dabei ganze Haarbüschel ausgerissen. Als ich danach weinend auf dem Boden lag, trat sie mich und spuckte mir auf den Kopf. “Du bist es nicht wert, dass man dich anspuckt!” sagte sie.

    Ich war ein unerwünschtes und “uneheliches” Kind. Ich hatte keinen Vater, der mir helfen und mich beschützen konnte.

    Ich wurde jahrelang mit furchtbaren Schimpfwörtern gedemütigt, wie z.B. “verdammtes Mistvieh”, “minderwertige Sau” und “elendes Dreckstück”.

    Wegen den schrecklichen Misshandlungen und Demütigungen fällt es mir schwer, meine Erzeugerin “Mutter” zu nennen. Ich habe seit dem 15. Lebensjahr keinen Kontakt mehr mit ihr.

    Meinen Familiennamen und beide Vornamen habe ich vom Ordnungsamt ändern lassen, um mich von meinen brutalen Vorfahren zu distanzieren.

    Ich weiß, warum meine Erzeugerin so brutal geworden ist. Ihr Vater war ein gewalttätiger Alkoholiker. Außerdem hat sie den Krieg in Frankfurt am Main erlebt und musste oft in der Nacht in einen Bunker rennen. Ich kann verstehen, warum meine Erzeugerin seelisch krank geworden ist, doch ich kann ihr nicht verzeihen, dass sie mein Leben zerstört hat.

    Genau wie “Tochter” habe ich immer nur mit Mühe und Not überlebt, aber ich habe niemals wirklich gelebt. Es gab keinen einzigen glücklichen Tag in meinem Leben.

    Seit dem 15. Lebensjahr leide ich unter Depressionen, Panikattacken und Schlafstörungen. Ich fühle mich ständig bedroht und habe das Gefühl, dass mir jeden Moment etwas Schreckliches passieren könnte. In den letzten acht Jahren haben drei Ärzte eine “komplexe posttraumatische Belastungsstörung” diagnostiziert.

    Wegen meiner seelischen Erkrankung bin ich zu 70 Prozent schwerbehindert und lebe von einer niedrigen Erwerbsunfähigkeitsrente.

    Ich hatte noch nie einen Freund, weil ich niemandem vertrauen kann.

    Ich habe viele ambulante und stationäre Therapien hinter mir. Die meisten Ärzte und Therapeuten haben mich nicht verstanden. Sie gaben mir die Schuld für meine seelische Erkrankung. Mir wurde immer wieder gesagt, dass ich nicht krank bin, weil ich eine furchtbare Kindheit hatte, sondern weil ich mich falsch verhalte. Ich wurde immer wieder von Ärzten und Therapeuten retraumatisiert, statt Hilfe zu bekommen.

    Retraumatisiert wurde ich auch, als ich eine Opferentschädigung beantragt habe. Ich wurde vom Versorgungsamt und von Richtern des Sozialgerichts wie eine Lügnerin behandelt, die Geld erschleichen will, das ihr nicht zusteht. Weder das Sozialgericht noch das Landessozialgericht haben mich zu einem Gutachter geschickt, damit ich beweisen konnte, dass ich die Wahrheit sage.

    Es ist nicht meine Schuld, dass ich mit meiner gewalttätigen Erzeugerin allein leben musste und dass es keine Augenzeugen gab.

    Ich habe oft das Gefühl, gegen Windmühlenflügel zu kämpfen, denn ich habe nicht einmal das Recht, eine Traumatherapie zu machen. Meine Krankenkasse macht Schwierigkeiten, weil ich schon so viele erfolglose ambulante Therapien hinter mir habe. Es ist jedoch nicht meine Schuld, dass die meisten Psychiater und Psychotherapeuten in Deutschland auch heute noch so wenig Ahnung von Psychotraumatologie haben. In den letzten 25 Jahren hatte ich nur drei gute und verständnisvolle Psychiater bzw. Psychiaterinnen und keinen einzigen guten Psychotherapeuten.

    Jetzt bin ich sehr erschöpft, weil ich ein ganzes Leben lang nur gekämpft habe…

    Hier ist eine sehr gute Internetseite für Leute, die auch eine Mutter mit einer Borderlinestörung hatten:

    http://www.borderline-muetter.de/cms/

    Folgendes Buch von Christine Ann Lawson kann ich empfehlen:

    “Borderline – Mütter und ihre Kinder”

    http://www.amazon.de/Borderline-M%C3%BCtter-ihre-Kinder-Bew%C3%A4ltigung-schwierigen/dp/3898062562/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1348674893&sr=8-1

    Sylvie

    • Liebe Sylvie,

      was Du berichtest, erschüttert mich sehr! Alles ist schlichtweg unsäglich schlimm, was Dir angetan wurde.
      Das allerschlimmste finde ich, dass eine große Anzahl von Menschen von Deinem Leid erfahren haben, teilweise in der aktuellen Situation teilweise verspätet, doch niemand (außer drei Psychiatern und Psychiaterinnen in 25 (!) Jahren) hat Dich ernst genommen, Dir geglaubt, das Kind, das Du warst, gesehen, liebend angenommen oder beschützt:
      Außer Deiner eigenen Erzeugerin…
      Deine Großmutter hätte etwas tun können, auch wenn es ihr schwer gefallen wäre,
      Ärzte und Lehrer hätten etwas tun können, denn die Spuren an Deinem Körper waren sicherlich sichtbar,
      Menschen in den Zügen hättest Du als acht-Jährige auffallen müssen um solch eine Uhrzeit allein,
      Nachbarn, die garantiert etwas mitbekommen haben, hätten etwas tun können,
      weitere Ärzte und Therapeuten, ebenso ein Richter und Versorgungsamtsvertreter hätten etwas tun können, wenn sie ihre Aufgabe ernst nehmen würden,
      und die Krankenkasse, die, augenscheinlich nicht an der Gesundung ihrer Mitglieder interessiert ist, weil sie sonst nichts verdienen würde).

      Das ALLES ist eine zum Himmel schreiende großflächig verbreitete Misshandlung!

      Jedes Kind und jeder Erwachsene hat ein Recht auf eine Entschuldigung bzw. Entschädigung. Wenn einem Erwachsenen Leid zugefügt wird, scheint das einfacher zu sein. Sobald sich das Kind-Thema beimischt gibt es offensichtlich eine Grenze.

      Ich kann Dich sehr gut verstehen, dass Du Deine Mutter nicht mehr “Mutter” nennen kannst und willst. Biologisch ist sie es, doch auf der Herzebene nie gewesen.
      Auch wenn sie möglicherweise durch eine Diagnose, die es so erst heute gibt, auf medizinische Weise geschützt werden könnte (ich bin da sehr vorsichtig), macht es das für Dich nicht besser.

      Etwas weiter unten hat Klaus Küber heute einen Satz zu Gewalttätigkeit von Eltern abgegeben zur angeblich besserer Handhabbarkeit und Heilung :
      “Deine Eltern (bei Dir Deine Mutter) hätten bestimmt anders gehandelt, wenn sie nur gekonnt hätten.”
      Ich frage Dich mal als Betroffene, Sylvie: Was hätte Dir das als Kind gebracht und gibt es Dir als heutige Erwachsene?

      Ich bin sehr beeindruckt, dass Du es geschafft hast, das alles zu überleben, auch wenn Dich das bis zur totalen Erschöpfung gebracht hat. Und ich möchte mich bei Dir dafür bedanken, dass Du Dich hier mit Deiner Geschichte geöffnet hast. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Dir nicht so leicht gefallen ist, wie es sich vielleicht lesend anfühlen kann.

      Ich kann sehr gut nachempfinden, wie es Dir geht. Meine Erfahrungen waren zwar nicht genau so heftig wie Deine, wobei sowieso Vergleiche an dieser Stelle nicht verändern können für den Schmerz jedes Einzelnen, doch ich habe auch viel verloren und spüre eine grundlegende Erschöpfung in mir.
      Vielleicht kann es Dir ähnlich gehen wie mir, wenn ich an solchen Plätzen über alles Wiederfahrene erzähle: Es kann ein klein wenig Energie geben.

      Ich wünsche Dir, dass Du trotz alle dem Momente erleben kannst, in denen Du Dir selber Gutes tun und Dich an kleinen Dingen freuen kannst.
      Herzliche Grüße
      Tochter

      • Liebe Tochter,

        vielen Dank für deine verständnisvolle Antwort!

        Du hast vollkommen recht: Es gab in meiner Kindheit sehr viele Menschen, die wussten, dass ich misshandelt wurde, und keiner hatte genug Zivilcourage, um mir zu helfen. Die Nachbarn haben jahrelang die furchtbaren Wutausbrüche meiner Erzeugerin und meine Schmerzensschreie gehört und haben nichts unternommen. Auch meine Großmutter und meine Tante wussten, dass ich schwer misshandelt wurde. Die Lehrer haben jahrelang gemerkt, dass etwas nicht stimmte, doch sie haben mich nie gefragt, was mit mir los war.

        Seit 25 Jahren bin ich nun (mit kurzen Unterbrechungen) in psychotherapeutischer Behandlung und war in vielen psychosomatischen Kliniken und einige Male auch auf der Depressionsstation einer psychiatrischen Klinik. Was ich mit all diesen Ärzten und Therapeuten erlebt habe, war oft wirklich haarsträubend. Auf meiner Homepage ist ein Bericht über meine Therapie – Erfahrungen:

        http://www.misshandlungsopfer.de/therapie.php

        Ein Mitarbeiter des Versorgungsamtes wollte mir helfen. Er war der Meinung, dass die Beweise (schriftliche Zeugenaussagen der ehemaligen Nachbarn und meiner Grundschullehrerin) ausreichen. Er wollte die Opferentschädigung bewilligen, doch sein Vorgesetzter war anderer Meinung. Später wurde mir jahrelang von verschiedenen Richtern mitgeteilt, dass die Beweise nicht ausreichen. War der Mitarbeiter, der die Opferentschädigung bewilligen wollte, ein Anfänger in seinem Job oder ein Lehrling?

        Ich habe im Juli einen neuen Antrag auf Opferentschädigung gestellt. Ich brauche die Opferentschädigung, weil ich nur alte, hässliche Möbel habe und weil ich wegen meiner Erschöpfung eigentlich dringend mal in Urlaub fahren müsste.

        Ich leide unter einer “Fibromyalgie” und habe Muskelschmerzen im ganzen Körper. (Auch das ist die Folge der Misshandlung in meiner Kindheit.) Deshalb bräuchte ich dringend ein neues Bett mit einer guten Matratze. Ich möchte keinen Luxus, aber ich möchte ein menschenwürdiges Leben führen. Es ist nicht meine Schuld, dass ich nicht arbeitsfähig bin.

        Ich bin auch deshalb dazu gezwungen, noch einmal eine Opferentschädigung zu beantragen, weil das Versorgungsamt 300 Stunden Traumatherapie zahlen müsste, wenn ich ein anerkanntes Gewaltopfer wäre. Diese Therapiestunden brauche ich dringend, weil ich noch einmal eine neue Traumatherapie anfangen muss. Die letzte Traumatherapie musste ich abbrechen, weil meine Therapeutin sich mir gegenüber unmöglich verhalten hat. Sie hat mich mehrmals völlig grundlos angeschnauzt. Deshalb ging es mir immer schlechter. Ich bekomme sofort Suizidgedanken, wenn jemand unfreundlich zu mir ist oder mich sogar anschnauzt. Ich fühle mich dann wieder wie ein Kind, das nichts wert ist und das kein Recht darauf hat, dass andere Menschen Achtung vor ihm haben. Ich habe leider überhaupt kein Selbstwertgefühl.

        Meine Krankenkasse wird keine zweite Traumatherapie mehr zahlen. Deshalb brauche ich die 300 Stunden, die das Versorgungsamt zahlen müsste, dringend.

        Ich gebe nicht auf und versuche zu beweisen, dass ich die Wahrheit sage, weil ich nicht nur eine Opferentschädigung, sondern auch die Anerkennung als Gewaltopfer brauche. Mir ist schon zu oft von anderen Menschen gesagt worden, dass das doch alles gar nicht schlimm ist, was ich als Kind erlebt habe, und dass ich es doch “einfach” vergessen soll.

        Judith Herman schreibt in ihrem Buch “Die Narben der Gewalt”:

        “Damit das Opfer den Glauben an eine sinnvolle Ordnung der Welt zurückgewinnen kann, muss es die traumatische Erfahrung mit anderen teilen. Dabei sucht es nicht nur bei den nächsten Angehörigen Hilfe, sondern auch im weiteren Umfeld der Gesellschaft.

        Die Reaktion der Gesellschaft hat einen großen Einfluss auf die endgültige Bewältigung des Traumas. Der Riss zwischen Traumatisiertem und der Gesellschaft kann nur gekittet werden, wenn erstens die Gesellschaft das traumatische Ereignis als solches anerkennt, und zweitens die Gesellschaft in irgendeiner Form handelt.

        Ist einmal öffentlich anerkannt, dass jemandem Gewalt angetan wurde, muss die Gesellschaft handeln: Sie muss den Verantwortlichen für den Schaden suchen und den Schaden wiedergutmachen. Diese beiden Reaktionen – Anerkennung und Wiedergutmachung – sind notwendig, damit das Opfer wieder an Gesetz und Ordnung glauben kann.”

        Ich glaube, dass das Verhalten anderer Menschen bzw. der Gesellschaft uns gegenüber darüber entscheidet, ob wir gesünder werden können oder nicht.

        Die Therapeuten, die ich bisher hatte, konnten mir nicht helfen, gesünder zu werden, weil sie nicht wahrhaben wollten, dass meine Erzeugerin mich schwer traumatisiert und krank gemacht hat. Sie wollten mir die Schuld in die Schuhe schieben. Sie haben behauptet, dass es mir nur deshalb so schlecht geht, weil ich nicht arbeiten will und weil ich keine Hobbys und nicht genug Kontakt mit anderen Menschen habe.

        Es war immer mein größter Wunsch, ein normales Leben zu führen und einen Beruf und eine Familie zu haben, doch das war wegen meiner furchtbaren Ängste und meiner schweren Depression nicht möglich.

        Ich habe deshalb wenig Kontakt mit anderen Menschen, weil es viele Menschen gibt, die mich verletzen, indem sie behaupten, dass ich zu faul sei zum Arbeiten, dass ich mir nur einbilde, schwer traumatisiert zu sein, oder indem sie mir vorwerfen, zu hohe Kosten für meine Krankenkasse zu verursachen. Es gab auch immer Leute, die großes Mitleid mit meiner armen alleinerziehenden Mutter hatten – viel mehr Mitleid als mit mir. Vor solchen Menschen werde ich mich in Zukunft schützen und den Kontakt viel schneller abbrechen, während ich früher viel zu lange solche Demütigungen erduldet und gehofft habe, dass die Leute mich irgendwann vielleicht doch noch verstehen…

        Meiner Erzeugerin hat noch nie jemand den Vorwurf gemacht, dass ich hohe Kosten für meine Krankenkasse verursache, obwohl sie für diese Kosten verantwortlich ist.

        Bei meiner Erzeugerin wurde niemals eine Borderline – Störung oder eine andere seelische Erkrankung diagnostiziert, weil sie niemals zu einem Psychiater gegangen wäre. Das hatte sie nicht nötig, denn sie hielt sich für einen perfekten Menschen. Sie hatte immer recht und war allwissend. Sie wäre auch niemals zu einer Beratungsstelle gegangen, um sich Hilfe zu holen.

        Ich war vor kurzem bei einem Professor, der eine Koryphäe auf dem Gebiet der Psychotraumatologie ist. Er hat bei mir eine “komplexe posttraumatische Belastungsstörung” diagnostiziert. Nachdem ich die Wutausbrüche meiner Erzeugerin geschildert hatte, sagte er, dass das so klingt, als ob sie eine Borderline – Störung hatte. Er empfahl mir das Buch “Borderline – Mütter und ihre Kinder”. Nachdem ich es gelesen hatte, war ich vollkommen davon überzeugt, dass meine Erzeugerin eine Borderline – Störung hatte.

        Dieser Professor schrieb in einem Bericht an meinen behandelnden Psychiater, dass ich sehr tapfer sei. Als ich das las, musste ich weinen, denn das hatte mir noch nie jemand gesagt. Es gibt also auch Ärzte, die Verständnis für uns haben. Leider sind es zu wenige!

        Ich habe gelesen, was Klaus dir geschrieben hat. Er meint es bestimmt gut und will dir helfen, aber ich bin genau wie du anderer Meinung. Kein erwachsener Mensch ist dazu gezwungen, ein kleines Kind zu verprügeln. Er kann entscheiden, sein Kind nicht zu verprügeln. Spätestens wenn das einmal passiert ist und das Kind herzzerreißend weint, könnte der Erwachsene sehen, was er da angerichtet hat – wenn er es sehen will.

        Ich glaube, dass es für prügelnde Eltern einfach sehr praktisch ist, an ihrem kleinen Kind, das sich nicht wehren kann, ihre Aggressionen abreagieren zu können. Das ist der einfachste Weg. Alle anderen Wege sind mühsamer. Es kostet Kraft und Zeit, seine Probleme auf eine andere Art und Weise zu lösen. Man kann sich scheiden lassen, wenn man Eheprobleme hat, man kann sich einen anderen Job suchen, wenn der Chef ungerecht ist, man kann zu einer Beratungsstelle gehen, wenn es einem nicht gut geht usw.

        Du fragst, was es mir als Kind gebracht hätte, wenn mir jemand gesagt hätte, dass meine Erzeugerin nicht anders kann, als mich zu verprügeln. Das hätte mir gar nichts gebracht. Geholfen hätte mir nur ein Mensch, der sich bedingungslos auf meine Seite gestellt und mich beschützt hätte.

        Auch heute hilft es mir nicht, wenn jemand meine Erzeugerin verteidigt und in Schutz nimmt. Ich habe es schon tausendmal gehört, dass meine Erzeugerin “nicht anders konnte”. Das ist für mich kein Trost. Ich glaube auch nicht, dass es wahr ist, denn meine Erzeugerin hätte z.B. die Wahl gehabt, mich bei meiner Großmutter aufwachsen zu lassen. Sie hätte mich auch nachmittags in einen Kinderhort gehen lassen können. (Sie war ganztags berufstätig.) Dann wäre sie entlastet gewesen und hätte nicht am Abend bis 22 oder 23 Uhr mit mir Hausaufgaben machen müssen. Ich durfte die Hausaufgaben nicht allein machen, denn dann wären sie nicht perfekt genug gewesen.

        Wenn ich bei den Hausaufgaben zu viele Fehler machte, weil ich im Grundschulalter um 22 Uhr schon hundemüde war und mir die Augen zufielen, wurde ich verprügelt und rausgeschmissen. Das geschah nur, weil meine Erzeugerin so extrem ehrgeizig war. Es gab einem Konkurrenzkampf zwischen ihr und ihrer ein Jahr jüngeren Schwester, deren Sohn drei Monate jünger war als ich. Meine Erzeugerin wollte unbedingt ein klügeres Kind haben als ihre Schwester. Ich sollte bessere Noten haben als mein Cousin. Nur dafür wurde ich am Abend so sehr gequält. Meine Erzeugerin war davon überzeugt, dass nur sie allein dazu fähig war, mit einem Grundschulkind Hausaufgaben zu machen und dass meine Großmutter oder die Betreuer im Hort nicht dazu in der Lage wären.

        Meine Erzeugerin hätte auch entscheiden können, auf diesen absurden Konkurrenzkampf zu verzichten. Dann hätte sie mich nicht wegen Fehlern bei den Hausaufgaben verprügeln und nach 22 Uhr rausschmeißen müssen.

        Meine Großmutter hätte nichts dagegen gehabt, wenn ich bei ihr gewohnt hätte, doch das wollte meine Erzeugerin nicht. Sie brauchte mich als seelischen Müllabladeplatz, weil es außer mir niemanden gab, mit dem sie über ihre Probleme sprechen konnte. Und sie brauchte mich, um ihre Aggressionen abzureagieren.

        Meine Erzeugerin hat einmal einem ihrer Kollegen einen Aschenbecher aus Marmor an den Kopf geworfen, weil sie sich über ihn geärgert hatte. Daraufhin wurde sie sofort fristlos entlassen. Ich konnte sie nicht fristlos entlassen, wenn sie mich verprügelte und mich mit allen möglichen Sachen bewarf.

        Zu anderen Erwachsenen war meine Erzeugerin ausgesprochen freundlich – mal abgesehen von dem Vorfall mit dem Aschenbecher. Sie konnte also auch anders sein, jedenfalls bei Erwachsenen. Warum nicht bei mir? Wer hat sie dazu gezwungen, mich zu misshandeln? Niemand! Das hat sie selbst so entschieden.

        Ich glaube, dass es ein Machtmissbrauch ist, wenn Eltern ihre Kinder misshandeln. Es gibt keinen vernünftigen Grund und keine Entschuldigung dafür, ein Kind zu misshandeln.

        Es stimmt, dass man das in der Kindheit Erlebte nicht vergleichen kann. Es gibt Erwachsene, die Mobbing erleben, und dadurch so schwer verletzt werden, dass sie Suizidgedanken bekommen. Wenn Erwachsene durch seelische Gewalt so schwer traumatisiert werden können, wie schwer wird dann erst ein kleines Kind durch seelische, körperliche und / oder sexuelle Gewalt traumatisiert, besonders wenn die eigenen Eltern die Täter sind!

        Ein hochsensibler Mensch wird wahrscheinlich leichter ein Trauma erleiden als ein “normaler” Mensch.

        Mir hat mal jemand gesagt, dass der sexuelle Missbrauch eines Kindes “viel schlimmer” sei als Kindesmisshandlung. Ich habe geantwortet, dass es keine Rolle spielt, ob man in fünf Meter oder drei Meter tiefem Wasser ertrinkt. Tot ist man hinterher auf jeden Fall.

        Ich glaube auch, dass der Austausch mit anderen Betroffenen helfen kann, weil Menschen, die nicht misshandelt wurden, einen meistens nicht verstehen können.

        Ich finde es sehr gut und mutig, dass du deinen Eltern einen Brief schreibst, um ihnen die Verantwortung für ihre Misshandlungen zurückzugeben, denn sie allein sind für ihr Handeln verantwortlich.

        Ich habe als Kind immer geglaubt, dass ich verprügelt, rausgeschmissen und beschimpft werde, weil ich böse, dumm und wertlos bin. Heute weiß ich, dass das nicht wahr ist. Das sagt mir mein Verstand. Leider sagt mir mein Gefühl immer noch oft etwas ganz anderes, nämlich dass ich eine Versagerin bin, denn schließlich habe ich keinen Beruf. Ich war im Gymnasium und hatte gute Noten, doch im Alter von 15 Jahren bin ich so depressiv geworden, dass ich kaum noch zur Schule gehen konnte. Ich habe bei meiner Großmutter gewohnt, seit ich 15 Jahre alt war. Sie merkte nicht, dass ich eine schwere seelische Erkrankung hatte und half mir nicht.

        In den letzten 25 Jahren wurde mir oft vorgeworfen, faul zu sein und nicht arbeiten zu wollen. Das hat mich zusätzlich traumatisiert.

        Ich habe kein Selbstwertgefühl und muss immer wieder darum kämpfen, mich nicht mit den Augen meiner Erzeugerin zu sehen. Ich sage mir immer wieder, dass ich kein wertloser Mensch bin und dass ich es verdient habe, dass andere Menschen Achtung vor mir haben, weil jeder Mensch Achtung verdient. Ich sage mir auch immer wieder, dass jeder Mensch eine Existenzberechtigung hat – auch ich.

        Herzliche Grüße

        Sylvie

        • Hallo Silvie, hallo Tochter
          Falls ihr hier noch mal vorbeischaut.

          Keine Frage habe ich gewiss nicht die Absicht, jemandes Erfahrungen herabzuwürdigen, oder zu relativieren. Schließlich war ich selbst mal ein “gebranntes” Kind.
          Dennoch möchte ich noch einmal auf den Einwand eingehen, dass gewalttätige Eltern andere Möglichkeiten gehabt hätten, um auf ihre Kinder einzugehen.
          Dies mag auf den ersten Blick plausibel erscheinen, wenn man weiß, dass andere Geschwister wesentlich liebevoller behandelt wurden.
          Das war bis vor einiger Zeit auch meine Meinung.
          Doch hat mir dieser Robert Betz eine neue Sichtweise vermittelt, die ich zunächst nicht verstanden hatte, wenn er etwa meint, dass jede Verurteilung anderer Menschen, also auch die unserer Eltern, auf uns selbst zurückfällt.
          Da habe ich auch erst gedacht, der Typ der hat sie doch nicht alle, wenn er darüber hinaus forderte, nur unter der Prämisse zum eigenen Frieden zu finden, wenn wir zuvor mit allen Menschen insbesondere unseren Eltern Frieden geschlossen hätten. Ja sie sogar ehren und uns bedanken sollten.
          Für mich ein völlig absurder Gedanke. Dürfte euch nicht anders gehen, vermute ich mal.
          Dennoch hat es mir keine Ruhe gelassen. Insbesondere der Gedanke der Verurteilung.
          Habe also lange hin und her überlegt, wie er das wohl gemeint haben könnte. Und ja… . ., bei tieferer Betrachtung aller Umstände wurde mir dann klar, was er damit meinte.
          Denn auch ich hatte meine Kinder, einige male den Arsch versohlt, sie psychisch herabgewürdigt, wenn sie meinen Ansprüchen, die sie in der Schule erfüllen sollten, nicht genügten, oder sie zuweilen regelrecht von mir Ausgrenzte, wenn mir ihr naturgegebener Wunsch nach liebevoller Nähe zu nah war.
          Insofern hatte ich sicher auch eine Wahl gehabt, meine Kinder anders liebevoller zu behandeln und dennoch, konnte ich es nicht.
          Heute sehe ich mein Verhalten aus einer gänzlich neuen Perspektive und bedauere sehr, nicht schon viel früher mein gegenwärtiges Bewusstsein auf meine noch kleinen Kinder angewandt zu haben. Aber immerhin sprechen wir heute darüber, damit wenigstens sie nicht irgendwann später auch mal in dieses Muster verfallen, wie sie es kennen gelernt haben.
          Das heißt, auch ich habe einen Teil meiner Erfahrungen unbewusst an meine Kinder weitergegeben.
          Wenn ich anders gekonnt hätte, hätte ich sicher anders gehandelt.
          Ebenso wie jeder Raucher die Wahl hätte mit dem Rauchen aufzuhören, wenn er denn könnte.
          Oder wie viele Menschen wollen sogar bewusst abnehmen. Ja warum tun sie es denn dann nicht, wenn sie diesen freien Willen und das Bewusstsein dazu haben?
          Nun ja, so habe ich sehr akribisch hinterfragt, unter welchen Umständen meine Eltern herangewachsen sind, bzw. unter welchen Verhältnissen sie zum Zeitpunkt unseres Familiendaseins lebten und kam letztlich zum Ergebnis zweier verletzter und ungeliebter Menschen, die vermutlich ähnlich wie ich, in ihrer Ehe nur das Beste wünschten, aber an ihrem eignen Mängeln gescheitert sind. Insbesondere darin verständlich, wenn sie Liebe nur in eingeschränkten Umfang vermitteln konnten, weil sie selbst nicht wussten, wie sich Liebe anfühlt.
          Denn auch, wenn andere Geschwister bevorzugt werden, so zeigt doch bereits die Ausgrenzung nur eines Kindes, welches als schwarzes Schaf wie ein Blitzableiter all den Frust und verinnerlichten Hass der Eltern abbekommen hat, dass in solchen Eltern keine tragfähig Liebe vorhanden war, sonst hätten sie niemals so gefühllos handeln können.
          Denn ein liebvoller in sich selbst ruhender Mensch, der sich seiner Werte bewusst ist, kann niemals dauerhaft als gefühlloses Monster agieren.
          Von daher bin ich mir inzwischen ziemlich sicher, dass solche Menschen aus ihrer eigenen Verletztheit kaum in der Lage sind entschieden anders zu handeln, wie sie gerade handeln.
          Unsere ganz Welt ist doch voll von diesen verletzten Menschen, die ihre Umwelt aus ihrer Verletztheit und verinnerlichten Misstrauen heraus permanent vergiften.
          Egal ob Verwandtschaft, Schule, Arbeitskreisen oder Nachbarschaften.
          Wenn diese Menschen anders handeln könnten, gäbe es kaum noch Zwietracht, Neid, Habgier, oder Streit, die im Grunde genommen alle eine Form der Gewalt darstellen.
          Kinder haben hier lediglich den Nachteil, ihrer bedingungslosen Abhängigkeit und Schwäche, um sich Gewaltauswüchsen erfolgreich widersetzen oder entziehen zu können.
          Das macht die Sache so tragisch und setzt sich über Generationen fort, wenn die Menschen nicht eben genau auf diese Probleme aufmerksam gemacht werden. Denn erst wenn wir uns vollends über Ursachen und Wirkungen im klaren sind, sind wir auch in der Lage unser Handeln bewusst zu steuern.
          Was mich betrifft, so bin ich längst nicht an den Punkt, wo ich bereit wäre meinen Eltern sancto sankt alles zu vergeben und noch weniger zu vergessen.
          Aber ich kann inzwischen ein großes Stück weit nachvollziehen, warum ich oder andere Menschen zum Spielball derart menschlicher Tragödien wurden. Und hätte ich diese Erfahrungen nicht gemacht, wäre ich heute kaum der, der ich heute bin, um mich aktiv zum Schutz künftiger Kindergenerationen einzusetzen.
          Kein Weg – Keine Erfahrung gleicht der Anderen. Daher hat jeder seinen eigenen Weg, um mit der eigenen Geschichte ins Reine zu kommen.
          Daher wünsche ich Dir liebe Silvie, wie auch Dir Tochter, wie auch allen anderen mitlesenden Menschen die glückliche Erfahrung, eines Tages doch noch zu einem inneren Frieden und Freude zu gelangen. Es ist möglich, wie ich inzwischen aus eigener Erfahrung weiß, wenngleich es ein verdammt langer und harter Weg war um dahin zu kommen.
          LG Klaus

          • Hallo Klaus,
            der letzte Teil Ihres Kommentars bringt das ganze Ausmass der “erzieherischen” Lieblosigkeit auf den Punkt. Wenn dann einmal das Bewußtsein darüber einen Platz in uns bekommen hat, wird es für Betroffene wie mich nicht einfacher. Das Umfeld macht weiter! Ich sehe hier seit einigen Tagen eine Frau mit ihrer kleinen Tochter vorbeigehen. Das Mädchen, ca. 3 Jahre alt, schreit verzweifelnd und händeringend (Hände nach oben gestreckt) nach der Aufmerksamkeit seiner Mutter. Diese raucht dabei kalt und ignorant ihre Zigarillos und rennt den Kinderwagen schiebend weiter. Das Kind läuft neben ihr her und schreit laut: “Mama Mama” Mein Herz brennt, meine Seele weint und ich weiß nicht wie ich handeln soll ohne wutentbrannt zu reagieren. Ich fühle mich hilflos und mich selbst erneut als das hilflose Kind von damals. Was kann ich tun? Wie soll ich reagieren ohne dem Kind noch mehr zu schaden?
            Herzliche Grüße, Anna

    • Hallo Anna

      Leider kann ich nicht direkt auf Deinen Beitrag antworten und hoffe dass Du die Antwort an dieser Stelle lesen wirst.
      Ich freue mich, dass Du heute so wachsam Deine Umwelt und Kinder wahrnimmst, die allem Anschein nach schon regelrecht um liebevolle Aufmerksamkeit betteln.
      Nur wie richtig reagieren, wenn Mütter/Väter mit sich selbst dermaßen beschäftigt sind, um die Bedürfnisse ihrer Kinder kaum mehr wahrzunehmen?
      Das ist sicher nicht so leicht.
      Zunächst gilt es auf Dich selbst und Deine Gefühle zu achten. Denn mit Zorn tust Du weder Dir selbst noch diesem Kind einen Gefallen. Denn in erster Linie möchtest Du ja die Mutter erreichen.
      Mit negativen Gefühlen wirst Du da eher weniger Erfolg haben.
      Wenn Du die Mutter hingegen mit positivem Interesse an ihrem Kind ansprichst, wirst Du damit nahezu jede Mutter erreichen, um ein in ein erstes Gespräch zu kommen.
      Du könntest sie beispielsweise lobend erwähnen, wie positiv Dir aufgefallen ist, wie oft sie mit dem Kind an der frischen Luft unterwegs ist und in dabei einfließen lassen, wie viele Mütter kaum mehr wissen was ihren Kindern gut tut, bzw. wieviel liebevolle Aufmerksamkeit und Wertschätzung doch Kinder benötigen um positiv gedeihen zu können.
      So in etwa könntest Du ein Gespräch positiv einfädeln und gegebenenfalls weiter in Kontakt bleiben, um ohne direkte Kritik immer mal wieder einfließen zu lassen, was für herrliche Geschöpfe doch Kinder sind, wenn wir Ihnen nur die nötige Zeit und Aufmerksamkeit widmen, um sich zu entwickeln.
      Und wie wichtig es ist, sich dabei auch sich selbst seines eigenen Wertes und Bedürfnisse bewusst zu sein. Denn wenn wir innerlich nicht wirklich in Frieden mit uns selbst sind, können wir auch nach außen gegenüber unseren Kindern/Nachbarn/Familie oder Arbeitsplätzen keine Harmonie ausstrahlen.
      Vielleicht machst Du die Frau ja auch mal auf diesen Herrn Betz, oder andere hilfreiche Personen, Bücher oder Artikel aufmerksam, die diese Frau in ihrer positiven Entwicklung fördern könnten.
      Ist aus der Ferner her natürlich nur schwerlich zu beschreiben.
      Aber ich denke, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
      In diesem Sinne wünsche ich Dir die Gelassenheit und differenzierten Ideen, um Dein Lebensumfeld mit positiven Impulsen zu beeinflussen. Ich sage herzlichen Dank für Dein Engagement und wünsche Dir viel Erfolg.
      Herzliche Grüße
      Klaus

      • Danke Klaus,
        es ist ein Wunder geschehen,
        irgendein Engel hat mein inneres Flehen erhört. Gestern sah ich die Mutter mit dem Mädchen zum ersten mal friedlich durch die Straße gehen. Das Kind saß freudig plappernd auf einem neuen Fahrrad und die Mutter hielt ihre Hand schützend auf seinen Schultern.
        Ich sende Ihnen ein Lächeln!
        Anna

  69. Ich (Jahrgang 1966) finde es so überwältigend erschütternd, immer mehr Berichte von erwachsen gewordenen Kindern zu lesen, zu hören, die von elterlicher Gewalt betroffen waren. Auch ich bin ja eine, die das eigene Erlebte überstanden bzw. überlebt hat. Deshalb werde ich im weiteren zwischendurch in der Wir-Form schreiben.
    Wenn ich schreibe “überlebt”, dann meine ich das tatsächlich so. Von den Eltern als nächste Bezugspersonen während unseres abhängigen Alters Gewalt in unterschiedlichen Formen erlebt zu haben, hat uns vermutlich alle auf subjektive Weise schon an Lebensgrenzen der Belastbarkeit gebracht. Wer hat nicht ein Mal oder mehrere Male in seinem Leben bis heute sich so gefühlt und gedacht, aus diesem Leben gehen zu wollen, weil die Energie einfach nicht mehr zu reichen scheint, die verinnerlichten Verletzungen und Schmerzen weiter auszuhalten? Worte und Taten von damals können immer noch wirken und genau so verheerende Auswirkungen haben auf unser Selbstwertgefühl und damit Lebensgefühl wie zu unserer Kinderzeit. Ja, wir sind nun erwachsen. Ja, wir haben heute die Möglichkeit, Verantwortung für uns zu übernehmen und nach Heilungsmöglichkeiten zu suchen und unsere Opferrolle nicht fortzuführen. Dennoch galt vor allem im frühen Damals für uns das Urteil “lebenslänglich”.

    Meiner Meinung nach ist ein Weg zur Heilung für uns nur möglich, wenn wir uns zuerst einmal selber unserer Lebenswahrheit stellen. Das ist der allerschwerste und anstrengendste Schritt, wie ich aus eigener Erfahrung durch über 10 Jahre therapeutischer Aufarbeitung weiß. Der Weg bist zu dem Punkt, mir mit allen aufsteigenden, meist tief verschütteten, verbotenen Gefühlen meine Kindheit anzusehen bestand aus dem Fühlen von tiefer Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit und Verlorenheit, bestand aus dem Sehen, was meine Eltern (aktiv meine Mutter, passiv mein Vater) mit mir gemacht haben. Doch dass ganz klar meine Eltern die Verantwortung für meine tiefen Verletzungen tragen, das hat das ebenso tief in mich eingepflanzte Verbot gestützt durch das 4. Gebot viele viele Jahre lang “erfolgreich” verhindert. Und nur mit dieser Erkenntnis und dem Zulassen der schmerzhaftesten Empfindungen dabei kann plötzlich die Wahrheit, die ganze nackte Wahrheit ins Licht rücken. Ich selber stehe gerade an der Stelle, meine Wahrheit immer deutlicher zu realisieren. Ich erlebe bewusst, was den Unterschied zum vorherigen Prozess ausmacht. Es steigen immer mehr Erinnerungen an damalige Situationen in mir auf. Wenn ich meiner Therapeutin oder meinen anderen, wenigen sehr nah vertrauten Menschen erzähle, gelingt es mir, dass ich die dazugehörigen Gefühle von damals nicht nur wahrnehmen sondern sie auch leben kann. Ich habe all die Jahre vorher praktisch damit zugebracht, meine verstreuten Gefühlsanteile und erlebten Gewalterfahrungen zusammenzusetzen, wie ein Puzzle. Mein Selbstbild vervollständigt sich mehr und mehr. Der Ausdruck meines Seines wird immer authentischer. Und ich kann immer besser erkennen, dass nicht ich als Kind für die Schläge, Demütigungen, Herabsetzungen, Drohungen, Beschimpfungen an mir verantwortlich war und bin, sondern meine Mutter, die alles ausführte und mein Vater, der nichts gegen sie unternahm.
    Dass auch sie ein verletztes inneres Kind in sich tragen, das sie zu solchem Verhalten im Erwachsenenalter gebracht hat, kann ich sehr gut verstehen. Doch dieses, mein Verstehen kann für mich nicht als Entschuldigung gelten. Denn sie haben sich in der Beziehung zu mir als ihrem von ihnen alltagspraktisch und vor allem emotional abhängigen Kind so gewalttätig verhalten, wie sie es getan haben. Sie waren die Erwachsenen. Einem Erwachsenen ist es möglich zu reflektieren, abzuwägen und sich bewusst zu entscheiden bei allen Lebensfragen. Einem Kind, vor allem einem Kleinstkind ist das nicht möglich. Dieses Vermögen bildet sich ja erst während der Kinder- und Jugendjahre. Das bedeutet: Meine Eltern hatten die Wahl. Alle Eltern haben die Wahl, sich für oder gegen Gewalt, für oder gegen Liebe zu entscheiden. Meine Eltern entscheiden sich für den Erziehungsweg der Gewalt. Ein einzelner Moment von gewalttätigem Verhalten mag als “Ausrutscher” selbst einem reflektierten Elternteil passieren können. Das will ich gar nicht ausschließen, wenn auch nicht verherrlichen. Doch wovon ich und alle hier Schreibenden berichten bezieht sich nicht auf ein einmalige Situationen. Bei dem, was wir erfahren haben, geht es um Kontinuität. Und auch wenn selbst erfahrene Traumata hinter solch Verhalten stecken und ein so Betroffener zur Wiederholung in Beziehung mit anderen Menschen neigen sollte, hat er, wenn er nicht krankhaft geistig eingeschränkt ist, die Wahl, seinem Affekt nachzugehen oder sich zu stoppen. Merkwürdiger Weise ist es mir als Mensch mit von Gewalt geprägten Erfahrungen in meinem Leben noch NIE “passiert”, einen anderen Menschen geschlagen zu haben, weil er mir auf welche Art auch immer nicht passt! Mein “inneres Kind” hat sich dagegen entschieden, dass ich selber Kinder bekomme. So kann ich GOTT SEI DANK meine Gewalterfahrungen nicht an die nächste Generation weitergeben. Ich sehe mich in meinem Leben also nur mit erwachsenen Menschen konfrontiert. Ich habe Respekt vor diesem anderen Menschen, weiß auch, dass er ggf. zurückschlagen könnte. Unsere Eltern haben sehr wahrscheinlich auch nie einen Erwachsenen so behandelt, wie sie uns behandelt haben. Nein, das taten sie mit uns als Kinder, denn ihnen können sie sich überlegen fühlen. Von ihnen drohte keine Gegenwehr. Somit ist, für mich zumindest klar: Hier ging und geht es um Macht! Und Macht wird bewusst eingesetzt!

    Ich stehe gerade in diesen Wochen an dem Punkt, meine Wahrheit auf den Punkt zu bringen für mich selbst aber auch für meine Mutter. Ich habe über einen langen Zeitraum diverse Versuche unternommen, sie zu verschriftlichen als Brief. Nun ist es mir so weit gelungen, dass ich sagen kann, mein Geschriebenes ist “rund”: ohne Selbstmitleid, sondern mit Fakten bzgl. konkreten Situationen und meinen authentischen Gefühlsbeschreibungen. Das war harte emotionale Arbeit. Ich habe diesen Brief im Beisein meiner Therapeutin laut gelesen. Das tat brutal weh!! Das Aussprechen hatte auf mich eine äußerst intensive und schmerzhafte Wirkung. Den Brief müsste ich eigentlich mit “Amen” (so sei es) schließen. Als nächster Schritt folgt jetzt, dass ich diesen Brief an meine Mutter tatsächlich abschicke, denn ihr das direkt vor ihr stehend alles zu sagen, darf ich mir nicht zumuten. Ich hab es als Übung versucht, mir meine Mutter vor mir stehend vorgestellt. Ich reagiere darauf mit Dekompensation; ein sicheres Zeichen dafür, dass ich mich der hautnahen Konfrontation mit ihr nicht aussetzen darf um meines Wohlergehens wegen.
    Dieser Schritt ist mein wichtigster Schritt überhaupt. Ich mache meine Mutter deutlich auf die Wahrheit aufmerksam, zeige ihr: Hier! Lies! Schau hin! SO ist es gewesen damals. DAS hast DU mit mir gemacht. So ging es mir damit. Das hätte ich mir von dir statt dessen gewünscht. Das hat Dein Verhalten mit mir gemacht damals und heute. Damit gebe ich die von mir damals angenommene Verantwortung für ihr Verhalten an sie zurück und werde alles dafür tun, sie nicht mehr mit mir herum zu tragen, denn das hat mich bis heute sehr schlecht fühlen lassen. Es nicht mein Ansinnen, mich rächen oder ihr Schaden zufügen zu wollen. Es geht mir dabei um meine Heilung. Die liegt tatsächlich in MEINER Verantwortung. Auch muss ich dann sehen, mit den Auswirkungen des Briefes zurecht zu kommen, weiter gut für mich zu sorgen. Ich zünde damit bildlich gesehen eine Atombombe in unserem Familiensystem. Ich reiße damit den schön geblümten Vorhang herunter, hinter dem meine Eltern und auch meine Schwester versucht haben das Tragische zu verbergen. Die Auswirkungen in mir haben schon begonnen sich zu zeigen. Die Auswirkungen bei den anderen stehen noch aus. Ich rechne mit allem.
    Für mich merke ich, dass es ein wichtiger und guter Schritt ist Richtung Heilung, wenn sich die natürlich auch nicht sofort einstellt. Mein eh stark beschädigtes Selbstbewusstsein hat durch das Aufschreiben der Wahrheit erst einmal einen weiteren Schlag abbekommen. Während des Schreibens “hörte” ich parallel die destruktiven und verleugnenden Sätze meiner Mutter. Sie können immer noch auf mich wirken, wie ich merke. Ich bin genau wie Barbara es erst gerade von sich beschrieb unterwegs von mir zu glauben: Ich kann nicht nicht genug, ich weiß nicht genug, ich bin nicht gut genug. Das wirkt sich besonders im Arbeitsleben mehr als schädlich aus. Selbst das sonst von mir angestrebte Funktionieren funktioniert gerade gar nicht und ich habe mir erstmal zwei Wochen Auszeit verschreiben lassen, um so gut es geht zur Ruhe zu kommen. Ja, Barbara, auch ich weiß genau, ich hätte ganz andere Dinge in meinem Leben erreichen können, wenn meine Eltern nicht mein SelbstWERTgefühl so dermaßen beschädigt hätten. Das zu realisieren macht mich überaus traurig. Doch es ist so wie es ist. Ich habe mich bis jetzt noch nicht aufgegeben und kämpfe weiter für mich und dafür, dass es meinem “inneren Kind” endlich gut gehen kann…. so gut es möglich ist.

    Ich selber würde sehr gerne ein Buch schreiben als Selbstbetroffene. Noch scheue ich mich davor, mit meiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, vor allem weil ich mich damit auch mit meinen Gefühlen zeigen würde und sehr verletzbar wäre. Genau dies ist die Angst, die ich meinen Eltern gegenüber nach wie vor verspüre. Die Angst, wieder angegriffen und verletzt zu werden, was die große Wunde in mir wieder aufreißen kann. Mit einem Brief stelle ich ich mich meinen Eltern und riskiere einen erneuten Angriff. Mit einem Buch riskiere ich Gegenwehr von vielen Eltern, einem Großteil der Gesellschaft und von der Kirche. Welch großangelegte Macht! Dennoch spüre ich und ist mir bewusst, dass dies ein überaus wichtiger und längst fälliger Schritt ist. Der schon rollende Stein (z.B. durch Bücher, wie von Frau Müller-Münch u.a., durch Foren und Blogs zu diesem Thema) muss am Rollen gehalten werden! Alice Miller als große Verfechterin der wahren Wahrheit der Kinder lebt leider nicht mehr. Sie hat nicht nur als Fachexpertin eindringlich die Gesellschaft zur Rede zu stellen und den “Kindern” zu helfen versucht, sondern auch als betroffenes erwachsen gewordenes Kind. Machen wir weiter!

    eine Tochter

    • Hallo Tochter

      Wie Du, habe auch ich sehr lange mit meinem wahrlich gewalttätigen Elternhaus gehadert und war der Überzeugung sie über den Tod hinaus mit aller mir zu Verfügung stehenden Kraft verachten zu dürfen.
      Zwei Dinge haben mir geholfen, heute eine völlig neue Sichtweise entwickelt zu haben.
      Einmal, was es das Buch: “Vergiftete Kindheit” von Susan Forward, die mir geholfen hat, mich von meinen einstigen Ängsten und Abhängigkeiten zu lösen. Absolut empfehlenswert, wie bereist die zahlreichen positiven Rezensionen auf Amazon belegen.
      Den Durchbruch, um zu einem völlig neuem Verständnis und Blickwinkel zur Vergangenheit zu gelangen, hat indes ein Robert Betz mit vielen seiner Vorträge ausgelöst, wie sie heute von ihm auf Youtube zu finden sind.
      Wie zB. Titel wie:
      Zeit heilt keine Wunden:
      http://www.youtube.com/watch?v=eZ-fav6AFn0

      oder der Vater Deiner Kindheit (sechs Teile)
      oder: Raus aus den alten Schuhen.

      Ich möchte Dich und andere Betroffene gern auf diesen Diplompsychologen aufmerksam machen, der es mit einfachen und nachvollziehbaren Worten versteht, Deine Sichtweise über Dein bisheriges Leben und Leiden aus einer völlig neuen Perspektive kennen zu lernen.
      Und das außergewöhnliche daran: Alles was er sagt, äußert er ohne nur ein einziges mal den moralischen Zeigefinder zu erheben.
      Wahnsinn!
      Mir haben seine Vorträge jedenfalls geholfen, meine Eltern aus einem völlig neuen Blickwinkel zu betrachten.
      Zu dem etwa ein Merksatz gehört:
      Du schreibst das Deine Eltern anders hätten handeln müssen, da sich erwachsenen Menschen reflektieren können sollten.
      Darf ich Dir an dieser Stelle bereits verraten, dass Deine Eltern bestimmt anders gehandelt hätten, wenn sie es nur gekonnt hätten?
      Ich wünsche Dir einen heilsamen Prozess, um in Frieden mit Dir und der Welt zu kommen.
      Es geht und ja, das Leben macht sogar Spaß.
      LG. Klaus

      • Hallo Klaus,

        das Buch “Vergiftete Kindheit” habe ich auch und finde es großartig. Es hilft mir neben meiner therapeutisch begleiteten Arbeit und den Texten von Alice Miller mich für die Gefühle meines “inneren Kindes” endlich selber einsetzen zu lernen. (Die Konfrontation mit der Wahrheit den Eltern gegenüber erläutert übrigens Susan Forward in ihrem Buch, wovon ich mich habe unterstützen lassen.)
        Mit all dieser Unterstützung helfe ich mir selber, meine damals verbotenen Gefühle endlich zulassen zu können. Dazu gehört auch die dazu gehörige angebrachte Wut. Mir geht es überhaupt nicht darum, meine Eltern bis über ihren Tod hinaus verachten zu wollen. Das würde mich viel zu viel weitere Energie kosten, worauf ich keine Lust habe. Mir geht es darum, meine Eltern mit meinen Gefühlen zu stellen, sie von ihnen wissen zu lassen. Diese Gefühle gehören in unsere Beziehung. Dort gehören sie hin und nicht in Situationen mit Menschen, die mich mit ihrem Verhalten an Altes erinnern und triggern können.
        Ich werde es nicht unterlassen, meine Eltern zu schonen, “nur” weil ich mir sagen kann, dass sie sich nicht anders verhalten konnten. Es geht hier um mich und und um meine Heilung, da hast Du recht. Und zu meiner Heilung gehört es, die von mir als Kind übernommene Verantwortung an die Menschen zurück zu geben, zu denen sie gehört, sei es noch so lange her und seien sie noch so unfähig gewesen. Mit dieser Konsequenz, beim Sehen von den nachhaltigen Auswirkungen auf mich – als Kind, Jugendliche und Erwachsene – sich schlecht zu fühlen, müssen sie leben. Leider musste ich das auch. Wenn ich mich heute nicht für einen Heilungsweg entschließen würde, müsste ich für mich die Konsequenzen tragen, mich weiter schlecht zu fühlen. So trägt Jeder seine Verantwortung. Als Kind konnte ich das noch nicht, weil ich von meinen Eltern abhängig bin. Als Erwachsene bin ich dazu in der Lage. Und ich nehme sie an: meine Verantwortung für mich.
        Allerdings gehört auch dazu, in meinem mich schädigenden Beziehungen aufzuräumen, zu versuchen Altes, Destruktives gemeinsam aufzuarbeiten. Zur Beziehung gehören immer Zwei. Eine wirkliche Aufarbeitung pro veränderter, positiverer Beziehung kann nur durch Beitrag beider Seiten möglich werden. Ansonsten muss ich in diesem Fall, da ich die Hoffnung auf eine bessere Beziehung bis jetzt noch nicht ganz aufgegeben habe, nach dem Feststellen, dass meine Eltern damals vielleicht nicht konnten, aber auch nicht bereit waren und sind, an sich zu arbeiten (den Anschein macht es), meine Konsequenz ziehen und aus dieser Beziehung gehen. Nicht weil sie nur Eltern sind, haben sie eine Sonderstellung in puncto Beziehung. Das traf zwar noch zu als ich noch ein Kind war – da bezog sich die Sonderstellung allerdings auf meinen kindlichen, natürlichen Anspruch auf liebevolles Verhalten -, doch im Heute stehen sie mir auf Augenhöhe gegenüber. Ich trage zwar noch meine alte Sehnsucht nach liebenden Eltern in mir, und sie wird natürlicher Weise für immer in mir sein, doch ich habe im Heute die Wahl, vor allem im privaten Umfeld nur noch Menschen, die mir gut tun, in mein Leben zu lassen.
        “Verraten” brauchst Du mir nichts. Ich weiß das alles selber. Der Punkt, an dem ich höchst empfindsam reagiere ist der, wenn die Gefühle meines verletzten “inneren Kindes” angesprochen werden. Nicht nur mir geht es so, mich in solchen virtuellen Gruppen wie dieser endlich (!) offen mit meinem “inneren Kind” zeigen zu können. Bei allen, die sich hier mit ihrer Geschichte zeigen, steht dieses verinnerlichte und zu uns gehörende Kind im Vordergrund.

        Wenn hier also ein Kind steht, das von seinen traumatisierenden Erlebnissen mit den eigenen Eltern erzählt, und ihm darauf geantwortet wird “Deine Eltern würden bestimmt anders handeln, wenn sie es könnten”….. Wie wird sich dieses Kind fühlen? Ernst genommen? Gesehen? Angenommen? Geliebt? Beschützt?

        Wenn meine Eltern es nicht anders gekonnt hätten, hätten sie auch andere Menschen in ihrem Umfeld so gewalttätig behandeln können. Haben sie aber nicht. Sie haben es sich nur bei mir und meiner Schwester getraut. Bei anderen Menschen hätten sie Angst vor Gegenwehr gehabt. Dieses offensichtliche Auswählen können macht es für mich ganz klar offensichtlich, dass sie bewusst wählen konnten. Wahrscheinlich haben sie auch gegenüber erwachsenen Menschen Wut verspürt, doch haben sie sie nicht so dermaßen ungefiltert ausagiert an diesen. Dies zeugt von einem existierenden Empfinden von Unrecht.
        Meine Eltern werden das, was sie mir angetan haben, nicht mehr rückgängig machen können. Und sie werden mir auch nicht mein damals verloren gegangenes gutes Lebensgefühl nachträglich geben können. Ich werde sie auch nicht verändern können. Doch ich gebe ihnen nach einigen Versuchen nun die letzte Chance, sich aktiv konstruktiv und sich selbst reflektierend in unsere Beziehung einbringen zu können. Sie haben die Wahl, sich dafür oder dagegen entscheiden zu können. Um dies möglich zu machen, muss ich sie auch mit der Wahrheit in unserer Beziehung konfrontieren, sonst bleibt alles so verblümt verschleiert wie bisher.
        Ich denke, dass durch all meine bisherigen Worte deutlich wird, dass ich mich für mich selbst dazu entscheiden habe, mich mir als Kind zuzuwenden und mich schützend vor dieses Kind zu stellen. Ich bin nicht mehr bereit, dieses Kind erneut in die Ecke zu verweisen, in dem ich ihm sage “Deine Eltern konnten nicht anders, weil sie es nicht anders wussten”. Denn damit mache ich es erneut mund- und vor allem gefühlstot. Nein, meine Eltern wussten, denn sie waren nicht gehirnamputiert. Sie haben andere nicht so behandelt und ihr Verhalten mir gegenüber im Beisein von anderen Menschen war wesentlich milder. Sie wussten genau.
        Ich habe, genau wie sie, eine gewalttätige elterliche Begleitung erlebt. Ich bin ein geistig gut funktionierender Mensch und WEISS, dass es ganz und gar nicht in Ordnung ist, mich gewalttätig zu verhalten. Der Unterschied ist, dass ich begonnen habe, mich selbst kritisch in Frage zu stellen und an mir zu arbeiten. Ich habe nie einen Menschen geschlagen, wenn auch in manchen Situationen mit Worten verletzt. Ich habe mich allerdings nicht in Selbstherrlichkeit gesult und damit weiter gemacht, sondern mich auf den Weg gemacht, mein Verhalten zu verstehen und zu verändern. Diese Möglichkeit hat jeder. Dieser Weg muss allerdings auch gegangen werden wollen.

        Du scheinst für Dich einen guten Weg gefunden zu haben. Das ist schön und es freut mich ehrlich, dass Du nun ein glückliches Leben führen kannst.
        Ich wünsche mir selber, dass ich meinen Weg nicht aus den Augen verliere, mich weiterhin gut für mich als Erwachsene mit meinem verinnerlichten Kind einzusetzen. Dazu gehört auch, die Fakten klar zu benennen und dazu beizutragen, dass die Gesellschaft wach gerüttelt wird, damit dieses unsägliche Leid weiterhin nach und nach aufhören kann… für all die heutigen erwachsen gewordenen Kinder, die noch viel nachgenährt werden müssen und “wissende Zeugen” brauchen und, all die heute lebenden Kinder und die zukünftig geborenen.

        Tochter

  70. Ich bin Jahrgang 74 und wurde mit dem Kochlöffel und der flachen Hand geschlagen, vornehmlich von meiner Mutter, wenn sie überfordert war (als Vollzeithausfrau). Mein cholerischer Vater beschimpfte mich und meine Schwester gerne als “Sauhunde” oder “elende Rotzlöffel”, die “Hundsfotzen fressen” sollen (das hat er wirklich gesagt!). Es flogen Spielsachen aus dem Fenster, oft drohte er, uns alle sitzen zu lassen. Manchmal hatte ich Todesangst, wenn er wieder ausrastete oder Angst um meine Schwester. Manchmal stellte man mir das Abendbrot vor die Kinderzimmertüre, wenn ich Arrest hatte. Das -manchmal tagelange- eisige Schweigen meiner Mutter war für mich unerträglich. Ich habe keinerlei Vertrauensverhältnis zu ihr. Sie wusste nie, wer meine Freunde sind, was ich lese, wohin ich gehe und wer ich überhaupt bin. Aufklärung, Verhütung, Liebeskummer: war ihr alles egal, war ja nicht ihr Problem. Sie ist in jeder Hinsicht total abhängig von meinem Vater und psychisch völlig labil. Für ihn opfert sie sich auf und er benimmt sich wie ein Pascha. Noch heute sind meine Eltern der festen Überzeugung, diese “Erziehung” habe uns nicht geschadet und tun das kund, wann immer es nur geht. Diese Verletzungen sitzen tief und kamen erst mit der Geburt meines Sohnes ans Tageslicht. Heute weiss ich, dass ich mehr hätte erreichen können im Leben und dass sie sich emotional nie gekümmert haben, auch wenn es an Geld und Sachwerten bei uns nie gemangelt hat, im Gegenteil. Dafür verabscheue ich meine Eltern heute. Ich lehne Gewalt in jeglicher Form ab. Ich bin geradezu allergisch dagegen. Nicht immer gibt man die Gewalt selbst auch weiter..! Glücklicherweise hatte ich eine liebe Oma, die sich rührend um mich kümmerte und mir das Gefühl der bedingungslosen Liebe gab, sonst wäre ich vielleicht ins gleiche Fahrwasser geraten wie meine Eltern.
    Mein eigenes Kind darf liebevoll, respektiert und vor allem gewaltfrei in einem behüteten Umfeld aufwachsen. Momentan haben wir keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern. Ihre selbstherrliche Art, die ständige Kontrolle über mein erwachsenes Leben und die permanenten Abwertungen meiner Person (auch meinem Sohn gegenüber) sowie die Kritik an der gewaltfreien Erziehung meines Sohnes (“dem gehört ordentlich eine geschallert, bei uns gab es sowas nicht!”) und die daraus resultierenden Streitereien haben mich sehr krank gemacht und ich muss mein Kind davor schützen. Ich hätte gerne irgendwie an dem Buch mitgewirkt und meine Geschichte erzählt. Momentan überlege ich, eine Therapie zu machen, um mich endlich restlos von dem Gedanken befreien zu können, dass ich nichts kann, alles falsch mache und nicht liebenswert bin. Und ich bin froh, dass dieses Thema endlich auf den Tisch kommt und hoffentlich so heftig durch die Medien geht, dass auch meine Erzeuger nicht daran vorbei kommen, wenn sie die Tageszeitung aufschlagen oder den Fernseher anmachen.

    • Liebe Barbara,

      ich kann Dich nur dazu ermutigen, Deinen Weg Richtung Therapie weiter zu gehen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig es ist einen wissenden Zeugen zu finden, einen Menschen, der Dir vorbehaltlos glaubt, der bereit ist Dir zu helfen, Deine Gefühle in Dir zu finden, die Wahrheit aufzudecken und Deine emotionalen Reaktionen an Deiner Seite auszuhalten. Wichtig bei Deiner Suche ist, beim ersten Treffen über konkrete Fragen herauszufinden, ob dieser Mensch sich offen zu den “Kindern” bekennt. Jemand, der Dich nur dahin bringen will, Deine Eltern zu verstehen und ihnen zu vergeben, ist nicht heilsam für Dich, denn es geht um DICH und um das extrem verletzte Kind von damals!
      Vielleicht kennst Du die Bücher von Alice Miller, die ich nach wie vor nur empfehlen kann. Konkret zum Thema “den richtigen Therapeuten finden” habe ich hier einen link zu ihrer Seite für Dich und andere Interessierte: http://www.alice-miller.com/artikel_de.php?force=faq

      Tochter

      • Hallo Tochter,

        danke für Deine Worte.
        Ich habe mich tatsächlich schon oft gefragt, wie ich die Suche nach einem geeigneten Therapeuten angehe. Im Bekanntenkreis habe ich einige Psychologen und weiss deshalb, dass unter ihnen auch ziemlich viele “schräge Vögel” sind oder Leute, die sicher nicht hilfreich wären..insofern ist es nicht einfach, jemanden zu finden, der einfach “passt”.
        Die Zeit ist für mich jetzt gerade noch nicht reif, diese Kindheit aufzuarbeiten. Dennoch bin ich sicher, dass ich es tun werde, wenn ich der Moment gekommen ist, wo ich das schaffe und den festen Willen dazu habe.
        Als ich vor 3 Jahren Alice Miller`s Bücher las, wurde mir klar, dass ich mich von meinen Eltern distanzieren muss.
        Und mit jedem weiteren mal lesen, habe ich festgestellt, dass nicht ICH diejenige bin, die nicht richtig tickt, sondern meine Eltern die bedauernswerten Geschöpfe sind. Ohne Alice Miller würde ich heute noch durch die Welt laufen und mich stets fragen, warum ich so anders bin als alle anderen, warum ich so fühle, warum ich all diese Probleme mit meinen sehr starken Gefühlen und diese Ängste (mir ist jegliche Lockerheit abhanden gekommen und auch die Fähigkeit, einfach mal fünfe gerade sein zu lassen) mit mir herumtrage.
        Seit einigen Wochen haben wir keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern und sogar mein Mann stellte schon bald fest, dass ich seitdem ein ganz anderer Mensch bin. Ruhiger, gelassener, fröhlicher, auch in unserer Paarbeziehung läuft es besser als je zuvor..es geht mir so gut, wie seit Jahren nicht mehr. Es war die richtige Entscheidung, mich von ihnen zu distanzieren.
        Und irgendwann werde ich auch den Rest noch “erledigen”.

        Barbara

  71. Grüezi und hallo mitenand!
    Ich weiss, es gibt eine “Hilfe-Seite” hier, aber die ist vor allem für Menschen in Deutschland. Nun gibt es aber sicher viele, die hier lesen und/oder Kommentare schreiben, die in Oesterreich oder, wie ich, in der Schweiz leben. Darum meine Frage: wer kennt in der Schweiz empfehlenswerte Therapeuten oder Therapeutinnen? Damit meine ich solche, die nach den Erkenntnissen von Alice Miller arbeiten, wie z.B. diese Frau: http://www.dr-diehlmann.de/index.php/psychotherapie
    Leider wohnt diese Frau 500 km von mir entfernt!
    Ich würde mich deshalb sehr freuen, wenn ein Leser oder eine Leserin jemanden kennt, wo man eine Therapie machen kann, die auch wirklich nachhaltig etwas bringt und wo nicht weiterhin die Eltern geschützt und geschont werden, wie es leider meistens der Fall ist!
    Liebe Grüsse
    Johannes
    j.holder@bluewin.ch

  72. Bin Jahrg. 1962 und weiss sehr wohl, wie es sich anfühlt, wenn man den Hintern versohlt kriegt!
    Ist bei mir sehr oft vorgekommen, war halt ein schwieriges Kind.
    Geprügelt wurde mit allem, was greifbar war.
    Bei mir war es Teppichklopfer, Gürtel, Kochlöffel ….

    Striemen waren praktisch garantiert!
    Wem ist es auch so ergangen, würde mich über Erfahrungsaustausch freuen!

    Gruss,

    Rüdiger

    • Lieber Rüdiger

      Ich habe Deinen kurzen Bericht gelesen und zwei Sachen möchte ich Dir dazu gerne sagen:

      1. Schreib doch etwas ausführlicher, warum Du geschlagen wurdest und wie Du das Aufwachsen erlebt hast! So ist die Chance wahrscheinlich grösser, dass sich andere mit Dir austauschen wollen.

      2. Beschuldige Dich nicht selbst! Sag nicht, Du seist halt ein schwieriges Kind gewesen! Ich glaube nicht, dass das stimmt, Rüdiger! Du warst kein schwieriges Kind! Deine Eltern waren schwierig! Sie haben Dich nicht als den wahrgenommen, der Du bist! Sie hatten keine Zeit, um auf Deine Bedürfnisse und Deine Interessen einzugehen! Sie haben Dir nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die sie Dir schuldig waren! Entsprechend hast Du Dich dann gewehrt (auf Deine Weise) und wurdest dann auch noch geschlagen! Nicht Du warst das Problem, sondern Deine Eltern! Du darfst Dich nicht selbst auch noch beschuldigen, denn so nimmst Du Deine Eltern auch noch in Schutz! Etwas, das sie Dir versagt haben!

      Liebe Grüsse
      Johannes

  73. Liebe Frau Müller-Münch,
    vielen Dank für dieses Buch. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Noch vor kurzem dachte ich, dass nur bei uns im Dorf so geprügelt worden wäre. Ich kann mich noch gut an die Kinder der Nachbarn erinnern. Unter uns wohnte eine Frau, die ihre Tochter regelmäßig verprügelte. Noch heute erinnere ich mich an die Schreie. Damit mich keiner schreien hören konnte, wurde ich gezwungen, die Zähne zusammen zu beißen. Noch heute erzähte die Nachbarin von unten mit strahlenden Augen über ihre Tochter U: “das U, das hat es gekriegt.
    Nebenan wohnte eine Paar mit zwei Töchtern. Eine davon mochte oft ihren Teller nicht leer essen. Sie durfte den Tisch nicht verlassen, bis sie das getan hat. Oft weigerte sie sich das Essen herunter zu schlucken und saß stundenlang da mit vollem Mund.
    Persönlich fand ich den Liebesentzug deutlich schlimmer als Schläge. Diese Sprüche: “du bringst mich noch ins Grab”, “du brauchst an meinem Grab nicht zu weinen”, “wenn ich mal nicht mehr da bin, dann ist es zu spät”, “ich hab dich nicht mehr lieb”. Das Schweigen! Keine Antwort bekommen! Heulend da stehen und wie Luft behandelt werden.
    Aber ich kenne auch das, was jemand hier in einem Beitrag schrieb: “wir mussten uns vor ihm verbeugen, dann klemmte er unseren Kopf zwischen seine Knie und “versohlte” unseren Hintern.” Das kenne ich nur zu gut, allerdings war es nicht mein Vater, sondern meine Mutter. Sie sagte auch nie: “… dann lege ich dich über das Knie”, sondern “dann kommst du zwischen meine Beine”
    Ich weiß warum ich keine Kinder habe. Mir war das Risiko etwas davon weiter zu geben einfach zu groß.

    LG Penny

    • Aus dem gleichen Grund habe auch ich keine Kinder. Die sadistische Gewalt, die ich in der Kindheit erleben musste, ist in mir abgespeichert.
      Ich bin mir sicher, dass ich – trotz ehrlichem Bemühen – meine Kinder, hätte ich welche, auch sehr streng und hart erziehen würde.

      Liebe hat es nie gegeben. Ich hatte schlichtweg keine positiven Rollenvorbilder, wie man liebevoll mit Kindern umgeht.

      Auch ist die Gefahr groß, dass man sich in einem unbeherrschten Moment an den eigenen Kindern “rächt” für das, was einem selbst in der Kindheit widerfahren ist.

      Diese qualvolle Ohnmacht löst sehr viel Wut und Verzweiflung aus. Gerät man mit dem eigenen Kind wieder in eine ähnliche Situation, besteht die Gefahr, dass einem “die Hand ausrutscht” oder dass man Sätze aufgreift, die man selbst als Kind gehört hat, wie “wenn du nicht parierst …”

      • Liebe Andrea,
        ich frage mich schon seit Tagen wieviele Menschen auf Grund dieser Gewalterfahrungen auf Kinder verzichtet haben. Man sollte eigentlich mal eine Umfrage machen.

        Sie schreiben: “Liebe hat es nie gegeben.” Meine Mutter sagt immer sie hätte ihren Kinder alle Liebe gegeben. Ich frage mich grade ob das überhaupt stimmt. Das Buch hat sehr viel in mir bewegt und seit heute erinnere ich mich wieder an die Stockschläge in meine Hände und auch daran, wie sehr ich meine Mutter gehaßt habe. Meine Hände habe ich für die Schläge nur ausgestreckt, weil sie mir drohte mich ins Heim zu stecken.

        Ich weiß wie ich im Umgang mit Kindern – die ich wirklich liebe – bin. Deshalb habe ich auch schon in jungen Jahre gemerkt, dass ich liebe nicht Mutter werde. Für einige Stunden bin ich gerne mit diesen kleinen Menschen zusammen, aber ich möchte nichts riskieren. Es gibt viel zu viele Dinge, an die ich mich nicht erinnern kann und zu groß ist das Risiko etwas zu tun, weil man selbst so behandelt wurde.

        Ich war ein extrem angepaßtes Kind und später so überangepaßt, dass ich mich heute noch dafür zum Kotzen finde.

        Es gibt so viele schlimme Sätze. Erwachsene machen sich einfach keinen Kopf darüber, woher diese Sätze kommen und was sie anrichten können: “ich liebe dich nicht mehr”, “geh weg, ich will meine Ruhe haben”, “ich geb dich weg”, “eines Tages wirst du mir noch mal dankbar sein”, “du machst mich krank”, “wenn man krank wird kann man sterben”. Eine wirklich interessante Form der Liebe.

        • Liebe Penny,

          das mit der Umfrage ist eine gute Idee. Werde ich gleich aufgreifen!

          Besser noch wäre eine wissenschaftliche Studie dazu, aber da müsste man die fachlichen Ansprechpartner erst ermitteln.

          Ich kann deine Gedanken und Gefühle nachvollziehen. Gerade was den Umgang mit Kindern betrifft. Ich hatte nie einen echten Bezug zu Kindern, hatte auch mit Kindern direkt nie zu tun. Mir sind sie irgendwie fremd.
          Ich war auch extrem angepasst, aber nur aus Angst, nicht weil das mein Naturell gewesen wäre.
          Heute nutze ich meine aufgestauten Energien, indem ich sie positiv umwandle und in die Arbeit mit unserer Kriegsenkel-Gruppe stecke.

          Liebe Grüße

          Andrea

          • Hallo Andrea , es ist nicht immer so das geprügelte Kinder automatisch zu prügelnden Eltern werden , ich bin in meiner Kindheit von meiner Mutter fast täglich grün und blau geprügelt worden habe nie liebe erfahren bin Sellisch fast verkrüppelt . Bin jetzt 47 J. alt habe eine 10 Jährige Tochter die ich noch geschlagen habe und es nie tun werde , erst durch meine Tochter habe ich erfahren wie schön das Leben sein kann , und schön es ist Liebe zu geben und zu nehmen . Es gibt nichts schöneres auf der Welt als so ein Kinder lachen und diese fröhlichen Kinderaugen , die dich ansehen und einen vertrauen . Ein vertrauen das eigendlich jedes Kind zu seinen Eltern haben sollte , aber leider werden vielzuviel Kinder von Ihnen enttäuscht . Auch nach einer schlimmen Kindheit kann das LEBEN noch schönes bitten . Liebe Grüße Walter

        • - – - Eine wirklich interessante Form der Liebe. – - -

          Ich denke, in dieser Form der Liebe, drückte sich stets die Überforderung der eigenen reduzierten Grenzen aus, die vielen gewaltbetroffenen Menschen durch ihr eigenen Gewalterfahrungen als schwierige Hypothek ihres jeweiligen Lebensweges aufgebürdet wurde.
          Kein Grund um deshalb nun in Selbstmitleid oder Selbstvorwürfen zu zerfließen, sondern besser die Gelegenheit des Bewusstseins über des einst und jetzt zu nutzen, um die Spiralen der Gewalt heute zielstrebig zu durchbrechen.
          Allein dieses Wissen um die Möglichkeit der bewussten Veränderung stellt zumindest für mich eine wunderbare Erfahrung dar.
          LG

      • Liebe Andrea,
        Deine Gefühle kann ich so gut nachempfinden. Schon in relativ jungen Jahren war mir klar, dass ich keinesfalls Kinder haben werde. Meine Gründe gleichen den Deinen.
        Dafür werde ich bis heute von meinen Prügel-Eltern verhöhnt. Sie sind der Meinung, dass Kinder zum Leben dazugehören und weil ich keine habe, bin ich eine Versagerin. Nun sind meine Eltern über 70 Jahre alt und aus ihrer Sicht war damals alles gut. Wenn man sie heute reden hört, hatten wir das Paradies auf Erden. Es ist so beschämend.
        In diesem Jahr habe ich meine Eltern zu ihrem jeweiligen Geburtstag nur angerufen. Ich kann ihre Gegenwart und das Heile-Welt-Getue nicht mehr ertragen. (…)

        Penny2

  74. Hallo all ihr lieben Leidgeprüften, die sich mit ihren Kindheitserfahrungen in Frau Müllers Buch wiederentdeckt und in diesem Gästebuch eine Gelegenheit gefunden haben, ihre einstige Pein in Worte zu fassen.
    Als Betreiber der Webseite http://www.ex-Heimkinder.de widme ich mich gleichfalls seit längeren Jahren mit dem Thema elterlicher Gewalt und ihren Folgen und erkenne in der Veröffentlichung solch schmerzlicher Leidenserfahrungen einen wichtigen Beitrag, um anderen Betroffenen zu helfen, in solchen Geschichten sich selbst und ihre eigene Geschichte wahrzunehmen, bzw. die Tiefe der damit einhergehenden gesellschaftlichen Dimension zu begreifen. Die meiner tiefen Überzeugung nach regelrecht um entsprechende Bildungsreformen betteln und schreien, damit sich unsere oder ähnliche Leidenserfahrunge nicht weiter spiralförmig von einer zur nächst Folgegeneration übertragen, wie dies noch heute unmissverständlich abseits allen öffentlichen Interesses geschieht.
    Wozu wöchentlich etwa 2-3 tote Kinder gehören, die ihr häusliches Martyrium nicht überleben. Jedes Jahr mehr als 36000 Kinder zu ihrem Schutz in staatliche Obhut genommen werden müssen, sowie weitere gut 100000 Interventionen seitens der Jugendämter pro Jahr erforderlich werden.
    Was umsomehr erstaunen sollte, da trotz enormst gestiegener Schutzanstrengungen in unserem Europaweit geburtenschwächsten Land, paradox anmutend, die Gewalt gegen Kinder seit Jahren weiter zunimmt, weil sich unsere verantwortlichen Stellen aus Staat und Sozialwesen bislang immer noch darauf beschränken die offensichtlichen Mängel an den Symptomen, nicht indes an den eigentlichen Ursachen zu bekämpfen, von denen es eine Menge gibt.
    Am dringlichsten erscheint mir im Moment neben weiteren wichtigen Themen, die Einführung eines bundesweit übergreifenden Schulfaches zu sein, mit dem künftigen Eltern geholfen wird, nicht nur liebevoll, sondern auch sachlich angemessen auf die entwicklungsbedingten Erfordernisse von Kindern einzugehen, ohne gleich überfordert zu werden.
    Wie gesagt, erkenne ich darin erst einmal eines der wichtigsten Primärziele, für die ich mich einzusetzen versuche.
    Um anderen Menschen zu helfen die dafür erforderlichen Notwendigkeiten zu erkennen, halte ich es für außerordentlich wichtig derart widrige Lebenserfahrungen, wie sie hier dargelegt werden möglichst vielen Menschen vor Augen zu führen.
    Diese versuche ich bereits seit einigen Jahren zusammenzuführen. Jedoch bemerke ich immer wieder wie schwierig es ist betroffene Menschen zu finden die bereit sind, ihre kindheitsbedingten Gewalterfahrungen öffentlich zu darzulegen.
    Ich würde mich daher freuen, wenn sich Betroffene bei mir melden würden, um ihre Erfahrungen auch auf meiner Webseite in der gleichnamigen Rubrik abbilden zu dürfen.
    Siehe: http://www.ex-heimkinder.de/Erfahrungen.htm
    Ich würde mich freuen, in diesem Wunsch keine Unzulässige Werbung in eigner Sache zu sehen, sondern eher das aufrichtige Bemühen ein Stück zur positiven Veränderung unserer Umwelt beizutragen. Ich bedanke mich schon jetzt für Euer mögliches Feedback und verbleibe.
    mit herzlichen Grüßen
    Klaus Klüber

    • Hallo Herr Klüber,

      ich lese hier sporadisch mit und finde es wichtig, Sie in einem Punkt zu korregieren. Die Gewalt gegen Kinder in Deutschland nimmt nicht zu, sondern stetig ab!

      Nach neusten Erkenntnissen (siehe hier: http://www.sueddeutsche.de/politik/wandel-der-kindererziehung-in-deutschland-mehr-liebe-weniger-hiebe-1.1258028) erlebten 62,8 % der 16 bis 20 Jährigen keinerlei körperliche Elterngewalt. Auch die Misshandlungsquote ist auf spektakuläre 7,2 % gesunken. Noch nie in unserer Geschichte wurden Kinder so gewaltfrei erzogen wie heute. In kaum einem Land auf der Welt findet man derart niedrige Gewaltraten gegen Kinder. Auch dies sollte gesehen werden, natürlich ohne dabei zu vergessen, dass weiterhin etlichen Kindern gefolfen werden muss und dass die in den 50er und 60er Jahren Geborenen mehrheitlich Gewalt erlebt haben. .

      • Grüezi Herr Fuchs
        Wenn in Deutschland die Gewalttaten (in welcher Form auch immer) gegenüber Kindern abgenommen haben, so ist das natürlich sehr erfreulich und wird sich bald auch positiv auf die ganze Gesellschaft auswirken, gerade im Hinblick auf die Lösung vieler Probleme!

        In der Schweiz sieht es leider nicht so rosig aus, wie in einem aktuellen Zeitungsbericht zu lesen ist: http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Behoerden-muessen-immer-oefters-Kinder-schuetzen/story/31117819
        oder wie in der TV-Sendung „10vor10“ berichtet wurde: http://www.videoportal.sf.tv/video?id=1280205e-2301-4094-9f0a-dd6d641d63b0

        Verwunderlich ist das eigentlich nicht, denn auch in der Selbstmordstatistik nimmt die Schweiz eine Spitzenposition ein! Fast vier Menschen nehmen sich laut offizieller Statistik jeden Tag das Leben in der Schweiz.

        Beste Grüsse
        Mario

        • Hallo Mario,

          wenn Behörden zunehemnd eingreifen, zeigt dies vor allem, dass sich der Kinderschutzgedanke und die Bereitschaft einzugreifen mehr durchsetzt, was erfreulich ist.

          Ich kenne keine Zahlen (aus Dunkelfeldstudien) für die Schweiz, vermute aber, dass auch dort die Gewaltrate rückläufig ist, so wie in den meisten westlichen Ländern.

          In Deutschland ist übrigens auch die Selbstmordrate seit Jahrzehnten rückläufig (siehe hier: http://www.uke.de/extern/tzs/daten/Suizide1980_2005.html). Ich sehe darin einen deutlichen Zusammenhang zur Abnahme der Gewalt gegen Kinder.

          Herzlichen Gruss in die Schweiz

  75. Auch ich will hier über meine Kindheit berichten, über die späteren Folgen und was ich jetzt noch tun kann, tun sollte.

    Ich bin Jahrgang 1961 und bin als zweites von insgesamt sieben Kindern in einer Familie mit Eltern aufgewachsen, die das pralle, volle Leben und die Lebensfreude zum Teufel erklärt hatten (natürlich unausgesprochen) und in der Folge jede Lebendigkeit, jede Äusserung von Eigenart und Eigenwille im Keime erstickten! (Ich bin der Ansicht, dass der sog. Teufel der Kirche, den sie zu ihrem Feind erklärt hat, tatsächlich nichts Anderes ist als eben dieses: das pralle Leben in all seiner Vielfalt und seinem Ausdruck!)

    In jenem Jahr, als ich geboren wurde, war es aus erzieherischen Gründen allgemein üblich, das Neugeborene damit zu foltern, dass man es nur alle vier Stunden zum Säugen zur Mutter brachte bzw. diese es nur alle vier Stunden haben wollte. Ansonsten wurde man in einem Bettchen in einem sog. Säuglingszimmer mit vielen anderen Babys untergebracht. Wenn man schreite, so liess man uns schreien! Man musste früh lernen, was Zucht und Ordnung war, denn schliesslich musste sich die arme Mutter von der Geburt erholen und der Eigenwilligkeit eines Kindes musste man früh Einhalt gebieten. Was im Spital seinen Anfang nahm, ging zuhause gleich weiter. Ich kann mich noch erinnern, wie es meinen jüngeren Schwestern erging, wenn sie schreiten! Ihre Mutter liess sie einfach schreien und meinte, das macht nichts, sie beruhigen sich schon wieder und dann schlafen sie ein und natürlich fehlte auch nicht der saublöde Spruche von wegen dass es gut für die Lungenbildung sei, wenn sie tüchtig schrien. Das war schon mal ein sehr kalter Start ins Erdenleben, doch es sollte noch kälter werden…

    Mit drei Jahren wurde ich, zusammen mit der älteren Schwester (4 ½), für einige Monate bei italienisch sprechenden Verwandten in einem Bergdorf in der Südschweiz ausgesetzt! Ich kann dem nicht anders sagen, denn wir wurden „wie Hänsel und Gretel“ von ihm einfach zurückgelassen, während er sich „wie ein Dieb in der Nacht“ davonschlich! (ihm, er = mein Erzieher. Manche sagen dem auch „Vater“…, ich nicht mehr, zumal ich auch berechtigte Zweifel an seiner Vaterschaft habe, aber das ist ein anderes Kapitel.)

    Der Schock jenes für mich unfassbaren, unbegreiflichen Erlebnisses der Aussetzung, der Verstossung, sitzt wohl heute noch in mir drin! Fremde Menschen, fremde Sprache, fremde Umgebung, fremdes Essen, ein fremdes Bett…, aber irgendwie wollte ich weiterleben (überleben) und musste die Schmerzen und die Wut verdrängen. Etwas aber ist damals in mir zerbrochen bzw. völlig erstarrt! Etwas, das mit Vertrauen und Verlässlichkeit zu tun hat!

    Der weitere Verlauf (von „verlaufen“ = falsch laufen…!) meiner Kindheit war geprägt von verbaler Strenge der Erzieher mit der Androhung bzw. Ausführung von Strafen wie Hausarrest, Essensentzug und vor allem körperlicher Gewalt, von Zwängen und von Unterdrückung (Sklavenhaltung!). Ich war gerade gut genug für allerlei niedrige Arbeiten bzw. Dienste wie für ihn Zigaretten im Quartierladen holen, Teppich klopfen (natürlich mit dem gleichen Klopfer, mit dem ich öfters verprügelt wurde! Das war also raffiniert eingefädelt, denn ich hatte genügend Wut im Bauch, um entsprechend „brutal“ und damit effektiv den Teppich zu „klopfen“!), Wäsche stöpseln in der Badewanne, Arbeitskleider des Erziehers (er war Gipser) mit einem Teelöffel von eingetrocknetem Gips befreien/abkratzen (mein Selbst kratzte dabei grad auch noch ab…), die Teppiche vor dem Klopfen mit feuchter Hand von Staub und Schmutz befreien (durch festes Darüberstreichen!), Socken waschen mit den Händen, einkaufen gehen und viele andere kleinere Dienste, womit sie mir die Zeit und damit die Möglichkeit nahmen bzw. stahlen, das zu tun, was mich wirklich interessierte, damit mein Selbst sich entwickeln könnte, wobei ich gar nie in die Nähe kam, mir bewusst zu sein, was mich überhaupt wirklich interessierte, weil ich ja andauernd davon abgehalten wurde! Ich vermute, weil sie mir mein eigenes Leben stahlen, habe ich dann auch sehr oft Geld aus dem Portemonnaie meiner Erzieherin gestohlen und auch in den Läden und Kiosken nicht wenige Male unbezahlt eingekauft! Wem sein eigenes Leben weggestohlen wird, der inszeniert dies, indem er ebenfalls stiehlt und so darauf aufmerksam machen will, was ihm geschieht.

    Körperliche Gewalt erlebte ich vor allem von Seiten meines Erziehers, der mich wahlweise mit dem schon erwähnten Teppichklopfer, seinem Ledergürtel oder einem Kleiderbügel verprügelte. Diskutiert über das angeblich schwere Vergehen wurde dabei kaum bis gar nicht! Dafür wurde alle Energie umsomehr in das Schlagen gesteckt! Er war der Folterknecht und sie die Sadistin und Verräterin, denn die sog. Vergehen wie Ungehorsam (Arbeitsverweigerung), freches (mutiges) Reden mit ihr, schlechtes Verhalten in der Schule, streiten mit den Geschwistern usw. geschahen stets tagsüber bei Abwesenheit des Erziehers und so wurde die Prügelstrafe dann zunächst von ihr angedroht und von ihm schliesslich ausgeführt!

    Am grausamsten zusammengeschlagen wurde ich, weil ich mit etwa 12 Jahren einmal ein Sexheft in meinem Zimmer herumliegen liess, nachdem ich es staunend durchgeblättert hatte. Weil mich Kollegen durchs offene Fenster zum Fussball spielen riefen, liess ich es liegen und sie entdeckte es natürlich, erzählte es ihm und er verprügelte mich dann dermassen (erst zwei oder drei Tage später!), dass ich noch tagelang Schmerzen hatte und Spuren auf der Haut! Heller Wahnsinn! Ein 12-jähriger Knabe schaut aus Neugier ein Sexheft an und das darf natürlich nicht sein, denn das ist teuflisch und eine schwere Sünde und muss gnadenlos geahndet werden! Werden Erwachsene so brutal geschlagen, so spricht man von Folter, sind es Kinder, nennt man das „Erziehung“! Wo bleibt da die Würde des Kindes? Wo die Achtung und der Respekt vor ihm? Die Lehren der katholischen Kirche haben leider schon sehr viele Menschen völlig verwirrt und ihnen ihre Natürlichkeit und Unbekümmertheit geraubt und so bekämpfen sie jeden Ausdruck der Lebendigkeit, der Spontaneität, der Vielfalt des Lebens und der Lebensfreude, wie wenn es das Böse selbst wäre.

    Einmal hatte er mir, als ich mich weigerte, beim obligaten Sonntagsspaziergang mitzugehen (ich weigerte mich mit zunehmendem Alter immer häufiger), einen derart heftigen Faustschlag in den Bauch versetzt, dass ich zusammensackte, für Sekunden nach Atem rang und nicht mehr wusste, wie mir geschah… ich dachte schon, ich sterbe…! Das war ein grausamer Moment, ein furchtbares Erlebnis der Ohnmacht, bei dem sich sein Hass im Affekt bei mir entlud! Meine Bedürfnisse wurden mit brachialer Gewalt seinen Zwangsvorstellungen untergeordnet! Getreu dem Spruch aus der schwärzesten Pädagogik „Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“ Heller Wahnsinn!

    Der Zwang zum Kirchenbesuch (jeden Sonntag und vor Ostern und im Advent auch morgens um sechs Uhr) war ebenfalls etwas vom Schlimmsten, denn ich hatte weder ein Bedürfnis noch ein Interesse, in die Kirche zu gehen und die katholischen Lehren anzuhören! Doch dem Zwang zum Kirchenbesuch war nicht zu entkommen! Wenn nötig zerrte er einen aus dem Bett (nachdem er die Nachtvorhänge zurückgeschlagen, das Fenster mit Krach weit geöffnet und die Decke ans Fussende des Bettes zurückgeworfen hatte) und drohte mit Prügel und Hausarrest!

    Ich denke heute, dass die Kirche und seine Lehre von Gottvater, Mutter Gottes usw. nichts Anderes ist als eine Projektion, entstanden aus der Angst vor der Strafe der Eltern und in der Folge deren Idealisierung! Gerade das AT sehe ich als eine verschlüsselte Botschaft, wo viele Menschen über nichts Anderes als ihre eigene Kindheit berichten, denn der Gott des AT ist ein strafender, eifersüchtiger, brutaler Gott, was eben genau ihren Erfahrungen in der Kindheit mit dem eigenen Vater entspricht! Wenn zum Beispiel in den Kirchen von den unerforschlichen, unergründlichen Ratschlüssen Gottes gepredigt wird, so entspricht dies exakt den oftmals für ein Kind völlig unverständlichen Befehlen zum Gehorsam des Vaters zuhause! Heller Wahnsinn!

    Mit den Jahren passte ich mich natürlich (wie dies wohl jedes Kind tut) immer besser den gebotenen, den gegebenen Umständen und Bedingungen an, damit mir weniger Strafen drohten, aber gelingt das einem Kind vollständig, ohne dass es sich verleugnen muss? Ohne, dass die eigenen Gefühle, Empfindungen und die eigene Sprache auf der Strecke bleiben? Und genau dieses verdrängen, unter Zwang und Nötigung, dessen, was das eigene Wesen, das Selbst, ausmacht, führt später dann zu den mannigfaltigsten Problemen und Erkrankungen körperlicher und psychischer Art! Ich machte immer wieder die Erfahrung, dass Eigenart und Eigenwille weder gefragt sind noch geduldet werden! Und so wundere ich mich nicht (mehr) darüber, dass ich ein Erwachsener wurde, der keine Ahnung hatte, wer er ist, noch was er will.

    In der Pubertät zeigte sich bei mir zum ersten Mal auf dramatische Weise, wie sehr ich unterdrückt wurde, wie sehr alles Lebendige in mir kaputtgeschlagen wurde! Mein Körper reagierte darauf nämlich mit einem Aus-Schlag! Er schlug aus und zeigte seinen Missmut deutlich sichtbar auf der Haut als unzählige kleine Vulkane! „Es“, das Verdrängte, machte sich sichtbar, drückte sich aus! Ich hatte dermassen viele Pickel im Gesicht, auf dem Rücken und im Brustbereich, dass ich mich viele Jahre nicht mehr im Spiegel anschaute, zu unerfreulich war der Anblick!

    Später konnte ich das zwar dann wieder, weil die Pickel irgendwann verschwanden, aber nie, wenn sonst noch jemand vor dem Spiegel stand bzw. steht, und das ist bis heute so! Ich litt entsetzlich unter den vielen Pickeln, weil weder unter den Geschwistern noch unter den Kollegen oder in der Schule irgend jemand ebenfalls stark betroffen war (und darum vielleicht ein Mitleidender) und ich mich ja nicht verkriechen konnte (was ich am liebsten getan hätte, denn damals dachte ich, es sei meine Schuld, mit mir stimme etwas nicht, ich sei eben schlecht und als Strafe kämen die Pickel…).

    Einmal meinte mein Erzieher, als er mich, während ich auf dem Sofa lag und mich ausruhte, mit einer vielsagenden Grimasse anstarrte, „wäh, bist du ein Grusiger!“ Jeder von Euch weiss, wie tief solch verletzende Worte der eigenen Eltern sitzen und wie stark und wie nachhaltig sie wirken!

    Und so kommt es, dass man sich selbst beschuldigt, den Fehler bei sich sucht und die eigentlichen Täter schont. Wenn man sich selbst nicht ausdrücken kann bzw. darf, dann darf man wenigstens (wie grosszügig von den Erziehern!) Pickel ausdrücken! Heller Wahnsinn!

    Nein, ich hatte keine schöne Kindheit! Es war mehr ein Albtraum, von dem ich hoffte, irgendwann aufzuwachen!

    Als ich mich dann mit 16 Jahren für eine Berufslehre hätte entscheiden müssen, hatte ich logischerweise, als Konsequenz der jahrelangen Unterdrückung, überhaupt keine Ahnung, wofür ich mich hätte entscheiden sollen, ja nicht mal ansatzweise, in welche Richtung es hätte gehen können! Auch der Hauptlehrer meines letzten Schuljahres sah bei mir nur ein grosses Fragezeichen und konnte mir keine helfenden Hinweise geben (auch sonst war er mir kein helfender „Zeuge“, denn wenn er erfuhr, dass ich zuhause wieder verprügelt wurde oder einmal als Strafe wegen unerlaubtem Kinobesuch nicht mit ins Skilager durfte, hatte er dafür nur ein Lächeln und ein Kopfschütteln übrig als seinen ganzen Einsatz für mich). Er meinte schliesslich, ich solle doch weiter zur Schule gehen und die Matura machen. Doch vier weitere Schuljahre kamen für mich damals überhaupt nicht in Frage, waren für mich damals unvorstellbar, viel zu sehr hatte ich Angst davor, denn ich litt gerade in der Schule sehr unter meinem Pickelgesicht und ich war insgesamt sehr schüchtern, ohne Selbstwertgefühl, errötete bei jeder Gelegenheit, war im Schulzimmer immer sehr verkrampft und fühlte mich eingeengt, vielen Blicken ausgesetzt und von daher sehr unwohl!

    Ich hatte also nicht die geringste Ahnung, wie es weitergehen könnte, denn ich stand sozusagen total neben mir, kannte nichts von mir, wusste nicht, welche meine Interessen und meine Bedürfnisse waren und so kam mir „als Notlösung“, damit es irgendwie weiterging, die Idee, es mal mit einer kaufmännischen Lehre zu versuchen. Meinem Erzieher kam dies gelegen und er drängte mich sogar dazu, dies zu tun, denn so konnte ich bereits etwas Geld verdienen und selbst für gewisse Dinge aufkommen bzw. die Haushaltskasse mit einem Drittel des Lohnes anreichern.

    Alle waren zufrieden, nur ich nicht! Aber eben, wer nicht weiss, was er will, weil ihm dies in der Kindheit erfolgreich ausgetrieben wurde, muss sich entweder mit fremden Ideen helfen oder über den wird ganz einfach hinweg entschieden.

    In dieser Lehre/Leere fasste ich mit knapp 17 Jahren den Plan, abzuhauen! Ich realisierte den Plan auch und verschwand eines Tages und fuhr mit dem Zug nach Marseille, in der Absicht, in der Fremdenlegion unterzukommen! In meiner Hilflosigkeit und Verzweiflung brach ich das Vorhaben aber nach drei Tagen wieder ab und kehrte nach Hause zurück. Dort erwartete mich überraschenderweise kein Donnerwetter, sondern vielmehr verwunderte Blicke und Fragen nach dem Warum und Wieso. Ich wusste es aber damals selbst nicht so genau, fühlte nur eine grosse Leere, eine Sinnlosigkeit und suchte natürlich die Ursache meiner Probleme bei mir selbst, sodass nichts Wesentliches angesprochen wurde, alles so blieb wie immer und ich halt die Lehre fortsetzte und auch beendete. Aus Angst vor der Strafe der Eltern, die über viele Jahre genährt wurde, erhebt sich kein Kind gegen seine Eltern, sondern idealisiert diese noch (um des Überlebens willen) sucht die Ursache der Probleme bei sich und bezahlt für diese Lüge mit physischen und psychischen Erkrankungen.

    Später arbeitete ich dann in vielen verschiedenen Berufen, wie etwa als Magaziner, als Bürokraft, als Chauffeur, als Kurier, im Verkauf, als Hilfspfleger, Nachtwächter usw., die ich insgesamt ebenso häufig wechselte wie meine Wohnungen… und ja, wie auch meine Freundinnen!

    Mit 24 ½ Jahren kam ich mit Anhängern einer Sekte in Berührung, bei der ich dann auch Mitglied wurde und eine entsprechende Auszeichnung bekam (ein silbernes Kreuz), welches ich stets um den Hals trug. Auch mein einziger Bruder, der leider inzwischen bereits verstorben ist, geriet in die Fänge einer Sekte und meine Schwestern suchten sich, entsprechend ihren persönlichen Erfahrungen mit ihrem Erzieher, einen ebensolchen katholisch geprägten Mann. Ich suchte wohl in der Sekte meine aus Angst (die sehr, sehr gross sein musste!) idealisierten Erzieher, denn der Guru offenbarte sich in seinem Hauptwerk als „Imanuel, der Gottessohn“ und die Frauen waren die Brücke zum Licht und standen eine halbe Stufe höher als die Männer! Heller Wahnsinn! (Ich bin dabei, ein Buch über meine Jahre bei dieser Sekte zu schreiben)

    Nach 16 Jahren Zugehörigkeit zu dieser Glaubensgemeinschaft, als Fortsetzung und Folge der geistigen Fremdbestimmung in der Kindheit, konnte ich mich endlich davon lösen, endlich daraus befreien, nachdem mir gewisse Zusammenhänge betreffend Glauben, Vorstellungen, Überzeugung und geistige Gefangenschaft bewusst geworden sind.

    Meine Beziehungen zu Frauen waren bis jetzt gekennzeichnet von einer kurzen Dauer, wonach ich jeweils abrupt den Kontakt abbrach, weil ich seelisch unreif war, mit Gefühlen nicht umgehen konnte (weil ich es nie gelernt hatte und sie deshalb umging!) und mich so jeweils schnell wieder überfordert zurückzog. Trotzdem habe ich nun drei Kinder, die aus der Beziehung mit zwei verschiedenen Frauen (nicht gleichzeitig!) hervorgingen. Die frühe Trennung von diesen Frauen hatte, das muss ich heute im Nachhinein erkennen, immerhin die Tatsache zur Folge, dass ich an meinen Kindern nicht die eigene, grausame Kindheit im Zwang der Wiederholung wieder hatte aufleben lassen können. Zugegeben, ich habe dennoch viele Fehler gemacht, aber ich habe sie nie verprügelt und nie zum Kirchgang gezwungen (wohin sie auch nie gegangen sind). Aber es gibt auch die verbale Gewalt, und die kann ebenso einschüchtern, Angst verbreiten und unterdrücken und da habe ich sicher einige Male gefehlt, weil ich zu wenig Geduld hatte, zu wenig ihre Bedürfnisse und Interessen wahrnahm und das tut mir sehr leid, dass ich das nicht verhindern konnte, dass ich sie mit Worten zu erziehen versuchte und öfters zu ernst und zu streng war! Geschlagen habe ich sie „nur“ wenige Male und „nur“ jeweils mit einem einzigen Klaps, aber selbstverständlich ist jeder Klaps einer zuviel, den Eltern sollten ihre Kinder vor Angreifern beschützen und nicht selbst zu Angreifern werden! Es tut mir wirklich sehr leid, dass ich diese, meine Angriffe nicht habe verhindern können!

    Für meine Unentschiedenheit im Beruflichen bezahlte ich mit zunehmendem Alter mit Arbeitslosigkeit (zum Teil auch, weil ich mich mit Vorgesetzten anlegte, aber auch wegen der allgemein verschlechterten wirtschaftlichen Lage), bis ich schliesslich bei der Fürsorge und dann, vor wenigen Jahren, bei der Invalidenversicherung landete, da ich wegen körperlicher Beschwerden (Rücken) und seelischer Defizite (zu wenig leistungsfähig, nicht stressresistent usw.) keinen Job mehr fand, nicht mehr integrierbar war.

    Von Dezember 2010 bis März 2012 litt ich in Abständen von wenigen Wochen unter heftigen Bauchschmerzen, die mich auch ein Mal notfallmässig ins Spital trieben und in mir tauchten das erste Mal Gedanken auf, wie ich meinem Leben selbst ein Ende bereiten könnte, denn die Schmerzen waren jeweils sehr heftig und einen besonderen Sinn oder Wert in meinem Leben sah ich sowieso nicht mehr. Zum Glück dauerten die Schmerzen jeweils nur zwei/drei Tage und so verschwanden diese trüben Gedanken wieder, bis sie jedoch einige Wochen später wieder auftauchten! Aber ein letzter Rest an Lebenswille war doch jeweils noch stärker, konnte sich gegen den Todeswunsch durchsetzen! Allerdings, wenn die Schmerzen einmal eine Woche gedauert hätten, weiss ich nicht, wer die Oberhand behalten hätte!

    Als ich dann aber im April dieses Jahres die Bücher von Alice Miller entdeckte, war ich gerettet!!!

    Mein Leben hat seither eine andere Richtung eingeschlagen und ich bin auf dem Weg zu mir selbst, auf dem Weg zu meinen Gefühlen, Empfindungen und zu meiner Sprache! Mein jahrelanges Rätseln, Vermuten und Spekulieren darüber, woher all mein Ungemach wohl käme, meine Beziehungsunfähigkeit, mein „Neben-mir-Sein“, meine Erkrankungen usw. hatte ein Ende! Nun konnte ich die Dinge einordnen, erkannte die Zusammenhänge und wusste auch, wer die eigentlichen Täter sind, die ich in der Folge dann auch schonungslos als solche benannte und den Kontakt mit diesen Verbrechern abbrach!

    Ich hatte seither nie mehr Bauchschmerzen, fühle mich viel freier und wohler und ich weiss, bleibe ich auf diesem Weg zu mir selbst, wird es mir immer besser gehen und die Zeit wird kommen, wo ich meine Gefühle und meine Sprache wieder habe! Die Wahrheit der Realität der eigenen Kindheit aufzudecken, hinzusehen und anzuerkennen, dass es so war, ist kein einfacher, kein leichter Weg, den man locker und nebenher schnell mal gehen kann und heisst vor allem, dem kleinen Kind in sich zu begegnen und es kennenzulernen mit seinen Gefühlen und Worten, die es damals verdrängen musste.

    Ich wünsche uns allen genügend Mut und Kraft, die Wahrheit der Realität der eigenen Kindheit schonungslos aufzudecken, das Glück, sich selbst immer besser kennenzulernen und so doch noch zum eigenen Leben zu finden, wenn auch das Verpasste nicht mehr nachgeholt werden kann!

    P.S.
    Der Buchtitel „Die geprügelte Generation“ finde ich sehr unglücklich gewählt, denn er weckt den Eindruck, da gab es mal eine bedauernswerte Generation in der Zeit von 1950 bis 1970, die leider geprügelt wurde und vernebelt die Tatsache, dass seit x-Generationen zuvor (seit Tausenden von Jahren!) die Kinder mit Gewalt erzogen wurden und auch seither ist es noch nicht viel besser geworden! Trotzdem finde ich es natürlich sehr gut, dass Sie, Frau Müller, dieses Buch geschrieben haben und auf dieser Website allen Lesern ermöglichen, ihre Geschichte niederzuschreiben und zu veröffentlichen, denn ich denke, dass das sehr wichtig ist!

  76. Beltzebuben be(geist)ern die Massen, die sich mit ihrem sauer verdientem Geld in Abhängigkeiten begeben statt selbst zu denken und zu handeln. Selbsternannte Heiler und Seminare sprießen aus dem Boden wie Unkraut. Einmal im Monat berichten mir Bekannte müssen sie zu einem neuen Guru und jedesmal ist es der Richtige, sie fühlen sich danach erleuchtet und berichten euphorisch von Le(e)hren, die ein selbst denkender Mensch eigentlich schon weiß; hat sie der Alltag dann wieder, verzweifeln sie an jedem noch so kleinen Problem. “Wenn man das Pferd zum Wasser führt, muss es immer noch selbst trinken”.
    Wenn ich den Beltzebuben reden und gestikulieren sehe, suche ich lieber meinen Frieden in der Natur. Das befreit auf ganz natürliche Weise.

  77. Hallo Frau “Tochter”,
    danke für Ihren Beitrag, der besonders zum Schluss meine eigene Situation gut beschreibt. Die Mutter ist alt und krank, wird geschützt von den Geschwistern, die ihr erlegen sind und nichts mehr fürchten, als ihren Tod. Meine seelischen Verletzungen interessiert niemanden und zeitlebens war ich mit meinem Schmerz allein, mal abgesehen von wenigen emphatischen Gesprächen und den Büchern von A. Miller und Hermann Hesse, die mich tragen. Ja, ich bin allein durch alles hindurch, meine Erinnerungen reichen zurück bis ins 2. Lebensjahr. Damals war ich für 6 Wochen isoliert im Krankenhaus – ohne Kontakt zu meinen Eltern. Ich sehe sie noch heute durch die Glasscheibe und sie haben mir die Geschichte 1000 mal erzählt ohne dabei an mich zu denken. Es ist glaube ich meine schlimmste Verletzung, die ich lange nicht wahrhaben wollte, sah immer nur den Schmerz meiner Eltern, die angeblich nicht zu mir durften, wollten oder konnten. Der Obrigkeitsgehorsam hielt sie davon ab, ihrer kleinen Tochter beizustehen. Gut, das hatte ich überstanden, irgendwie und es hielt sie nicht davon ab, mich wie eine Sklavin für ihre Bedürfnisse abzurichten. Meine Abhängigkeit von Elternliebe machte mich blnd für meine Gefühle und Bedürfnisse, ich drückte mich weg in die hinterste Ecke bis zur Unsichtbarkeit, sprang wenn sie pfiffen und drohten…. . Das alles zu erkennen war ein sehr langer Weg für mich. Versuche mich zu erklären führten nur zu Drohungen, Verleugnungen und machten alles nur noch schlimmer für mich. Zudem kratzte ich an ihrer heilen Welt…. der 10 Gebote! Vor 1 Jahr habe ich keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter und die Geschwister schweigen sich aus, bemühen sich um mich, wenn es darum geht, es ihr Recht zu machen, der alten kranken Mutter. Ich weiß, es ist für meine Geschwister nicht einfach, sie erlebten es anders als ich als Älteste, ich weiß aber auch, wenn ich einknicke, bin ich wieder drin in der alten Qual. Mit dem Aushalten wird es langsam besser, aber es dauert und ich bin zum ersten Mal richtig stolz, es bis hierhin geschafft zu haben, dass ich raus bin, dass ich wirklich raus bin aus der emotionalen Abhängigkeit, dem schlechten Gewissen, der Schuld…. Ich fühle mich nicht mehr verstoßen, ich fühle mich befreit, selbst befreit aus einem kranken Familiensystem aus Macht und Moral. Es ist mir gelungen, mich um mich zu kümmern, mich wichtig zu nehmen und das traurige Verlassenheits-Gefühl aushalten zu können und mich mir selbst zuzuwenden. Es gibt keine Möglichkeit der Aussprache, es gibt kein Einsehen, keine Schuld, sie ist alt und krank. Wohin mit mir und meiner Wut, das weiß ich manchmal nicht. Und die Einsamkeit zieht langsam Kreise. Man trägt sich überall mit hin, sich und seine Geschichte – unbemerkt.
    Ich wünsche allen hier Kraft und Geduld mit sich selbst.

    • Die Feldenkrais-Methode ist sicherlich einigen ein Begriff. Mir hilft sie Anspannung und Schmerzen, Unruhezustände etc. nach kurzer Zeit selbst zu regulieren. Moshè Feldenkrais Leitsatz “Das Unmögliche möglich, das Mögliche leicht, das Leichte elegant”, zeigt einen Weg, falsche anerzogene Bewegungsmuster ablegen zu können und mit weniger Kraftanstrengung durchs Leben zu gehen. “Bewußtheit durch Bewegung” ist sein Hauptwerk und es ist als Taschenbuch erhältlich. Es ist erstaunlich, wie wenig man tun muss, um Körper, Geist, Nervensystem und Seele zu beruhigen – ohne Medikamente, ohne Arzt, ohne Psychiater, ohne teure Heilsbringer oder Esoterik.
      Volkshochschulen bieten Kurse für Feldenkrais an. “So genug, ruht Euch aus!” dieser wunderbare Satz gehört zum Programm der Feldenkraismethode.

  78. Göttin, sei Dank!! Und Danke natürlich auch an Sie, liebe Frau Müller-Münch :) für die öffentliche Öffnung für dieses Thema!!

    Ich bin Jahrgang 1966 und habe leider auch eine gewalttätige Mutter erfahren. Sie hat mich gedemütigt, mich in angstbesetzten Situationen gezwungen nach ihren Vorstellungen zu agieren, angeschrien, mit ihrer Hand geschlagen, an den Ohren gezogen, mit festem Griff am Arm gezogen, mich oft verglichen mit “bessern” Kindern und mir suggeriert, ich sei falsch, nicht normal, gestört. Ein einziges Mal war ihre Hand ihr “zu schade”, wie sie sagte, und sie ist mit einem Kochlöffel hinter mir und meiner jüngeren Schwester her.
    Wenn ich meine Aufzählung lese, wird mir wieder klar, wie umfangreich ihr “Repertoire” war, und doch kommt es mir so reduziert vor ausgedrückt in einem Satz. – Mein Vater hat sie passiv aktiv bei ihrem Tun unterstützt. Er hat sich raus gehalten anstatt mich zu schützen, was einer Mittäterschaft gleich kommt.
    Wann mein Drama der körperlichen Gewalt begann, weiß ich nicht mehr. Hinzu kommt jedoch auch permanente emotionale Gewalt. Nicht nur Schläge sind Ausdruck von Gewalt. Während meiner langjährigen Therapie stiegen deutliche Erinnerungen an meine Zeit als Baby auf. Es waren “lediglich” emotionale Erinnerungen, doch dafür um so intensiver. Das sich sie Erinnerungen auf den emotionalen Anteil beschränkten, liegt in der Natur der Dinge, da einem Kind im vorsprachlichen Alter logischer Weise die gesprochenen Worte noch fehlen und somit es einem später als erwachsenem Menschen schwer fällt, sich sprachlich dazu ausdrücken. Ich wurde als Baby/Kleinkind allein im Elternschlafzimmer in meinem Bettchen gelassen, wenn ich laut weinte. Es kam lange, lange, viel zu lange niemand, um mich aufzunehmen. Es war meine persönliche urtraumatischste Erfahrung, auf die ich erinnerungsmäßig zurückgreifen kann. So klein ich auch war und so lang es auch her ist, hat sich dieses abgrundtiefe Verlassenheitsgefühl so tief in mir eingeprägt, dass es selbst im Heute noch in mir aufsteigen kann, wenn mich auch nur eine kleinste Kleinigkeit daran erinnert/triggert.
    Dies noch mal zu der irrigen Annahme, dass negative Erfahrungen während der ersten Lebensmonate (wie auch pränatal) im Laufe der Zeit vergessen werden. Auf dieser Seite hat sich aber auch keiner so geäußert. Jedes einzige widerfahrene Ereignis wird jemals aus dem emotionalen Gedächtnis gespeichert. Es lässt sich nichts löschen, wohl aber heilen. Dazu finde ich z.B. das Buch “Das Gedächtnis des Körpers” von Joachim Bauer sehr aufschlussreich.

    Meines Erachtens wird die emotionale Gewalt zu sehr unterschätzt. Das empfinde ich auch beim Inhalt dieses Buches, Frau Müller-Münch. Zumindest entnehme ich den Kommentaren von Lesern und Leserinnen, dem online-Einblick in das Buch und der Talk-Runde in “West art”, dass hier vornehmlich die körperliche Gewalt angesprochen wird. Ich selbst habe das Buch bis jetzt noch nicht gelesen, werde es aber in Kürze tun. Dennoch gehe ich davon aus, dass sie die Auswirkungen von emotionaler Gewalt nicht ausschließen. Hinzu kommt, dass bei körperlicher Gewalterfahrung zwangsläufig auch die emotionale Verletzungen eine bedeutende Rolle spielen.

    Durch meinen kleinen Einwand möchte ich nicht den Inhalt schmälern. Ganz im Gegenteil! Es ist ein überaus wichtiger und längst überfälliger Beitrag. Doch alles zu seiner richtigen Zeit. Ich habe den Eindruck, dass die Auseinandersetzung mit diesem Thema erst jetzt wirklich reif scheint. Erst die Generation der “Kriegsenkel” ist wohl in der Lage, sich den frühsten Gefühlen von Traurigkeit, Verlassenheit und eingekapselter Wut zu stellen, die negativen Lebenserfahrungen mit empathischer Unterstützung aufzuarbeiten, den Weg zu sich nicht nur zu suchen, sondern ihn auch einzuschlagen. Erst der generationsbedingte Abstand scheint dies möglich zu machen. Es macht mir Mut hoffen zu können, dass dieses veränderte Verhalten, das Durchbrechen von langjährigen familiären und gesellschaftlichen Mustern weitere Kreise zieht, und sich allmählich eine andere Haltung in den folgenden Generationen entwickelt.
    Mir ist aufgefallen, dass Ihr Buch, Frau Müller-Münch, nach (!) dem wellenschlagenden und hier schon erwähnten Buch von Angelika Kindt, “Wenn Kinder den Kontakt abbrechen”, erschienen ist. Dort und in einigen dazu veröffentlichten Kommentaren auf der entsprechenden web-site so wie in Blogs und Foren wird das “Phänomen” angesprochen, wenn sich erwachsen gewordene Kinder von ihren Eltern ganz oder zeitweise von ihren Eltern(teilen) distanzieren. Auch ein großes Tabu. Das wahrscheinlich einzige noch mögliche Verhalten dieser erwachsen gewordenen Kinder, um sich endlich selber den nötigen Schutz geben zu können, kann in vielen Fällen angefangen von Frau Kindt selber, weitergeführt von vielen gleichstimmigen verlassenen Eltern – auch von diversen Medien – weder nachvollzogen, noch verstanden und toleriert werden. Die erwachsen gewordenen Kindern werden ähnlich abgestraft wie früher: Wir sind undankbare, unartige Kinder (und hier werden wir auch tatsächlich als “Kinder” betitelt), unser Verhalten scheint völlig unbegründet, die Eltern wissen von keinem eigenen Verhalten, das diesen Weg hätte bereiten können. Die unterschiedlichen Debatten drehen sich im Kreis.
    Und nun erscheint zum Beispiel dieses Buch “Die geprügelte Generation”. Es ist meines Erachtens eine deutliche Antwort auf die stumm oder offen gestellten Fragen dieser gewalttätigen Eltern. – An dieser Stelle wird besonders deutlich, dass die Hervorhebung von körperlicher Gewalt ein Reduzierung des Ausmaßes darstellt, weil dies einigen Eltern gelegen kommen kann. “Ich habe mein Kind nicht körperlich gezüchtigt, also habe ich ihm nichts Schlimmes angetan.” Welch fataler Irrtum, wenn nicht auch die emotionale Gewalt (auch übertriebene Fürsorge gehört dazu) in aller Deutlichkeit erwähnt wird.

    Wie Angst erzeugend diese von Gewalt geprägte Erziehungshaltung für die betroffenen damaligen Kinder ist, wird deutlich durch die sehr häufig verwendete anonymisierte Form beim Einsenden eines Kommentars. Ich schließe mich selbst ein. Ich denke, an der Ernsthaftigkeit und Glaubhaftigkeit der Beiträge ist nicht zu zweifeln. Hier geht es um etwas. Es geht um einen neuen Beginn der Aufarbeitung erlebter Traumata. Nicht nur der eigenen, sondern bewusst oder unbewusst die vieler Generationen. Durch die öffentlichen Stellungnahmen lehnen sich die Betroffenen vielleicht zum ersten Mal im jeweiligen Leben oder wiederholt gegen die Täter auf, gegen die Gesellschaft und im Besonderen gegen die Kirche! “Du sollst Vater und Mutter ehren, damit es Dir wohl ergehe auf Erden.” (4. Gebot). Das ist ein “Angriff”, der wohlüberlegt sein muss, bei dem man sich im Vorfeld ein hohes Maß an Selbstsicherheit erarbeitet haben muss, welches ja leider bereits im frühen Alter schwer beschädigt wurde. Ich gehe davon aus, dass viele Menschen, die sich von den Eltern (vorübergehend oder total) von den Eltern trennen, eine höchst intensive Zeit der Auseinandersetzung mit der eigenen tiefen Gefühlswelt durchlaufen und viel verschütteten Schmerz erneut ertragen haben, um an diesen Punkt zu kommen, diesen Schritt gehen zu können. So war es jedenfalls bei mir selbst. Von einer Leichtfertigkeit, wie ich es oft klar oder zwischen den Zeilen diverser Beiträge aus Elternsicht (meine Eltern eingeschlossen) lese, kann keine Rede sein. Es gibt bereits Erwachsene, die ihre furchtbaren Kindheitserlebnisse veröffentlichen können und damit aufmerksam machen dafür, dass es viele Täter-Eltern gibt. Das ist großartig und ich habe Respekt vor ihrem Mut. Ich selber bin noch nicht so weit, fällt es mir doch immer noch schwer, meine Eltern Auge in Auge mit meinem Schmerz und Mangel an Liebe zu konfrontieren, wenn es mir auch schriftlich in kleinen Schritten gelingt.
    Es ist ein Anfang für die Chance einer neuen – liebevolleren – verständnisvolleren Beziehung, selbst auf der Seite der erwachsen gewordenen Kinder. Um Letzteres zu ermöglichen, braucht es jedoch die Bereitschaft der dazugehörigen Eltern aufmerksam und bereitwillig zuzuhören. Ich vermute der Weg bis zum respektvollen Kontakt ist noch weit, doch der Anfang ist gemacht. Letztlich müssen wir alle (!) die Fähigkeit erwerben, uns dem kollektiven Ur-Schmerz stellen zu können und ihn aushalten können. Welch große Herausforderung!!!
    Ein Gesetz, dass Kindern eine gewaltfreie Erziehung zusichert, allein reicht meiner Meinung nach nicht aus, wenn es auch ein wichtiger Schritt ist. Empathie ist das wichtigste, was grundlegend erlernt werden bzw. wachsen muss. Der Entwicklungsschritt des Verstehens der Tragik und Tragweite von gewalttätiger Begleitung von Kindern muss den Weg vom Kopf zum Herzen finden, um die Veränderung konkret werden zu lassen. So lange die Tür zum Herzen geschützt werden muss, weil dahinter der Schmerz sitzt, wird das schwierig sein.
    Das Anerkennen von erlebter Gewalt in der Kindheit und das Begreifen als Kind dafür nicht verantwortlich gewesen zu sein, ermöglicht Selbstliebe. Vielleicht ist das Grundbaustein für die Entwicklung von Mitgefühl (als bewusst anderes Wort für das negativ besetzte Wort “Vergebung”) für die verletzenden Eltern, ohne eine Voreiligkeit oder es als Verpflichtung zu meinen! Ich trage für mich im Heute als Erwachsene die Verantwortung für mein Wohlergehen und muss die Konsequenzen tragen, wenn ich eine erfahrene Verletzung nicht gut versorge. Genau so müssen Eltern die Verantwortung für sich und die Konsequenzen tragen, wenn sie ihr Kind verletzt haben. Auch die Lebensphase Altern schützt einen Menschen davor nicht, wenn der Schmerz darüber möglicherweise noch unaushaltbarer wird, weil das unwiederbringliche Lebensende bevor steht und damit die Chance verschwindet, etwas verändern zu können.

    Das durch Ihr Buch und Ihre weiteren Beiträge, liebe Frau Müller-Münch, auf neue und bewegende Weise berührte Thema greift in ein Rad des mühsamen Prozesses von Enttabuisierung. Ich bedanke mich bei Ihnen für die Öffnung eines weiteren Raumes, der an denen von A. Miller, H. Radebold, S. Bode und vielen vielen anderen anschließt. Außerdem danke ich allen, die sich unter anderem auch in diesem virtuellen Raum mit ihren Erfahrungen und geäußerten Gefühlen zeigen. Auch wenn Beiträge einen frei erfundenen Namen tragen aus Schutz vor altbekannter Strafe…. All diese Geschichten sind hiermit in der Welt! :)

      • Hallo Tochter

        Was für ein toller Beitrag!
        Haben Sie herzlichen Dank für die Mühe Ihre gelungen Situationsanalyse.
        Denn ich bin davon überzeugt, dass jeder von uns mit seinen individuellen Erfahrungen des Schmerzes, der Trauer und unerfüllten Sehnsüchten, sofern wir den Mut haben, ein Stück weit die teils sich selbst gegenüber tabuisierten Empfindungen einer Öffentlichkeit preiszugeben, wir anderen Betroffenen helfen können, sich in solchen Erfahrungsberichten wiederzuerkennen und damit die Bereitschaft fördern sich in einem heilsamen Prozess der Selbstreflektion, sich selbst in der Beziehung zu seinen Eltern und Verhalten gegenüber den eigenen Kindern kritisch zu hinterfragen.
        Damit wäre zumindest schon mal ein erster Anfang als Grundlage einer bewussten Wahrnehmung und positiven Änderung des eigenen Handelns geschaffen, mit denen die generationsübergreifenden Spiralen von Gewalt endlich zerschlagen werden könnten.

        Allein zu dieser Erkenntnis zu gelangen, stellt bereits einen wunderbaren Erfolg dar, auf den wirklich jeder zu Recht Stolz sein darf. Denn immerhin gibt es innerhalb unseres Bildungswesens noch nicht mal rudimentäre Ansätze, um jungen Menschen zu helfen zu solch wichtigsten Erkenntnissen zu gelangen. Bis heute ist nahezu jeder von uns mit derartigen Fragen, sofern sie sich überhaupt stellen, völlig auf sich allein gestellt, um durch Schicksalschläge geprägt zu Antworten zu gelangen, wie sie Frau Müller, Sie und andere hier zur Betrachtung gestellt haben.

        Wie gesagt ein erster überaus wichtiger Schritt, dem nun noch der weitere Schritt der eigenen seelische Heilung von all den traumatischen Kindheitserfahrungen folgen müsste.
        Was für die meisten von uns geradezu vor ein unüberwindbares Hindernis stellt, sofern wir nicht gewillt sind uns und unsere verletzten Gefühle erneut zu verleugnen.
        Eben, weil es kaum geeignete, oder bekannte Ansätze gibt, wie solch ein heilsamer Prozess in Gang gesetzt werden könnte.
        Da sie in ihrem Beitrag zu dieser Frage selbst noch eine gewisse Ratlosigkeit durchblicken ließen, möchte ich Ihren und Jedermanns Blick gern mal auf den studierten Diplompsychologen, Herrn Robert Betz lenken.

        Ich bin selbst erst in jüngerer Zeit durch eine Verkettung von Zufällen auf diesen Mann aufmerksam geworden und kann ihnen kaum beschreiben, in welch unbeschreiblicher Klarheit und Weisheit, er genau diese Themen in zahlreichen Vorträgen, Büchern und Seminaren anspricht. Es jedoch nicht nur dabei belässt, für jeden nachvollziehbar, all die Ursachen unserer Seelenpein darzulegen, sondern darüber hinaus wertvolle Hilfestellungen anbietet, um den einstigen Schmerz zu überwinden, um mit sich selbst und seiner umgebenden Welt wieder ins Reine zu kommen.
        Am Anfang braucht man erst mal etwas Zeit, um den Sinn seiner Worte zu begreifen, oder diese Worte in die Tiefe der eigenen verletzten Gefühlen eindringen und einwirken zu lassen.
        Etwa wenn er beschreibt wie wichtig und richtig die Vergebung gegenüber unseren Eltern ist, weil wir mit deren Verurteilung auch uns selbst verurteilen.
        Anfangs dachte ich noch voller Empörung, der Typ spinnt doch wohl.
        Wie soll man jemals Eltern vergeben können, die mich in schwerster Form misshandelt, vernachlässigt und abgewiesen haben und mit dieser Hypothek ein wahrhaft steinigen Lebensweg zu absolvieren hatte.
        Von denen mir nicht mal eine einzige liebevolle Geste in Erinnerung geblieben ist.
        Unmöglich, ich wollte mir bis zu meinem Lebensende das Recht meiner abgrundtiefen Verachtung vorbehalten.
        Dann aber durch weitere Vorträge animiert, stellte ich mich einer selbstkritischen Überprüfung und musste mir an dessen Ende kleinlaut zugestehen, dass ich meine Kinder gleichfalls schwer beschädigt habe. Weniger in physischer, als vielmehr mit psychischer Gewalt, indem auch ich sie immer wieder zurückwies, oder Erwartungshaltungen einforderte die sie noch gar nicht erfüllen konnten.
        Kennt jeder der seinen Kindern in „allerbester Absicht“, die Folgen vor Augen führt, wenn sie sich in der Schule nicht genug anstrengen, um es mal zu etwas zu bringen.
        Die dann an den unerfüllten Erwartungen zerbrechen, sich als Versager fühlen, um nur mal ein Beispiel zu nennen.
        Oha, da wurde mir auf einmal klar, wenn ich meine Eltern verurteile, muss ich mich zwangsläufig genauso verurteilen.
        Und bei intensiverer Betrachtung, die zuvor aus eingeschränkter Opfersicht noch gar nicht möglich war, ergaben sich auf einmal immer mehr und mehr entlastende Aspekte, um meine Eltern nicht mehr nur in der Täterrolle zu erkennen, sondern zu begreifen, dass auch sie einst Opfer ihrer Zeit waren und demnach kaum anders handeln konnten, weil ihnen, im Gegensatz zu mir heute, der Zusammenhang von Ursache und Wirkungen gar nicht bewusst werden konnte.
        Deshalb versuche ich mich schon seit einigen Jahren für Bildunsgreformen einzusetzen, die solch ein Bewusstsein einschließlich des Trainings emphatischer Fähigkeiten beinhalten.

        Womit ich hervorheben wollte. Es gibt Lösungen. Nur wissen die meisten Menschen nicht, wo sie solche Lösungen und Erkenntnisse finden können.
        Deshalb war es mir wichtig, auch an dieser Stelle auf diesen Herrn Robert Betz aufmerksam zu machen, dessen geniale Vorträge nahezu jedem via Youtube, Büchern oder Cd´s zugänglich sind.
        Meine Empfehlung einer sinnvollen Reihenfolge lautet:
        1. Raus aus den alten Schuhen
        2. Der Vater Deiner Kindheit (Teil 1-6)
        3. Die Mutter Deiner Kindheit (Teil 1-3)
        4. Bring Ordung in Dein Leben
        5. Lebe Dein Leben
        6. Wahre Liebe lässt frei
        und weitere mehr.

        Ich würde mich für allen Mitlesenden freuen, wenn auch Ihnen diese Einsichten und Anregungen als Hilfe zur Selbstbefreiung ihrer Gedanken von Schuld und Sühne dienen könnten.

        • Lieber Herr Klüber,
          es freut mich, dass Sie mein Beitrag so angesprochen und berührt hat.
          Sie greifen den Begriff “Vergebung” noch einmal auf und er ist in der Tat serh wichtig. Mir ist es dennoch wichtig zu beschreiben, dass es sich dabei um einen subjektiven (!) inneren Prozess handeln muss, damit das Gefühl, das im neuen/anderen Miteinander (oder auch Auseinander) mit erlebten gewaltausübenden Bezugspersonen wächst in vorrangig erstrebenswerter Weise zu einer Vergebung für sich selbst werden kann. Mich selbst betreffend kann ich im Moment sagen, dass das mein oberstes “Ziel” ist.
          Durch meine langjährige sehr gut begleitete Auseinandersetzung mit meinen schmerzhaften Gefühlen merke ich, auf diesem Weg zu sein, und kann mir mittlerweile aich immer besser vorstellen, an einen Punkt zu kommen, dass ich mit mir selbst im Reinen bin, für eine andere Art von Beziehung mit meinen Eltern alles mir mögliche getan zu haben, ohne von ihrer emotionalen Antwort abhängig zu bleiben. Vielleicht kann ich es dann als erlebte Vergebeung auch ihnen gegenüber bezeichnen, vielleicht gewachsenes Mitgefühl, vielleicht als in mir wohnenden Frieden, wie auch immer der Umgang mit meinen Eltern dann aussehen wird. Möglicherweise werde ich dahin kommen, mich von meinen Eltern ganz trennen zu müssen, weil ich den blockierten emotionalen Zustand bei aller eigenen Mühe nicht mehr aushalte. Möglicherweise wird es mir so gehen, dass mir das Fehlen ihre verschlossenen Emotionen kaum mehr etwas ausmacht. Ich kann es heute noch nicht sagen. Ich weiß jedoch, dass ich mich glücklicher Weise auf den Weg gemacht habe, gute Selbstsorge zu betreiben. Die darin enthaltene Aufarbeitungsarbeit war für mich über viele viele Jahre überaus anstrengend, kräftezehrend, an den Abgrund bringend, doch bin ich tatsächlich überaus stolz auf mich selber, diese Herausforderung angenommen und bsi hier her sehr gut bewältigt zu haben. Abgeschlossen ist diese Arbeit für mich noch nicht. Niemand wird jemals “fertig” sein. Das Leben als solches ist ein lebenslanger Entwicklungsprozess. Die mir selber erarbeitete Fähigkeit der intensiven Selbstreflexion ermöglicht es mir im Heute, die Zusammenhänge besser begreifen zu können und in den Austausch gehen zu wollen, es auch zu tun. Nicht nur mit Gleichgesinnten, sonder in kleinsten Schritten versuchend auch mit meinen eigenen Eltern.
          Genau wie Sie, lieber Herr Klüber, möchte ich andere Menschen dazu ermutigen, sich auf ihren (!) Weg zur Selbstheilung zu begeben. Ich bin davon überzeugt, dass dies nur mit guter, tragender, empathischer und durchaus fachlich kompetenter Unterstützung gut funktioniert. In der psychosozialen Landschaft unserer Gesellschaft ist es nicht so leicht, die für sich passende Art und Person zu finden, das gebe ich zu. Bei der hohen Notwendigkeit von psychotherapeutischer/beratender Begleitung reicht die Zahl von Anbietenden sowie die finanzielle Unterstützung seitens der gesetzlichen Krankenkassen bei weitem nicht aus. Ein allegmeines Problem, das sich nur durch das zunehmende Veröffentlichen der Dringlichkeit durch Stimmen von Betroffenen allmählich verändern lässt. (siehe auch diese Seite) Manchmal muss auch der Weg gegangen werden, diese Unterstützung selber zu bezahlen. So oder so… Ich bin der absoluten Meinung, dass sich dieser Weg lohnt!

          Die auf YouTube eingestellten Filme der Vorträge von Robert Betz werde ich mir auf jeden Fall ansehen. Ihr Hinweis auf diesen Mann kann für manche Menschen ein wichtiger Schritt in die eigenen richtige Richtung sein. Bei all meinem Interesse kann ich an dieser Stelle für mich sagen, dass ich unendlich froh bin, eine für mich passende unterstützende Begleitung gefunden habe. Ich war mit meiner Aufmerksamkeit zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das wünsche ich jedem, der auf der Suche ist!

          • Hallo noch mal, lieber Herr Klüber,
            bin gerade beim ersten Vortrag als Filmmitschnitt von Herrn Betz “Raus aus den alten Schuhen”. Ich kann für mich sagen: SUPER!!! Dieser Mann bringt es auf sehr leicht verstehbare, trotz Schwere des Themas leichte und lockere Art auf den P-u-n-k-t. Mir selber ist all das bereits sehr bekannt, doch es noch einmal so präzise gesagt zu bekommen, tut ungemein gut. Danke (!!) für diesen Hinweis.

          • Huhu Tochter. ;-) )

            Vielen Dank für die positive Rückmeldung.

            In der von mir empfohlenen Reihenfolge, dürften Sie aller Wahrscheinlichkeit nach, noch einige hochinteressante Erkenntnisse gewinnen, die weder Ihnen noch mir zuvor in der dargestellten Tragweite bekannt sein dürften. Zumindest erging es mir so. Denn auch mir waren die Aspekte des ersten Vortrags durch eigene Recherchen schon länger in abgewandelter Form bekannt. Etwa indem ich die Überzeugung vertrete, dass die meisten Schieflagen in unser und anderen Gesellschaften erkennbar aus Anerkennungsdefiziten hervorgehen.

            Von daher ist Herr Betz für mich eine einzigartige Offenbarung geworden, wenngleich ich zugeben muss, noch offene Fragen zu haben. Etwa in seinen kühnen Thesen, wonach wir uns in einem früheren Leben unsere Eltern selbst ausgesucht hätten.
            Also da vermag ich ihm noch nicht zu folgen.

            Ich könnte mir aber vorstellen, dass für viele Gewaltbetroffene, die Schwierigkeiten haben, um sich aus destruktiven Abhängigkeiten mit ihren Eltern zu lösen, das Buch von Susan Forward mit dem Titel: “Vergiftete Kindheit” der Schlüssel in die Unabhängigkeit darstellen könnte.
            Um diese Empfehlung nicht zu sehr ausufern zu lassen, empfehle ich interessierten Gästen sich bei Amazon die überwältigend positiven Rezensionen dieses nur 8 Euro günstigen Buches anzuschauen. Es lohnt sich, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann.
            Sofern Sie an einem weiteren Meinungsaustausch interessiert sind, dürfen Sie mich gern unter Klaus ät ex-Heimkinder.de kontaktieren. Ich wünsche Ihnen allen einen gute Zeit auf Ihren weiteren Lebensweg.

        • Lieber Herr Klüber,

          Ich freue mich für Sie, dass Ihnen die Begegnung mit den Gedanken des Herrn Betz so hilfreich war.

          “Etwa in seinen kühnen Thesen, wonach wir uns in einem früheren Leben unsere Eltern selbst ausgesucht hätten.”

          Jedoch: Wie seriös kann ein Psychotherapeut sein, der solch einen Unsinn verzapft?
          Hierbei handelt es sich meiner Meinung nach nicht um eine kühne These, sondern schlicht um kruden Unfug.
          Wer als Vertreter der Reinkarnationstherapie mit solchen Ansichten zu Opfern elterlicher Gewalt gewordener Kinder die Verantwortung für die erlittenen Misshandlungen zuschreibt, denn “sie haben sich ihre Eltern in einem früheren Leben ja selbst ausgesucht”, der hat für mich den Boden seriöser Psychologie und Psychotherapie verlassen und mit dem schwankenden Boden einer fragwürdigen Weltanschauung getauscht!
          Wie gefährlich solche Äusserungen sich auf Klienten auswirken können, hat meine Frau im Rahmen einer Psychotherapie dann selbst erlebt, als ihre Therapeutin ihr ins Gesicht sagte, dass der jahrelang erlittene sexuelle Missbrauch durch den Vater unter ausdrücklicher Duldung durch die Mutter doch nicht so schlimm gewesen sein könne, da sie ja selbst dafür verantwortlich sei, schließlich habe sie sich ihre Eltern ja selbst ausgesucht und jeder bekomme nun einmal die Eltern, die er verdiene.
          Solche Äusserungen sind ein Schlag ins Gesicht von Opfern, unverantwortlich und gefährlich dumm.
          In der Psychotherapie haben esoterische Weltanschauungen nichts zu suchen!
          Es spricht meines Erachtens im übrigen für sich, dass Herr Betz lediglich im Heyne und Integral Verlag veröffentlicht.

          Zum Glück gibt es aber auch genug seriöse und erfahrene, sehr gut ausgebildete Psychotherapeuten.
          Woran man sie erkennt, dazu gibt es Informationen z. B. hier:
          http://www.fifap.de/

          Es grüßt Sie
          M.

          • Hallo M

            Sie haben völlig Recht. Auch ich betrachte die beanstandeten Vortragsanteile mit äußert kritischen Augen und vor allem Gefühlen. Letztere nach Aussagen von Herrn Betz ja selbst untrüglich sind. :-)

            Deshalb möchte ich aber nicht gleich die Gesamtqualität der Arbeit von Herrn Betz in Zweifel ziehen. Da ist unzweifelhaft viel Gutes/Geniales drin enthalten . Nämlich Antworten, die ich bislang von niemanden, einschließlich vorgeblich renommierter Fachtherapeuten erhalten habe.
            Bei den Vorträgen von Herrn Betz spricht mich mein Gefühl indes sofort mit Begeisterung an, das kann demnach so falsch also nicht sein und erkenne ja auch sofort den Erfolg indem es mir gut tut.
            Die esoterischen Anteile muss sich ja niemand zu Eigen machen. Mache ich ja auch nicht, bevor ich dazu nicht nachvollziehbare Antworten erhalte. Soviel Differenzierungsvermögen dürfen wir unseren Mitmenschen doch sicher noch zugestehen.
            Übrigens habe ich erst gestern eine esoterisch arbeitende Therapeutin gesprochen und sie mit meinen Fragen konfrontiert. Sie gab zwar gleichfalls die Überzeugung an, dass wir unsere Eltern in einem vorgeburtlichen Leben ausgesucht haben sollen. Wozu dies allerdings gut sein soll, wenn der Mensch mit seiner Geburt keine Erinnerung mehr daran hat und damit den allermeisten Menschen der Sinn ihres weltlichen Lebens verschlossen bleiben wird, um sich für was auch immer weiter zu qualifizieren, darauf hat sie mir ehrlich geantwortet, es auch nicht zu wissen. :-)

          • Guten Tag, M.,

            ich teile Ihre Besorgnis; ich habe mir die Videos dieses Herrn auch angesehen; insbesondere die Aufmachung seiner Homepage hat mich nachdenklich gemacht.
            Ich danke Ihnen für die klaren Worte!

            Beste Grüße

            Andrea 2

          • Vielen Dank, M., für Ihren Kommentar, der genau meinen Eindruck widerspiegelt.

            Es tut mir sehr weh, zu lesen, dass Ihre Frau solch eine Erfahrung in der Therapie machen musste. Das, was die Therapeutin Ihrer Frau sich da “geleistet” hat, ist an Unverschämtheit und Dummheit nicht zu überbieten. Und es zeigt, dass ganz dreist wieder einmal die Eltern geschont werden sollten, wie dies leider oft der Fall ist.

            In einer Therapie sollte die Wahrheit über das Erlebte niemals geleugnet werden. Nein, auch die Eltern müssen für ihre Straftaten an ihren Kindern keineswegs geschont werden.

            Ihrer Frau und Ihnen alles erdenklich Gute.

            Grüße
            Stina

          • Zur Ergänzung:
            Mittlerweile habe auch ich mir die Homepage des Herrn Betz angeschaut.
            Folgendes ist mir aufgefallen:
            Erstens gibt es keine Rubrik “Über mich”.
            Es heisst über Herrn Betz lediglich: Diplom-Psychologe.
            Nun ist es leidlich bekannt, dass das reine Studium der Psychologie mit dem Abschluss “Diplom-Psychologe” nicht zur Ausübung einer seriösen therapeutischen Tätigkeit befähigt.
            Welche Zusatzausbildungen hat Herr Betz absolviert? Bei wem oder bei welcher Organisation? An welcher Universität hat er überhaupt studiert? Welche Grundlagen hat seine Transformationstherapie, wie hat er sie erarbeitet?
            Darüber konnte ich auf seiner Seite keine offensichtlichen Informationen finden. Und das anzugeben wäre eigentlich eine Selbstverständlichkeit für einen Therapeuten. Und wenn Herr Betz das nicht tut, dann frage ich mich welchen Grund er dafür hat. Vielleicht ist er tatsächich “nur” Diplom-Psychologe?
            Jedoch finden sich reichlich Angebote zum Kauf seiner Bücher und Vorträge, zur Buchung von Seminaren etc. Geschäftstüchtig scheint er jedenfalls zu sein und wenn ich mir die Größe seines Mitarbeiterstabes anschaue mit seinen Tätigkeiten auch eine florierende Firma aufgebaut zu haben.
            Nun sei ihm sein Erfolg gegönnt, doch finde ich den Herrn immer noch sehr fragwürdig.
            Natürlich kann er durchaus auch Gutes sagen, dass Menschen hilft; aber das tun andere ebenfalls.
            Gefährlich finde ich eben diese weltanschauliche Grundannahme, dass der Mensch sich seine Eltern in einem früheren Leben selbst aussuche und damit für die erlittenen Misshandlungen und den erlittenen Missbrauch selbst verantwortlich sei bzw. durch diesen etwas “abzuarbeiten” habe.
            Damit wird einem zum Opfer gewordenen Menschen, der an den lebensbeeinträchtigenden Auswirkungen leidet auch noch gesagt, dass er wohl in einem früheren Leben derart böse gewesen sei oder irgendwie versagt habe, dass er nun durch Leid geläutert werden müsse und auf eine höhere Ebene geführt werden müsse. Anders jedenfalls kann ich mir eine solche Grundannahme nicht erklären.
            Es ist im Übrigen sehr interessant, dass – wie Herr Klüber schreibt – eine selbst esoterisch arbeitende Therapeutin zwar diese Grundannahme teilt – was ja ganz sicher in der Art einem Klienten zu begegnen auch seinen Ausdruck finden wird – aber auf Fragen zum Sinn des Ganzen keine Antwort weiss.
            Ich betone noch einmal meine Meinung, dass Esoterik in einer seriösen Therapie nichts zu suchen hat, im besonderen dann, wenn solche kruden Grundannahmen offensichtlich nicht durchdringend durchdacht und untermauert sind.
            Und selbstverständlich spreche ich keinem Menschen sein Differenzierungsvermögen ab, allerdings sind wir uns doch wohl im Klaren darüber, dass dieses bei Menschen eben auch mehr oder weniger vorhanden ist. Und im Besonderen bei Menschen, die sich in einer schweren Krise befinden und voller Hoffnung auf Besserung und Heilung auf eben solche Heilsversprecher auch zu größerem Schaden für ihre Gesundheit hereinfallen können.
            Jedem das Seine und damit auch auch seine Helfer auf seinem Weg.
            Und so wie Herr Klöber begeistert auf Herrn Betz aufmerksam macht, so nehme ich mir das Recht
            auf Fragwürdiges bei diesem Herrn hinzuweisen und davor zu warnen.
            Hätten wir alle ein optimales Differenzierungsvermögen, wären Menschen nicht mehr verführbar und Gurus hätten keine Macht mehr über sie, Scientology und andere Sekten gäbe es dann nicht. Aber so ist es nicht; Menschen sind manipulierbar und missbrauchbar, wenn man weiss wie es geht.
            Ich freue mich für jeden, dem Herr Betz helfen kann. Aus eigener Erfahrung mit meiner Ehefrau weiss ich aber auch, welch immensen Schaden solche Menschen auch anrichten können.
            Auf dem Psychomarkt tummeln sich halt viele.
            Und wissen, damit Geld zu machen.

            Wer weitere Informationen zu Herrn Betz und seinem Werdegang sucht, dem empfehle ich dringend den Artikel bei Wikipedia. Sehr aufschlussreich!!!
            Man beachte im Besonderen seinen beruflichen Werdegang und die Angaben zur therapeutischen Ausbildung!

            Es grüßt
            M.

          • Hallo M.,
            ich bin entsetzt darüber, dass Ihrer schwer traumatisierten Frau von einer “Therapeutin” gesagt wurde, sie habe sich ihre Eltern selbst ausgesucht! Ich bekomme Wut, wenn ich so etwas höre!

            Ich halte Esoterik für gefährlich – besonders für schwer traumatisierte Menschen!

            Ich wünsche Ihnen und Ihrer Frau alles Gute!

            Herzliche Grüße

            Sylvie

    • Liebe “Tochter”,

      zum Stichwort “emotionale Gewalt” kann nicht genügend hingewiesen werden auf die furchtbaren Folgen einer ultranationalsozialistischen Erziehungsideologie der Johanna Haarer und anderer.
      Haarers Erziehungsratgeber “Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind”, ein Bestseller in der Zeit des Nationalsozialismus, wurde nach dem Krieg – lediglich bereinigt um die allzu offensichtlich “braunen” Vokabeln wie “Volk” und “Führer” – mit dem Titel “Die Mutter und ihr erstes Kind” in immer wieder neuen Auflagen bis 1985! erfolgreich weiterverkauft. Geworben wurde dafür mit den Verkaufszahlen aus der Zeit des dritten Reiches. Die Einnahmen aus dem Verkauf stellten Johanna Haarers Haupteinnahmequelle dar.
      Unzählige Kinder der Nachkriegszeit wurden von ihren Eltern nach diesem Ratgeber erzogen.
      Erschreckend, dass z. B. meine Mutter noch heute im Alter von 75 Jahren die Ansichten Haarers für absolut richtig hält.
      Erschreckend, dass Generationen von Eltern nach Kriegsende völlig unhinterfragt und unkritisch diese braune Erziehungsideologie weitergetragen haben.
      Das Kind wird in diesem Ratgeber als potentieller Tyrann beschrieben, den es von Geburt an zu bekämpfen gilt. Niemals z. B. dürfe eine Mutter das Kind, wenn es schreit, aufnehmen, tragen und trösten. Am besten sei es, dass Kind in einem separaten Raum schreien zu lassen bis es von selber aufhöre, damit die Mutter gar nicht erst in Versuchung komme, dem Kind Aufmerksamkeit zu schenken. Sonst werde das Kind die Mutter lebenslang tyrannisieren.
      Wer sich für das Thema interessiert findet genug Literatur dazu und Artikel im Internet.
      Übrigens: Johanna Haarer blieb nach Aussage ihrer ältesten Tochter bis zu ihrem Tod 1988 überzeugte Nationalsozialistin.

      Der Zusammenhang zwischen dieser Ideologie und einer brutalen Erziehung wie sie so viele hier und im Buch von Frau Müller-Münch beschrieben haben, sollte noch besser erforscht und dokumentiert werden.
      Die lebenslangen Folgen für die nach dieser Methode erzogenen Kinder sind furchtbar.

      Es grüßt Sie
      Markus

      • Lieber Markus,
        Danke für Ihre Unterstützung mit dem Hinweis auf die niederträchtigen Veröffentlichungen von Frau Dr. Johanna Haarer!!!
        Ich selber habe mich im Zuge meiner studiumrelevanten Abschlussarbeit u.a. mit ihrer Erziehungspropaganda beschäftigt. Ich hatte das Glück, in einer Originalausgabe lesen zu können. Eine weitere Ausgabe aus dem Jahr 1962 habe ich erwerben können. Es hat mir die Augen geöffnet für eine Art von Erziehung (hier tatschlich wortwörtlich gemeint), die ich mit meiner eigenen in Verbindung bringen konnte. Es hat manches für mich zwar geklärt, doch mich auch zutiefst erschüttert.
        Auch über ihre Veröffentlichungen hinaus sind die propagierten Erziehungsmethoden, die zur “Schwarzen Pädagogik” gehören, selbst im Heute nicht aus diversen Erziehungsratgebern verschwunden. Ich weise an dieser Stelle für Interessierte auf das Buch “Jedes Kind kann schlafen lernen” von Annette Kast-Zahn (23. Auflage, 2006).
        Wer Interesse hat, sich speziell mit dem Buch von Haarer auseinanderzusetzen, dem empfehle ich “Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind” von Sigrid Chamberlain, die sich kritisch mit Harrers Büchern beschäftigt.
        Weiterhin kann ich die Bücher von Alice Miller empfehlen. Manche mögen ihre Art, manche nicht. Mir hat das Lesen während einer langen Phase des Hinwendens zu mir selber sehr geholfen.

        Beste Grüße
        “Tochter”

    • Hallo Tochter,
      danke für Ihren Beitrag, der besonders zum Schluss meine eigene Situation gut beschreibt. Die Mutter ist alt und krank, wird geschützt von den Geschwistern, die ihr erlegen sind und nichts mehr fürchten, als ihren Tod. Meine seelischen Verletzungen interessiert niemanden und zeitlebens war ich mit meinem Schmerz allein, mal abgesehen von wenigen emphatischen Gesprächen und den Büchern von A. Miller und Hermann Hesse, die mich tragen. Ja, ich bin allein durch alles hindurch, meine Erinnerungen reichen zurück bis ins 2. Lebensjahr. Ich war 6 Wochen isoliert im Krankenhaus ohne Kontakt zu meinen Eltern. Ich sehe sie noch heute durch die Glasscheibe und sie haben mir die Geschichte 1000 mal erzählt ohne dabei an mich zu denken. Seit 1 Jahr habe ich den Kontakt abgebrochen zu meiner Mutter und die Geschwister schweigen sich aus, bemühen sich nur um mich, wenn es um das Wohl der armen alten kranken Mutter und ihren heiligen Frieden geht. Ich weiß, wenn ich einknicke, bin ich wieder drin in meiner alten Qual. Es wird besser, aber es dauert und ich bin zum ersten Mal stolz, es bis hierhin geschafft zu haben und auszuhalten, dass ich raus bin, dass ich wirklich raus bin aus der emotionalen Abhängigkeit, dem schlechten Gewissen, der Schuld…. Es ist mir gelungen, mich um mich zu kümmern, mich wichtig zu nehmen und das traurige Verlassenheits-Gefühl aushalten zu können und mich mir selbst zuzuwenden. Es gibt keine Möglichkeit der Aussprache, es gibt kein Einsehen, keine Schuld, sie ist alt und krank. Wohin mit mir und meiner Wut, das weiß ich manchmal nicht. Und die Einsamkeit zieht langsam Kreise. Man trägt sich überall mit hin, sich und seine Geschichte – unbemerkt.

  79. Hallo allerseits
    Zum Thema Kindesmisshandlung gibt es eine Videoreihe mit dem Titel “Die Bombe im Gehirn”. Es werden dort die Resultate der Studie einer Krankenversicherung in den USA vorgestellt. Insgesamt gibt es vier oder fünf Videos dazu. Bis jetzt sind zwei davon ins Deutsche übersetzt worden. Hier findet man die Videos: http://www.freiwilligfrei.info/archives/2254

    Liebe Grüsse
    Mario

  80. Hallo an alle Mitleidenden,
    ich bin Jahrgang 68 und habe diese strenge Erziehung auch erleben müssen.
    Bis zu meinem 12. Lebensjahr gab es Schläge mit der Hand, Ohrfeigen oder was mit der Fliegenklatsche, danach kam der Rohrstock zur Anwendung.
    Ich wurde für jede Kleinigkeit bestraft, wenn ich etwas zu spät nach Hause gekommen war, dann empfing mich meine Mutter schon mit dem Rohrstock in der Hand an der Tür und es setzte sofort an der Türe die erste Tracht. Im Haus ging es dann weiter, nachdem die Türen geschlossen waren. Schliesslich sollten die Nachbarn nicht immer mein Geschreie hören.
    Das Essen meiner Mutter schmeckte mir nie, leider musste ich alles aufessen was mir immer sehr schwer fiel.
    Gelang mir das nicht innerhalb einer bestimmten Zeit dann holte sie den Stock und setzte sich mit ihm zu mir an den Tisch. Wenn ich nicht parierte und sofort weit gegessen hatte wurde ich mit dem Stock zuerst auf die Hände geschlagen. Das Essen würgte ich somit zwangsläufig in mich hinein. Oft mußte ich mich dabei übergeben, dann wurde ich anschließend richtig verprügelt.
    Danach wurde ich oft im Holz- und Kohlekeller eingesperrt, der Raum hatte kein Fenster, nur eine kleine Lampe, der Schalter war außen.
    Das Licht schaltete meine Mutter aus und ich stand im dunklen Keller, nur weil ich nicht alles aufgegessen hatte was mir aufgetan wurde.
    Selber mir das Essen auf den Teller legen durfte ich nicht, dann hätte ich ja weniger genommen.
    Es war eine reine Schikane und sinnlose Sachen wurden so unter Prügel erzwungen.
    Der Rohrstock wurde nicht einmal versteckt, er hing immer für jeden sichtbar in der Küche.
    Auch Besucher, Nachbarn, Familienangehörige und Verwandte haben ihn gesehen und genau gewußt was damit passiert.
    Teilweise wurde ich sogar vor anderen Leuten damit geschlagen.
    Geholfen hat mir keiner der anderen, alle haben das stillschweigend geduldet und nichts unternommen.
    Das habe ich bis heute nicht verstehen können, denn als Kind ist man solch einer Situation gegenüber völlig machtlos.
    Auch im Sportunterricht bin ich öfters mit roten und blauen Striemen an den Beinen dem Lehrpersonal aufgefallen, leider haben auch sie nichts unternommen.
    Von den Mitschülern wurde ich wegen der Striemen gehänselt und war somit doppelt bestraft.
    Ich habe mich dafür als Kind sehr dafür geschämt und öfters darum gebeten dass man mich nicht mehr mit dem Stock schlagen möge, leider erfolglos.
    Man kann es sich aus heutiger Sicht garnicht vorstellen, aber ich wurde sogar mit 19 Jahren noch mit dem Rohrstock geschlagen.
    Ich war früher sehr zurückhaltend und schüchtern, etwas schlimmes angestellt habe ich aus meiner Sicht nie.
    Meinen Eltern kann ich das auch nicht verzeihen, ich habe mit ca. 35 Jahren versucht mit ihnen darüber zu sprechen.
    Die Antwort war nur: Du hast es viel zu gut gehabt, du hättest noch viel öfter was kriegen müssen!
    Solche Menschen sind nicht belehrbar, ich frage mich nur wie die eigenen Eltern dem eigenen Kind so etwas antun können.
    Darauf habe ich bis heute keine Antwort gefunden.

    • Lieber Gerhard
      Eltern misshandeln ihr eigenes Kind, weil sie in einem unbewussten Wiederholungszwang agieren, denn sie wurden in ihrer Kindheit ebenfalls misshandelt. Das soll keine Entschuldigung sein für die schändlichen Taten, sondern es ist eine Tatsache, denn so funktioniert unser Gehirn.
      Wenn ein Mensch in seiner Kindheit, also während 16, 18 oder gar 20 Jahren immer wieder misshandelt wird, sei dies körperlich, verbal, emotional oder sexuell, so sind diese Misshandlungen als Erfahrungen im Gehirn gespeichert und der Mensch wird diese Erfahrungen an sein Kind weitergeben. Erst wenn einem die Zusammenhänge bewusst sind, kann man diesen Wiederholungszwang stoppen.
      Liebe Grüsse
      Mario

  81. Leid ist so alt wie die Menschheit selbst. Und der Fisch stinkt nach wie vor vom Kopf. Wichtigtuerische machtbesessene Obrigkeitsköpfe, die über die Menschen bestimmen wollen, Manipulierer, gierige Banken, schöne sichere Welt versprechende Versicherungen, profitgierige Geschäftemacher…. Schaut Euch an, was geschieht, wenn die Welt aus dem Gleichgewicht rutscht. Sie gerät aus den Fugen, die Menschenwelt, festgehalten vom Geld. Das System stinkt vom Kopf. Gerade wird überall aufgewacht…. leidgeprüfte Menschen, die nicht mehr die Ackergäule sein wollen, versklavt von Macht und Moral. Ja, aufwachen, sich bewegen, weg vom Geld, hin zu mehr Menschlichkeit!
    “Wolle den Wandel, denn wer im Bleiben verharrt, erstarrt.” Nietzsche?

  82. Hallo Frau-Müller-Münch, hallo auch an alle Interessierten

    Leider habe ich Ihr Buch erst gerade entdeckt, kann demgemäß dazu noch keine inhaltliche Meinung wiederzugeben.
    Die hiesigen Reaktionen, wie ja auch Sie auf das gewaltige Feedback hinweisen, deuten indes auf eine noch weit größere Dunkelziffer derart geschundener Menschen hin, denen mehrheitlich von den eigenen selbst zuvor konditionierten Eltern machtdemonstrativ die eigene Kleinwürdigkeit eingebläut wurde.
    Das Schlimme an solchen Prozessen und da spreche ich aus eigenen Erfahrungen, ist nicht mal die physische oder psychische Gewalt selbst, sondern das Erschrecken, wie lange es gedauert hat, bis man selbst erst mal das Ausmaß zwischen den Verbrechen an der eigenen Kindheit und deren Folgen realisiert hat, sofern überhaupt jemals solch eine Bewusstwerdung erfolgt.

    So begann auch ich erst ab Mitte 40 zu realisieren, was mir meine Familie angetan hat und wie weit die Auswirkungen selbst meine eigenen Familie/Kinder betraf. Indem ich ihnen weniger sadistisch und Gottlob nur selten wie ich es einst erlebte den Hintern versohlte, oder sie schulleistungsmäßig, natürlich nur in bester Absicht aber mit völlig indiskutablen Herabwürdigungen zu „motivieren“ versuchte.
    Hier steht mir noch einiges an späterer Aufklärung und Bitten um Vergebung bevor, das ist mir schon klar.

    Doch damit wollte ich es, seit ich aus meinem „Dornröschenschlaf“ erwachte bin nicht belassen. Denn wenn man sich dieses Thema erst mal angenommen hat, eröffnen sich zumindest mir noch eine Menge anderer Ursachen und Wirkungen, die unsere gesamtgesellschaftliche Verelendung in schmerzlicher Banalität offenlegt.
    Angefangen von der elterlichen Gewalt, deren Ausmaß Sie mit Ihrem Buch ja bereits auszugsweise dargelegt haben. Doch damit allein ist es noch längst nicht getan, obwohl bereits diese elterliche Gewalt/Herabwürdigungen zu einem flächendeckenden Suche derart herabgesetzter Menschen nach Liebe und Anerkennung beitragen, die ihren Höhepunkt in der ökonomisch/ökologisch höchst fragwürdigen Zwangsansammlung vermeintlicher Statussymbole und Machtgelüste enden, in denen sich all die verletzten Seelen in einem immer schneller drehenden Hamsterrad abstrampeln um ihre früh erworbenen Anerkennungsdefizite zu kompensieren versuchen.

    Die ihren Eltern und Lebensumfeld unter Beweis zu stellen versuchen, es zu etwas gebracht zu haben, was man ihnen ja einst vermeintlich nicht zugetraut wurde.
    Doch trotz aller dieser Bemühungen und fragwürdigen Erfolge, die oft genug auch noch auf Pump geliehen sind, werden diese Menschen nicht wirklich glücklicher, weil ein Mangel an elterlicher Liebe und Anerkennung später weder in materieller Hinsicht noch durch höchste Machtgefilde kompensiert werden können. Hinzu kommt, dass wir alle einen hohen Preis für diese „Egomanen“ die ihren Erfolg und Anerkennung sehr häufig nur auf Kosten der breiten Gesellschaft generieren kaum mehr ein Gefühl entwickeln können, wann Genug genug ist.
    Diese Extravaganzen spiegeln schon kleine Kinder wieder, die in Kindergärten und Schulen ihre Mitmenschen rücksichtslos terrorisieren, wie gleichfalls auch der bestsituierte Manger zur Pflege seiner Eitelkeiten das Letzte aus den Menschen am Fließband rauszuholen versucht, um mit Blick auf sein aus allen Nähten platzenden Bankkonto die Streicheleinheit und Bestätigung seiner Leistungskraft zu erhalten, die ihm seitens seines Elternhauses versagt blieb.
    Denn hätte er von früh auf die persönliche Zuwendung erfahren, wäre er mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits die friedlich in sich selbst ruhende Persönlichkeit, die keiner abstrusen Klimmzüge bedarf, um sich gegenüber seiner Umwelt zu beweisen.

    Diesem Dilemma leisten unsere Schulen innerhalb unsers Bildungswesens übrigens zusätzlichen Vorschub, weil nicht die individuellen Stärken und Neigungen der Schüler/innen im Mittelpunkt des Geschehens stehen, sondern sie nach wirtschaftsdienlichen Vorgaben auf DIN-Maß nivelliert werden.
    Schon von klein auf, werden sie darauf konditioniert sich im undemokratischen Geist möglichst still und angepasst zu verhalten, um mit noch fragwürdigeren Noten für das fehlerfreie Wiederholen abstrakter Lerninhalte belohnt zu werden. Wer andere Interessen, Stärken oder Neigungen hat, hat halt Pech gehabt. Auf diese Weise werden wie schon eben angeführt höchst frustrierte Menschen herangezüchtet, die weder selbstzufrieden in sich ruhen und daher gleichfalls ihre anerzogenen Anerkennungsdefizite durch fürchterliche Verbiegungen zu kompensieren suchen, deren destruktiven Folgen einer abwärtsgerichteten Spirale gleich, ihre Mitmenschen und vor allem die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft, nämlich deren Kinder meist unbewusst aber dennoch leidvoll auferlegt werden.
    Ich kenne leider nicht das Schlussresümee ihres Buches, aber wenn Sie mich fragen, dann benötigen wir allein schon deshalb umfangreichen Bildungsreformen, damit zukünftige Eltern wenigstens schon mal ansatzweise in Kenntnis darüber gesetzt werden, wie sie dem Kindeswohl förderlich, auf die entwicklungsbedingten Erfordernisse ihrer möglichen späteren Kinder, nicht nur liebevoll, sondern auch sachlich angemessen eingehen könnten.
    Diese und andere zentrale Forderungen, wie z.B. früh ansetzende Gewaltprävention, innerhalb dessen bereits Kindern im Kindergarten beginnend altersangemessen dargelegt wird, habe ich bereits seit Jahren auf meiner Webseite http://www.ex-Heimkinder.de/Ziele.htm veröffentlicht.
    Wo sich so bedeutungsvolle Forderungen der Unterrichtung von Kindern finden um zu erkennen:
    Was Gewalt eigentlich ist?
    Wie Gewalt entsteht?
    In welchen Facetten Gewalt zum Ausdruck kommt?
    Wie sich Gewalt auf Betroffene auswirkt?
    Und wie man Gewalt vorrausschauend begegnen kann?

    Allein diese Maßgabe wäre schon deshalb hilfreich um gewaltbetroffenen Kindern die Möglichkeit zu
    bieten eine eventuell eigene Gewaltbetroffenheit zu realisieren und damit bereitstehende Hilfsangebote wahrzunehmen. Was allein schon zu einer entlastenden Reduzierung späterer Folgekosten für uns alle nach sich ziehen würde.

    Leider war es mir trotz einiger Anstrengungen noch nicht möglich hierzu und weiteren Themen eine weiterführende Resonanz zu erzeugen. Deshalb war/ist es mir wichtig auch noch mal an dieser Stelle derart wichtigen Aspekte aufzuführen, da in diesem Thema weiteres Potenzial steckt um aufgegriffen zu werden. Ich würde es begrüßen, auch um der Genugtuung Willen, dass die Leiden früherer Kindergenerationen damit nicht gänzlich umsonst gewesen sind.

  83. Hallo Frau Müller-Münch,

    ich habe heute zufällig einen Fernsehbericht über den Missbrauch von Heimkindern in Wien gesehen. Dabei sind mir wieder die Gedankensplitter meiner Kindheit in den Kopf gekommen und ich habe das Stichwort “Teppichklopfer” ins Internet eingegeben, so bin ich auf Ihre Seite gestossen.

    Ich bin männlich, Jahrgang 1967 und habe einen Bruder, Jahrgang 1969. So waren wir Kinder der siebziger Jahre, keine Heimkinder, aber unter geistig und räumlich beengten Verhältnissen mit unseren Eltern auf ca. 50 m2 aufgewachsen. Ein eigenes Zimmer war Utopie, so vermischten sich die Konflikte aller Personen, wie in einem zu engen Rattenkäfig.

    Prügel bezog ich witzigerweise so gut wie nie von meinem Vater, sondern meist von meiner Mutter, vorwiegend mit Teppichklopfer oder Rohrstock. Anlass waren meist Konflikte zwischen uns Brüdern, die meine Mutter nur mit Gewalt beenden konnte. Ich, als Ältester bezog vorwiegend die Prügel, da ich ja der vermeintlich Klügere, Grössere und Vernünftigere war. Mit blauen Flecken ging es dann in die Schule, ob auch in den Kindergarten weiß ich nicht mehr. Wenn ein Kind heutzutage diese Flecken hätte, würde wahrscheinlich schnell das Jugendamt oder die Polizei eingeschaltet, damals gab es keine Reaktionen darauf.

    In unserer Nachbarschaft gab es eine Gärtnerei, Hand in Hand mit Ihren zwei Söhnen ging unsere Mutter dahin, teste den Härtegrad der Bambusrohrstöcke und nahm wie selbstverständlich einen mit, wenn mal wieder einer auf mir zerbrochen war. Für mich war das Normalität. Fies waren auch Ihre Stiche mit den Zeigefingern in meine Achselhöhlen, so dass ich dort oft Löcher in den T-Shirts hatte.

    Was ist geblieben (dies nur stichpunktartig)? Eine Hassliebe gegenüber Ihr und manch anderer Frau, meine Unfähigkeit mich vom Elternhaus abzunabeln, erst mit dreissig bin ich ausgezogen. Die Einsicht, dass ich auch kein Kind von Traurigkeit war und meine Mutter ihre Überforderung nur so ausdrücken konnte. Eine Therapiekarriere (wie mein Vater), überwundene Alkoholprobleme, generalisierte Angststörung, 2005 Herzklappen-OP, schwierige Beziehungen, verkorkste berufliche Laufbahn (Studienabbrecher nach 14 Semester, mit Mühe und Not noch eine Bürokaufmannausbildung gemacht)……Mein Bruder hat die Kurve irgendwie leichter gekriegt. Eine gewisse Versöhnung ist auch durch viele Therapiestunden bei mir eingetreten und ich will meine Eltern auch nicht für Alles verantwortlich machen. Das Verhalten meiner Eltern hat in ihrem Elternhaus auch seine Gründe, doch packt mich immer noch von Zeit zu Zeit eine Wut und Traurigkeit über das Erlebte, dass wie selbstverständlich geschehen ist.

    Heute lebe ich in einer oft komplizerten Beziehung, habe einen bald fünf jährigen Sohn, den ich noch nie geschlagen habe und bin mal wieder auf jobsuche.

    Ich wollte das einfach mal runterschreiben, ohne Absicht dies öffentlich zu machen und werde mir Ihr Buch besorgen. Schön, dass es so Menschen, wie Sie gibt.

    Gruß renegade

  84. Sehr geehrte Damen und Herren
    Ich bin erst 14 und wusste gar nicht dass früher die meisten Kinder so erzogen wurden wie ich es werde. Dachte dass es immer so war wie heute.
    Freundliche Grüsse
    Mathilde

    • Liebe Mathilde,
      Du schreibst das Du erst 14 Jahre bist und diese Kommentare gelesen hast.
      Ich muss da mal nachfragen – habe ich richtig gelesen das Du heute so erzogen wirst, wie wir damals, nämlich mit Prügel ?
      Wenn das so ist, dann will ich Dir wenigstens sagen, das es heute strafbar ist, wenn Eltern ihre Kinder prügeln.
      Das heisst, Du könntest sofort zur Polizei oder zum Jugendamt oder zum Schuldirektor gehen und sagen das Du zuhause geprügelt wirst. Die müssen!! Dir dann helfen.
      Diese Möglichkeit gab es damals – ich bin in den 60er und frühen 70er Jahren zur Schule gegangen – noch nicht. Da hat man noch geglaubt, das die Prügelstrafe dem Kind nicht schadet, was aber damals schon nicht stimmte!
      Daher ermutige ich Dich, wenn Du geprügelt wirst, Dir Hilfe zu suchen.
      Du kannst ja hier auch noch mal konkreter schreiben, wie es Dir geht.
      Liebe Grüße
      Elke

      • Sehr geehrte Frau Bellmann Vielen vielen Dank für Ihre Hinweise. Sie haben mir sehr geholfen. Dank Ihnen glaube ich jetzt dass es normal ist dass ich so sehr unter den harten Schlägen meiner Eltern leide, so viel weine, weil es so weh tut und ich so traurig bin. Bisher habe ich gedacht meine Gefühle seien vielleicht übertrieben. Aber etwas ist mir noch nicht klar. Ist es wirklich so, das meine Eltern mich in keinem Fall schlagen sollten, auch nicht wenn ich eine Ungeschicklichkeit begehe, Fehler in Schularbeiten mache usw., also etwas schlechtes tue. Bisher dachte ich dass ich es in diesem Fall verdient habe und sich meine Eltern verpflichtet fühlen es zu tun.
        Freundliche Grüsse
        Mathilde

        • Liebe Mathilde,
          vielen Dank für Deinen Mut, dass Du Dich getraut hast zurückzuschreiben. Und ja, Mathilde, es ist wirklich so dass die Eltern heute nicht mehr schlagen dürfen, weder für Ungeschicklichkeiten, noch für Fehler in Deinen Hausaufgaben. Seit dem Jahr 2000 gibt es ein Gesetz, das im BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) § 1631 sagt, das Kinder das ausdrückliche “Recht auf eine gewaltfreie Erziehung” haben.
          So gebe ich Dir einmal den Rat, dass wenn Dein Vater oder Deine Mutter Dich schägt, Du danach zum Arzt gehst, ihm die schmerzenden Stellen zeigst und sagst das Du gerade geschlagen worden bist. Der Arzt muss dann das Jugendamt informieren und die kümmern sich dann um Dich.
          Hast Du noch Geschwister die auch geschlagen werden? Und wer schlägt Dich? Vater, Mutter, oder Beide?
          Wenn Du magst kannst Du mir zurückschreiben.
          Liebe Grüße
          Elke

          • Sehr geehrte Frau Bellmann Es tut mir leid dass ich Sie wieder belästige, aber Sie sind die einzige Person mit der ich mich austauschen kann. Weil ich vor drei Tagen leider eine dumme Ungeschicklichkeit begangen habe, haben mich meine Eltern wieder hart geschlagen. Seit dem Vorfall habe ich Hausarrest. Aber auch sonst hätte ich noch nicht Kraft und Mut gehabt jemanden aufzusuchen. Aber dank Ihnen weiss ich jetzt dass dies möglich ist und hoffe es bald einmal zu schaffen. Darum nochmals vielen Dank.
            Freundliche Grüsse
            Mathilde

          • Liebe Mathilde,
            bitte versuch Dir Hilfe zu holen, möglicherweise von der Mutter Deiner Freundin, oder mit wem auch immer Du in Kontakt kommst, aber hole Dir Hilfe.
            Meine Möglichkeiten sind so anonym sehr begrenzt.
            Aber Du bist schon 14 Jahre alt, es wird also nicht mehr allzu lange dauern bis Du volljährig bist. Am SELBER Hilfe holen, wirst Du sehr schnell merken, das es Dich Erwachsener und sicherer macht. Hab nur Mut. Das wünsche ich Dir.
            Liebe Grüße
            Elke

  85. alles geschafft
    alles ging klar
    hast geglaubt
    getan
    gefühlt
    gedacht
    was man von dir verlangt
    worfür man dich gestreichelt hat
    doch irgendwo war da noch was
    was du gesucht
    doch nicht gefunden hast
    was dich verwirrt
    was dich bedroht
    was kocht in dir
    dich stürzt in not
    irgendwas kommt da zu kurz
    deshalb droht systemabsturz
    weil die proramme, die dich lenken
    bald dein wahres ich versenken
    drum deine seele immer wieder
    dich so quält mit ihrem fieber
    bis du dir selbst vertraust
    dich selbst befreist von deiner last
    mit deinem mut und deiner kraft
    dein leidproramm erkannt
    und aus dir rausgeworfen hast.

    unbekannt

  86. Sehr geehrte Frau Müller-Münch,

    als selbst Betroffener der “Erziehung” in den 60er Jahren möchte ich Ihnen sehr herzlich für dieses Buch danken, weil die in Ihrem Buch beschriebenen Schicksale auch Teile meines trifft. Oft fehlen mir immer noch die Worte, obwohl ich schon mehrere ambulante und eine stationäre Therapie hinter mich gebracht habe. So bin ich selbst einen großen Schritt voran gekommen (bes. durch “Ilka” und “Christiane F.”) Dazu schreiben Sie es auf eine Art, die vergessen läßt, dass es sich hier um sehr “schwere Kost” handelt, die von vielen Menschen immer noch aus bekannten Gründen tabuisiert oder zumindest bagatellisiert wird). “Olle Kamellen” sind da noch eine Form der harmloseren Verunglimpfung. Ich habe das Buch förmlich verschlungen!

  87. Endlich weiss ich, das ich keinen boesartigen Charakter habe, weil ich mir staendig Geschichten ueber boese Eltern ausdenke. Endlich weiss ich, diese Geschichten sind die Wahrheit. Endlich kann ich sie nicht mehr als Produkt einer boseartigen Phantasie sehen und aufhoeren zu glauben, ich sei psyschich krank, sondern die Geschenisse als Teil meines Lebens integrieren. Eine phantastische Befreiung.

    • Geschichten über böse Eltern…. Kreativität mit der schon viele Schriftsteller berühmt wurden. Die Welt ist voller Geschichten über Grausamkeiten und fast alle Schriftsteller hatten Verständnis für das Verhalten ihrer Eltern. Fast niemand hat sich getraut, ihnen die Stirn zu bieten. “Thom’s Bericht” ist ein Beispiel, das Mut macht.
      Man muss es immer wieder versuchen, anders zu reagieren auf die alten Muster. Mit jedem Mal, wo es mir gelingt, für mich zu entscheiden, anders zu reagieren als man es von mir erwartet, so zu reagieren, wie es mein Bauch mir vorsagt, dann fühle ich mich gut. Mutig gehen mit kleinen Schritten, ja – es geht nur um Mut!

      • Was nur mein Leben lang nie in meinen Kopf ging ist, das der Mensch genbau weiss, das er mit Schlaege und Misshandlung aus einem Hund ein bissiges, verstoertes und misstrauisches Tier macht. Wie kommt der Mensch auf die Idee, das fuer sich selbst ins Gegenteil zu verkehren, naemlich das Boese aus dem Kind mit Gewalt zu entfernen.

        • Ich meinte das ” angeblich” Boese.
          Denn ein Kind kommt genausowenig boese auf die Welt, wie ein Tier.

  88. ENDLICH packt jemand dieses Thema an. Tausend Dank dafuer. Auch ich gehoere zur gepruegelten Generation und habe meine letzten und heftigstenund wohl traumatisierenden Pruegel mit 15 Jahren erhalten, dafuer das ich mich anfing fuer Jungs ( es war der Abend meiner ersten sexuellen Erfahrung )zu interessieren und zu spaet nach Hause kam. Mein Vater schlug mich fast tot dafuer. Die Folgen fuer mich: ich kann mir keine sexuelle Befriedigung mit einem Mann zugestehen, da es sich nicht gehoert. Ich leide doch heute sehr unter dieser Einschraenkung meines Sexuallebens, habe zwei gscheiterte Ehen hinter mir, meine Tochter hat mit mir gebrochen und ich ziehe ruhelos durch die Welt auf der Suche nach einem Zuhause. Ich lebe alleine, will keine Beziehung mehr und versuche mein Glueck durch Reisen zu finden. Ich hatte schwere Depressionen und Selbtmordverusche hinter mit, mehrere Therapien. Mein Selbstwertgefuehl ist wackelig und haengt immer noch vom Wohlwohlen anderer ab. Ich bin 51 Jahre und kaempfe noch jeden Tag um mein seelisches Ueberleben.

    • Ich möchte nochmals auf unsere neu gegründete Kriegsenkel-Selbsthilfegruppe hinweisen. Wir treffen uns am 13. Mai in München im SHZ. Es sind noch Plätze frei! Anmeldung und Info über unsere Homepage!

  89. Frau Alice Miller zeigte mir bereits vor vielen Jahren Wege auf um den seelischen Schmerz (Traurigkeit, Wut…) endlich als berechtigt wahrzunehmen, ihn als Reaktion auf Misshandlungen in der Kindheit einzuzordnen und nicht verrückt oder krank zu sein.
    Wege aufzeigen ist das Einze, wie wir schließlich damit fertig werden, das Gehen also, damit ist jeder Mensch alleine. Ja, der Mensch geht ganz allein seinen LebensWeg, so hab’ ich es für mich akzeptiert. Würde ich auf Trampelpfaden laufen, weil jemand dazu aufruft, wäre es nicht mehr mein Leben. Ich habe heute die Möglichkeit die Kinderschuhe einzutauschen gegen Schuhwerk, das mich nicht mehr er-drückt!

    • Die erdrückenden Kinderschuhe abwerfen ist ein großer Schritt. Ich glaube, der ist mir gelungen. Ich meine, dass ich verstanden habe, was das für Schuhe waren und ich wollte damit nicht weiter laufen. Das war auch richtig; ich glaube, ich wäre nicht mehr am Leben.

      Nur mit den eigenen Schuhen alleine laufen ist für mich oft sehr mühsam und das ist Weg auf dem man nur sehr selten verstanden wird, finde ich. Ich sehe ja oft die vielen falschen Kinderschuhe bei anderen Menschen und sie scheinen sich ganz wohl damit zu fühlen. Die Ignoranz, die Gleichgültigkeit gegenüber dem frühen Leid und die Verleugnung der Folgen machen mich manchmal verbittert.

      Wenn Menschen die Welt besser machen möchten, dann müssen sie bei ihren Kindern anfangen und ihnen mit Respekt begegnen, ihnen Geborgenheit geben, so dass sie Vertrauen in sich und ihr Leben entwickeln. Dann wird Destruktivität überwunden und nicht mehr von Generation zu Generation weiter gegeben.

      Es läst sich für den Einzelnen nicht wirklich wieder gut machen. Hoffentlich interessieren sich Medien, Journalisten und vor allem auch Ärzte und Wissenschaftler auch für die Bedeutung für die Zukunft der Menschheit, wenn Menschen “aus der Art geschlagen” werden.

  90. Als ich das Buch schrieb hoffte ich, es würde viele Menschen berühren, das allgemeine Schweigen über diesen Teil unserer Vergangenheit durchbrechen. Das scheint gelungen, so wie es unter anderem diese Kommentarseite zeigt. In den vergangenen Wochen habe ich an unzähligen privaten und öffentlichen Diskussionen zu dem Thema teilgenommen. Dabei hatte ich stets das Gefühl, es tut allen gut, endlich einmal darüber zu reden, was damals geschah. Angeregt von dieser großen Resonanz auf „Die geprügelte Generation“ soll es nun auch einen Fernsehfilm zu dem Thema geben. Hierzu suche ich ehemals geprügelte Kinder jener 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die sich vorstellen können, über das damals in ihren Familien Erlebte auch vor der Kamera zu erzählen. Wer immer bereit ist, aus seiner Anonymität herauszutreten und seine Kindheit zu schildern, wende sich doch bitte direkt an mich unter der e-mail-Adresse: info@mueller-muench-web.de. Ich danke jetzt schon für das entgegengebrachte Vertrauen, das sich bislang durch jede Mail ausdrückt, durch jeden Brief, den der Verlag Klett-Cotta – aber auch ich – seit Erscheinen des Buches bekommen haben. Herzlich Ingrid Müller-Münch

  91. Ein wichtiges Buch, keine Frage und ohne Aufklärung gäbe es keine Weiterentwicklung. Leid ist so alt wie die Menschheit und daher müssste der Titel des Buches heißen: DIE GEPRÜGELTE MENSCHHEIT oder die GEPRÜGELTEN GENERATIONEN.
    Der Unterschied zwischen unserer und den vorherigen Generationen liegt in der Aufgeklärtheit, im Weiterdenken und im FÜHLEN DÜRFEN, ja endlich dürfen wir fühlen und es laut sagen. Wir haben mit dieser neuen Offenheit ein unschätzbares Geschenk bekommen. Eigentlich brauchen alle Geschlagenen und Gedemütigten nun die Erlaubnis von sich selbst und den MUT zum WEINEN + LACHEN…. TANZEN!!

  92. Hallo.
    Ich ging schon immer meinen Weg, trotz schläge und erniedrigung hab ich mich nie ganz aus den augen verloren. ich denke dass jeder der das leid überlebt hat auch ganz viel instinkt und intuition für sich selbst hat, diesen Fähigkeiten bin ich gefolgt als Randfigur von herdenmenschen. immerhin bin ich nicht der herde gefolgt. den triumpf hab ich für mich. lieber ein schwarzes als ein blödes schaf. heute brauche ich manchmal bloss ein paar lichtblicke und menschen, die mir ein wenig unter die arme greifen. meistens sind es die rebellen, wie ich es selbst bin. man nennt uns auch wechselbalk ( Buchtipp “Die Wolfsfrau”). Ich entferne mich dem dunstkreis der Vergangenheit und mach mich auf meinen weg, immer wieder neu.

  93. das buch ist bestellt. ich spiele mit dem gedanken, es im juni meiner mutter zum 89. zu schenken.
    es wird wohl bei einem gedankenspiel bleiben …

    auch würde ich ihr gerne diese sendung empfehlen ->
    29.04.2012 | WDR »West ART Talk« | Interview
    In der Sendung »West ART-Talk« des WDR wird am Sonntag, 29.04.2012 um 11 Uhr Ingrid Müller-Münch zu Gast sein und über die Folgen einer schweren Kindheit sprechen.
    … aber dummerweise wird sie um diese zeit, 11 uhr am sonntag vormittag, noch nicht von der kirche zurück sein.

    ich bin heute 50 jahre alt, seelisch schwerbehindert und niemand mag entscheiden, welche diagnose am ehesten zu meinen problemen passt.

    ich habe fast alle bücher von Alice Miller gelesen und geahnt, woher meine unfähigkeit kommt, mich sicher, SELBSTsicher, einigermaßen orientiert und angstfrei durch’ s leben zu bewegen.

    bei einer ahnung ist es jahrzehntelang geblieben, schließlich hat eine ordentliche tracht prügel noch keinem geschadet, so sagt man doch, oder?

    überzeugt davon, dass es doch anders ist, bin ich erst seit kurzem. seit alle therapeutischen schritte mich immer wieder in diese zeit zurück führen, in der meine mutter doch lediglich zu tun bemüht war, was das beste für mich war – und das, obwohl ihr die schläge mindestens genauso weh getan haben … hat sie jedenfalls hinterher immer gesagt.

      • ich spielte auch mit dem gedanken…. ich merke, es selbst zu lesen ist wie sich selbst schlagen…. warum nicht zurückschlagen? auch mütter sind geschlagene kinder…. die gewaltspirale… sie endet nie, wenn wir nicht unseren frieden mit uns selbst machen. frieden mit den müttern oder vätern bekommt man nicht mehr….. sie sind zu alt zu krank…. ich habs allein abgearbeitet und schau nach vorn …. lebe für mich

      • ich fürchte, die diskussion, die ich damit auslösen würde, wäre für mich schwerer auszuhalten, als für sie; für sie ist ihre welt ist in ordnung.
        ich weiß nicht, ob Frau Miller recht damit hat, dass man den eltern die rechnung präsentieren sollte.
        vlt bin ich einfach noch nicht stabil genug dafür. insgeheim hoffe ich manchmal, dass die zeit “das problem löst” – meine mutter ist, wie gesagt, schon sehr alt.

        • Liebe Frau Ledermann,

          ich habe mit Alice Miller in den zwei Jahren vor ihrem Tod ausfürhlich korrespondiert. Auch mich hat ihre Unbedingtheit manchmal erschreckt. Tatsache ist, daß man natürlich Angst hat, die alten Eltern zu verschrecken, man hat Angst, daß sie sich aufregen, nervös werden oder gar krank und unglücklich. Das möchte man ihnen doch nicht antun – und man will es ihnen doch gar nicht “Heimzahlen” oder wie Sie schreiben, “dioe Rechnung präsentieren”. Nein, darum geht es gar nicht – sie sollen nur endlich begreifen, was sie getan haben…
          Aber in vielen Fällen sind die Eltern – selbst wenn sie noch nicht so alt sind – von unglaublicher Selbstgerechtigkeit. Nein, man kann es ihnen oft nicht begreiflich machen. Sie selbst mußten ja, wie eine andere Posterin schrieb, als Kinder ebenso mit dem Schrecklichen zurechtkommen – und die meisten legten sich eine dicke Haut zu. Diese Unempfindlichkeit wird ja noch immer als Erziehungsziel gepriesen, leider.
          Aber vielleicht nutzt es, wie Alice Miller es auch empfahl, den Eltern einen Brief zu schreiben – der kann über einen langen Zeitraum immer wieder zur Seite gelegt und ergänzt werden. UND – man muß ihn nicht abschicken. Er mag dann auch in der Schreibtischschublade liegen bleiben; aber immer mit der Möglichkeit, doch seinen Adressaten zu erreichen.
          Aber Vergeben und Vergessen, um des lieben Friedens willen oder weil die Eltern ach so alt und krank sind, das ist das Falsche. Nein, man muß sich auch nicht so erniedrigen, daß man vergibt. Dieses falsche christliche Ideal zementiert die schrecklichen Verhältnisse.
          Wer hat übrigens nach dem II. Weltkrieg dauernd von “Versöhnung” gesprochen: es waren vor allem die Täter in Deutschland. Das ganze Gefasel von Vergebung und Versöhnung dient nur den Tätern. So war es auch eine Schande, daß die katholische Kirche nach den Legionen an Mißbräuchen gleich wieder von Vergebung und Versöhnung schwadronierte. Nein – es muß einmal gesagt werden, daß Grausamkeit nicht vergeben werden kann. Die Opfer müssen ihr ganzes Leben damit umgehen – die Täter sollen es gefälligst auch!

          • Der letzte Satz ihres Beitrages bewirkt nichts Neues, man nennt es “Auge um Auge”, “Zahn um Zahn”…..
            …. Gewaltspirale.
            Empörung, Wut und Zorn sind so weit erlaubt, wie sie nicht umschlagen in Gewalt gegen alles und jeden. Man verjagt sie alle und steht am Ende alleine da. Was fühlt man selbst, wenn man vor einem wütenden und zornigen Menschen steht? Waren das nicht unsere Eltern?

    • Meine Mutter hat heute Folgendes zu mir gesagt: “Kind, eines musst du noch lernen: mit der Vergangenheit abzuschließen! Das was vergangen ist, ist vorbei! Damit musst du dich abfinden!”

      Diese Aussage war wie eine schallende Ohrfeige für mich. In ihrer Tonlage schwang so viel Selbstgerechtigkeit, Gefühlskälte und Aggression mit, dass mir ein kalter Schauer über den Rücken lief.

      Ich werde ihr den Gefallen tun, die Vergangenheit abzuschließen. Jedoch muss sie mit den Folgen, die das hat, auch leben!
      Um die schlimme Kindheit zu vergessen, muss ich nämlich auch mit meinere Mutter abschließen. Schließlich ist sie eine der Hauptakteure in diesem Drama gewesen und ist es bis heute.
      Sie kann von mir keine warmherzigen Empfindungen mehr fordern (wie sie es viele Jahre lang autoritär eingefordert hat). Ich habe ihr emotional nichts mehr zu geben.
      Mit ihrer selbstgerechten Haltung hat sie das letzte Fünkchen Liebe in mir auch noch ausgelöscht.

  94. Auch ich Jg. 64 , und meine drei älteren Schwestern , wurden von unserer allein erziehenden Mutter , für jede kleinigkeit brutal verprügelt ( eher misshandelt ) . Prügel gab es fast jeden tag und immer auf den nackten Hintern , mit Kochlöffel , Teppichklopfer , Gürtel und Haselnußstock . Wir waren immer grün und blau , und keiner hat was unternommen obwohl es viele wusten ( Lehrerin Nachbarn Tanten usw. ) Habe heute noch probleme , ( Ängste , Unsicherheit , Schlafprobleme ) bin aber in behandlung bei Psychotherapeutin . Das war keine Kindheit das war die Hölle , bin mit 14 J.
    , abgehauen zu meiner ältersten Schwester .

  95. Ich tue gerade etwas, was ich eigentlich so noch nie gemacht habe – ich mache Werbung für Ihr Buch, über das ich in den Sendungen des DRW, SWR und NDR zum Thema gestolpert bin …

    Das ist sonst nicht meine Art, aber was Sie, werte Frau Müller-Münch da mit Ihrer Ent-(Auf-)Deckung auslösen, das machte mich (jenseits der 50 und Teil der beschriebenen Generation) schlicht perplex und hat mich seitdem sehr beschäftigt, Ja, es führte zu einer “Revision” meiner Selbstwahrnehmung.

    Plötzlich muss ich Verhaltensweisen und Denkabläufe, die mir nie sonderlich aufgefallen wären, in Frage stellen. Nicht, daß “In Frage Stellen” nicht Teil meines Lebens wäre, aber ich bin von der “Grundsätzlichkeit” schon überrascht und den Erkenntnissen, die ich für mich daraus ziehen kann, ebenso. Dafür erst einmal herzlichsten Dank!

    Um die Hürde anzudeuten: Ich nehme mich selbst als einen in den 70ern von der Hippie-Bewegung der 60er (Timothy Leary um auf den Punkt zu kommen) sozialisierten, spirituell ohne Meister oder Kult, christlich indoktriniert aber von den selben Patres auch unfreiwillig zum Buddhismus hingeführt, der in den 80ern beginnt Computer zu programmieren und sein “Heil” in Montaigne findet – kombiniert mit einer Obsession für öffentlich rechtliches Wortradio, Features, Hörspiele.

    Das sollte reichen, um zu verdeutlichen, wie hoch die Hürde war: Ich bin es gewohnt, komplexe Zusammenhänge rational zu denken und die “Spielregeln” in Sourcecode zu verwandeln, aber eben auch noch in der Lage, spirituell zu fühlen, mich zu fragen “wie geht es dir” und der Antwort nicht auszuweichen.

    Plötzlich entdecke ich, daß trotz all der gemachten Erfahrungen, dem Nachdenken, der Fähigkeit denen, die Gewalt ausgeübt haben, zu verzeihen … da nach all dem immer noch dieser Kerl in mir hockt, der mir sagt, was ich “dürfen” darf und was nicht und daß “wir” – ich sehe das ja auch bei anderen Gleichaltrigen – uns nicht wirklich “trauen”, soweit wir uns auch von den Spielregeln unserer Eltern oder “der Gesellschaft” entfernt und sie überwunden zu haben glauben.

    Ich habe im “handelsblatt” in einigen meiner Forenbeiträge Ihre Ent-/Aufdeckung exemplarisch mit meinen Beobachtungen über die Entwicklung der Grünen und der Piraten in Zusammenhang gebracht: Die “Grünen” sind Angehörige Ihrer “geschlagenen” Generation, sie wussten, es musste was passieren und sie haben vieles in Gang gebracht, aber da war immer diese Bremse zu spüren, dieser Teufel mit seinem “Jetzt aber mal halblang, sonst setzt es was”.

    Die Piraten sind die (nicht geschlagenen) Kinder dieser Generation, sie sind _unbekümmert_ (ein schönes Wort), ihnen sitzt dieser Teufel nicht mehr im Nacken.

    Ihr Buch, das wollte ich Ihnen mit meinem langen Sermon sagen, ist nicht nur die Beobachtung des Leides von Kindern, die geschlagen werden, es ist – richtig bedacht – ein Schlüssel, der uns jetzt vielleicht dazu verhilft, das (politische, gesellschaftliche, soziale) Verhalten der _Erwachsenen_, die aus diesen Kindern wurden, aufzuschliessen und endlich, endlich, endlich zu verstehen, wie _verkrüppelt_ unser Land lange war.

    Wenn dieses tabu nun endlich brechen sollte, kann ich gar nicht genug Werbung für Sie machen ;-)

    Ach ja: Ich bin Vater von drei nicht geschlagenen, mittlerweile erwachsenen Töchtern und finde auch, daß – sollten wir als Generation alles “falsch gemacht” haben (wie man immer behauptet, woran ich allerdings nicht glaube) – der wirkliche Verdienst unserer Generation tatsächlich der ist, die Kette der Gewalt unterbrochen zu haben. Der Dank an der Stelle sollte einer “Vorgängerin” in Ihrem Geiste gelten, Barbara Sichtermann, deren “Leben mit Neugeborenen” zum rechten Zeitpunkt da war.

    So fügt sich halt eines zum anderen …

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen wirklich großen Erfolg. Sie haben das verdient.

      • ja, ich habe gesehen, daß es das buch gibt, aber – wenn ich ehrlich bin – mir reichte eigentlich der anstoß, den mir mehrere interviews mit frau münch-müller gaben. gekauft hat das buch dann meine älteste (26), der ich es ans herz legte, damit sie ihre mutter, die mit dem teppichklopfer geprügelt wurde, besser verstehen lernt.

        mir persönlich geht es nicht darum, mich umzudrehen und festzustellen, welchen ungerechtigkeiten ich vor nun fast 50 jahren ausgesetzt war – weil das nun mal verschüttete milch ist, die ich in keine flasche der welt mehr stopfen kann. mir ist das alles eher anstoß, darüber nachzudenken, wo mich diese prägungen behindert haben, ich also nicht die person geworden bin, die ich hätte werden können, wenn es sie nicht gegeben hätte. aber wie gesagt, wir können es ja nicht mehr ändern.

        was wir können: wir können uns in zukunft fragen, ob wir uns etwas “verkneifen” und es damit rechtfertigen, daß wir ja tapfere indianer sind, statt es zu tun oder laut zu sagen. ich jedenfalls bin in meinen öffentlichen äußerungen plötzlich sehr viel _ungehemmter_ und unangepasster geworden, weil ich mir keinen kopp mehr mache, ob ich es “darf”. klar darf ich, alles andere wäre ein später sieg einer jähzornigen person, die diesen sieg nun wirklich nicht verdient.

        was mich interessieren würde: meine persönliche erfahrung besteht ja nicht nur darin, daß es da einen “schläger” gab. der mann war ja mit einer person verheiratet, die das komplette gegenteil war, eben sanft und herzensgut – was ja irrerweise die gewalt auf der anderen seite um einiges “potentierte”, weil man ja immer wusste, daß es auch anders ging und den prügeln um so verständnisloser gegenüberstand.

        ist _das_ vielleicht der auslöser für meine fähigkeit zu empathie? wird man unfähig zur empathie, wenn beide elternteile schlagen, oder bringen wir sie einfach mit und sie ist auch nicht zu zerstören, wenn das so ist?

        weil, darüber sollten wir uns klar sein: es gibt eben einen großen anteil von menschen, der unfähig zur empathie ist und genau daraus resultieren viele der probleme, die wir so gesellschaftlich haben, daß eben ein nicht geringer teil der menschen gar nicht _verstehen_ kann, was das überhaupt sein soll.

        trotzdem, danke für den buchtipp.

  96. Ich bin Jahrgang 1967 und habe seit meinem 2. Lebensjahr Prügel von meiner Mutter bezogen. Meistens mit dem Kochlöffel, der beachtliche Spuren hinterlassen hat. Wenn allerdings Wut und Jähzorn überhand genommen haben, hat sie alles mögliche zur Hand genommen. Die Gewitterwolken brauten sich meist über die gesamte Woche zusammen und entluden sich immer freitags.
    Irgendwann mußte ich auch meine Brüder vor ihrer Wut schützen und wir versuchten uns, in der kleinsten Ritze zu verstecken.
    Schlimm war die Ankündigung, daß ich abends noch die Konsequenzen meiner Dummheit vor meinem Vater darzulegen hatte – vorab hatte es schon Telefonate mit ihm gegeben, in der sie von meiner Frechheit, Trägheit, Faulheit o.ä. berichtete. Ich fühlte mich schon dann völlig mit dem Rücken an der Wand stehend und bibberte dem Klingeln meines Vaters entgegen, weil ich wußte, daß alles neu aufgerollt und dramatisiert wurde. Ihr eigenes Verhalten bagatellisierte sie natürlich.
    Noch schlimmer waren die danach folgenden Tage oder Wochen, in denen sie mich abstrafte – kein Essen, keine Unterhaltung – einfach nur völlige Ignoranz.
    Ich habe Jahre dafür gebraucht, damit klar zu kommen. Erst im letzten Jahr ist es mir gelungen, die erfolgten Misshandlungen auch als solche anzunehmen. Seitdem fühle ich mich nicht mehr als Opfer.
    Dazu beigetragen hat auch, daß ich den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen habe. Ich konnte ihr ignorantes Verhalten und das ständige Pochen auf unsere so gute Beziehung einfach nicht mehr ertragen.
    …aber ich habe noch einiges ‘aufzuräumen’.

  97. Auch ich bin ein Kind gewesen die geprügelt würde,Tochter von acht Kindern,da bekam jeder so sein Fett ab.Die Spüren sind heute noch vorhanden,es sieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben .Heute bin ich selbst Mutter von ein Sohn (23) und mein Sohn würde nicht geschlagen darauf bin ich stotz!

  98. Ich möchte eigentlich noch ein paar Fragen aufwerfen:
    Ist diese Generation abgrenzbar? Ich glaube, dass es auch einen Unterschied gibt in Ost und West!? MIch würde interessieren, ob Frauen und Männer aus dem Osten länger oder kürzer misshandelt wurden? Gibt es vielleicht auch einen geschlechtsspezifischen Unterschied? – vielleicht in der Frage, dass die Mädchen zusätzlich auch sexuelle Gewalt erfahren haben?
    Von mir kann ich sagen, dass ich die sexuelle Gewalt nicht von meinen Eltern erfahren habe, aber durch die Prügel, hatte der Täter aus dem Umfeld “leichtes Spiel”, denn es gab ka keinen Schutz für mich.

  99. Ich bin als Kind mit einer 7 riemigen Peitsche, Gürtel und Schürhaken misshandelt worden, außerdem wurde ich von meinem Erzeuger (Vater kann und will ich diesen Mensch nicht nennen) sexuell Missbraucht.
    Die Nachwirkungen klingen jetzt erst nach einer noch immer andauernden Therapie langsam ab.Das sind mitlerweile 12 Jahre.
    Jetzt wo ich 60 Jahre werde, fühle ich Freude am Leben.

  100. Ich habe das Buch leider noch nicht gelesen (werde es aber gleich tun, denn ich binerst gerade durch frau-tv darauf gestoßen), aber bin schon sehr lange auf der Suche nach Literatur zu diesem Thema. Als Überlebende der Misshandlungen meiner Mutter und z.T. meines Vaters, war ich baff erstaunt, dass die Umfrage mehr prügelnde Mütter ergab. Gibt es dafür eine Erklärung?
    Kennt eine/einer noch ein Buch zu einer gewaltvollen Mutterbeziehung? Dazu wurde ich noch nicht fündig, denn die Literatur ist nur voll von liebenden und sorgenden Müttern.

  101. Hallo!
    Auch ich habe diese Erfahrung machen ‘dürfen’ – dabei bin ich aus der Generation der frühen 70er (Jahrgang 74). Immer, wenn ich nicht pariert habe, wie meine Eltern es sich gewünscht haben, bezog ich von meinem Vater Dresche – sei es mit dem Kehrbesen, dem Hausschuh oder auch einem Stock. Auch bin ich (da war ich noch im Kindergarten) öfters – wenn ich wieder einmal ‘böse’ gewesen war – in einen Kellerraum eingesperrt worden (O-Ton mein Vater damals: ‘Du kommst zu den Ratten und Mäusen!’) und niemanden hat interessiert, wenn ich geschrien und geweint habe. Meine beiden Brüder haben NIEMALS diese ‘liebevollen Behandlungsmethoden’ zu spüren bekommen – dabei war ich (wie meine Eltern bis heute nicht müde werden mir zu erzählen) doch (angeblich!!) das absolute Wunschkind. Meine Mutter hat weggeschaut und weggehört – wahrscheinlich hatte sie Angst, dass SIE es sonst abbekäme … Bis heute wollen beide (Mutter und Vater) nicht wahrhaben, wie sie damals mit mir umgegangen sind. Sie behaupten, ich hätte mir dies nur alles eingebildet und es entspreche nicht annähernd den Tatsachen. Ich habe damals (im Alter von neun Jahren) auch versucht, beim Jugendamt Hilfe zu bekommen – jedoch Fehlanzeige. Ich könne nicht ohne Einwilligung meiner Eltern in einem Heim aufgenommen werden, so damals die Begründung. Mein älterer Bruder hat sich die Verhaltensweise meines Vaters – mich anbetreffend – abgeschaut und mir ebenfalls die ihm vorgelebte Behandlungsweise ‘angedeihen lassen’. Im Kindergarten und in der Schule ging es dann weiter – immer war ich für andere ein ‘willkommenes Opfer’. Was Wunder, wenn man immer nur vermittelt bekommt, dass man (für die eigene Familie) bestenfalls als Blitzableiter taugt und einem immer wieder eingetrichtert wird: ‘Du bist geisteskrank, du taugst nichts, du kannst nichts, aus dir wird nie etwas, ohne uns gehst du unter!’ (um nur einige Beispiele zu nennen)? Bis heute schaffe ich es nicht, von meinen mich überaus liebenden Eltern loszukommen, richte meine (aus meiner Kindheit resultierenden Frustrationen und Aggressionen) gegen mich selbst indem ich mich ritze o.ä. Ich traue mich nicht, mit jemandem über die Geschehnisse von damals zu sprechen – schließlich sind wir ja eine ‘heile Familie’ (zumindest nach außen hin) und meine Eltern streiten ohnehin jegliche Andeutungen über die damaligen Ereignisse als bloße Spinnereien meinerseits ab. Ich werde wohl den Rest meines Lebens mit den mir damals zugefügten psychischen Wunden zu kämpfen haben und weiß nicht, wie lange ich die Kraft dazu noch aufbringen kann …

  102. “Las palabras con que se envenena el corazón de un niño se quedan enquistadas en la memoria y tarde o temprano le queman en alma” .
    So schreibt es Carlos Ruiz Zafón in “Der Schatten de Windes”.

    • Sehr geehrter Herr Lütkehaus,

      bitte übersetzen. Nicht alle Leser dieser Seite sind des Spanischen mächtig!

      Gruß
      Markus

      • Natürlich!
        ” Worte, die das Herz eines Kindes vergiften, bleiben dort für immer im Gedächnis, und früher oder später verbrennen sie die Seele”
        Man kann aus diesem Buch auch die Geschichte von 4 Kindern herauslesen, die nicht zu “Überlebenden” dieser Prügelerziehung” gehören”.

        Es ist auch meine Geschichte.

    • Wir Geprügelten brauchen Hoffnung für unsere Seele als Gegengift! Ich glaube nicht, dass sie verbrennen wurd, wenn wir FÜHLEN lernen, was wir brauchen.
      Hoffnung gibt mir die Gewissheit, dass ich es bald geschafft habe, dass es nicht mehr lange dauert, bis ich zu mir stehe und endlich befreit bin von den alten Fesseln und falschen Glaubenssätzen. Sich der eigenen Freude verpflichtet fühlen und nicht der meiner Peiniger, das ist mein Gegengift.
      Es gibt Traumatherapien, die helfen zu heilen und das “Gift” ausleiten.

  103. Hinweis für Interessierte: Ab sofort gibt es in München eine neu gegründete Kriegsenkel-Gruppe. Alle, die an unseren Treffen teilnehmen wollen, sind herzlich eingeladen, sich anzumelden:
    http://kriegsenkel-gruppe-muenchen.npage.de
    Das erste Treffen findet voraussichtlich im Zeitraum April – Juni 2012 statt.
    LG
    Andrea 2

  104. Es ist nicht einfach mit der Wahrheit über die Eltern und die eigene Kindheit zu leben. Nur ohne diese Wahrheit ist alles noch schlimmer weil ich mich selber nicht verstehen kann. Ich habe mein ganzes Leben, über 50 Jahre, mit Ängsten und Einsamkeitsgefühlen verbracht. Das hat mir viel Kraft genommen und ich sehe heute, dass ich mit einer Behinderung gelebt habe. Vieles konnte mir nicht gelingen und das hat schon sehr an mir genagt. Inzwischen denke ich, dass meine größte Leistung darin besteht, meine Kindheit überlebt zu haben und dabei nicht anderen Menschen das Gleiche angetan zu haben.

    Alles Gute!

    Christian

  105. Hallo,
    auch ich fühle mich heute als ausgewählten Sündenbock meiner Eltern, habe mich still gefügt aus Angst vor Liebesentzug und das ganze andere gewaltige Programm. Infolge dessen war hatte ich die beiden ständigen Begleiter Schuld und Verantwortung – für den scheinheiligen Frieden der Familie tragen zu müssen. Auch für Tröstungen, Lösungen und Schwierigkeiten die meine Eltern nicht selber lösen konnten oder wollten haben sie mich herangezogen und wenn mal nicht wollte, das ganze machtvolle Programm an mir verübt.
    Ich muss wohl eine sehr große seelische Widerstandsfähigkeit besitzen, die mich beschützt hat.
    Das Drama dauerte sehr lange und der Weg davon weg ebenso, man ist abhängig sehr abhängig von der “Liebe” seiner Eltern, die man unter solchen Vorzeichen niemals wirklich bekommt, man traut ihnen einfach nicht mehr es ist etwas kaputt in einem, die Seele hat einen Schaden, den ich nur selbst reparieren konnte, musste meine Kräfte erst mal für mich selbst auf-sammeln und da bekam die Forderung “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst” einen neuen Sinn für mich. Ich erkannte das Wort selbst! Erst ab 55 erlaubte ich mir wirklich mir selbst gegenüber freundlicher zu sein, mich nicht selbst schlecht zu machen und meine Fehler als Chance zu nutzen, anstatt mich nach alten Mustern runter zu ziehen und zu strafen.
    Begegnungen mit der alte Familie, die dazugehörigen Feste… für mich unerträglich, weil der Schatten ständig mitschwingt und sich mein ganzer Körper verkrampft bei dem Versuch gute Miene zum bösen Trauer-Spiel zu machen!
    Jedesmal wenn ich dem Machtwort meiner Eltern emotional nicht gewachsen war, habe ich mich selbst betrogen… nachgegeben, des lieben Friedens willen.
    Jetzt geht es mir um meine seelische Gesundung und ich bin froh über dieses Buch, das ich allerdings nicht lesen werde, da mir das Inhaltsverzeichnis sehr bekannt vorkommt und ich werde es mir nicht mehr ANTUN. Es würde mich von neuem traumatisieren.
    Ich denke für jeden Betroffenen ist allein die Existenz des Buches Zeugnis und Halt. Ich hoffe aber auch, dass keiner damit alleine bleibt in seiner Wut und ihm/ihr ein verständnisvoller Begleiter zur Seite steht. Man schlägt leicht um sich wenn das alles hoch kommt und man trifft dabei oft die Falschen. Man stelle sich das wie einen Dampfkochtopf vor – das Ventil darf nicht zu schnell aufgehen, sonst wirkt es zerstörerisch.
    Die Konfrontation der Eltern mit ihren Taten war für mich immer nur ein Schuss nach hinten. Hilfe habe ich mir selbst gesucht.
    Heute bin ich sehr aufmerksam für Manipulationen.

    Gruß, Barbara

  106. Wer die Gewaltspirale durchbrechen will, muss sich zu allererst bewußt werden, dass aus geschlagenen Kindern schlagende Kinder werden.
    Woher kommt die Aggression, woher kommt die Depression? Alle Geschlagenen brauchen dringend Verständnis. Sie suchen dieses Verständnis in maßlosem Aktionismus oder geben früh auf. Der übergroße Aktionismus soll die lieblosen Eltern besänftigen und die Anerkennung herbeiführen, die wir uns bei diesen Eltern nur duch Leistung glaub(t)en verdienen zu können. WEM muss ich WAS beweisen?
    Es ist das Hamsterrad in dem wir uns befinden, ein Hamsterrad voll sinnlosem Bemühens – um NICHTS! (falsche Liebe)
    Suchen wir die Liebe in uns selbst und geben sie da weiter wo sie wirklich und echt ankommt. Lernen wir uns selbst zu lieben, durchbrechen wir die Gewaltspirale.

    • “Aus geschlagenen Kindern werden schlagende Kinder (bzw. Eltern)” – aus heutiger Sicht nur bedingt richtig. Wenn man Fälle gewaltbereiter Jugendlicher untersucht, dann ergibt sich meist ein anderes Bild. Da ist der Jugendliche mit schlechtem Schulabschluss, der keine Lehrstelle bzw. Arbeit findet und der aus dieser Frustration heraus gewalttätig wird, auch ohne Einfluss “gewalttätiger” Eltern. Da ist die Gewalt, die durch die Medien verbreitet wird und nicht zuletzt durch Gewalt verherrlichende Videospiele Kinder und Jugendliche zur Nachahmung anstachelt… Gewalt hat viele Gesichter, eine verengte Sicht kann den Blick auf die Wirklichkeit versperren.

      • Ja, in gewisser Weise haben Sie Recht.
        Allerdings muss man weiter zurückschaun und jeden einzelnen Menschen sehen und seine Geschichte. Ich glaube, wenn man sich der Liebe seiner Eltern sicher sein könnte von Anfang an, dann haut einen so schnell nichts um im Leben. Niederlagen gehören zum Leben, nichts läuft immer nur glatt und nichts ist immer nur leicht. Das Leichte ist sogar ohne das Schwere nicht möglich. Im Schweren liegen ja die Herausforderungen und der Satz: Jetzt erst recht, hat doch was…. man muss selbst die Chance geben, dass es “trotzdem” geht und man sich nicht von den Widrigkeiten des Lebens unterkriegen lassen. Die starke Unsicherheit, die aus einer lieblosen Kindheit in einem geschlagenen Menschen weiterwirkt, verursacht Aggression, Resignation, Traurigkeit. Der Glaube an sich selbst, ist der Glaube an die große Kraft in uns, die wir immer wieder neu erkennen müssen. Dann haben unsere Widersacher keine Chance.
        “Man stirbt an der Angst und man lebt von der Zuversicht” Henry David Thoreau
        Wer ein in sich sicherer Mensch sein kann, braucht keine Gewaltspielzeuge, er braucht hin und wieder einen echtenFreund zum Reden.
        Viel Glück!
        Viel Glück!

  107. Ich bin 1977 geboren und wurde mit Händen, Hausschuhen und Kochlöffel geschlagen, bis der Kochlöffel an mir zerbrach. Hauptgrund: Ungehorsam oder Streit mit meinem Bruder. Nun wohne ich nicht mehr im gleichen Ort und frage mich manchmal, wie ich geworden wäre, wenn ich eine verständnisvolle Familie gehabt hätte, die nicht dauernd uns Geschwister gegeneinander ausgespielt hätten und uns dann als Konsequenz für die entstandene Rivalität körperlich bestraften.

    Sind die Altersleiden (körperlicher Art), die meine Eltern heute plagen, die Strafe des Schicksals dafür, was sie mir antaten?
    Vielleicht…

    Der einzige Mensch in meiner Familie, an dem mir etwas lag, ist diejenige, die mich nicht geschlagen hat und die sich einmal schützend über mich geworfen hat, als ich geschlagen wurde, und dabei selbst Prügel bezog.

    Die 68er kamen in meiner Familie nicht vor. Stattdessen wurde mir erzählt, ich habe dankbar zu sein, dass ich nicht auf einem Holzscheit knien müsse oder mit dem Ledergürtel ausgepeitscht zu werden wie mein Vater, als er minderjährig war.

    Ich gehe davon aus, dass ich keine Kinder haben werde. Ist vermutlich besser so, denn mit dieser Vorgeschichte und meinem Temperament ist zu befürchten, dass ich auch schlagen würde…

    • Hallo,
      das was dir geschehen ist, ist auch mir geschehen und ich habe bevor ich Kinder bekam bereits gewußt, dass ich zuerst aufräumen muss in mir und mit meiner Geschichte. Ich spürte die Traurigkeit in mir und gerade mein Wissen um die Fehler meiner Eltern hat mich fühlen lassen, dass ich es besser machen muss. Hätte ich mir den Wunsch nach eigenen Kindern verwehrt, ich hätte mich selbst damit bestraft und niemals erfahren dürfen, dass ich lieben kann, dass ich wunderbare Kinder habe, die mich mit ihrer Kritik herausfordern weiter an mir zu arbeiten, die mir den Spiegel vorhalten, wenn ich falsch liege…. Mein Leben hätte keinen Sinn gehabt ohne die Erfahrung selbst Mutter sein zu dürfen. Ein Leben ohne Kinder wäre für mich ein Leben ohne Zukunft und ohne wirkliche Selbsterfahrung. Niemand ist vollkommen und das ist auch gut so. Schlimm ist nicht Fehler zu machen, schlimm ist, sie nicht zu korrigieren.

      Alles Gute!

  108. Die Gewalt ist auch heute noch gar nicht so weit weg. Auch 70iger-Jahre-Kinder wurden noch geprügelt und natürlich werden es auch heute noch viele Kinder. Oft nimmt Gewalt auch andere Formen an, zum Beispiel in übertriebener Therapie. Die “Vojta-Therapie” bei Babys wird zum Beispiel von vielen als “Misshandlung auf Rezept” angesehen. Ich versuche schon lange, auf diese furchtbare Form der Krankengymnastik bei Babys aufmerksam zu machen, die immer noch von den Kinderärzten verschrieben und in zahlreichen Praxen durchgeführt wird. Hier mehr: http://www.medizin-im-text.de/blog/tag/vojta/

    Dunja Voos

    • Hab mir gerade das Video zu dieser Therapie angesehen und frage mich, ob die Übungen überhaupt sinnvoll durchgeführt werden können, wenn das Kind sich so “wehrt”.
      Außerdem finde ich die Lage auf dem Gesicht problematisch. Wie soll es denn da atmen?
      Diese Körperhaltung kenne ich als Disziplinierungsmaßnahme bei Häftlingen in Guantanamo …
      Hinzu kommt, dass das Kind den Sinn der Behandlung noch nicht versteht.

    • Sehr geehrte Frau Dr. Voos,

      Sie schreiben: “Auch 70iger-Jahre-Kinder wurden noch geprügelt und natürlich werden es auch heute noch viele Kinder.”

      Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich sehr an dem Adverb *natürlich* störe.

      Synonyme für das von Ihnen im Kontext von Prügel – die eine Kindesmisshandlung (!) an wehrlosen (!) Kindern und Jugendlichen darstellen – verwendete Adverb *natürlich* sind folgende lt. nachstehendem DUDEN-Link: http://www.duden.de/rechtschreibung/natuerlich_zweifellos_allerdings

      Besser – und vor allem empathischer (!), schon allein aus Respekt vor den körperlichen und damit einhergehenden starken seelischen Schmerzen/Erkrankungen, die wir einst misshandelte Kinder und Jugendliche durch unsere unsensiblen Eltern erfahren mussten und an denen wir teilweise noch heute als Erwachsene leiden – hätte ich es besser und respektvoller gefunden, wenn Sie z. B. das Adverb *leider* verwendet hätten.

      Bei allem Respekt, Frau Dr. Voos, aber gerade von einer Ärztin – weil Ärzte sich für von Leid betroffene Menschen einsetzen – hätte ich mir gewünscht, dass sie ihre Worte mit mehr Sorgfalt und Empathie wählt. Und dies erst recht im Kontext von Kindesmisshandlung.

      Zum Schluss möchte ich anmerken, dass Misshandlung im Elternhaus ebenso schlimm ist wie die “Vojta-Therapie” bei Babys.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ines

      • unbewußte wortwahl, langer kommentaaaaaar
        wir sind nicht perfekt und wir wollen es auch nicht sein. gerade der perfektionismus macht(e) uns alle schrecklich krank. Vergeben darf man nicht die grausamkeiten unserer eltern, aber kleingeistiges suchen nach fehlern nervt mich genau so, wie die tracht prügel für nix und wieder nix…..
        natürlich ist es unnatürlich kinder zu schlagen – heute, morgen zu allen zeiten….
        schönen abend

        • Liebe miss unperfekt,
          ich habe nichts anderes als *meine* Meinung kundgetan, d.h. *ich* störe mich in dem besagten Kontext daran. Dies darf jeder anders sehen. Es mag ja sein, dass die Wortwahl unbewusst war.

          Nennen Sie es ruhig kleingeistig. Vielleicht ist es auch eine “Berufskrankheit” von mir, denn ich arbeite in einem Beruf, in dem es auf im jeweiligen Kontext geeignete Wörter ankommt, die nicht falsch interpretiert werden können.

          Und nein, streiten möchte ich mich nicht. Lassen wir es gut sein.
          Schönen Tag noch :-)

      • Korrektur bzw. Ergänzung zu meinem Kommentar von gestern, 23. März 2012, 18:31 Uhr:

        Auch ich selbst sollte mich besser in Sorgfalt üben.

        Meinen 4. Absatz des o.g. Kommentars möchte ich korrigieren/ergänzen:
        1. Korrekt sollte der letzte Satz in meinem 4. Absatz lauten:
        … hätte ich es besser gefunden, wenn …

        2. Ergänzung:
        Auch die vielen wehrlosen Kinder/Jugendlichen, die leider auch heute noch geschlagen werden, werden traurigerweise später unter seelischen Schmerzen/Erkrankungen leiden, wenn ihnen – wie einst meiner Generation (ich selbst gehöre der Kohorte der in den 1960er-Jahren Geborenen an) – niemand zur Hilfe kommt. Denn zu weit verbreitet ist in unserer Gesellschaft leider auch heute noch diese schreckliche Verteidigungslinie wie „Ein Klaps hat noch niemandem geschadet.“ oder „Ich war einfach nur überfordert.“ Auch psychische Gewalt hat ebenso gravierende Folgen für das weitere Leben.
        Dann wird
        a) Gewalt leider in unserer Gesellschaft bestehen bleiben,
        b) eventuell weiterhin in den Medien – wie üblich sehr einseitig – über Eltern berichtet, deren erwachsene Kinder ohne (?) Grund den Kontakt zu ihnen abgebrochen haben, wobei in den TV- und Zeitschriftenberichten sowie in der breiten Öffentlichkeit permanent der Schmerz der betroffenen Eltern über den Kontaktabbruch im Vordergrund steht und der – mit großer Sicherheit vorangegangene – Schmerz der Kontaktabbrecher-Kinder eher mal so nebenbei erwähnt wird.
        Somit sollte meines Erachtens das Thema „Eltern, die von ihren Kindern grundlos (?) verlassen wurden“ nunmehr aufgrund des Buches „Die geprügelte Generation“ in den Medien wie in der breiten Öffentlichkeit unter dem Aspekt, dass einstige und heutige Kinder leider mit Unterstützung der Justiz auch elterliche Gewalt erfahren (haben) diskutiert werden, und zwar ohne (!) immer wieder diesen Unterton im Sinne von „Ja, aber Sie müssen Ihre Eltern verstehen, die haben es ja auch nicht leicht gehabt. Und deshalb konnten sie nicht anders handeln.“ Damit wird das Leid und der Schmerz von einst und auch heute noch misshandelten Kindern wieder in den Hintergrund gedrängt, sie werden wieder nicht ernst genommen. Gewalttätige Eltern dagegen werden mit solchen Argumenten wieder einmal geschont. Dass Eltern es auch nicht leicht gehabt haben, ändert an dem von ihnen ihren Kindern zugefügten Schaden überhaupt nichts.
        Wenn aber berichtet wird, dass (außerfamiliäre) Gewalttäter sowie Terroristen und Diktatoren anderen Menschen (Erwachsenen wie Kindern) großes Leid und großen Schmerz zugefügt haben, ja, dann (!) fordert die breite Öffentlichkeit merkwürdigerweise (!) kein (!) Verständnis für diese o.g. Unmenschen, die es ja – genau wie unsere Eltern – auch nicht leicht gehabt haben, denn sonst wären sie nicht zu Unmenschen geworden.

  109. “Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
    Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.

    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!”

    Aus “Stufen” von meinem Seelenvater Hermann Hesse

    • ???
      Hallo Annie,

      warum dieser Text hier? Was wollen Sie damit zum Ausdruck bringen? Ich finde diesen Text hier in diesem Zusammenhang unpassend.
      Wollen Sie den Menschen, die hier Ihre grausamen und traumatisierenden Erfahrungen beschrieben haben, sagen, dass sie nur heiter sein sollen, loslassen, dann werde sich schon Heilung einstellen? Ich finde das nicht hilfreich.
      Und es könnte auch zynisch rüberkommen.
      Eine Erklärung, warum Sie diesen Text hier eingestellt haben, wäre hilfreich gewesen.

      Gruß
      Markus

      • Hallo Markus,
        genau das frage ich mich auch, was der Sinn des besagten Textes im Kontext von Kindesmisshandlung soll.
        Auch ich finde ihn mitnichten hilfreich. Und dies gerade im Kontext von elterlicher Gewalt.

        Vielleicht wäre es besser ein geschütztes Forum (also von außen unsichtbar und mit so etwas wie einer Alias-E-Mail-Adresse und einem Pseudonym) einzurichten, in dem sich einzig und allein einst von Kindesmisshandlung betroffene Frauen und Männer respektvoll und in Ruhe austauschen können, ohne (!) die elterliche Gewalt auch noch zu verharmlosen (wie ich es leider oft bei Ärzten/Allgemeinmedizinern und Therapeuten selbst erlebt habe) im Sinne von “Ja, aber das war ja nun damals ganz normal. Sie müssen aber auch Ihre Eltern verstehen. Ihre Eltern konnten nicht anders handeln und deshalb können Ihre Eltern auch keine Verantwortung für ihre Taten übernehmen.” Ja, solche Aussagen habe ich selbst erlebt und ich wünschte, wünschte, wünschte (tief seufz)…, ich hätte dafür Zeugen und Beweise für solche Aussagen. Aber mit dem Konjunktiv komme ich nicht weit.

        Gruß
        Ines

      • Wer Hermann Hesse gelesen hat weiß, dass er wie kaum ein anderer mit seiner Literatur getröstet hat. Er selbst wurde geschlagen und gedemütigt, war als junger Mann in Stetten in der Heilanstalt, weil er nicht sein durfte, wie er war. Von ihm stammt der Satz: “Sei Du selbst!” Er ist Antrieb und Trost für alle geschlagenen Kinder, die nicht geliebt wurden, wie sie waren.
        Sein Gedicht “Stufen” ist alles andere als Zynismus!

        • Hallo Annie,

          wie ich schon schrieb:
          es wäre besser gewesen, den Text sofort zu kommentieren und dazu zu schreiben, warum Sie ihn hier einstellten.
          Und ausserdem ihn im Ganzen zu zitieren und nicht nur unkommentiert ausgerechnet diesen Abschnitt hier zu veröffentlichen.
          Das hätte Missverständnisse vermieden.
          Und ich habe Bücher von Herrmann Hesse auch gelesen – nicht alles was er schrieb – und es hat mir damals nicht geholfen.
          Die Heiterkeit von der er schreibt ist sicherlich das Ergebnis eines langen Lebensweges, das von Menschen, die noch mitten in der Aufarbeitung ihrer traumatisierenden Erfahrungen stecken, nicht verlangt werden kann. Alles zu seiner Zeit! Vor der Heiterkeit kommt noch vieles andere, das erst einmal Raum braucht.

          Es grüßt Sie
          Markus

  110. Viele Beiträge reflektieren intellektuelle Spielereien über das Thema, nicht über die Erfahrung. Doch den Geprügelten steckt die Erfahrung ‘im Leib’, in jeder Zelle, ist man geneigt, der Psychosomatik zu folgen. Als Kinder lernen wir mehr und grundlegender ‘das Leben’ als jemals später. Ich denke, dass wir die Welt aus der Perspektive unserer frühen Erfahrungen sehen, erleben, erklären. Diese Erfahrungen, die, wenn man will, den Masterplan für unsere spätere Sicht auf unser Leben darlegen, liefern den Stoff, das Gewebe, das wir ‘unsere Persönlichkeit’ nennen, tragen, wie alte, viel zu enge, abgetragene, lächerliche Kleider, absurde Kindheitskostüme, Dirndel und Matrosenhemdche. Die, für mache sind es Zwangsjacken, dürfen wir ablegen. Ganz direkt gesagt: Wir dürfen aufhören, uns mit den Mustern, die wir aus Prügel und Demütigung heraus angenommen haben, zu identifizieren. Die Brutalität die uns als Erziehung ankam, verfolgte Ziele. Heute können wir stets, immer, jederzeit, entscheiden, aus diesen falschen Zielen auszusteigen. Das bedeutet nichts anderes als sich verletzlich zu zeigen und zu erleben, das wir uns heute, hier, jetzt, mit der Weichheit und Offenheit, mit der wir dem Leben entgegentreten, nicht erneut missbraucht wird. Nur Mut… und Anmut… Achtung der eigenen Persönlichkeit kommt dann schon von den ‘lieben Mitmenschen’ zurück. Denn jeder ist mehr oder weniger betroffen und hat, aus üblen, eigenen Erfahrungen heraus, eine Antenne für den besseren Weg. Legen wir die alten Muster ab, legen wir Last ab, wie Buddha sagte. Herzlich, Jonas Ling

  111. Ich gehöre ebenfalls zur sog. geprügelten Generation, allerdings gehöre ich zu den 10 Prozent, die auch in den 50er Jahren schon „gewaltfrei“ erzogen wurden. Ich wusste zwar, dass andere Kinder geschlagen wurden, mir war allerdings die Tragweite, wie sie in diesem Buch geschildert wird, nicht bewusst. Ich bin allerdings der Meinung, dass nicht jede Erziehung damals die hier geschilderten Merkmale einer Dressur hatte. Viele Eltern wendeten körperliche Strafen nur an, wenn sie es für unbedingt nötig hielten, also nicht täglich oder wöchentlich, sondern vielleicht monatlich oder halbjährlich, manche haben auch Schläge nur einmal in ihrer Kindheit erfahren.
    Auch ich bin nicht gewaltfrei im absoluten Sinne erzogen worden. Bei mir spielte die Angst vor dem lieben und strafenden Gott eine erhebliche Rolle. Ich war außerdem ein fügsames Kind, bei dem die Androhung von Strafen genügte, um zu gehorchen. Es gibt allerdings noch einen anderen Mangel der Erziehung, dass man nicht genügend gefördert wird und weitgehend sich selbst überlassen bleibt. Das hing allerdings mit dem Bildungsstand meiner Eltern zusammen.
    Dass Erziehung völlig gewaltfrei sein kann, halte ich für eine Illusion. Die Zivilisation verlangt, dass wir uns Verhaltensweisen aneignen, die mit unserer ursprünglichen Natur nicht in Einklang stehen. Die Philosophen sprechen von dem Gegensatz zwischen „Pflicht und Neigung“. Wenn von körperlichen Strafen abgesehen wird, dann treten eben andere Restriktionen in den Vordergrund. Das ist in der Schule so und auch in den Familien: Ausgehverbote, Fernsehverbot etc. bedeuten Freiheitsentzug, verschiedene Spielarten von Mobbing sind ohnehin verwerflich; ständige Ermahnungen werden von den Kindern zunehmend als belastend empfunden, das gilt auch von dem Versuch, den Kindern den Sinn der Verbote immer rational zu erklären und mit ihnen zu diskutieren. Man hat von Kindern auch schon die Aussage vernommen: Verhaut mich lieber, dann ist alles schnell vorbei… Ein heute häufig angewandtes Mittel ist die Belohnung bzw. Bestechung der Kinder, bei Hartz IV Empfängern allerdings fehlt es dafür an den nötigen finanziellen Mitteln. Alles in allem: Erziehung ist schwer, auch gewaltfreie Erziehung hat ihre Tücken und Probleme.

    • Mangelnde Förderung hängt nicht immer mit dem Bildungsstand der Eltern zusammen.
      Meine Eltern sind Akademiker und ich wurde auch nicht gefördert in dem Sinne, dass sich meine Eltern wirklich mit mir befasst hätten.

      Ich war immer nur ein Mitläufer, ein Geduldeter. In vielen Dingen wurde ich so zum Autodidakt. Mit Fragen konnte ich zu meinen Eltern nicht gehen, da kam immer eine abweisende Antwort.

      Ich habe dann selbst viele Bücher gelesen, um auf meine Fragen Antwort zu bekommen.
      Einen geistigen Austausch mit den Eltern gab es nicht. Sie sind mir bis heute fremd geblieben. Ich weiß nicht was sie wirklich denken und fühlen. Und auch sie wissen nicht, wer ich wirklich bin, weil sie sich dafür nie interessiert haben.

      Es gab nie die Frage an mich: “Was denkst du darüber? Wie ist deine Meinung?” usw.
      Da wäre ich ja plötzlich vom Nichts zu einer eigenständigen Person geworden, der man eigenes Denken und Fühlen zugestanden hätte. Und genau das durfte nicht sein.

    • Namensvetter, werter…
      Sie schreiben:”Die Zivilisation verlangt, daß wir uns Verhaltensweisen aneignen, die mit unserer ursprünglichen Natur nicht in Einklang stehen!”
      Werter, damit rechtfertigen Sie die Prügel und die Gewalt gegen Kinder.
      Bitte denken Sie doch noch einmal nach, was Sie unter Zivilisation verstehen! Zivilisiert ist das nicht, was Sie da rechtfertigen.
      Sie schreiben allerdings auch von religiös bedingten Ängsten – könntes es sein, daß auch Sie glauben, der Mensch, mithin das Kind, sei ein defizitäres Wesen (das verbreiten ja die Religionen seit Jahrtausenden), das gemaßregelt werden müsse, damit es “funktioniert”!? Dann sind sie den tatsächlich menschenverachtenden Geboten der Religionen auf den Leim gegangen. – Übrigens hat Alice Miller mehrfach offene Briefe an verschiedene Päpste im Vatikan geschrieben udn darum gebeten, man möge sich doch eindeutig gegen das Schlagen von Kinder äußern. Nicht einmal eine Empfangsbestätigung gab es.
      Die Idee des “wilden Kindes” (hier hat auch Rousseau entsetzlichen Schaden angerichtet mit seinem “Emile”, einem Lob der Dressur) ist natürlich eine religiöse. Die monotheistischen Religionen singen das Lob des Kindesopfers und der Kinderquälerei! Im Christentum gibt es die beiden – wenn man so will – “Urszenen”, die Gewalt gegen Kinder rechtfertigen: im AT die Opferung Isaaks durch Abraham, so wie es Gott als Gehorsamsdienst wünscht. Erst im letzten Augenblick, das Messer sitzt dem Kind schon an der Kehle, schickt der zynische Gott einen Engel, der Abraham mitteilt “ätschbätsch”, Prüfung bestanden.
      Und dann natürlich das NT: der Gipfel der Schändlichkeit: die Kreuzigung Jesu, der sich auch noch in das angeblich “Unvermeidliche” schickt, denn “dein Wille” (der Wille des Vaters) geschehe. Die Kreuzigung im Christentum ist unszwei Jahrtausende lang als Gnadenwunder verkauft worden – diese Schlachtung eines Kindes/Sohnes hat uns zwei Jahrtausende den Verstand benebelt. Im Zentrum des Christentums steht nichts anderes als ein Kindesmord – verklärt als Liebesakt des Vaters.
      Im jahr 2012 müssen wir doch endlich einmal merken, daß diese Niedertracht das Verhältnis zu Kindern geprägt hat. Schlagen, prügeln, treten, niedermachen, zerbrechen – das wird im Christentum, das bis heute unsere Ethik prägt als Erlösungs- und Liebeswerk angesehen. DAS ist die zivilisation von der Sie reden, Wolfgang!
      Das ist keine zivilisation, es sind die Auswirkungen einer brutalen bronzezeitlichen Religion, deren Verhaltenscodices bis heute unsere Leben verderben!
      Die monotheistischen Religionen haben uns und unsere Leben als sündhaft stigmatisiert und predigen seitdem Unterdrückung und das Brechen des eigenen Willens, sie verbieten das eigene Denken und das eigene Empfinden. Selbst in angeblich so säkularen Gesellschaften wie denen in Europa haben sich diese widerlichen Schlacken bildungsferner Wüstenreligionen angereichert.
      Am 17. März brachte die Auslands-Politikseite des FOCUS einen Artikel, der einem den Atem stocken läßt:
      Bei den Untersuchungen zum Kindesmißbrauch durch katholische Kleriker kam nicht nur zutage, daß im kleinen Holland seit 1945 bis heute mindestens 10.000 Fälle zu verzeichnen sind – es kam auch zutage, daß die katholische Kirche wenigstens zehn (so viele hatten inzwischen den Mut, sich zu melden) Jungen ohne Zustimmung der Eltern in “katholische” Krankenhäuser verfrachtete und sie kastrieren ließ. Warum: man war davon ausgegangen, daß diese Kinder “homosexuell” waren und deshalb die Geistlichen verführt hatten!
      Soviel also zur Zivilsation und zur prägenden moralischen Kraft der Religion.

      • Werter Wolfgang Brosche,
        jeder Mensch macht eine Entwicklung durch, und das war auch bei mir der Fall. Ich bin inzwischen nicht mehr religiös, sondern eher von der philosophischen Ethik her bestimmt. Ich sehe den Menschen nicht so, wie Sie das bei den monotheistischen Religionen vermuten. Ich bin aber auch kein Vertreter einer Heilslehre, die von einer einfachen Formel ausgeht: Gewalt kommt von Gewalt und erzeugt wiederum Gewalt. Die von Konrad Lorenz begründete Verhaltensforschung geht davon aus, dass der Mensch nicht voraussetzungslos zur Welt kommt, sondern mit einer Fülle von angeborenen Verhaltensweisen ausgestattet ist, vor allem auch mit dem, was “Aggressivität” genannt wird. Ich denke, dass wir mit dieser Tatsache rechnen müssen und im Punkt Erziehung die nötigen Konsequenzen daraus ziehen müssen, auch ohne die Wiedereinführung des Rohrstocks. Heilslehren haben häufig den Nachteil, dass sie die Realität aus den Augen verlieren. Es lässt sich nicht abstreiten, dass auch gewaltfrei erzogene Kinder zu Gewalt neigen. Ich habe bei Bekannten erlebt, dass sie entsetzt darüber waren, dass ihr gewaltfrei erzogenes Kind plötzlich ein anderes Kind geschlagen hat. Es hat doch von uns gar keine Gewalt erfahren…

        • Gewalterfahrung geht nicht nur von den Eltern aus. Siehe Medien, Kindergarten, Schule…. Viele Einflüsse bewirken Aggressivität beim Menschen. Es ist ein Gefühl und es ist so natürlich, wie der Tag und die Nacht. Gegenspieler von Gewalt sind Achtsamkeit, Bewußtheit, Aufklärung, Mitgefühl….. Eltern, die das ihren Kindern vorleben. “Sei Du die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst” M. Ghandi.

          • Natürlich gibt es auch andere Gewalteinflüsse, aber die Einflüsse, die das Kleinkind durch die Eltern erfährt, sind die ersten, direktesten, unmittelbarsten und prägendsten für das weitere Leben.
            Vor allem auch deswegen, weil das Kind einen längeren Zeitraum, oft bis zur Volljährigkeit, mit den Eltern verbringt und ihnen auch ausgeliefert ist in dem Sinne, dass ein Sich-Wehren nicht erwünscht ist.
            Sogesehen ist die Familie der bedeutendste Ort, wo über den Umgang mit Gewalt entschieden wird, was natürlich auch Einfluss auf die gesamte Gesellschaft hat.

  112. Ein großes Problem bei der Bewältigung der Kindheitstraumata sehe ich darin, dass von vielen Betroffenen die Eltern noch leben.
    Deshalb auch die Scheu vieler, sich namentlich nennen zu lassen bzw. offen darüber zu sprechen (auch wenn es viele innerlich dazu drängt).
    Der Gedanke daran, die Eltern könnten von meinem “Outing” erfahren, löst in mir Angstschweiß aus.
    Die Folgen wären: Totaler Bruch, mit der gesamten Familie, abgrundtiefer Hass (“Wir haben´s doch immer gewusst, dass du ein böses Kind bist!”), Verstoßung, Enterbung, Rachgefühle, Kurzschlusshandlungen der Eltern, die lebensbedrohlich sein könnten etc….

    Schon als Kind dachte ich oft, wie es wäre, wenn ich selbst zum Jugendamt ginge. Aber die Angst vor der Rache meiner Eltern hielt mich zurück sowie das Misstrauen gegenüber der Behörde, ob sie mir denn Glauben schenken würde, wenn ich dort über meine Erlebnisse berichtete?
    Ich bin mir sicher, dass mein Vater mich erschlagen hätte, wenn ich es gewagt hätte. Meine Familie ist angesehen und das wäre der Zerstörung der Familienehre gleich gekommen.

    • Soweit ich informiert bin, kann über Kindheitstraumata nur anonym gesprochen werden (so wie, dies auch bei dem Buch der Fall ist, mit Veränderung der Art der Misshandlung, der Lebensumstände, des Alters usw.). Anderenfalls hat dies juristische Konsequenzen zur Folge, Stichwort: üble Nachrede, weil es ja meistens an Zeugen und Beweisen für die elterliche Gewalt mangelt.
      Und wenn die Eltern eines Tages verstorben sind, kann ebenfalls mangels Zeugen und Beweisen nur anonym darüber gesprochen werden, Stichwort: Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener.

      Genaues kann aber ein entsprechender Fachanwalt sagen.

      Die einzige Ausnahme ist wohl tatsächlich, im Rahmen einer Therapie offener darüber zu sprechen, und dann auch ohne den Namen der Eltern oder auch der Geschwister zu nennen.

      Dann wiederum wundere ich mich, dass z. B. eine Mutter, die ein Buch über den Kontaktabbruch von erwachsenen Kindern zu Eltern geschrieben hat, in dem Buch selbst, in TV-Sendungen und in Zeitungsartikeln den richtigen Namen ihrer Tochter genannt, aus der von ihrer Tochter an sie gerichteten E-Mail zitiert und auch etwas über das Mutter-Tochter-Verhältnis berichtet hat.
      Ob dies rechtlich in Ordnung ist, kann ich nicht sagen.
      Aber, wie schon geschrieben, Genaues kann ein Fachanwalt sagen.

  113. Ihr Buch war für mich eine große Erleichterung. Ich merke immer noch, wie schwer es für mich ist, zu sagen, dass wir Kinder ausgepeitscht wurden. Heute bekämen unsere Eltern das Sorgerecht entzogen. Damals schien das “normal”, obwohl ich immer wusste, dass das nicht richtig ist, was da geschieht. Mein Vater war im Krieg bei den Flakhelfern, später in Gefangeschaft. Ich weiß so wenig, was da geschehen ist. Er hat sich regelrecht vergessen, wenn er losgeprügelt hat. Ich hatte unendlich viel Angst, die ich heute immer noch ganz real spüre, auch wenn ich bereits über 50 bin.

  114. Ich frage mich gerade, wie diese Thematik juristisch aufgearbeitet werden könnte. In staatlichen und kirchlichen Institutionen wird dies mittlerweile ja schon praktiziert.
    Wie steht es jedoch mit den Familien, zumal die elterliche Gewalt gesetzlich unterstützt und als richtig angesehen wurde?
    Was ist mit den Folgeschäden für die Betroffenen, die ja – trotz dieser “richtigen” Erziehung – ganz offensichtlich sind und schon aufgrund ihrer Vielzahl nicht geleugnet werden können?
    Kann da überhaupt jemand dafür haftbar gemacht werden oder ist es eine namenlose Kollektiv-Schuld oder einfach “das Schicksal”?
    Ist alles verjährt?
    Müssten jetzt eigentlich Millionen von ehrbaren Bürgern bestraft werden oder hinter Gitter gebracht werden?
    Gibt es Anspruch auf Schadenersatz und wer bezahlt das?
    Wie groß ist der Schaden, der durch Erziehungsfehler der Gesellschaft als Ganzes entstanden ist, z. B. durch erkrankungsbedingte Arbeitsausfälle etc.

    Fragen über Fragen …

    • Genau die gleichen Fragen habe ich mir auch schon oft gestellt.

      Ein großes Problem dabei ist meines Erachtens der Mangel an Zeugen und Beweisen für die Misshandlungen und nicht zu vergessen die Verjährungsfrist, die aufgehoben werden müste.
      Und wer von den entsprechenden Eltern gibt schon freiwillig zu, Gewalt an ihren Kindern ausgeübt zu haben?
      Und ob der Gesetzgeber plötzlich ein warmes Herz (ich weiß nicht, wie ich das im Moment anders nennen soll) für uns einst Misshandelte bekommt?
      Ich glaube, eher fallen Winter und Sommer zusammen, als dass wir entschädigt werden, damit unsere Würde wieder hergestellt ist.
      Den Wunsch nach aufrichtiger Entschuldigung und Wiedergutmachung in Form von Schmerzensgeld hege ich zwar, aber dies ist von unseren Eltern selbst, unserer Gesellschaft, Politik und dem Gesetzgeber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gewollt.

    • Hallo Andrea,

      ich war im Alter von 30 Jahren bei einem Rechtsanwalt, weil ich meine Erzeugerin, die mich jahrelang schwer misshandelt hatte, verklagen wollte, doch das war nicht möglich, denn Körperverletzung ist bereits nach zehn Jahren verjährt.

      Der Verein “netzwerkB” kämpft darum, dass die Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht aufgehoben wird:

      http://netzwerkb.org/

      Ich würde gerne einen Verein gründen, der sich für die Rechte von Menschen einsetzt, die in der Kindheit misshandelt wurden. Dieser Verein könnte z.B. beim Deutschen Bundestag eine Petition einreichen, um zu erreichen, dass die Verjährungsfrist für Kindesmisshandlung aufgehoben wird.

      Sie fragen, ob es einen Anspruch auf Schadensersatz gibt.

      Jedes Gewaltopfer hat in Deutschland das Recht, beim Versorgungsamt eine Opferentschädigung zu beantragen, also auch die Opfer von Kindesmisshandlung. Hier finden Sie Informationen über das Opferentschädigungsgesetz (OEG):

      http://www.gesetze-im-internet.de/oeg/BJNR011810976.html

      http://de.wikipedia.org/wiki/Opferentsch%C3%A4digungsgesetz

      Es ist nicht einfach, eine Opferentschädigung zu bekommen, weil man beweisen muss, dass man misshandelt wurde. Ich konnte das nicht beweisen, weil es bei mir keine Augenzeugen gab. Die schriftliche Bestätigung von ehemaligen Nachbarn, die geschrieben haben, dass es so klang, als würde ich misshandelt werden, reichte als Beweis nicht aus. Ich habe beim Sozialgericht gegen das Versorgungsamt geklagt. Ich wollte erreichen, dass ich zu einem Gutachter geschickt werde. Ein Gutachten hätte meine Glaubwürdigkeit bestätigen können, doch die Richter wollten micht nicht zu einem Gutachter schicken.

      In den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts, als ich misshandelt wurde, war es nicht verboten, Kinder zu schlagen. Was meine Erzeugerin mir damals angetan hat, war also keine Straftat!

      Ich habe den Prozess beim Sozialgericht verloren. Jetzt stelle ich einen neuen Antrag auf Opferentschädigung, weil ich unter einer “komplexen posttraumatischen Belastungsstörung” leide und dringend eine Langzeittherapie brauche, die meine Krankenkasse nicht zahlen will.

      Seit dem Jahr 2000 gibt es glücklicherweise ein Züchtigungsverbot. Die Kinder, die nach dem Jahr 2000 misshandelt wurden, werden es also leichter haben, wenn sie später einmal eine Opferentschädigung beantragen. Doch auch im 20. Jahrhundert war es nicht erlaubt, Kinder grundlos zu verprügeln. Weitere Informationen darüber finden Sie bei WIKIPEDIA:

      http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rperstrafe

      “Seit 1958 bestand das elterliche Züchtigungsrecht als im damaligen § 1626 BGB verankertes Gewohnheitsrecht weiter und schloss damit beide Elternteile (bzw. allgemeiner die Erziehungsberechtigten des Kindes) ein. Dieser gewohnheitsrechtliche Grundsatz stellte damit im Sinne des Strafrechts einen gesetzlichen Rechtfertigungsgrund für eine tatbestandsmäßige Körperverletzung dar. Damit der Rechtfertigungsgrund griff, musste

      1. ein konkretes Fehlverhalten vorliegen,
      2. die Züchtigung musste zur Erreichung des Erziehungszieles erforderlich und angemessen sein und
      3. schließlich musste der Täter mit Erziehungswillen handeln.” (Quelle: WIKIPEDIA)

      Wenn ich nun einen neuen Antrag auf Opferentschädigung stelle, muss ich versuchen, das Versorgungsamt davon zu überzeugen, dass die Schläge, die ich als Kind bekommen habe, weit über das hinausgingen, was damals noch erlaubt war. (Diesen Rat hat mir eine Anwältin gegeben.) Meine Erzeugerin hat nicht mit “Erziehungswillen” gehandelt, sondern sie hat grundlos geprügelt, um ihre Wut abzureagieren. Wenn das Versorgungsamt mir das nicht glaubt und meinen Antrag wieder ablehnt, werde ich wieder eine Klage beim Sozialgericht einreichen. Ich hoffe, dass ich dann zu einem Gutachter geschickt werde.

      Ich finde es haarsträubend, dass Menschen, die vor dem Jahr 2000 in der Kindheit jahrelang gequält wurden, so große Schwierigkeiten haben, eine Opferentschädigung zu bekommen, denn selbst wenn es damals nicht gesetzlich verboten war, Kinder zu verprügeln, war es doch trotzdem eine Menschenrechtsverletzung.

      Ich glaube, dass es gut wäre, wenn möglichst viele Menschen eine Opferentschädigung beantragen würden, denn so könnte der Staat vielleicht dazu gezwungen werden, mehr Geld für die Prävention von Kindesmisshandlung zur Verfügung zu stellen. Die Prävention von Kindesmisshandlung (z.B. mehr Mitarbeiter beim Jugendamt!) wäre für den Staat wesentlich billiger, als an Millionen von Menschen eine Opferentschädigung zu zahlen.

      Sylvie

  115. Liebe Frau Müller-Münch,
    auch ich habe Ihr Buch in fast einem Rutsch gelesen. Weniger als selbst Betroffener, sondern als Therapeut und Führungskräftetrainer, der viel mit Menschen arbeitet, bei denen in der Kindheit erlebte Prügel eine große Rolle spielen.
    Weil ich Ihr Buch so gut fand, habe ich heute einen Blogartikel veröffentlicht, in dem ich einiges aus Ihrem Buch zitiert habe. Vor allem auch mit der Meldung über die ELTERN-Studie, nach der fast die Hälfte der Eltern heute noch ihr Kind schlagen.
    Hier der Link: http://goo.gl/FYdc4

    Ich wünsche Ihnen weiterhin viele Leser.
    RKW

    • Der Kommentar von „RKW „ und sein Blogeintrag (Link im Kommentar), in dem er eine Textstelle aus ihrem Buch zitiert, die sich auf die Psychologin und Bindungsforscherin Patricia Crittenden bezieht, wonach Eltern ihre Kinder schlagen, um sie zu schützen, vor Fehlern abzuhalten usw. motiviert mich hier noch mal, etwas dazu zu schreiben.

      „Schläge aus Liebe und Fürsorglichkeit“ haben Sie, Frau Müller-Münch, die entsprechende Textstelle betitelt. Sie haben gleich zu Beginn des entsprechenden Kapitels geschrieben, dass sie die Thesen von Frau Crittenden beunruhigen und Widerstände bei ihnen ausgelöst wurden, trotzdem wollten sie die Thesen wiedergeben.

      Das ist im Grunde DER klassische Konfliktpunkt des geschlagenen Kindes, den keiner so gut beschrieben hat wie Arno Gruen in „Der Fremde in uns“: Kein Kind kann in dem Bewusstsein existieren, dass die Menschen, auf die es physisch und psychisch existentiell angewiesen ist (die Eltern), seinen Bedürfnissen kalt und gleichgültig oder gar grausam und unterdrückend gegenüberstehen. Diese Angst wäre, so Gruen, unerträglich, ja sogar tödlich. Ein Kind, das von seinen Eltern angegriffen wird und dessen Bedürfnisse frustriert werden, muss sich, um zu überleben, mit den Eltern arrangieren. Dazu wird das Eigene (vor allem eigene Empfindungen, Sicht und Empathie) als etwas Fremdes abgespalten, denn das Kind kann die Eltern nur unter der Voraussetzung als liebevoll erleben, wenn es ihre Grausamkeit als Reaktion auf sein eigenes Wesen interpretiert – die Eltern sind grundsätzlich gut; wenn sie einmal schlecht sind, dann ist dies die eigene Schuld des Kindes und der Angriff geschieht zu dessen „Wohle“. Die eigenen Gefühle, Bedürfnisse und die eigene Wahrnehmung werden zu einer existentiellen Bedrohung, weil sie die Eltern veranlassen könnten, dem Kind die lebensnotwendige Fürsorge zu entziehen. Die Folge ist die Identifikation mit den Eltern (bzw. den Aggressoren).

      Leider sind auch viele Psychologen von diesem Prozess betroffen, wenn sie selbst geschlagen wurden. Gewalt gegen Kinder, erst recht wenn es Prügel sind, hat NIE etwas mit Liebe und Fürsorge zu tun! Glauben sie bloß nicht dieser Psychologin. Die Eltern benutzen ihre Kinder in diesen Situationen als „Giftcontainer“, um ihre eigenen traumatischen Erfahrungen an ihnen abzuarbeiten und sich kurzfristig gut zu fühlen. Darum geht es. Und Alltagsstress reduziert zudem ihre innere Abwehr und lässt sie in automatisierte Verhaltensweisen zurückfallen. Stress = ich schlage die Kinder, weil ich nichts anders gelernt habe.

      Im Buch sind sie fast durchgängig dem Prinzip gefolgt, die Gewalt als solche anzusehen. Nur an der Stelle mit Frau Crittenden kamen sie, so mein Eindruck, wieder etwas zurück zu der Grundfrage (und dem alten Abwehrmechanisus) jedes geschlagenen Kindes: Geschah alles etwa doch aus Liebe?

      • Spannend wäre auch ein Buch zum Thema: “Wie ist heute das Verhältnis zwischen diesen Eltern und Kindern?”
        Waren wir einfach alle ungewollt und daher ungeliebt und wertlos? Oder war es doch eine verkorkste Liebe der Eltern, die sie nicht anders artikulieren konnten?
        Trotz der Härte der damaligen Zeit war es doch niemandem verboten, seine Kinder herzlich zu lieben und sie warmherzig aufzuziehen!
        War es ein Privileg, weiche Gefühle überhaupt zu zeigen? Musste bzw. muss man sich für zärtliche Empfindungen schämen?

        Mich würde interessieren, wie es diesen Menschen heute geht. Ich persönlich fühle einen starken moralischen Druck, meinen Eltern verzeihen zu sollen, ich schaffe es aber nicht wirklich. – Weil sie sich nach wie vor völlig im Recht sehen und kein Jota davon abrücken wollen.

        Gespräche mit ihnen sind kaum möglich. Sie wirken verbissen und hart, wenn man das Thema anschneidet. Und sie werden schnell laut und haben keinerlei Interesse, darüber zu diskutieren.

        Es bleibt letztlich wieder das bedrückende Schweigen, was seit mehr als 60 Jahren wunderbar funktioniert … “Leider” regt sich jetzt die Generation der Kinder und Enkel, die heute 50 oder 40 (oder noch jünger) sind und macht dem Totschweigen einen Strich durch die Rechnung.

        Als diverse Skandale durch die Medien gingen, die natürlich auch von meinen Eltern wahrgenommen wurden, wurde zunächst nicht darüber gesprochen. Als das Thema immer dominianter wurde und man beinahe täglich etwas darüber hörte und las, gab es wortkarge Äußerungen, dann folgten aber sofort Erklärungen, und man versuchte, das ganze herunterzuspielen mit den bekannten Begründungen: “Damals war es halt so. Damals hat sich keiner darüber aufgeregt.”

        • “Trotz der Härte der damaligen Zeit war es doch niemandem verboten, seine Kinder herzlich zu lieben und sie warmherzig aufzuziehen!”

          Ich denke, ein liebevoller Umgang mit Kindern musste erst schritt für schritt “erfunden” werden. Historisch ist der liebevolle Umgang mit Kindern eine sehr junge “Erfindung”. Und diejenigen, die dies “erfanden” werden es nicht leicht gehabt haben. Noch heute erlebe ich, wie ich und meine Frau angesprochen werden, weil wir in diversen Kontexten zu gut mit unseren Kindern umgehen würden.

          Man stelle sich z.B. einen Vater im 18. Jahrhundert vor, der seine Kinder öffentlich drückt und herzt, ihnen vieles durchgehen lässt usw. der Druck, es anders (gewaltvoll) zu machen, wäre sicher enorm gewesen. Aber solche Väter gab es um diese Zeit eh fast gar keine.

          Das Spektakuläre ist, dass die deutsche Generation der 50er/60er Jahre in der Tat die letzte ihrer Art ist, die mehreitlich Schläge (gerade auch heftigere) erfuhr. Schaut man außerhalb Europas, dann erleben in den meisten Ländern immer noch die große Mehrheit der Kinder Gewalt, oft auch in schwerer Form.

          Ich hoffe, dass solche Bücher wie das hier besprochene auch dahingehnd etwas ausstrahlen, dass die Öffentlichkeit immer mehr wahrnimmt, dass z.B. in Afrika die “schwarze Pädagogik” weiterhin Routine ist und immer noch ca. 90 % der Kinder geschlagen werden.

          • Ich sehe es als großartige Chance unserer Generation und der kommenden Generationen, dass wir – durch eine Sensibilisierung der Gesellschaft für dieses Thema – neue Wege der Kindererziehung beschreiten können, damit es eine glücklichere Zukunft für die Kinder gibt.

  116. Die vielen persönlichen Kommentare zeigen die Bedeutung des Buches und des Themas. Worum geht es mit Blick auf die Zukunft? Um Vergangenheitsbewältigung, wäre meine Antwort. Wie können wir mit der verlorenen, jedenfalls teilweise verlorenen Kindheit umgehen?
    Die Kindheit ist die Blaupause, der Masterplan, auf dem sich unser späteres Leben entfaltet. Schlechter Masterplan, schlechte Ergebnisse. Dies ist wohl auch in der persönlichen Entwicklung eine einfache, wenn auch ernüchternde Logik. Die intellektuelle Bewusstwerdung ist wichtig, ist das Mittel der ans Leid gewöhnten, (konditionierten) Erwachsenen, sich in die Rückbetrachtung zu begeben. Doch unser Verstand beurteilt stets die Vergangenheit. Wie, und dies ist entscheidend, können wir die alten Verletzungen umwidmen in ein von alten Wunden geheiltes Leben? Was ist jetzt möglich, was können wir jetzt an Heilungsarbeit tun? Das innere Kind lebt in jedem von uns. Was können wir ihm geben, wie können wir ihm zu dem verhelfen, was es damals, als die Misshandlungen wirklich vorkamen, überwinden wollte, aber nicht konnte, eben weil es Kind war? Was hat uns damals beschäftigt? Wir spielten, träumten, wünschten, hofften. In diese Räume kindlicher Wahrnehmung können wir zurückkehren und – ja wirklich – spielen, träumen, wünschen, hoffen. Nicht als Kinder, sondern als die, die wir heute sind. In all dem, was wir erlitten haben liegt auch eine Chance. Was wir erlitten haben ist auch ein “Mehrwert” an Erfahrung, die uns geprägt hat. Es ist ungwohnt, sich auf die Kinderebene zu begeben, diese Erlebnisebene wieder wach zu rufen. Aber es ist befreiend. Ich habe Sehnsucht nach einem solchen Erfahrungsraum mit anderen, um in die Kindheit zurück zu kehren und altem Schmerz Raum zu geben um dann, bei dem was hochkommt anzuknüpfen und anzuschauen was war, beurteilen was war und entscheiden was damit geschehen soll. Wir können die Zukunft verändern, wenn wir die alten Traumata als das nutzen was sie anbieten: Umwandlung in Nützliches, Erfreuliches, Wertvolles. Es mag verwegen klingen, aber alles was schief gelaufen sein mag, birgt die Chance es so zu verändern, dass wir glücklich damit werden. Ich freue mich auf Überlegungen von anderen, die das Thema ebenfalls anrührt. Herzlich Jonas Ling.

  117. (Anm. d. R.: Kommentar per E-Mail eingereicht)

    Sehr verehrte Frau Müller-Münch,

    ich habe das Buch verschlungen und oft geschluckt, weil das abstrakte Wissen über familiäre (und pädagogische) Grausamkeiten in den Lebensgeschichten in oft bedrückender Weise konkret werden. In unserem alten Kriegskinder-Konskumkinder-Krisenkinder-Buch sind wir damals darauf fast überhaupt nicht eingegangen, was ich nach der Lektüre Ihres Buches eigentlich gar nicht verstehe. Wir waren eher bedrückt vom dröhnenden Schweigen der Erwachsenen über Vergangenes, das ja auch Sie – und Sabine Bode – aufgreifen, in Kombination mit der Inszenierung der vermeintlich selbstverständlichen (klein)bürgerlichen Moral der 50er Jahre. Wichtig finde ich auch den Anhang mit der Zeitleiste nicht nur der rechtlichen Situation zur Gewalt, sondern auch zu den Rechten von Frauen. Beides hängt ja offenkundig zusammen.

    Das Buch ist im Wesentlichen eines über eine westdeutsche Generation. Die Realität der Nachkriegskinder der DDR in Bezug auf Gewalt und Zwang müsste noch aufgearbeitet werden, der Schrecken über mancherlei preussisch-disziplinierende Kita-Erfahrungen reicht aus meiner Sicht nicht (und es gibt bislang niemanden, der das einmal nüchtern gemacht hätte; noch stecken zu viele Verteidigungs- oder Anklage-Haltungen bei allen).

    Wenn ich die euphorischen Berichte in der heutigen Zeitung über den “Rückgang” von Gewalt von Eltern gegenüber den Kindern lese, zugleich aber, dass ein Fünftel weiterhin nicht nur mit Kochlöffeln traktiert wird, zeigt das, dass Ihr Buch nicht nur eine – vergangene – Generationsbelastung beschreibt, sondern die nach wie vor verbreitete Misshandlung von Kindern. Es ist zu hoffen, dass nicht nur die “geprügelte Generation”, sondern möglichst viele, auch junge Eltern Ihr Buch lesen!

    Mit den besten Grüßen
    Ulf Preuss-Lausitz
    (Erziehungwissenschaftler)

  118. Auf unserer Newsseite finden Sie einen weiteren Kommentar zum Thema, den wir Aufgrund des Umfangs separat veröffentlicht haben. Der Text ist ein Auszug aus dem Newsletter vom »Auditorium Netzwerk – VERLAG, MEDIATHEK und ARCHIV für audio-visuelle Medien«. Hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Bernd Ulrich.

    >> Zum Kommentar

  119. Kommentar per Brief eingereicht:

    Sehr geehrte Frau Müller-Münch,
    vielen Dank für Ihre Eingebung und Ihren Mut, sich dieses bedrückenden Themas anzunehmen.
    Obwohl ich glaubte, dieses Thema für mich einigermaßen offensiv und daher lebbar “bearbeitet” zu haben, haben mich Ihre Antworten im Gespräch mit Eckart Baier vom Buchjournal doch tief erschüttert und Verzweiflung wieder hochkommen lassen. Das Thema beschäftigt mich seit Jahrzehnten. Heute habe ich Ihr Buch gekauft, und ich werde es nicht nur „querlesen“. Schon jetzt möchte ich mich noch einmal bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie die Eingebung und den Mut hatten, gerade diese unsäglichen Zeiten erniedrigender „Erziehungsmethoden“ zu the­matisieren. Jürgen Hoffmann

  120. Auch ich und mein Bruder wurden als Kind geprügelt. Von der Mutter gab immer wieder eine Ohrfeige, es gab den Kochlöffel, der häufig dabei zu Bruch ging. Die Steigerung: Schläge vom Vater am Abend, der einen Tag der angedrohten Prügel beendete. Eine weitere Steigerung: der nackte Hintern.

    Andere Maßnahmen war das Ein-/Aussperren bis man versprach wieder brav zu sein.

    Es gab noch weitere Maßnahmen. Schwierig war auch, dass man alleine war, die Eltern nicht verstanden, was einen beschäftigte.

    In der Schule war die höchst Bestrafung zur Schulleiterin zu müssen, um dann Prügel zu erhalten.

    Aber irgendwann habe ich mich befreit und bin erwachsen geworden, entscheide selbst, ob und von wem ich mich misshandeln lasse. Wehre mich, agiere, wenn es mir was bedeutet.

    Und etwas hat sich umgekehrt:

    Heute bin ich der Verantwortliche für meine Kinder – und meine Eltern: Haben sich früher meine Eltern um mich gekümmert, nach ihren Möglichkeiten, unausgebildet in Sachen Kindererziehung, und immer im Gefühl, dass die eigenen Kinder es viel besser haben, als man selbst in der eigenen Kindheit (ich kenne Schilderungen meiner Eltern über deren Misshandlungen, die weitaus schlimmer waren, als die, die ich erfahren musste), fühle ich mich heute für sie verantwortlich und kümmere mich um sie, soweit notwendig.

    Ich weiß nicht, wie meine Kinder ihre Kindheit in Erinnerung haben werden, aber ich bin sicher, dass sie sich nicht an ein Paradies auf Erden erinnern werden. Aber ich glaube auch nicht, dass es meine Aufgabe ist, alles von ihnen fern zu halten. Erwachsen werden ist wohl auch ein Prozess der Auseinandersetzung mit Widerständen, an denen man wachsen kann. Und es wäre fasch, den Kindern diese Möglichkeit zu nehmen.

    Als ich Kinder bekam war mir klar: egal was ich mache, ich werde es falsch machen! Aber es gibt kein Richtig. Und es gibt weit mehr als die Eltern. Da ist der Ort, an dem man geboren ist, die Zeit, die Kultur, in die man geboren wird. Da sind es die wirtschaftlichen Bedingungen, in denen man aufwächst. Geschwister oder keine, die Lehrer, die Schulkameraden, die ersten Liebesbeziehungen, und und und…

    Raus kommt man daraus vielleicht nur, wenn man sich nach vorne orientiert, sein Leben versucht zu führen, für das man sich im Spiegel betrachten mag, und die Vergangenheit sein lässt wo sie ist – in der Vergangenheit. Und verzeiht. (Gelingt nicht immer….)

    Und ich weiß, ich bin nicht perfekt, ich mache nicht alles richtig.
    Aber das gelingt keinem, auch wenn das keine Rechtfertigung ist.

    • Hallo Bernhard,
      wie ist es möglich, dass sich immer noch die geschlagenen und gedemütigten kinder für ihre alten eltern verantwortlich fühlen? Ist es nicht erst mal nötig, sich um sich selbst zu kümmern um seine Verletzungen, die niemals heilen wollen, weil die Eltern sich nie entschuldigt haben und kein Einsehen zeigen? Verzeihen gelingt doch nur im Gespräch mit den Eltern, im Einsehen im Mitgefühl für das geschlagene Kind. Hast du das erfahren dürfen? Immer wieder kroch ich hin zu ihnen um es zu erbetteln und bekam jedesmal das Gefühl mit, ich sei der Störer ihrer Ruhe und ihres heiligen Friedens. Für mich bedeutet erwachsen werden, sich um sich selbst kümmern lernen und sein Leben leben dürfen ohne sich für jemand anderes als sich selbst verantwortlich fühlen zu müssen. Die Forderung nach Verzeihen ist die Falle in die man uns schicken will und man geht weiter gedemütigt durchs Leben ohne einmal die Erfahrung gemacht zu haben, von seinen Eltern wirklich respektiert zu werden.
      Alles Gute,
      Eva

      • Hallo Eva, schön dass Du Dich mit meiner Fomulierung beschäftigt hast.

        Aber zu Deiner Darstellung des Erwachsenen habe ich doch abweichende Forstellungen:

        Erwachsen bin ich, wenn ich der Kindheit erwachsen, aus ihr heraus gewachsen bin. Das ist keine Sache des Alters, manche werden es in diesem Sinne nie. Erwachsen bin ich erst, wenn ich mich um mich selbst kümmern kann und es auch tue, unabhängig bin, auch von der Beurteilung meiner Eltern. Und, und das gehört für mich unbedingt dazu, Verantwortung für andere übernehmen kann. Das sind in erster Linie die eigenen Kinder, aber auch die Eltern und anderes, wie die Natur, andere Menschen in Not etc.

        Ein Leben, in dem ich lebe, „ohne sich für jemand anderes als sich selbst verantwortlich fühlen zu müssen“ ist ein egoistisches Leben, keinesfalls ein erwachsenes.

        Die Sache mit der Forderung nach Verzeihung, weil man „von seinen Eltern wirklich respektiert werden möchte“ sehe ich anders: Bin ich erwachsen, brauche ich diesen Respekt nicht mehr. Ich bin davon unabhängig. Das ist wie mit dem Schwimmen: kann ich das, brauche ich die Schwimmhilfe nicht mehr, war sie vorher Lebenswichtig, wird mir diese dann egal. In diesem Sinne kann ich dann auch mit meinen Eltern „erwachsen“ umgehen, und für diese auch, z.B. bei Not, die Verantwortung tragen.

        Ich muss ihnen nicht mal verzeihen, es hat für mich einfach keine Bedeutung mehr. Ich bin vorwärts orientiert, lasse die Vergangenheit weit zurück.

        Dir alles Gute
        Bernard

        • Hallo Bernhard,

          es freut mich, dass du eine für beide Seiten friedliche Lösung gefunden hast und es ist wohl der Frieden, den wir uns alle wünschen.
          Verantwortung für sich selbst und erwachsen sein, ist das trennbar mit dem Gefühl, dass sich nichts geändert hat wenn man vor seiner Mutter steht und sie den gleichen Blick auf einem wendet wie damals, wenn sie dieselben Worte immer noch spricht, wenn sie kein Einsehen hat, wenn sie nichts von einem annehmen will, was zum gemeinsamen Frieden führen könnte. Wenn Eltern auf der alten Macht-Schiene weiterfahren im Kontakt mit ihren Kindern, lässt einen das gefühlsmäßig kalt? Ich würde meine Gefühle wieder trennen von dem Anspruch für meine Mutter da sein zu müssen. Ich würde mich wieder und wieder verleugnen um sie zu schonen weil sie ja alt und krank ist.
          Ich erfahre immer wieder den Sanftmut meines Bruders wenn er über unsere Mutter spricht; er war und ist ihr Lieblingskind und hat alle ihre Krankheiten und noch einige dazu…
          Ich liebe ihn sehr und es macht mich traurig, dass er an ihr fest-hängt.
          Töchter sind weniger Wert als Söhne. Dies erkenne ich auch im rastlosen Bemühen meiner jüngeren Schwestern um die Liebe ihrer Mutter, die ihr Leben und ihre Verantwortung in die Hände ihrer Kinder gelegt hat. Ich will mich nicht mehr schuldig und verantwortlich fühlen für ihre Leiden und es schmerzt mich zu sehen, wie sie einen nach dem anderen für sich einnimmt und opfert. Solange sie es noch mit einem von uns machen kann, wird sie sich nicht ändern.
          Jemand sagte mir, sie sei krankhaft narzistisch veranlagt.
          Es ist wichtig, dass wir uns um uns selbst kümmern. Verantwortung tragen wir nur für uns und unser Tun oder Nichttun, aber niemals für einen anderen Menschen. Das bedeutet nicht, dass wir nicht helfen sollen, ganz im Gegenteil. Ich glaube, dass die Menschen solange man sie entlastet und ihnen nicht die volle Verantwortung und Mitbestimmung zumutet, nicht zu ihrem Glück finden. Menschen in der Anpassung zu halten, halte ich für menschlich unwürdig und hindert jede Weiterentwicklung. Hilfe zur Selbsthilfe, das ist die beste Hilfe, die ich erfahren habe von Menschen, die mich wirklich lieben.
          Meine Mutter hingegen sagte stets zu mir: “Hilf’ dir selbst, sonst hilft dir keiner”, was für sie natürlich nicht galt. Lange habe ich gebraucht um zu realisieren, dass dieser Satz Ausdruck von Gleichgültigkeit mir gegenüber war. Er gab mir das Gefühl unwichtig zu sein.
          Als ich mich in meiner seelischen Not einmal an sie wandte und um Verständnis bat, hat sie mir gesagt: Es tut mir leid, dich geboren zu haben.

          Danke für Deine Gedanken
          Alles Gute,

          Eva

      • Liebe Eva,

        vielen Dank für deine ausdrucksstarken Worte. Sie bringen das Dilemma auf den Punkt, in welchem sich so viele befinden.

        Aus eigener Erfahrung kann ich nur bestätigen: das mit dem Verzeihen ist zwar gut gemeint, klappt aber in der Praxis nicht, weil die Eltern einfach mauern. Was die Erziehungsmethoden angeht, beanspruchen sie für sich eine absolute Gültigkeit und Wahrheit (die man normalerweise nur Gott zusprechen würde).
        Sie sind also unsere “Erziehungs-Götter”, vor denen wir uns zu verneigen und sie anzubeten haben.
        Vielleicht ist es Feigheit, sich mit der Wahrheit zu befassen, oder Angst vor den eigenen Gefühlen, die dabei hochkommen könnten, oder auch ein gewisses Maß an Narzißmus und Ignoranz den Kindern gegenüber.

        Jedenfalls hat es nicht viel mit echter Liebe zu tun, das ist meine Meinung.

        LG
        Andrea 2

  121. Nachdem ich schon in meiner Jugend die Methoden meiner Eltern hinterfragt habe, freue ich mich (was mir selten gelingt) über dieses Buch. Es ist wie ein “sehender Zeuge” (Alice Miller) oder ein lang ersehnter Beistand und Trost für all das Leid, dass uns geschlagenen Kindern zugefügt wurde und ich danke Frau Müller, der Autorin, wie ich auch Alice Miller gedankt habe, der Anwältin aller gedemütigten Kinder. Depresionen sind der Zwang zum Selbstbetrug und wenn wir uns gut um uns kümmern heute, dann wird der Schmerz erträglich. Niemand muss und darf sich selbst weiter quälen. Sorgt gut für Euch!

  122. Hallo, ich bin Jahrgang 1959 und mir kommen gerade folgende Erinnerungen…

    Ich bin als Kind/Jugendlicher so gut wie nicht geschlagen worden. Keine einzige Ohrfeige, seltenst ein paar Klapse auf den Hintern, mit der flachen Hand – ich habe mich eigentlich mehr erschrocken, als dass es wehgetan hätte. Allerdings hat es zwei, drei Mal richtig was mit der Rute gesetzt. Jene Rute, die damals neben rotem Mantel und großem Sack zu den “Insignien” des Weihnachtsmanns gehörte. Ich mag so 5 oder 6 gewesen sein und Weihnachten war “etwas großes, schönes”, das Fest der Kinder, das Fest der Liebe. Vorher. Die Schläge mit der Rute haben – neben dem alljährlichen Familienstreit an Weihnachten – dazu beigetragen, daß ich heute mit diesem Fest nichts anfangen kann.

    Allerdings wurde ich auch nicht mit Hausarrest usw. bestraft, sondern mit Vorhaltungen. Hatte ich etwas ausgefressen, wurde mir das wochen-, ja teilweise monatelang immer wieder vorgehalten. Bei jeder passen (oder unpassenden) Gelegenheit wurde ich (vor allem von meiner Mutter) deutlich daran erinnert, daß ich “dieses und jenes” nicht wieder tun solle. Auch in Gegenwart von anderen Kindern wie Erwachsenen – das war dann höchst peinlich.

    Ich weiß noch, wie ich enige Male Zeuge wurde, wie meine beste Freundin von ihrer Mutter den Kochlöffel zu spüren bekam. Ziemlich hart und unerbittlich, aus der Erinnerung würde ich sagen, sicherlich zwanzig kräftige Hiebe auf den nackten Po. Es hat Spuren gegeben, jedes Mal. Zuerst rote Ringe, am Tag darauf blaue Flecke. Meine Eltern hielten sich für besonders “fortschrittlich”, weil sie auf Schläge verzichteten (ich war inzwischen 12, den letzten Klaps habe ich wohl so mit neun bekommen) und hielten mir dann auch gerne Sigrid als “mahnendes Beispiel” vor, und als Beweis, wie “gut” ich es doch hätte.

    Und ich? Ich habe irgendwann trotz der beeindruckenden “Ergebnisse” auf Sigrids Hintern begonnen, sie und die anderen Kinder zu beneiden, die für ihre Missetaten den Hintern voll bekommen haben, wonach die Sache aber auch ausgestanden war.

    Noch heute hängt mir das alles nach – ich gehe sofort in die Luft, wenn mich irgendjemand zum zweiten Mal auf einen (vermeintlichen oder tatsächlichen) Fehler anspricht, ich bin oft unsicher, wie ich entscheiden soll, und regelmäßig ertappe ich mich dabei, wie ich für die normalsten Dinge der Welt mir insgeheim Entschuldigungen, Erklärungen bereitlege. Obwohl ich in solchen Situationen sicher sein kann, daß mich sowieso niemand danach fragen wird.

    Ich finde den Ansatz dieses Buches sehr gut, und es ist sehr wichtig, daß darüber gesprochen wird. Allerdings erinnert mich das Ganze auch ein wenig an Werke wie Sadlers “Unter Peitsche und Stock”, die mit ihren fraglich-realen Schilderungen in erster Linie ein voyeuristisches Publikum bedienen. Ich hätte mir gewünscht, die Schilderungen wären ein wenig sachlicher gewesen, mit weniger reißerischen Adjektiven gespickt. So bleibt an vielen Stellen ein leicht fader Nachgeschmack ob der Frage, bis wo das Interview ging und wo die Autorin nachgeholfen hat.

  123. Liebe Frau Müller-Münch,

    vielen, vielen Dank, dass Sie dieses Buch für uns alle von Gewalt im Elternhaus Betroffenen geschrieben haben.

    Beim Lesen der Einzelgeschichten hatte ich in den meisten Fällen ein Déja-vu-Erlebnis, und mir liefen die Tränen nur so über meine Wangen ob der Brutalität, die unsere Eltern uns damals wehrlosen Kindern gegenüber angewendet haben.
    Tilman Röhrig (auf S. 40 des Buchs) spricht mir mit seiner Meinung aus der Seele.

    Erschüttert und empört bin ich darüber, dass die damalige Justiz das Schlagen von Kindern erlaubt hat. Und darüber, dass es eine – wirklich opferfeindliche – Verjährungsfrist gibt. Für mich ist das Täterschutz vor Opferschutz.
    Meines Erachtens sollte es aber keine Verjährungsfrist geben.

    Auch ich kenne dieses Leugnen der mir gegenüber angewendeten Gewalt seitens meiner “Eltern”. Zusätzlich zu der körperlichen Gewalt musste ich seelische Gewalt in Form von Abwertungen/Niedermache und emotionaler Erpressung erfahren.

    Als ich meine “Eltern” mit diesem Thema vor mehreren Jahren konfrontierte, leugneten sie zunächst alles, mit dem Kommentar, ich sei ja wohl verrückt. Später haben meine “Eltern” die Gewalt zugegeben, mit dem Kommentar, das hätte “man” aber früher so mit Kindern gemacht und ich sei aber ja immer so eigenwillig gewesen.
    Meine “Eltern” fühlen sich absolut im Recht und wollen heute davon nichts mehr wissen – es sei nicht ihre Schuld, ich sei einfach überempfindlich.
    Auch mein Geschwister (= Lieblingskind, keine (!) Gewalterfahrungen, durfte einen eigenen Willen haben) steht ganz auf der Seite unserer “Eltern”.

    Inzwischen habe ich den Kontakt zu den “Eltern”, meinem Geschwister und der gesamten Verwandtschaft (steht ebenfalls hinter meinen “Eltern”) eingestellt. Nein, ich kann und will mich nicht weiter selbst verleugnen. Ebenso wenig kann ich meinen “Eltern” Tochterliebe entgegenbringen. Und mir ist es auch absolut egal, was unsere – größtenteils elternschonende – Gesellschaft zu meinem Beenden des Kontakts sagt. Und vergeben – wie es leider viele Therapeuten/Psychologen immer wieder von von elterlicher Gewalt Betroffenen fordern – kann und will ich meinen “Eltern” nicht.
    Beim Aufarbeiten meiner von Gewalt geprägten Kindheit haben mir die Bücher von Alice Miller sehr geholfen sowie auch die beiden Bücher von Susan Forward (Titel: Vergiftete Kindheit, Emotionale Erpressung).

    Ich persönlich würde es sehr begrüßen, wenn aufgrund des Buchs eine breite Diskussion starten würde in unserer Gesellschaft und auch (und gerade) in den Medien über das Thema Gewalt im Elternhaus in den Nachkriegsjahren, und gleichzeitig sich viele, damals von Gewalt Betroffene zusammenschließen würden, um gemeinsam gegen die Verjährungsfrist vorzugehen und um nachträglich Schmerzensgeld zu erhalten. Ja, dies wünsche ich mir.
    Denn bisher höre, sehe und lese ich in dem Medien hauptsächlich das Thema >Immer mehr erwachsene Kinder brechen ohne Grund den Kontakt zu ihren Eltern – die ihre Kinder mit viel Liebe und Entbehrungen großgezogen hätten – ab<.

    • Hallo,

      ich finde es mutig und stark, wie Du (auch noch nach Jahren) die Konsequenzen gezogen hast und den Kontakt zu Deiner Familie abgebrochen hast.
      Das ist ehrlicher, als sich mit den einst prügelnden, nun alternden Eltern zu arrangieren. Leider hat nicht jeder diesen Mut.
      Ich bin Ende der 60er Jahre geboren und wurde auch von meinen Eltern geprügelt. Ich erinnere mich, dass ich schon als Kleinkind regelmässig verprügelt wurde. Mein Geschwister, zwei Jahre später geboren, wurde eher selten angefasst. Ich war das schwarze Schaf in der Familie und durfte die Konsequenzen spüren. Von der Prügel mit Kochlöffel, Gurten und Riemen auf den (nackten) Po, bis hin zu massivem körperlichen Schlagen mit Fäusten und Händen, Ohrfeigen, Tritten, emotionalem Aushungern oder Beschimpfen und Einsperren war alles dabei.
      Als Jugendliche traten dann andere Auffälligkeiten zutage, da ich massiv reagierte. Wir hatten mehrmals Besuch von Mitarbeitern des Jugendamtes im Haus, auch wenn die die Tragweite garnicht erfassten.
      Meine Eltern, später darauf angesprochen, leugneten diese Gewalt und die Demütigungen.
      Mein Verhältnis zu den Eltern war nie besonders gut, meine Mutter inzwischen verstorben, der Vater lebt noch. Verzeihen kann ich keinem.

    • Auch ich finde es schrecklich, was unsere Eltern (und ich bin Jahrgang 1971!) uns angetan haben.
      Meine Eltern hatten selbst eine harte Kindheit, in der Prügel “normal” waren.
      Militärisch angehauchter Drill war an der Tagesordnung. Mir scheint, dass sich in den Familien im Kleinen das gleiche abspielte, wie im Staat im Großen: diktatorische Zustände, autoritäre, von Gewalt und Angst, Unterwerfung und absoluten Gehorsam fordernde Eltern geprägter Alltag.

      Am allerschlimmsten jedoch finde ich, dass die Eltern jegliches Schuldgefühl und jegliche Einsicht vermissen lassen.
      Wenn ich meine Eltern auf diese Vorfälle anspreche, leugnen sie alles ab, werden aggressiv, fühlen sich absolut im Recht.

      Sehr bedenklich finde ich es auch, dass das oft auch im Rahmen einer christlich geprägten Erziehung stattfand. – Wo war da der liebende und barmherzige Gott? Was für ein verzerrtes Gottesbild hatte man damals?
      Wie krass ist doch der Gegensatz zum NT: “Lasset die Kinder zu mir kommen!”?

      Eine nachdenkliche
      Andrea 2

      • Liebe Andrea, liebe Andrea 2,

        herzlichen Dank für die Antwort auf meinen Beitrag.

        Ja, es ist in der Tat schrecklich und menschenverachtend, was unsere Eltern (sogar noch mit Unterstützung der Justiz) mit uns getan haben.

        Jeder einzelne von von elterlicher Gewalt – sei es körperliche und/oder seelische Gewalt – betroffene Mensch hat mein volles Mitgefühl. Und ich wünsche jedem von uns Betroffenen, dass er/sie diese schlimmen Erfahrungen gut mit professioneller Hilfe aufarbeitet.

        Was das Beenden des Kontakts zu meiner gesamten Herkunftsfamilie angeht, habe ich diesen Weg für mich als einzige Möglichkeit gesehen, meine durch die Misshandlungen angeknackste Seele heilen zu lassen, meiner Wahrnehmung und mir selbst treu zu bleiben und die ganzen Erlebnisse ungestört aufzuarbeiten.
        Mit Therapeuten habe ich persönlich keine guten Erfahrungen gemacht. Es tauchte auch immer wieder die Forderung nach Meinen-Eltern-verzeihen-*Müssen* auf.
        Und somit habe ich meine Kindheit mit Hilfe der Bücher lt. meinem Kommentar am 7. März 2012 über mehrere Jahre schriftlich aufgearbeitet. Dies ist lediglich *mein ganz persönlicher* Weg, also *kein* allgemeingültiger Maßstab.
        Mit Sicherheit gibt es sehr einfühlsame Therapeuten, das möchte ich nicht bestreiten. Und ich möchte keineswegs alle Therapeuten in einen Topf werfen.

        An Andrea: wegen Verzeihen
        Andrea, wenn Du nicht verzeihen möchtest, dann musst Du dies auch nicht. Dies bleibt ganz *Dir* überlassen. Tu ganz einfach das, was *Dir* gut tut, denn es ist *Dein* Leben und *Deine* Gesundheit. Und es spielt auch keine Rolle, was andere dazu sagen (ja, ich spreche aus eigener Erfahrung, denn auch ich habe lange dazu gebraucht, meine – durch emotionale Erpressung – anerzogenen Schuldgefühle abzulegen).

        Zu Thema Verzeihen habe ich nochmals gegoogelt und habe auf der Seite des NetzwerkB (Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt) den Artikel “Mythos der Vergebung” gefunden. Meines Erachtens trifft dieser Artikel auf Betroffene *aller* Gewaltformen zu.
        Hier der Artikel: http://netzwerkb.org/2012/01/24/mythos-der-vergebung/

        An Andrea 2:
        Andrea 2, Du schreibst, dass sich in den Familien im Kleinen das Gleiche abspielte, wie im Staat im Großen.
        Ja, dies sehe und empfinde ich ganz genauso. Aufgefallen ist mir auch, dass viele Menschen aufgrund der damaligen Konditionierungen nicht wirklich aus ihrer eigenen Haut können, d. h. nicht wirklich ihr eigenes Leben leben und sich ständig daran orientieren, was die Herkunftsfamilie oder die Gesellschaft duldet/nicht duldet. Und so werden auch heute noch von vielen Menschen diese Konditionierungen im Familien-, Freundes-, Bekannten- oder Kollegenkreis weitergegeben, sei es durch harte Worte oder missbilligende Blicke. Ja, ich denke, es ist wirklich an der Zeit, mit vielen Mythen – und im Besonderen den damaligen Mythen Gewalt, Gehorsam, Drill, Unterdrückung etc. – aufzuräumen.

        Ich wünsche Euch beiden bei der Aufarbeitung Eurer Kindheit alles erdenklich Gute.

        Liebe Grüße
        “Ines” (nicht mein richtiger Name, sondern der meiner damaligen Barbie-Puppe)

        • Korrektur zu meinem gestrigen Beitrag

          Bei meinem gestrigen Beitrag ist mir eine Fehlformulierung unterlaufen, die eventuell zu Missverständnissen führen kann, und die ich hiermit korrigieren möchte.

          Gestern schrieb ich:
          „Ja, ich denke, es ist wirklich an der Zeit, mit vielen Mythen – und im Besonderen den damaligen Mythen Gewalt, Gehorsam, Drill, Unterdrückung etc. – aufzuräumen.“

          Richtig formuliert soll es heißen (Korrektur in *…*):
          Ja, ich denke, es ist wirklich an der Zeit mit vielen Mythen – und im Besonderen den damaligen Mythen *im Sinne von Gewalt, Gehorsam, Drill, Unterdrückung etc. ist richtig* – aufzuräumen.

          Ich hoffe, jetzt kommt richtig rüber, was ich meine.

          Ich bitte vielmals um Entschuldigung für meine gestrige Fehlformulierung.

        • Liebe Ines,

          mir hat auch das Buch “Vergiftete Kindheit” von Susan Forward sowie das Buch “Ungeliebte Kinder” (leider vergriffen) geholfen.
          Frau Forward schlägt zwei Lösungs-Varianten vor: a) entweder Versöhnung, und wenn das nicht geht b) höfliche Distanz.

          Ich habe die zweite Variante gewählt. Es ist zwar nicht befriedigend, aber man kann damit leben. Damit respektiert man die – leider uneinsichtige – Haltung der Eltern und bleibt in einem höflichen, respektvollen Kontakt, wobei man jedoch die heiklen Themen ausklammert.

          Man respektiert sie als Eltern aber nicht ihre bösen Taten.

          Eine Gegenüberstellung bringt oft nichts außer den endgültigen Bruch. Da man ja doch eine gewisse Bindung an die Eltern hat, ist diese Variante nicht für jeden der gangbare Weg.

          LG
          Andrea 2

        • Danke für den Link zum Thema “Vergeben”.
          Ich sehe es mittlerweile auch so, dass Vergebung ein Prozess ist, der auf Gegenseitigkeit beruhen soll / muss.

          Wenn der Täter keine Einsicht zeigt und aufrichtig bereut, wie kann ich ihm dann von ganzem Herzen vergeben?

          Besonders traurig ist es, wenn die Täter die eigenen Eltern sind, die man doch eigentlich liebt.
          Die negativen Taten stehen immer wie ein Hindernis zwischen Eltern und Kindern.
          Eine echte menschliche Nähe kann so nie entstehen (ich habe es nach 40 Jahren aufgegeben, Nähe zu meinen Eltern zu finden).

          Vergebung ist ein Aufeinander-Zugehen, sodass man sich in der Mitte treffen kann und die Versöhnung an die Stelle tritt, wo vorher die Taten standen.

          Manchmal habe ich auch den Eindruck, dass die Täter gar keine Versöhnung oder Vergebung wollen. Sie wollen, dass alles so bleibt wie es ist bzw. immer schon war, damit sie ihre innere Ruhe beibehalten können. Sie sehen keine Notwendigkeit, das alles aufzuarbeiten, weil sie selbst das Leiden nicht empfinden und nachvollziehen können.
          Es ist ein Mangel an Empathie gegenüber dem Kind gepaart mit einer trotzigen Verweigerungshaltung.

          Soll man das durch Verzeihen noch unterstützen?
          Wenn ich meinen Eltern offiziell verzeihen würde, würden sie es mit Genugtuung insoferne aufnehmen, als sie es als Selbstbestätigung auslegen würden bzw. als Schuldeingeständnis meinerseits oder aber es als unnötige Gefühlsduselei abtun, die an ihrem persönlichen Status absolut nichts verändert.

          Das Macht-Gefälle von Eltern zu Kind bleibt weiterhin erhalten. Den Vergleich von Mahatma Gandhi mit der Maus, die der Katze vergibt, fand ich sehr treffend.

          LG
          Andrea 2

  124. Ich habe ihr Buch jetzt weitestgehend durchgelesen. Wirklich ein sehr wichtiges Buch, das mich selbst auch in meiner Wahrnehmung bestätigt (Manchmal glaubt man ja selbst, man spinnt, weil so wenig Menschen bereit sind, sich diesem dunklen Kapitel zu stellen und oft mit Abwehr reagieren). Herzlichen Dank also für dieses Buch!! Der Titel alleine ist schon sehr mutig und zeigt schonungslos die Realität auf.

    Wenn man sich vertiefend mit der Psychohistorie (vor allem von Lloyd deMause) befasst, kommt allerdings noch weit mehr dazu (was sie ja auch deutlich anreißen). Wenn man um die Geschichte der Kindheit weiß, dann müsste man letztlich zusätzlich titeln: „Die geprügelte Menschheit“ oder, wenn man weiter historisch zurückschaut „ Die als Kind gefolterte Menschheit“ (Was für viele Regionen in der Welt auch heute noch gilt) Man wird mit Entsetzen feststellen, dass ihre Generation der Jahrgänge 50-60er Jahre zwar eine geprügelte Generation ist, aber selbst diese Generation schon das Resultat einer stetigen Evolution der und Verbesserung von Kindheit ist. Wer wundert sich da eigentlich rückblickend über die häufigen Kriege, die Folter, Hexenverbrennung, Kreuzzüge, alltägliche Gewalt, Mord und Totschlag usw. in früheren Zeiten, wenn man um diese routinemäßige Folter der Kinder weiß?

    In unserer Kultur gibt es seit einiger Zeit sehr erfolgversprechende Psychotherapieangebote. Diese Angebote sind ein gewichtiger Friedensfaktor, sowohl politisch als auch privat. Hier kann der Kreislauf der Gewalt unterbrochen werden. Wahrscheinlich sind u.a. diese Angebote ein Grund dafür, dass sich die Kindererziehung hierzulande so schnell verbessert hat. Die Leute können ihren Ballast zum Teil abwerfen und müssen ihre Kinder nicht mehr als „Giftcontainer“ missbrauchen. Aber auch überhaupt das Wissen (heute auch medial verbreitet) darum, dass es so etwas wie eine glückliche, gewaltfreie Kindheit gibt und geben sollte bewirkte wahrscheinlich schon einiges. Wenn überall nur Gewalt gegen Kinder herrscht, wie in früheren Zeiten, gibt es ja nicht einmal die Idee dafür, dass Kinder irgendwie besser zu behandeln sein sollten.

    Sie zitieren den Therapeuten Arne Hofmann mit den Worten, dass die meisten Menschen, die als Kind schwer geschlagen wurden, nicht ebenfalls zu Tätern werden. Sie zitieren auch die Therapeutin Alberti mit einer ähnlichen Einschätzung. Dies mag heutzutage zum Teil richtig sein, ganz sicher sogar (auch wenn manche Eltern heute Schläge durch Ritalin oder psychische Gewalt zu ersetzen scheinen), aber dies galt nicht in Zeiten fehlender Hilfsangebote und alternativer Konzepte. Wenn jede geschlagene Generation zu einem Drittel oder zu 10 % oder auch nur zu 5 % auf Gewalt gegen die eigenen Kinder verzichtet hätte, wäre ihre Generation sicher nicht die geprügelte Generation. Nein, historisch gaben die Eltern stets das weiter, was sie selbst erlebt hatten, mit häppchenweisen Verbesserungen, die eine langsame Evolution in Gang brachte, die sich in unseren Breitengraden rasant beschleunigt hat. Zum Schluss noch einen wichtigen Linkhinweis (neben meinem eigenen Blog oben) : http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46174518.html

    • Die Eltern gaben nicht nur die Schläge weiter, die sie selbst in ihrer Kindheit erlebt haben.
      Sie hatten auch ein enormes Bedürfnis, sich zu rächen. Die Rachegelüste der Elterngeneration wird immer noch tabuisiert.

      Ich habe oft Schläge erhalten, wo es nicht darum ging, mich für einen Fehler zu bestrafen, sondern es waren Schläge, die aus reiner Willkür statt fanden – daher empfand ich sie als doppelt schmerzhaft und ungerecht.

      Ich sah den glühenden Hass in den Augen meines Vaters, wenn er mich schlug. Diese Lust, sich zu rächen, der tief sitzende eigene Frust.

      Mir wurde auch immer das Gefühl gegeben, ich müsse eine Schuld abbüßen bzw. etwas abdienen. Diese vermeintliche Schuld erschien mir wie ein riesiger unsichtbarer Berg, der niemals bewältigt werden kann. – Eine Schuld, die sich über viele Generationen aufgebaut hatte, und die ich nun als kleiner Mensch abtragen sollte.
      Meine Eltern erwarteten von mir die Haltung des Büßers, stets demütig ergeben, sollte ich die Schläge entgegen nehmen.
      Anfangs habe ich noch geweint, wenn ich geschlagen wurde. Dann aber merkte ich, dass das die Lust meiner Eltern am Schlagen noch steigerte.
      Also änderte ich meine Strategie und ließ die Schläge wortlos über mich ergehen, ohne jegliche Gefühlsregung zu zeigen. Ich schützte mein Inneres und ließ die Schmerzen einfach an mir abperlen. – Da verging meinem Vater plötzlich die Lust am Zuschlagen.

      Es gab einige Situationen in meiner Jugend, die durchaus brenzlig waren. Wäre meine Mutter nicht in der Nähe gewesen (die aber auch oft nicht aktiv eingegriffen hat), wäre ich wohl heute nicht mehr am Leben.

      Es wäre auch mal interessant, zu ermitteln, wie viele Kinder seit dem 2. Weltkrieg durch die “elterliche Fürsorge” zu Tode gekommen sind.

  125. Bereits vor über 40 Jahren erschienen die ersten Bücher von Alice Miller, in denen sie die Auswirkungen der schwarzen Pädagogik nicht nur im einzelnen Leben von Betroffenen darstellte, sondern auch die gesellschaftlichen Folgen. Alice Miller wurde von ihrer eigenen Zunft der Psychoanalytiker wie eine durchgeknallte Außenseiterin behandelt. Man machte sich über sie lustig und meinte, sie übertreibe maßlos. Appelle, die zum Verbot von Prügelstrafen an Kindern führen sollten, an die UN oder den VAtikan verhallten ungehört. Vor zwei Jahren starb Alice Millerteils resigniert, teils noch immer wütend über soviel Ignoranz.
    Es ist wichtig, daß sie nicht vergessen wird.
    Ich gebe zu bedenken, daß es gleichwohl nicht nur die körperliche Züchtigung ist, die Kindern das ganze Leben zerstören kann – es mag sein – was ich aber bezweifele – daß körperliche Strafen in den Familien nicht mehr so häufig sind wie noch vor 20 oder 40 Jahren. Der elterliche Psychoterror ist auf erschreckende Weise noch immer virulent.
    Wie blind und taub Eltern gegen das kindliche Leid sind habe ich z.B. bei einer tagelangen Diskussion auf dem Internetforum der “Neuen Westfälischen” vor geraumer Zeit erfahren. Die Zeitung brachte eine Meldung über eine Mutter, die ihr zweieinhalbjähriges Kind auf eine Polizeiwache geschleppt hatte, nachdem es, beim Einlaufen quengelig geworden, einen wackligen Mercedesstern in einem unbeobachteten Augenblicke von einem Auto abgerissen hatte. Die Polizisten sollten dem Jungen mal eine Zelle zeigen, damit er gleich wisse, was mit solchen Kindern geschähe.
    Die Poster machten sich lustig über das Kind: es würde ja gleich ganz früh merken, wo der Hammer hinge, es würde sich überlegen, nochmal zu quengeln, sowas könne einem Kind auf keinen Fall schaden, kriegte ich entgegengehalten, als ich die Grausamkeit dieser Tat betonte. Man versuchte mich als Kuschelpädagogen abzuqualifizieren, als Hysteriker usw.
    Die Unsensiblität gegenüber dem Erlebnishorizont eines so kleinen, kaum der Sprache mächtigen Kindes war erschreckend; und das auch bei Eltern der jüngeren Generation.
    Es ist jene strukturelle Grausamkeit, die unsere Gesellschaft nach immer zum Wegsehen und Schulterzucken bringt.
    Mit diesem einen Buch ist es nicht getan!

    • Sehr geehrter Herr Brosche,

      ja da haben Sie völlig recht.
      Die Bücher von Alice Miller haben mir vor dreissig Jahren schon sehr geholfen, zu verstehen, was mich damals so krank gemacht hat (schwere Zwangsneurose und Depressionen, mehrere Selbsttötungsversuche).
      Ich habe drei Geschwister, der ältere Bruder hat zwanzig Jahre studiert (mein Vater hat tatsächlich so lange seinen Unterhalt bezahlt) ohne sein Studium erfolgreich zu beenden, er ist lebensunfähig und lebt auf Kosten seiner Ehefrau. Eine Schwester wurde nach jahrelangen Aufenthalten in wechselnden Psychiatrien vom Gericht unter Betreuung gestellt und lebt nun in einer Wohngruppe psychisch kranker Menschen. Ich selber leide bis heute unter Depressionen, Angstzuständen und Zwängen und habe mein Leben mit Hilfe meiner Frau und Therapeuten gerade so im Griff. Meine jüngste Schwester hat ihr Leben am besten im Griff, will sich aber ihren Erinnerungen an ihre schreckliche Kindheit nicht stellen.
      Wir waren täglich mit Prügeln bedroht, für nichts und wieder nichts gabs Abends Schläge vom Vater für einen nach dem anderen, wenn die Mutter meinte, wir seien nicht “brav” genug gewesen. Wir wurden von der Mutter mit Kochlöffeln und Holzbügeln gefügig geprügelt.
      Dazu kam emotionaler Missbrauch durch beide Elternteile, und ich durfte mich der besonderen Ehre erfreuen von meiner Mutter auch latent sexuell missbraucht zu werden. Meine Mutter war Alkoholikerin, mittags schon so besoffen, dass sie nicht mehr in der Lage war, uns das Mittagessen zuzubereiten. Wir alle haben Schrecklichstes erlebt, in dunkelste Abgründe gesehen und waren völlig alleingelassen. Wir waren nichts wert, eben nur Kinder.
      Alle haben wir den Kontakt zur Mutter abgebrochen, zum Vater hat nur noch die Jüngste Kontakt und für unsere Eltern sind wir einfach undankbar und schlecht.
      Verachtung und Demütigung der Kinder wurden systematisch angewendet, weil Kinder nun einmal gebrochen werden mussten, damit sie willfährige und gehorsame Diener ihrer Eltern würden.
      Ach ja, das Ganze fand in einem Arzthaushalt statt, Vater ist Rotarymitglied und spielte nach aussen den feinen Herrn. Schloss er die Haustür hinter sich liess er sich völlig gehen und mutierte zu einem Schwein, dass Frau und Kinder terrorisierte.
      Leider leben wir in einer Gesellschaft, die das Leid von Kindern in der eigenen Nachbarschaft nicht sehen und erst recht nicht ernst nehmen will. Mich macht das so wütend!

      • Hallo Markus,

        ich hoffe, Sie verstehen es richtig, wenn ich Ihre Geschichte als “typisch” bezeichne. Es gibt sie leider vieltausend Male auch noch heute. Es gibt so viele Menschen, von denen man behauptet sie “kriegen ihr Leben nicht in den Griff”. Es sind Menschen wie Sie, mit schwersten Verletzungen, über die leider entweder der Mantel des Schweigens oder Vergessens gebettet wird oder diese Verletzungen werden rücksichtslos “vom Tisch gewischt”. Dabei zeigen diese Verletzungen eigentlich etwas Ungeheures: sie zeigen, daß Menschen anrühbar sind, daß sie empfinden können und eben nicht, wie immer noch behauptet wird, daß Kinder (die dann zu solch gebrochenen Erwachsenen werden) egozentrisch und gefühllos wären. Gefühllos sind die, die sich über diese schändlichen Verletzungen durch Eltern lustig machen oder stracks behaupten, man müsse vergessen und vergeben können.
        Und noch etwas finde ich ungeheuerlich: man darf zwar inzwischen “eingestehen”, daß man psychische Probleme hat oder zum Therapeuten geht; aber man darf nicht über die Ursachen sprechen: so kommt es z.B. zu der massenhaften “Ausrede”
        “burnout”. Ein seriöser Diagnostiker würde natürlich von Depressionen sprechen – aber der burnout täuscht ja vor, jemand habe “ordentlich funktioniert” und sich dabei übernommen; das rechtfertigt den “Zusammenbruch” – und man hofft darauf, daß eine Therapie den alten Zustand wieder herstellt, den des “richtigen Funktionierens” (was immer man absurderweise darunter versteht). Letztendlich wird mit solchen “Modekrankheiten” der wahre Hintergrund des Zusammenbruchs verschleiert. All dies hat Alice Miller mehrfach beschrieben; ebenso Lloyd de Mausse und andere.

        Sie, Markus, beschreiben ja nicht nur Schläge und körperliche Gewalt. Man könnte sogar sagen, daß die Schmerzen nocvh halbwegs aushaltbar gewesen waren (aber das ist bei den Dingen, die Sie beschreiben schon fast zynisch); es ist die Erniedrigung, die Abwertung, die die wahre Grausamkeit der elterlichen Macht – ob durch physische oder psychische Gewalt ausgeübt – darstellt. Tatsächlich geht es also um Herrschaft, ums Beherrschen – I can make you and I can break you! Eltern halten sich an ihren Kindern für das schadlos, was sie in ihrer eigenen Kindheit erdulden mußten.
        Will man diesen Teufelskreis durchbrechen, erfordert es Verstehen, Einsicht, Mut und Kraft, die die wenigsten Menschen wirklich haben. Ihre Lebensbeschreibung zeigt, was es bedeutet, wenn man die elterlichen Grausamkeiten und ihren Machtanspruch erspürt und durchschaut. Man kann daran zerbrechen.
        Die Doppelstandards unserer Gesellschaft haben sie genau beschrieben: VAter Arzt und Rotarier – das “muß” ja schon ein anständiger Mensch sein und das, was seine Kinder über ihn berichten ist Verleumdung! Was Sie über sich und Ihre Geschwister berichten ist eine bittere Wahrheit. Es ist aber ein gutes Zeichen, daß Sie wütend sind. Das führt dazu, daß man den Mund aufmacht ud sich nicht mehr alles gefallen läßt. Da ich sehr ähnliche Erfahrungen gemacht habe, kann ich Sie völlig verstehen. Ich wünsche Ihnen weiter Mut und Kraft!

        • Es scheint auch signifikant zu sein, dass gerade in nach außen hin gutbürgerlichen Familien die Brutalität und der Psychoterror besonders groß waren.

          Je perfekter und seriöser die Fassade, desto derber der Umgang mit den Kindern.

          In meiner eigenen Familie, ebenfalls gutbürgerlich, Großvater Finanzbeamter, Eltern Lehrer, waren diese rigiden Erziehungsmethoden gang und gäbe.

          Hätte man das damals öffentlich gemacht, hätte es niemand geglaubt. Es wäre sofort als Verleumdung bezeichnet worden.

          Da es untereinander kaum Austausch gab, und die Brutalitäten stets gut unter Verschluss gehalten wurden, dachte jedes Kind, es sei ein “Einzelfall”.

          Mittlerweile wissen wir aber, dass es eher ein Massenphänomen ist.

  126. Oha ja, danke für das Buch. Etwas schreit danach, es offen zu machen, heraus zu brüllen in die ganze Welt. Diesen Schmerz, die Wut, die heraus will, aber nicht die richtige Adresse findet. .
    Mein Bruder so geschlagen und psychisch misshandelt, das er nicht arbeitsfähig ist und bis heute unter massiven Angststörungen leidet. Ich selbst – schwere dissoziative Störung, zwar im Beruf und ” erfolgreich” aber auch sehr gehandicapt, lange Phasen, in denen ich Menschen außerhalb meines Berufes nicht ertrage. Hoffe, diese Initiative findet Gehör, bin gespannt auf das Buch und mehr…….

    • Zu den Folgen der brachialen Erziehungsmethoden kann ich auch etwas beisteuern:
      Durch die brutalen Erziehungsmaßnahmen meines Großvaters gegenüber seinen 4 Kindern entstanden folgende Schäden:
      Kind 1: “Verschlagener” Blick, notorischer Lügner, Phantast, flüchtet sich in eine künstliche Realität. Ehe geschieden, pädophile Neigungen. Eigene Kinder massiv misshandelt, sodass sie außer Haus in Pflege gegeben werden mussten, um Schlimmeres zu verhindern.
      Kind 2: Heute eine schwer kranke Frau, körperlich und seelisch ein Wrack. Ehe geschieden. Kinder suchtkrank (Sohn spielsüchtig, Tochter leidet an Bulimie).
      Kind 3: Meine Mutter: leidet an einer Persönlichkeitsstörung, extreme Minderwertigkeitsgefühle gepaart mit unterschwelligen Aggressionen, starkes Bedürfnis nach Macht und Autorität.
      Kind 4: Das Nesthäkchen. Bekam von der Brutalität am wenigsten mit, hatte ein relativ normales Leben, jedoch mittlerweile auch geschieden. Neigt zum Alkohol. Die Kindheit holt ihn wieder ein …

  127. Hallo,
    ich bin durch ein Interview auf das Buch aufmerksam geworden und habe auf Ihrer Homepage schon einiges gelesen. Ich werde mir das Buch auf jeden Fall kaufen und bin gespannt, in wie weit es neue Informationen für mich bereit hält. Ich selbst wurde nie geschlagen. Für mich ist vor allem auch interessant, wie dieser spektakuläre Wandel entstand. Derzeit dürften nach aktuellen Studien ca. die Hälfte der deutschen Kinder keinerlei körperliche Gewalt durch die Eltern erfahren. Früher waren es über 90 % und heftige Schläge mit Gegenständen waren weit verbreitet. Ich bin mir sicher, dass dieser Rückgang der elterlichen Gewalt sehr viel mit der Demokratisierung unserer Geselslchaft zu tun hat. Wir werden immer friedlicher, flexibler, freier, offener und vor allem emotionaler, weil die Kindheiten immer friedlicher werden. Das sind Zusammenhänge, die öffentlich kaum besprochen werden. Wenn Sie mögen besuchen Sie meinen Blog, wo sie ausführliche Infos zum Thema finden.

    Herzlichen Gruss
    .

  128. Sehr geehrte Frau Müller Münch, ich habe mit großem Interesse Ihr Buch gelesen … es war längst überfällig, dass diese “Generationskatastrophe” thematisiert wurde. Ich habe vier Kinder, bin siebenfache Großmutter und es vergeht trotzdem kein Tag ohne Flashbacks die auf meine Kindheit zurück zu führen sind. Das Beste an den “achtundsechziger” war und ist für mich die Abschaffung der Prügelstrafe … Ich danke Ihnen für ihr Buch!!

  129. „Ich sehe heute mehr denn je, dass mein Vater ein sehr grosser Künstler war. Ich weiss aber nicht, ob seine Liebe zu uns vier Kindern grösser war als seine Demütigungen. Es heisst, ein grosser Geist reift nur in Ruhe. Auch wenn er vielleicht mit uns überfordert war, aber immerhin hatten wir zu seinen Lebzeiten zwei Haushaltshilfen, dann kann ich ihm nur ganz schwer verzeihen, welche Angst er uns ganz kleinen Kindern auf dem Weg ins Leben mitgegeben hat. Du, Birgit, verzeihst Deinem Vater diesen Liebesentzug? Du hast ein grosses Herz.“

  130. Hallo,
    ich bin Jahrgang 43. Zu Hause gabs schon mal was hinten drauf, aber nur von meiner Mutter. Der habe ich aber mit ca 14 den Handfeger abgerungen und dann war damit Schluss. Was mich aber bedrückt ist das Schicksal eines Kindergarten- und Grundschul- und tw Gymnasiumfreundes, den ich vor 3 Jahren in Bxxxx (weit weg) wieder getroffen habe. Der musste in den Keller, damit die Nachbarn sein Schreien nicht hörten. Grausam. Dass es dieser Junge noch zu einem sehr anständigen Menschen gebracht hat, finde ich großartig und erstaunlich. Er hat auch nur 1/3 geerbt, weil der Bruder so brav war und deshalb 2/3 bekam. Mit seinem Vater hat er darüber zu reden versucht, es ist aber nichts dabei heraus gekommen. Das Abi hat er (mit Bavour) erst mit 30 gemacht. Die Lehre mit ca 21 mit sehr gut abgeschlossen. Alles das zählte wenig, weil er (viel braver als ich) sich nicht den Wünschen der Mutter anpasste. Dann war er viele Jahre ein in seiner Exilstadt bekannter Sänger (mit großem Musiktalent am Klavier) und Frauenschwarm. Nach dem Abi ist er Arzt geworden. Ich habe mich riesig gefreut ihn so wohlbehalten durch einen Internetzufall wiederzufinden und zu treffen. Ich freue mich so, dass er trotz allem so ein Menschenfreund geblieben ist.

  131. Ich bin so foh, dass dieses Thema endlich öffentlich angesprochen wird und das Leiden der geprügelten Kinder endlich ernstgenommen wird.
    Meine drei Geschwister und ich wurden schon ab dem Kleinkindalter vom Vater und der Mutter geschlagen und täglich mit Schlägen bedroht wegen nichts und wieder nichts.
    Es ging dabei nur darum, uns durch Schläge sich untertan zu machen, und dem elterlichen Willen absolut gehorsam.
    Meine Mutter sagte mir einmal, dass ihre Beziehung zu uns für sie immer ein Machtkampf gewesen sei. So prügelte sie uns eben mit dem Holzkochlöffel oder einem Holzbügel nieder, mit vor Wut hochrotem Kopf und verzerrtem Gesicht.
    Der Vater schlug uns besonders demütigend: wir mussten uns vor ihm verbeugen, dann klemmte er unseren Kopf zwischen seine Knie und “versohlte” unseren Hintern.
    Seelische Demütigungen waren ebenso an der Tagesordnung wie andere Formen der Misshandlung und des Missbrauches. Dazu kam der Alkoholismus meiner Mutter. Was wir Kinder da mitansehen mussten und auszuhalten hatten das wünsche ich niemandem. Es war grauenhaft! Und natürlich kümmerte es unsere Eltern nicht, wie es uns damit ging.
    Der Platz reicht hier nicht aus alles zu schildern, was geschehen ist.
    Nur so viel: ich bin in einer Atmosphäre von Angst und Demütigung aufgewachsen. Kinder hatten nichts zu sagen, nichts zu wollen, Kinder waren ein Nichts.
    Ich leide heute noch täglich unter Angstzuständen, Depressionen und einem Mangel an Selbstwertgefühl, Selbstsicherheit und Selbstvertrauen. Ich kämpfe jeden Tag um die Bewältigung meines Alltages und das kostet mich soviel Kraft, dass für alles was darüber hinausgeht keine Kraft mehr bleibt. Es ist so ermüdend!
    Und natürlich wollen meine Eltern heute nichts mehr von dem wissen, was sie getan haben: Es sei alles gelogen, ich erinnerte mich falsch, es sei alles gar nicht so schlimm gewesen, es seien ungeheuerliche Anschuldigungen, die ich da äusserte, beleidigend und falsch. Der Alkoholismus meiner Mutter wird heruntergespielt, sie habe ja nur in einer schwierigen Lebenssituation etwas mehr dem Alkohol zugesprochen.
    Und als ich in der Folge all dessen, was ich erlitten hatte, psychisch erkrankte da sagte mir mein Vater ins Gesicht: Markus, das eine will ich dir mal sagen: Jedes gesunde Kind wäre mit dem, was hier bei uns geschehen ist, fertiggeworden ohne krank daran zu werden. Dass du erkrankt bist liegt einfach daran, dass du sowieso krank bist.
    Mein Vater und meine Mutter lehnen jede Verantwortung für ihre Gewalttaten ab, ein Gespräch darüber ist mit ihnen nicht möglich.

    • Den Ton kenne ich nur zu gut: “Das eine will ich dir mal sagen …”

      Das waren die seltenen Momente, wo wir mit Vornamen angesprochen wurden. Ansonsten hießen wir einfach nur “Kind” oder wurden unpersönlich angesprochen wie z. B. “Komm her”, “Geh zu Papa”, “Mutti hat dich gerufen” usw.

      Das Kind war keine eigenständige Person, sondern Untertan der Eltern, daher wurde es auch tunlichst vermieden, die Kinder mit Namern anzusprechen.
      Dabei ging es auch systematisch um die Demütigung des Kindes. Das Kind durfte sich allerhöchstens als “Anhängsel” der Eltern definieren, jedoch niemals als eigenständiger Mensch, der womöglich sogar eigene Rechte hat, sehen und wahrnehmen.

  132. ich wußte gar nicht, dass es so viele sind, dass auch andere so geschlagen wurden. was ist heute aus den geschlagenen geworden, wie meistern sie ihr leben, wie kann nähe und beziehung gelingen? ich habe die größten probleme

    • Ja, wir sind viele, es sollen fast alle sein 90 % aller Menschen werden geschlagen und gedemütigt nach der Schwarzen Pädagogik. Es lebe die Reformpädagogik. Wir müssen wachsam sein und und selbst in frage stellen. Kinder sind der beste Spiegel für Unrecht. Wir müssen uns nur trauen hineinzuschauen.
      Wenn wir uns selbst annehmen wollen, müssen wir uns um unser Wohl selbst kümmern, endlich! Ich suche täglich nach Dingen, die mir gut tun und meide meine Herkunftsfamilie, auch meine Mutter, die noch lebt und ihr Spiel weiter spielt.
      Das Buch von Frau Ingrid Müller ist für mich Halt und Trost, der Austausch ist wie eine Befreiung und endlich dürfen wir unser Leben nach unserem Willen leben und daran glauben, dass wir richtig waren. Falsch waren unsere Peiniger mit ihren Nazi-Methoden.

    • Auch ich habe Probleme, die sich allerdings im Laufe der Jahre gebessert haben.
      Besserung stellt sich dann ein, wenn man beginnt, sich von der engen Bindung an die Eltern (die nicht der Liebe entspringt, sondern so anerzogen wurde) zu lösen und das Geschehene sachlich zu reflektieren, ohne sich dabei sofort schuldig zu fühlen.
      Dabei ist der Austausch mit anderen Betroffenen auch sehr hilfreich und wertvoll.

      Viele tragen ein riesiges Bündel an Schuldgefühlen auf ihrem Rücken.
      Die angezüchteten Schuldgefühle gehören zur psychischen Gewalt, die die Eltern anwandten. Solange das Kind sich schuldig fühlt, wird es nicht aufmucken.
      Meine Eltern haben dieses Schuldig-Sein auf eine lebenslange Verpflichtung ausgedehnt, die ich ihnen gegenüber angeblich habe.

  133. Das Buch möchte ich mir nicht mehr zumuten. Ich bin jetzt 73 Jahre und habe all die Jahre seit meiner Kindheit an mir gearbeitet, habe eine eigene Familie und liebe kleine Enkel. Wenn ich mit ihnen zusammen bin, kann ich noch weniger begreifen, wie man so kleinen vertrauensvollen Menschen antuen kann was man uns antat.

    Aber die Zeiten des ersten und zweiten Weltkriegs verlangten nach einem Menschenschlag “hart wie Kruppstahl” wie man damals sagte. Und die Erziehungsmethoden lieferten ihn.

    Ich und meine Geschwister kamen in den “Genuß” einer besonders perfiden Abart: Meine Eltern handelten aus tiefer religiöser Überzeugung. Sie waren immer mit sich im Reinen und sind auch so gestorben.

    Hitler war für sie “ein tadelloser Charakter, der nicht raucht und nicht trinkt”. Alles war mit der Bibel zu erklären und zu rechtfertigen: “Es gibt keine Obrigkeit, außer von Gott”, “Wer sein Kind liebt, züchtigt es” und mein Vater in Uniform sagte: “Ohne Gottes Willen marschieren keine Heere”.

    Meine Mutter schrieb 1941 meinem Vater über mich nach Frankreich: “Der Bub hat wieder nicht aufs Töpfchen gewollt und in die Hosen gemacht. Ich habe ihn ordentlich mit dem Stock verhauen”. Der Vater lobte sie dafür: “Du bist eine gute Mutter”. (Bis zu meinem 12. Lebensjahr war ich Bettnässer).

    Alles was wir taten und nicht in ihrem Sinne war, war natürlich auch eine Sünde gegen Gott. So wurde an einen Gott delegiert und unser Gewissen entsprechend konditioniert. Das führte soweit, daß wir dem Vater einen neuen Stock besorgten, als dieser einmal auf uns zerbrach. Wir wollten doch liebe Kinder auch dieses Gottes sein.

    Aus diesem Albtraum erwacht man nur allmählich. Und nur, wenn man sich von all diesen kirchlichen Einflüssen abnabelt und strikt fern hält. Und das ist schwer genug und dauert Jahrzehnte. Denn das eigene Gewissen hält dich noch lange, lange für schuldig.

    • Ja, das ist das besonders Tragische, dass Glaube und Erziehung miteinander verknüpft wurden.
      Standard-Satz in meiner Kindheit: “Der liebe Gott hört und sieht alles, was du tust!”

      Also hatte ich mächtig Angst vor dem “lieben” Gott.

      Ich bin heute übrigens ein religiöser Mensch, allerdings nicht aufgrund meiner Erziehung, sondern weil ich eine sehr beglückende persönliche Gotteserfahrung machen durfte.

  134. Ich komme aus Frankreich und habe auch Prügel bekommen. Als Mädchen wurde man meistens weniger geschlagen als der Bruder, und schlimmer waren für mich die Erpressungen nach dem Motto: “wenn Du nicht gehorsam bist, lieben wir Dich nicht mehr”. Mein Bruder wurde besonders hart bestraft, weil er der Älteste war und weil alle Hoffnungen meiner Eltern in dem Jungen steckten. Er wurde an die Heizung festgemacht und mit dem Gurtel grün und blau geschlagen. Ich kann mich noch mit Entsetzen an seine Schreie erinnern, es sind die schlimmsten Erinnerungen meiner Kindheit, aber die Folgen für meinen Bruder sind viel gravierender, er ist sein Leben lang ein seelischer Krüppel geblieben und kommt darüber nicht hinweg. Viel Später, als mein Bruder schon längst aus dem Haus ausgezogen war,entdeckte ich in einer Kommodenschublade eine Peitsche, wovon ich aus lauter Wut die Lederriemen schnitt. Sie war wahrscheinlich für meinen Bruder benutzt worden.

    Als ich Ende der Siebziger nach Berlin kam, habe ich mit viel Befremden das ellenlange Einreden auf die antiautoritär erzogenen Kinder erlebt. Ich konnte es nicht verstehen, so tief war ich in diesem gewalttätigen Muster eingefangen. Ich denke, daß die Generation unserer Eltern einerseits das eigene Erlebte weitertradiert hat und anderseits besonders frustriert war: der Krieg hatte ihnen alles kaputtgemacht, die politischen Ideale, die privaten Träume und die beruflichen Ziele. Das ließen sie an uns aus. Wie wird die nächste Generation mit ihren Kindern umgehen, wenn sie auch ihre Ziele nicht erreicht? Kinder, laßt Euch das nicht gefallen!

  135. Sehr geehrte Frau Müller-Münch,
    vielen Dank für Ihre jornalistische Arbeit zu dem Thema ” Die geprügelte Generation.”
    Ich bin auch Jahrgang 1959 und gehöre zu den willkürlich – zur Entlasstung der Eltern – geprügelten Kinder.
    Meine gesundheitlichen Folgen sind so schwer, dass ich heute voll erwerbsunfähig bin und meine Knochen und Gelenke im Gesicht in absehbarer Zeit durch künstliche Gelenke ersetzt werden müssen.
    Mit 21 Jahren hat mich der behandelde Kieferchirurg gefragt ob ich gegen einen Bus gelaufen wäre oder anderweitig verunglückt wäre.
    Mit 17 Jahren bin ich nachts um zwei zu einer letzten Tracht Prügel aus dem Bett gerissen worden – immer mit den Worten:” Ich schlag Dich tot, du Bastard.” Ich stand nur da und dachte – tu´s doch endlich!” In der Nacht bin ich geflohen. Zwei Monate später sollte es zu einem Versöhnunggespräch kommen, in deren Verlauf mein Vater sein Jagdgewehr vom Schrank geholt hat, mir nach draussen gefolgt ist und auf mich geschossen hat. Der erste Schuss ging knapp an mein rechtes Ohr vorbei – seitdem weiß ich wie sich zischende Kugeln anhören – und beim zweiten Schuss hat meine Mutter das Gewehr hochgerissen und ich bin wieder gefüchtet.
    Das war meine Kindheit und Jugend!
    Vor zwei Jahren habe ich versucht mit meiner Mutter, der Vater ist inzwischen verstorben, über die Schüsse auf mich zu reden. Sie hat gesagt das ich eine Lügnerin bin und die Schüsse nie gefallen sind, obwohl mein damaliger Freund Augenzeuge war.
    Ich habe daraufhin den Kontakt zu meiner Mutter und zu meinen drei Geschwistern abgebrochen.
    Die Solidarität mit der auch meine Geschwister behaupten – es wäre gar nichts passiert – erschreckt mich fast noch mehr als die Ereignisse damals.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ela

    • Eines schönen Sommertags, in den 80er Jahren, wollte mich mein Vater im öffentlichen Schwimmbad ertränken.
      Meine Mutter saß auf der Liegewiese am Beckenrand, beobachtete uns und lachte nur.
      Ich hatte Todesangst und war gleichzeitig über das Verhalten beider Elternteile fassungslos.

      Mein Vater hatte mich an den Schultern gepackt und mich grinsend immer wieder und wieder unter getaucht, sodass ich kaum noch Luft bekam.
      Mit Mühe konnte ich mich aus seiner Umklammerung befreien und flüchtete aus dem Becken.

      Heute kann sich natürlich “niemand” daran erinnern …

  136. Liebe Frau Müller-Münch,

    ich bin durch den Flyer in der Zartbitter-Tüte auf Ihr Buch aufmerksam geworden und habe es schon vorbestellt.

    Wer verstehen will, wer wir sind, der muss verstehen, wo wir herkommen.

    “Wir sind nicht nur eine geprügelte Generation, wir sind viele. Wir sind die Heutigen einer langen Ahnenreihe von Geprügelten.” ( Kommentar von Jo Ling, s. u.)

    Um meine eigene Geschichte zu verstehen, die durch schwere sexuelle Gewalt in früher Kindheit geprägt ist, habe ich schon viele Bücher Ihrer Literaturliste gelesen und werde “Die geprügelte Generation” anschließen.

    Ich möchte aber gerne noch auf Arno Gruen und sein Buch “Der Fremde in uns” hinweisen. Ich habe bisher kein Buch gelesen, das es so gut verstanden hätte, das Drama einer Entwicklung zu beschreiben, die in der unvorstellbaren Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus gipfelte.

    Und wenn wir uns klar machen, dass diese Generation z.T. noch lebt und viele von uns direkte Nachkommen dieser Generation sind, dann wird klar, dass das alles überhaupt nicht lange her ist und unsere gemeinsame Geschichte tief in unseren Seelen steckt.

    Ich freue mich auf Ihr Buch!

    Herzliche Grüße.

    • Frau Müller, die Autorin, ist ja selbst – wohlgemerkt – ein Opfer und nicht aus dem Täterkreis.
      Aus den Reihen der Täter wäre wohl vermutlich nie ein solches Buch hervor gegangen, im Sinne von Selbstreflexion oder aktiver Aufarbeitung von Schuld.

      Die Legitimierung bzw. Legalisierung von elterlicher Gewalt unter anderem auch durch die Staatsmacht blendete die Schuldfrage völlig aus.
      Alles war gut und richtig so, weil auch die Gesetzgebung dies so befand.

  137. Guten Abend,

    gut das es endlich ein ausführliches Stück Literatur zu diesem, manchmal fast totgeschwiegenen Thema gibt.
    Allen Frust an seinen kindern aus zulassan war damals wohl selbstverständlich, oder? Ich glaube, es ging dabei nicht nur um Bestrafung. Das dachte ich bereits als junges Mädchen, wenn es mal wieder so richtig Senge gab. Ohrfeigen waren an der Tagesordnung und die dienten leider nicht nur zum Ermahnen, sondern wurden neben Tebichklopfer und Kochlöffel auch richtig zum verprügeln eingesetzt.
    Die bekam ich aber nur in der Form von Mutter und Tante, mein Vater gab mir nie mehrere Ohrfeigen hintereinander, dafür aber mit dem Klopfer. Blind drauf los gehauen wurde aber nicht, das hatte schon alles seine Ordnung, so kontrovers das auch klingen mag. Tat der Hintern noch vom letzten mal weh, wurde halt mehr ins Gesicht geschlagen. Klingt fast schon führsorglich, oder?
    Zum Glück wurde ich nie blutig geschlagen, Striemen am Hintern waren normal und hier- und da mal einen blauen Fleck auf den Wangen (Mutters Ring), neben intensiver Rötung und leichter Schwellung, kamen schon vor.
    Es war mir höchst peinlich, denn gerade im Gesicht trägt man die Strafe ja so zusagen “zur Schau” mit sich herum. Bevor ich am nächsten Tag zur Schule ging, machte ich mich noch heimlich an dem Pudertopf meiner Tante zuschaffen, das viel denn nicht so auf. Den Tip gab mir eine Freundin, der ähnliches widerfuhr.

  138. Die eigenen Kinder verprügeln, das ist Folter, Misshandlung, Verachtung, Verletzung, Mord, Totschlag und Zerstörung des göttlichen Geschenkes: “Mein Kind! Mein Liebstes! Mein Schatz! Mein Engel! mein Stolz! mein Alles! mein Bestes! …” .Das kleine süße Ein und Alles, ein Baby, ein Kind, schutzbedürftig, nicht fähig zu sprechen, um Gnade zu bitten, zu widersprechen, sich zu schützen, zu flüchten, in Notwehr zurück zu schlagen, es schreit aus Todesangst, wenn es geprügelt wird.

    Doch dieser Schrei aus Angst vor dem Tod, aus Wut über die Verachtung, aus Verzweiflung über die Ohnmacht, er verstummt und wird betäubt und benebelt mit verdammt falschen Herzigkeiten und schokoladigen Wiedergutmachungen hinterher, wenn die Täter das schlechte Gewissen plagt. Belohnungen auch fürs Stillhalten, für den Pakt, nicht darüber zu reden, fürs Mundtotsein.

    Nur eine Generation? Es ist doch nicht vorbei ist mit der Schinderei der Kleinen, der Geliebten. Es wird vielleicht etwas weniger dumpf und brutal gedroschen und weniger gebrüllt, denn das passt nicht in die post-68′er Erziehungslandschaft und auch nicht ins Medienereignis “Kindheit in Deutschland”. Heute werden die Kleinen verdeckter gezwickt, gezerrt, gerissen und sie werden mit Drohungen gesegnet ins Bett geschickt und gewöhnen sich an Schlafentzug und an die Angst vor dem nächsten Morgen. Und wenn sie dann ausrasten gibt es zur Beruhigung Ritalin.
    Wir sind nicht nur eine geprügelte Generation, wir sind viele. Wir sind die Heutigen einer langen Ahnenreihe von Geprügelten. Und, so wie es aussieht, sollen wir demnächst die Welt retten, vor Krisen aller Art, Finanz, Wirtschaft, Klima, Öl und Rohstoffkrisen. Da lohnt sich ganz sicher der Blick in die eigene Not. Denn die Welt ist für geprügelte, verunsicherte Menschen tatsächlich nichts als ein einziges Krisengebebiet oder aber sie wollen sich rächen, irgendwie, an der Welt. Vermutlich haben alle, die sich berauschen und betäuben am zerstörerischen, unersättlichen Umgang mit der Erde, Prügel im Leib stecken und laufen “auf Teufel komm raus” den falschen Zielen nach.

    Was können wir tun? Die durch Prügel und Drangsalierung innerlich genährten “Dämonen” kann man nicht austreiben, sind sie doch das schmerzverzerrte Bild von uns selbst… Doch es ist nie zu spät für Tränen, Wut,Empörung und Trauer und nie zu spät für eine Ende falscher Scham, ein geprügeltes, geschlagenes, verachtetes Kind zu sein. Es ist nie zu spät, sich diesem Kind, das wir sind, in Liebe zuzuwenden, mit der Liebe, die wir durch die Schrecken der Kindheit hinüber gerettet haben in unser erwachsenes Leben. Es ist nie zu spät, aufzustehen und den Kochlöffel zu brechen – nicht über die Täter, die uns als Vater und Mutter gezeugt haben… sondern über das Trauma, das uns zeitlebens fremd bestimmt, wenn wir es nicht selbst beenden.

  139. Ich gehöre nicht in die Generation der 50er oder 60er, ich bin heute 32 Jahre alt. Aber auch ich habe sehr unter den Prügeln meiner Eltern und unter ihrer seelischen Folter gelitten. Bei mir war es nicht der Kochlöffel, bei mir war es der Gürtel, bevorzugt die Gürtelschnalle, der Schuh oder die Hände! Und es war meinen Eltern auch egal, dass jeder wusste, dass ich geprügelt werde. Sogar in der Öffentlichkeit scheuten sie nicht davor zurück mich zu züchtigen. Meist ging es dabei nur um Kleinigkeiten, wie zum Beispiel den Besuch bei einer Klassenkameradin. Ich durfte nämlich keine Freunde haben, durfte nicht nach der Schule zum spielen mit anderen. Nein, ich musste nach Hause und das schmutzige Geschirr meiner Mutter wegräumen und Einkaufen gehen. Sie selbst hatte keine Lust dazu! Und wenn ich dann doch mal ohne zu fragen mit zu einer Klassenkameradin ging und sie anrief um ihr das zu sagen, bekam ich schon am Telefon gesagt, dass ich, sobald ich wieder zu Hause war, dafür Prügel bekäme. Manchmal, war die Sehnsucht nach anderen, Gleichaltrigen so groß, dass ich sogar die Prügel dafür in Kauf nahm, nur um mal rauszukommen aus dem Scheiß zu Hause. Ich sehnte mich nach den Familien, wie Klassenkameraden sie hatten, die waren im Urlaub (das gab es bei mir auch nie!!), die bekamen Mittagessen, die hatten schöne Zimmer, und und und. All das hatte ich nicht. Und irgendwann wollte mich niemand mehr als Freundin haben, ich durfte ja nichts, konnte nie mitreden über Urlaub oder sonstiges. Heute bin ich fast immer allein, habe keine wirklichen Freunde und es fällt mir schwer Kontakte zu knüpfen. Alles wäre anders, wenn ich “normale” Eltern gehabt hätte!

    • Auch ich wurde meine gesamte Kindheit und Jugend weitgehend von anderen Kindern fern gehalten. Mein Jugendzimmer war wie eine Zelle in Isolations-Haft.

      Bei mir lief es genauso, dass ich mich stets um nette Kontakte zu Gleichaltrigen bemühte, jedoch ich durfte nicht, sodass die anderen irgendwann das Interesse an mir verloren und ich der notorische Außenseiter in der Schulzeit war.

      Nach dem Unterricht hatte ich sofort nach Hause zu kommen, dann hieß es Schulaufgaben machen und “Geh auf dein Zimmer!”

      1987 erhielt ich meine letzten Schläge. Mein Vater ohrfeigte mich so lange, bis mir das Blut aus der Nase lief und meine Mutter – endlich – zu meinem Vater sagte: “Lass gut sein …”

      1988 bekam ich endgültig die letzte Ohrfeige, ich war schon 17. Meine Mutter sagte zu Vater: “Du kannst sie doch jetzt nicht mehr schlagen, sie ist doch fast erwachsen.”

  140. Ich bitte für meine Anonymität um Verständnis.

    Also, da muss ich erst einmal schlucken.

    Endlich! Endlich!

    Es gab Vorläufer. Mtgutsch´ Roman “Die Züchtigung” etwa, Horst Petris Bücher/Schriften…aber all das drang nicht ins kollektive Bewusstsein ein. Endlich wird es laut und deutlich gesagt: “Wir sind”, so schon Waltraud Anna Mitgutsch, “eine Generation von Geschlagenen!” Was Sie nicht wissen konnten resp wohl auch nicht in Ihrem Fokus war, liebe Frau Müller-Münch: Trotz aller vorgeblichen Antiautorität hätten Sie das Thema durchaus auch noch in die 70er ausdehnen können. Auch dort hat der größte Teil der Kinder noch Erfahrungen dieser Art gemacht. Das mit der antiautoritären Erziehung in den 70ern war doch sehr relativ, galt nur für wenige urbane, intellektuelle Schichten. Ich, Jahrgang 1968 (West), bin immer mal wieder zum “Kochlöffeltanz einbestellt” worden, wie es ´belustigend´ (in Wahrheit verhöhnend) hieß, meine Liebste, 1969 (ost) bekam es mit dem Ledergürtel. Und in unseren Jahrgängen sind wir keine Ausnahme, wir zählen auch da zur Mehrheit! Übrigens: ich habe meine “Senge” weder im Heim noch in einem Unterschichtenhaushalt bezogen. Meine Eltern waren Akademiker, gehörten zur erweiterten Hautvolee in der kleinen norddeutschen Kreisstadt, in der ich aufwuchs.

    Mit dem verfasser dieses “einestages”-Spiegelonline-Artikel stehe ich in Kontakt.

    http://einestages.spiegel.de/static/authoralbumbackground/22706/zur_freiheit_gepruegelt.html

    Ich selber recherchiere gerade, wenn auch unsystematisch, zu einem Bericht über Kindheit in den 70ern, über eben jene Widersprüchlichkeit, von der auch der Autor spricht: In der Schule Mengenlehre und Abkehr vom Frontalunterricht, zu Hause der Kochlöffel. Allerdings reicht meine Zeit nicht für ein regelrechtes Buch. Wenn Sie Interesse an einem Austausch haben, ggfls sogar einen Fortsetzungsband planen (würde sich lohnen!), so hinterlegen Sie hier freundlicherweise eine Antwort; ich maile Sie dann an. Öffentlich möchte ich meinen Namen nicht exponieren; dafür bitte ich um Verständnis.

    Ich bin auf Ihr Buch außerordentlich gespannt.

    mit freundlichen, gespannten Grüßen

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